Beim Autokauf entscheiden immer Kopf und Bauch gemeinsam. Viel Geld ist auch im Spiel. Eine ideale Mischung also für große Gefühle, die nicht immer eindeutig sind. Derzeit ist die Kaufzurückhaltung in Deutschland immens, das ist der Grundtenor. Dennoch stehen Autokäufer auch jetzt vor der Wahl der Antriebsart: Benziner? Diesel? Hybrid, Plug-in-Hybrid oder Elektro?
Für mich ist die Sache klar: Ich würde mir heute keinen neuen Verbrenner mehr kaufen. Und ich lege noch eine Sache nach: Ein Hybrid kommt noch weniger infrage (hier die Vor- und Nachteile). Damit hänge ich mich ganz schön aus dem Fenster, denn ich gehöre zu einer Minderheit von aktuell 12,6 Prozent der Autokäufer in Deutschland. Die Mehrheit, was sage ich, die allermeisten unterschreiben einen Kaufvertrag für ein Auto mit Verbrennungsmotor
Wer sich einen Verbrenner zulegt, den kann ich gut verstehen, denn ich teile die Faszination für Diesel und Benziner (privat habe ich beides). Auch werden die aktuellen Autos immer besser. Ich mag die gewohnte Mobilität: Der Tank ist ruckzuck voll, der Geruch beim Tanken vertraut, das Fahren bereitet ein nur schwer zu erklärendes Glücksgefühl, das beim Spiel aus Drehzahl, Gasfuß, Geschwindigkeit und harmonischer Bewegung in fast jedem Auto aufkommt. Sie merken: Autos liegen mir am Herzen. Sollte jemand denken, ich wäre ein herzloser E-Auto-Freak, der keine anderen Antriebsarten toleriert, zielt nicht auf mich. Ganz im Gegenteil, ich liebe Verbrenner!

Was AUTO BILD-Leser zum Kommentar schreiben

Walter Muckenthaler: "Verbrennerkauf ist Hochrisikowette"

Der Leser Walter Muckenthaler argumentiert: "Der Neukauf eines Verbrenners im Jahr 2024 ist eine Hochrisikowette. Ich (..) habe vor etwa zwei Wochen ein E-Auto bestellt. Ich bin mir ziemlich sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Und ich wünsche mir, dass die Politiker ein bisschen mehr Mumm haben und die notwendige Umstellung auf E-Autos endlich positiv begleiten und die Effizienzvorteile klar erläutern." Dazu führt er aus: "Ein Liter Diesel hat einen Energiegehalt von etwa 9,8 kWh (der Wert stimmt, die Red.). Bei einem Verbrauch von 7 Liter pro 100 km bedeutet das etwa 68 kWh auf 100 km. Ein E-Auto verbraucht etwa 20 kWh pro 100 km. Mit 68 kWh würde das E-Auto mehr als 300 km weit fahren."

Stephan Asmussen: "Hoher Wertverlust in kurzer Zeit"

Der Leser Stephan Asmussen berichtet über hohen Wertverlust beim Kauf eines gebrauchten E-Smart, den er im Sommer 2023 mit 10.000 km Laufleistung erwarb: "Dafür habe ich 14.500 Euro bezahlt, ein durchaus akzeptabler Preis, laut DAT. Nun stand nach einem Jahr die erste Wartung an, 800 Euro standen auf dem Plan. Noch nie habe ich so viel Geld für eine Inspektion ausgegeben. An einen Verkauf brauche ich nicht denken, aus den rund 15.000 Euro laut DAT sind nach einem Jahr 7800 Euro geworden." Händler hätten ihm für sein Auto noch 4500 Euro geboten bei Inzahlungnahme für einen Neuwagen. Er zieht den Schluss: "Ich muss feststellen, dass ein Elektroauto ein ziemliches Groschengrab ist, da helfen auch keine vermeintlich günstigen Stromkosten, wobei ich extern auch 60 Cent (pro kWh, die Red.) für Wechselstrom zahlen muss."

