Xiaomi SU7 Max: Test
Tech trifft Tempo: Muss Porsche den Xiamoi SU7 fürchten?
Xiaomi SU7 Max im ersten Test
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Was kommt raus, wenn Technik-Gigant Xiaomi ein Auto entwickelt? Der SU7 mischt in China den Markt auf. Kann er auch hierzulande abliefern?
Bild: Christian Goes
Werfen Sie einmal einen Blick in Ihr Wohnzimmer: gut möglich, dass Xiaomi dort bereits vertreten ist. Mit Smartphones, Fernsehern oder Lautsprechern hat sich die chinesische Tech-Firma einen Namen gemacht, das Angebot in den letzten Jahren bis hin zu Rucksäcken diversifiziert. Ein Auto als Ergänzung erscheint da fast konsequent. Aber auch ausgereift?
Sein Preis macht den SU7 interessant
Im Unterschied zu den Elektronikprodukten lässt sich der fünf Meter lange Xiaomi SU7 in Deutschland noch nicht offiziell über Xiaomi beziehen. Der notwendige Weg führt über den Importeur Auto China, der das Fahrzeug hierzulande einführt und verzollt. Aus ungefähr 37.000 Euro Basislistenpreis (entspricht knapp 300.000 Renminbi Yuan) werden so inklusive zehn Prozent Zoll, Importkosten und deutscher Mehrwertsteuer 69.990 Euro. Rechtlich gilt die Limo dann dank einiger Kilometer auf dem Tacho als Gebrauchter. Zum Vergleich: Wer sich einen ähnlich motorisierten Taycan GTS konfiguriert, ist mindestens 148.800 Euro los.

Schnäppchen: Für einen importierten Xiaomi SU7 werden umgerechnet 69.990 Euro fällig – ein Taycan S kostet mehr als das Doppelte.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dabei fahren Porsche und Tesla auch im Xiaomi immer mit, zumindest in Ansätzen. Die Chinesen haben Copy Cat gespielt, Lenkrad und Sitze erinnern oberflächlich an die Zuffenhäuser, wobei das Gestühl längere – oder ausfahrbare – Beinauflagen hätte vertragen können. Menüführung und Darstellung auf dem zentralen Screen imitieren Model 3 und Co. Die eigentlichen Ursprünge des SU7 rufen Features wie eine Karaoke-App ins Gedächtnis – sowie der Umstand, dass unser Testwagen ausschließlich auf Chinesisch kommunizieren kann. Wer den Xiaomi frisch importieren lässt, bekommt die Menüs zumindest schon auf Englisch serviert.
Innenraum mit vielen Gimmicks
Ansonsten feiert der SU7 im Innenraum wie erwartet ein Tech-Fest, das beeindrucken kann: Die Software reagiert blitzschnell, lässt sich auch durch mehrere, schnell aufeinanderfolgende Befehle nicht aus der Ruhe bringen. Das Kombiinstrument dreht sich beim Start effektvoll in Szene. Dazu gesellen sich ein großes, hochaufgelöstes Head-up-Display und Gimmicks wie eine ansteckbare Leiste, über die Schlüsselfunktionen unterhalb des Bildschirms konventionell gesteuert werden können.

Design-Zitate: Lenkrad und Sitze erinnern entfernt an Porsche, Menüführung und -darstellung lassen ein wenig Tesla durchscheinen.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dazu kommen weitere Gimmicks wie ein aufsetzbares Zusatzinstrument, Leuchtleisten seitlich am Bildschirm und ein an der Rückseite des Monitors montierbarer Handyhalter. Auch in der Machart lässt sich dem SU7 kaum etwas vorwerfen: Die Materialauswahl wirkt liebevoll, die Spaltmaße sind bis auf eine Ungleichmäßigkeit an der Frontklappe einheitlich.
Fahrzeugdaten
Modell | Xiaomi SU7 Max |
|---|---|
Motor Bauart vorn | Asynchronelektromotor |
max. Leistung/Drehmoment vorn | 220 kW (299 PS)/338 Nm |
Motor Bauart hinten | Synchronelektromotor |
max. Leistung/Drehmoment hinten | 275 kW (374 PS)/500 Nm |
Systemleistung | 495 kW (673 PS) |
Systemdrehmoment | 838 Nm |
Dauerleistung | k. A. |
Vmax | 265 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben, innenbelüftet |
Testwagenbereifung | 245/40–265/40 R 20 W |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport EV |
Verbrauch* | 13,7 kWh/100 km |
Reichweite* | 800 km |
Batteriekapazität | 101 kWh |
Ladeleistung (mit Adapter) | 11/125 kW |
Systemspannung | 800 V |
Fach unter Frontklappe | Serie/105 l |
Vorbeifahrgeräusch | 74 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | -/- |
Stützlast | - |
Kofferraumvolumen | 493 l + 105 l vorn |
Länge/Breite/Höhe | 4997/1963–2140**/1440 mm |
Radstand | 3000 mm |
Grundpreis | 69.990 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 69.990 Euro |
Wir geben es ja zu: Weite Teile der Redaktion standen dem Xiaomi durchaus kritisch gegenüber. "Das erste Auto von denen – und dann gleich ein Sportwagen?" Lange hält dieses Narrativ im Kopf aber nicht stand – dazu macht sich der SU7 auf der Straße zu gut.
Längs- und querdynamisch überzeugend
Die annähernd gleichmäßig zwischen Vorder- (49 Prozent) und Hinterachse (51 Prozent) verteilten 2252 Kilogramm Gewicht versteckt er gekonnt, lenkt direkt ein, die Lenkung vermittelt ausreichend Gefühl, bietet eine angemessene Schwergängigkeit und genug Rückstellmoment. Zu den erstaunlich taktilen Elementen des SU7 zählt auch das Pedalwerk, Beschleunigung und Verzögerung lassen sich intuitiv modulieren, die Kraftverteilung zwischen beiden Achsen über das Display verschieben.

