Deutschland, das Land von Audi, BMW, Daimler, Opel, VW und Porsche fährt elektrisch hinterher. Die Jahresbilanz vom Kraftfahrzeug-Bundesamt für 2024 zeigt: Gerade mal 13,5 Prozent aller neu zugelassenen Neuwagen sind rein elektrisch unterwegs. Das ist erfreulich aus der Sicht derjenigen Betriebe, die Autos warten und reparieren. Gut auch für die Ersatzteilindustrie, die Arbeit ist weiter gesichert.
Stärkt das den Autostandort Deutschland? Keineswegs. Auch aus Umweltsicht ist das bedauerlich, denn die mittlerweile 1,8 Millionen batterieelektrischen Autos lassen sich mit dem aktuellen Strommix von 55 Prozent an erneuerbarer Energie zur Hälfte klimaneutral betreiben. Mit Entschiedenheit sprechen sich die Autofahrer hierzulande für den Verbrenner aus, das ist ein wichtiges Signal an die Politik.

Unsere Nachbarn fahren verstärkt elektrisch

Interessanterweise entscheiden sich die Autokäufer um uns herum ganz anders: In Dänemark fahren 51 Prozent aller Neuwagen rein elektrisch, in den Niederlanden sind es 34,7 Prozent. Frankreich und Großbritannien? 17 Prozent bei den Franzosen, 19,6 Prozent bei den Briten. Von Norwegen ganz zu schweigen: Unerreichte 89 Prozent aller neuen Autos sind rein elektrisch unterwegs. Blick nach Fernost: Für China sind noch keine Ganzjahreszahlen verfügbar, aber monatliche Auswertungen deuten auf 31 Prozent batterielektrischer Fahrzeuge (BEV) hin. Deutschland setzt den Kontrast: Hier sinkt der Anteil an den Neuzulassungen 2024 um ein volles Viertel.

Eingebautes Tempolimit bremst den Verkauf

Klar, in Deutschland ist die Lage speziell, denn im tempolimitfreien Land ist das Bedürfnis, so schnell zu fahren, wie es nur geht, wichtiger als in Ländern mit Tempolimit, also allen anderen. Jeder weiß: Tempo frisst Reichweite. Das ist ein mächtiges Argument gegen das E-Auto, selbst wenn nur wenige in Deutschland dauerhaft mehr als Tempo 130 fahren. Aber das Gefühl, es zu können, ist vielen Autofahrenden wichtig!

E-Auto-Scheu nicht von Kosten getragen

Mein Eindruck ist: Die echte Kostenrechnung spielt nur eine geringe Rolle (Kfz-Steuer, jährliche Wartungskosten, Reparaturen). Die weggefallene staatliche Kaufprämie? Die haben die meisten Hersteller übernommen und die Preise für E-Autos reduziert. Eine nicht ausreichende Infrastruktur? Kommt auf die Region an – und auch auf den Zeitpunkt, wann man lädt.
E-Auto an öffentlicher Ladestation BMW i3
Beim öffentlichen Laden kommt es auf die Region und auch den richtigen Zeitpunkt an. Faustregel: Laden, wenn man kann, nicht wenn man muss.
Bild: Matthias Brügge
Aber bei uns ist die Diskussion "E-Auto oder Verbrenner" emotional aufgeladen, hat es den Anschein. Da könnte es helfen, das E-Auto aus der ideologischen Ecke zu holen, es ist ein Antrieb wie andere auch. Wie wir das hinbekommen? Mit mehr Verständnis für Fahrer einer anderen Antriebsart. Und Gelassenheit.

Für die Freiheit beim Autokauf

Denn beim Autokauf sollte weiterhin jeder frei sein, und sich das Auto kaufen können, das er will. Ich persönlich würde zwar keinen Verbrenner kaufen (hier ein Kommentar dazu), aber das ist jedem selbst überlassen. Aktuell geraten die E-Autos in Deutschland ins Hintertreffen. Persönlich finde ich das schade.