Menno Hoffmann aus Berlin: "NIcht ausreichende Ladeinfrastruktur"

Ein E-Auto ist für AUTO BILD-Leser Menno Hoffmann die richtige Wahl für "Leute, die sich ein Eigenheim leisten können oder neben Ikea wohnen". Er bemängelt die aktuelle Ladeinfrastruktur, denn: "Meine Mietwohnung im 3. OG hat keine Garage, keinen Carport, auch keinen Garten, nicht mal einen Parkplatz. Deshalb kann ich nicht mit meinem eigenen Schnelllader komfortabel von zu Hause aus laden, so wie es die Werbung (...) vorgaukelt. Es gibt hier auch keine brauchbaren Ladestationen, denn das einzige schwachbrüstige Laternen-Ladegerät ist unerkennbar und immer vom Verbrenner zugeparkt." Unter diesen Umständen könne er sich kein E-Auto kaufen.

H. u. M. Busse: "Die Verbrenner-Fahrer finanzieren die Infrastruktur"

Das Argument des Lesers lautet, dass Verbrennerfahrer mit ihren Steuern die Infrastruktur finanzieren: "Wenn diese riesige Einnahmequelle (...) versiegt, wie soll denn die E-Mobilitäts-Förderung finanziert werden? Die E-Mobilität ist bis auf Weiteres steuerfrei gestellt, also wo soll dann das Geld herkommen?"

Dirk Kühlwetter: "Einmal E-Auto – immer E-Auto"

Der Leser Dirk Kühlwetter meint: "Ich kann Ihnen bei jedem Punkt zustimmen. Wer einmal das passende E-Auto gefahren ist, möchte nicht mehr zurück. Ich fahre jetzt seit 18 Monaten einen XC40 P6 und bin mehr als zufrieden. Der ganz aktuelle, mit dem neuen Antriebsstrang und größerer Batterie wäre der einzige Grund, ihn einzutauschen." Er legt dem Autor des Kommentars selbst den Kauf eines elektrischen Volvos nahe.

Hans-Peter Fasel: "Kein E-Auto kommt mehr infrage"

Der Leser Hans-Peter Fasel stellt fest, der Kommentar habe ihn total wütend gemacht: "Ich fahre seit Jahren Elektroautos und wollte mir jetzt ein neues kaufen. Kein Händler hat mein gebrauchtes in Zahlung genommen, und zwar alle Marken. Das sollte man seinen Lesern auch einmal sagen. Für mich kommt keines mehr infrage."

E-Autos zu gefährlich, zu teuer, schlechte Rohstoffbilanz

Einige Leser reagieren sehr kritisch auf den Kommentar. Wegen der teils nicht angemessenen Ausdrucksweise hier einige Auszüge in indirekter Rede: Ein Leser hält E-Autos für gefährlich, zu teuer und unwirtschaftlich, es sei nach zehn Jahren Schrott, das würde eine gute Performance nicht auffangen. Er ist der Ansicht, der Unterhalt sei unbezahlbar. Ein anderer Leser widerspricht dem Argument des fehlenden Kühlwassers, der Fahrakku werde mit Wasser gekühlt (Anmerkung d. Red: Das stimmt bei einigen E-Autos, es ist modellabhängig). Ein weiterer Leser ist überzeugt, der Verbrenner sei billiger, hat eine größere Reichweite (das ist unbestritten, d. Red.), besser zu reparieren als die E-Autos. Er bemängelt die beim E-Auto-Bau verwendeten Rohstoffe, vor allem für die Batterie.

Öffentliches Laden für Mieter einer Etagenwohnung ist zu teuer

Gleich mehrere Leser wenden ein, dass das günstige Privatladen nur für Eigenheimbesitzer infrage kommt, wer öffentlich laden muss, lädt meist etwas teurer – in ihrer Wahrnehmung zu teuer.

