Erinnern Sie sich noch an dieses gleichmäßige, helle Rauschen beim Autofahren im Winter? Bis 1975 konnte man es hören, danach waren Spikesreifen in Deutschland verboten. Zu groß waren die Fahrbahnschäden durch die rund 100 Metallstifte, die pro Reifen einvulkanisiert sind. Heute darf man noch in Österreich, in der Schweiz und in Skandinavien mit Spikesreifen unterwegs sein. Ihre Qualitäten auf Eis sind legendär. Und deshalb gibt es sie immer noch. Denn in alpinen und arktischen Regionen funktioniert das heute übliche Auftauen von Schnee und Eis per Salzstreuung aufgrund der großen Kälte nicht immer. Dann lassen nur Spikesreifen eine sichere Fahrt zu.
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Muss man ihnen bei uns nachtrauern? Wir haben nachgemessen – in einem Spezialtest im Rahmen unseres alljährlichen Winterreifen-Tests. Mit dabei auf minus 3 Grad kaltem Eis: ein normaler Winterreifen, ein Sommerreifen, ein Spezialwinterreifen für arktische Gegenden und ein Spikesreifen. Resultat beim Eisbremsen aus 25 km/h: Sommerreifen 31,6 Meter, Winterreifen 17,7 Meter, Nordic-Winterreifen 15,3 Meter, Spikesreifen 10,6 Meter. Der Gewinn an Sicherheit ist also beträchtlich. Aber die Nachteile von Spikesreifen sind ebenso drastisch: Bei Nässe und Trockenheit fährt man damit wie auf uralten Winterreifen: träge und indifferent.

Sommerreifen versagt im Schnee

Ein Sommerreifen war auch bei unseren regulären Wintertests mit von der Partie. Er versagt naturgemäß nicht nur auf Eis, sondern auch im Schnee. Aber er zeigt den Winterreifen selbst bei kühlem Wetter, dass er die beste Wahl bei Nässe und Trockenheit ist. So müssen wir weiterhin auf den idealen Reifen warten. Der sollte bei Nässe und Trockenheit wie ein Sommerreifen sein, bei plötzlichem Schnee und Schneematsch das Profil und die Gummimischung eines Winterreifens annehmen und auf Eis zackig ein paar Dutzend Spikes ausfahren. Klingt nachvollziehbar, ist aber reine Zukunftsmusik. Bis es so weit ist, schlagen wir uns wie jedes Jahr reichlich Testtage in kalten Gegenden um die Ohren, um die Qualitäten konventioneller Winterreifen für mitteleuropäische Regionen zu ermitteln.
Im Überblick: Alle aktuellen Winterreifen-Tests

Mäßige Noten für Billigreifen

Neben bekannten und traditionsreichen Marken wie Bridgestone (Japan), Dunlop (England/Deutschland), Goodyear (USA), Michelin (Frankreich) und Pirelli (Italien) traten Reifen von Semperit (aus Österreich und seit 1985 Teil des deutschen Continental-Konzerns) sowie von Nokian (Finnland) an; dazu der südkoreanische Kumho sowie der Roadstone als Vertreter einer Billig-Reifenmarke. Der Name steht für eine Discountmarke des südkoreanischen Herstellers Nexen, wo man seit 1956 Reifen produziert, seit 2008 auch in Europa verkauft und künftig auch in Tschechien herstellen wird. Bis dahin sollten die Techniker aus Südkorea noch eifrig an ihren Gummimischungen arbeiten, wie unsere Tests zeigen. Denn der Roadstone Winguard kostet zwar nur die Hälfte eines Michelin Latitude Alpin und krallt sich nur wenig schlechter in den Schnee als dieser. Aber beim Bremsen sowie beim Kurvenfahren auf nasser wie trockener Fahrbahn kommt der Billig-Koreaner nicht über mäßige Noten hinaus. Der Vorsprung der Markenwinterreifen liegt also nicht unbedingt im Bezwingen schnee- und eisbedeckter Straßen und Wege, sondern in ihrer Ausgewogenheit.

Markenreifen zum Teil sehr teuer

Die Markenwinterreifen leisten sich keine groben Einbrüche – unter keinen Bedingungen. Ihre Leistungen sind stets mindestens befriedigend, ihre Preise dagegen nicht immer. Denn vor allem die 180 Euro, die für den Michelin von den Reifenhändlern im Durchschnitt aufgerufen werden, machen betroffen. Da summiert sich ein Satz neuer Winterreifen auf 720 Euro – ohne Montage und Wuchten. Und das bei der recht harmlosen Reifengröße 235/65 R 17, die als Standarddimension bei vielen größeren Geländewagen und SUV üblich ist. Mit 18-Zöllern oder gar 19 Zoll ist man dann schon bei 1000 Euro für einen Satz Reifen.
Titel Auto Bild Allrad 11-2014
 
Weitere Ergebnisse des Tests und die Beurteilungen der neun Winterreifen haben wir in der Bildergalerie in Kurzform zusammengefasst. Den vollständigen Bericht mit allen Daten und Tabellen gibt es in der AUTO BILD ALLRAD 11/2014 oder im Online-Artikelarchiv als PDF-Download. Dazu im neuen Heft: SUVs fürs Volk: Die Allradpläne von VW, Skoda und Seat • Fahrbericht: Erste Testfahrt im neuen Jeep RenegadeGebrauchter Audi Q5 im Test.

Bildergalerie

Winterreifen-Test, Audi Q5
Winterreifen-Test, Audi Q5, Traktions-Test
Winterreifen-Test, Audi Q5, Slalom
Kamera
Neun Allrad-Winterreifen im Test

Fazit

Der ideale Reifen ist nicht in Sicht. Unser Zusatztest mit Spikes- und Arcticreifen zeigt, dass man im Winter noch mehr Sicherheit bekommen könnte als mit den Winterreifen für unsere Breitengrade. Aber dann müsste man sich beim Autobahn- und Kurventempo stark einschränken. Das wollen wir Zentraleuropäer aber mehrheitlich nicht. Und so sind wir froh über unsere Winterreifen, auch wenn sie nur ein Kompromiss sind.