Stellantis sorgt aktuell für Diskussionen im Netz. Grund dafür sind Pop-ups, die auf den Bildschirmen vieler Autos der Marke auftauchen. Anfang vergangener Woche veröffentlichte Jeep-Fahrer Zerin Dube auf X ein Bild vom Cockpit seines Grand Cherokee, wo eine "Marketing-Benachrichtigung" auf dem Display mit einem "Treueangebot" über 1500 Dollar erschien.
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Medienberichten zufolge war Dube ohnehin auf der Suche nach einem neuen Auto. Er nutzte also das Treueangebot, das Jeep direkt in seinen Grand Cherokee schickte. Andere User im Netz akzeptierten diesen Marketing-Trick eher weniger. Praktisch jeder Repost von Dubes Foto verurteilte Jeep und Stellantis, wobei auch einige Ram- und Chrysler-Fahrer den Rollout der Anzeige bestätigten. Die Kampagne erstreckt sich offenbar über mehrere Marken des Konzerns.

Nachrichten sollen "das Fahrzeugerlebnis verbessern"

Gegenüber "TheDrive.com" erklärte Stellantis, man wolle über diese Benachrichtigungen "an kritischen Punkten" mit den Fahrzeugeigentümern in Kontakt bleiben. Das System soll auch dafür genutzt werden, um Fahrer über Fahrzeugrückrufe und Gesundheitsmonitorwarnungen zu informieren.
Ziel sei es, den Kunden "das beste Fahrzeugerlebnis" zu bieten. Als Ergebnis dieser Bemühungen hat Stellantis offenbar gesehen, dass die Kunden dieses Angebot tatsächlich nutzen. Allerdings könne die Nachrichtenübermittlung über eine Hotline auch dauerhaft abgelehnt werden.

Auch VW und Tesla schalten Werbung

Dabei ist Werbung im Auto grundsätzlich nichts Neues: Nachdem Tesla mit Werbung im Infotainmentsystem für Aufsehen gesorgt hatte, zog kurz darauf auch Volkswagen nach. Beim VW ID.7 erscheinen während der Navigation Einblendungen auf dem Display – ähnlich wie man sie aus dem Internet oder dem Fernsehen kennt.
Werbung im ID.7
Auch im VW ID.7 tauchte kürzlich Werbung auf, unter anderem für Ladesäulen bei Kaufland.
Bild: Erstwolf/Reddit
In der zugehörigen VW-App findet sich eine neue Funktion, die Navigations- und weitere Display-Inhalte um Empfehlungen für Ladestationen, Restaurants oder Einkaufsmöglichkeiten ergänzt – natürlich nur mit Zustimmung des Fahrers. Doch allein die Vorstellung, dass ein teures, digital vernetztes Elektroauto Werbung anzeigt, sorgt für Diskussionen.

Vernetzte Autos als Werbeplattform?

Aus Sicht von VW eröffnet das vernetzte Fahrzeug neue Möglichkeiten, dem Fahrer Zusatzinformationen anzubieten. Empfehlungen für Tankstellen oder Ladestationen sind schließlich nichts Neues. Wenn jedoch plötzlich Supermarkt-Werbung auf dem Bildschirm erscheint, geht das vielen zu weit.
Im Grunde stimmt der Nutzer zu, während der Fahrt Hinweise von VW-Partnern zu erhalten. Beim ID.7 wirken diese Einblendungen allerdings eher wie klassische Pop-up-Werbung. Einige Fahrer sehen darin einen nützlichen Service, andere fragen sich: "Ich fahre ein Auto für fünfstellige Beträge – und bekomme Werbung im Cockpit?"
Werbung im ID.7
Praktisch oder nervig? Wenn das Infotainment plötzlich Kaffeewerbung von Netto anzeigt, ist für viele die Grenze erreicht.
Bild: Erstwolf/Reddit
Auch bei Tesla sorgte das Thema für Aufsehen. Ein Software-Update blendete im Infotainmentsystem Werbung für den Film "Tron: Ares" ein – inklusive Animationen und passender Ambientebeleuchtung. Die Reaktionen waren gespalten: Für die einen futuristisch, für die anderen der Anfang vom Ende des werbefreien Fahrerlebnisses.

Rechtlich noch eine Grauzone

In Foren und sozialen Netzwerken zeigen sich viele VW-Fahrer überrascht oder verärgert über die werblichen Pop-ups im ID.7. Besonders Besitzer teurer Modelle kritisieren Werbung im Premium-Segment. Juristisch bewegt sich das Thema in einer Grauzone: Es gibt derzeit keine klare Regelung, die Werbung im Fahrzeuginnenraum verbietet – solange sie den Fahrer nicht ablenkt und freiwillig aktiviert wird. Hersteller müssen daher auf Transparenz und Abschaltoptionen setzen. Bei VW lässt sich die Funktion in der App deaktivieren.

Praktisch oder grenzwertig?

Autohersteller suchen seit Jahren nach neuen Einnahmequellen – besonders bei Elektroautos mit geringeren Margen und hohen Entwicklungskosten. Werbung im Auto könnte ein lukrativer Weg sein – sie ist technisch leicht umzusetzen und wirtschaftlich attraktiv. Doch für viele Kunden bleibt eines klar: Werbung hat im eigenen Auto keinen Platz.