Umweltschutz, Wartungsfreundlichkeit und Energiekosten

Und doch spricht für meine Begriffe viel gegen den Kauf eines neuen Diesels oder Benziners. Zuallererst der Umweltgedanke, denn so toll das Verbrennerfahren ist, so umweltschädlich ist es. In Millionen Jahren reifte ein Schatz an fossilem Öl in den Tiefen der Erde, um binnen weniger Jahrzehnte auf der Straße durch Einspritzdüsen gejagt und verbrannt zu werden. Wo man doch auch elektrisch fahren könnte, mit erneuerbarer Energie.
Abseits vom Umweltschutzgedanken droht in den nächsten Jahren der CO₂-Preishammer. Vorausgesetzt, das nächste Auto soll auch noch 2030 in Ihrem Besitz sein, dürften Sie sich vielleicht die Frage stellen, was Benzin oder Diesel dann wohl kosten? Antwort: Verdammt schwer zu sagen, nur eines ist sicher: Das Risiko des immer weiter steigenden CO₂-Preises ist gekommen, um zu bleiben. Momentan sind es 45 Euro pro Tonne. Werden daraus 450 Euro? Nicht ganz unwahrscheinlich. Dagegen dürften Strompreise auf Sicht fallen, in meinem Freundeskreis wird schon für 0,20 Euro/kWh geladen. Die Energiekosten auf 100 km damit? Vier Euro.
Energiekostenvergleich September 2024
Die Energiekosten für Strom liegen zurzeit bei 4,84 Euro bei Kompaktwagen und bei 5,03 Euro auf 100 km in der Mittel- und Oberklasse.
Bild: Bundeswirtschaftsministerium / BMWK
Und die zu erwartende Wartungshistorie beim Verbrenner. Dagegen beim E: kaum bewegliche Teile, kein Öl, kein Kühlwasser, kein Zahn- oder Keilriemen, kein Auspuff. Keine Einspritzanlage, keine Lichtmaschine. Das kennen Sie alles schon. Nur ignorieren die allermeisten Autokäufer diese verbrennerbedingten Faktoren, die im Kostenvergleich E-Auto oder Verbrenner für das strombasierte Fahren sprechen.

Fahrgefühl und Drehmoment sprechen fürs E-Auto

Von den schnöden Kosten zum Spaßthema Nr. 1: Selbst der bis 2023 gebaute Kleinstwagen Renault Twizy vermittelt schon elektrische Fahrfreude, von aktuellen Fahrzeugen ganz zu schweigen. Die Art, wie fast jedes E-Auto beim beherzten Tritt aufs Fahrpedal abgeht, muss man einfach erlebt haben. Wer die perfekte Fahrkultur wie beim BMW iX3 erlebt hat, will nicht mehr umsteigen. Das Auto gleitet geräuschlos wie auf Schienen über den Asphalt. Die stille Leistung aller E-Autos ist einfach perfekt.

Wie könnte sich der Wiederverkaufswert entwickeln?

Zum vielleicht schwierigsten Kapitel bei der Kaufentscheidung, an die man beim Unterschreiben des Kaufvertrags wohl nicht gleich denkt: Wer soll mein Auto mal kaufen, wenn man sich in einigen Jahren nach einem neuen umschaut? Und zu welchem Preis? Wie steht es um die Restwerte? Sie bleiben nur so lange hoch, solange es weiterhin Käufer für Diesel und Benziner gibt. Das wäre mir persönlich zu riskant.
Gebrauchte Automobile stehen auf Halde.
Die neuen Autos von heute werden die Gebrauchtwagen von morgen sein. Wie steht es um den Restwert von Verbrennern? Das ist heute nur schwer zu sagen.
Bild: Frank Hoermann/SVEN SIMON

Was ist mit der Zukunftssicherheit?

Meine Prognose: Wenn die Flottenziele der Hersteller bei den Emissionen anziehen, wenn die Gesellschaft dem CO₂-Aus entgegenstrebt, dann werden die Restwerte von Verbrennern in sich zusammenbrechen. Werden Verbrenner dann alt aussehen? Vieles spricht dafür. Selbst der Autoindustrieverband VDA fordert ein Aus für Benzin und Diesel für das Jahr 2045. Das Elektroauto dagegen? Wenn es zum Fahrprofil passt: Eine zukunftssichere Investition, denke ich.