Geht wirklich sehr ordentlich: In 3,1 Sekunden sprintet der SU7 auf, Tempo 200 steht bereits nach 11,1 Skunden an.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Dass die Fahrmodi fahrwerksseitig eine eher geringe Spreizung zu bieten scheinen, die Federung auf kurzen Unebenheiten teilweise etwas ruppig anspricht – Meckern auf hohem Niveau. Die Grundzutaten sind den Chinesen mehr als gelungen.
Beim Bremsen gibt es noch Potenzial
Die Messdaten bescheinigen dem SU7 ebenfalls eine solide Performance, auch wenn sie leicht hinter dem zurückbleibt, was Xiaomi verspricht. Nach 3,1 Sekunden stehen 100 km/h an, nach weiteren acht Sekunden 200. Dazu sei gesagt, dass die Michelin-Pilot-Sport-Schlappen bereits deutlich vorbelastet waren, genau wie die Bremsen. Insofern ließ sich auch bei der Verzögerung eventuell nicht ganz das ausschöpfen, was möglich gewesen wäre. Mit 35,9 Metern (kalt) und 35,6 Metern (warm) fielen die Bremsungen eher unterdurchschnittlich aus.

Mit warmen Bremsen steht der SU7 aus 100 km/h erst nach 35,6 Metern – Bremsanlage und Reifen waren allerdings vorbelastet.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Der Verbrauch hingegen kann sich gemessen an Leistung und Gewicht mit 26,8 Kilowattstunden sehen lassen. Mit 12,2 Meter Wendekreis ist der SU7 im Alltag allerdings recht sperrig, bietet mit 403 Kilogramm eine bescheidene Zuladung. Dazu kommt: Der chinesische GB/T-Ladeanschluss muss per Adapter auf deutsch angepasst werden, per Typ 2 funktioniert das okay, macht aber nur 11 kW AC-Laden möglich.

Nicht ganz optimal: Wegen der chinesischen Anschlüsse braucht es zum Schnellladen einen sperrigen CCS2-Adapter.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Schnellladen funktioniert per sperrigem CCS2-Adapter, theoretisch mit bis zu 125 kW. Allerdings tat der Xiaomi so nicht an jeder Säule seinen Dienst. Zudem ließ sich der Ladestecker über den Adapter nicht verriegeln, konnte einfach abgezogen werden.
Wertung Xiaomi SU7 Max
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Ordentliches Platzangebot, vorn gibt’s einen Frunk. Hinten wenig Kopffreiheit, hoher Boden. | 3,5 / 5 |
Antrieb | Beschleunigung nicht ganz Werksangabe, trotzdem beeindruckend. Verbrauch und Reichweite auch gut. | 4 / 5 |
Fahrdynamik | Am meisten heraus sticht die gelungene Lenkung, der SU7 wirkt ausbalanciert, federt manierlich. | 4 / 5 |
Connected Car | Die Möglichkeiten sind hier nicht ganz die gleichen wie in China, die Vernetzung funktioniert aber. | 4,5 / 5 |
Umwelt | Großes, schweres Auto mit E-Antrieb und viel Leistung. Lokal emissionsfreies Fahren. | 3,5 / 5 |
Komfort | Der SU7 bietet alles, was das Herz begehrt, inklusive Karaoke. Nur noch kein deutsches Infotainment. | 4 / 5 |
Kosten | Heißer Preis. Schade, dass mehr Händler fehlen. Ersatzteilversorgung sowie Werterhalt ungewiss. | 3 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,6 |
Der Preis des SU7 macht ihn interessant – ansonsten verursacht ein realistischer Blick auf Wartung und Verschleiß aber etwas Bauchschmerzen. Beim Wertverlust kann derzeit niemand eine verlässliche Prognose liefern. Die Versicherungsklassen bleiben wohl Gutdünken der Unternehmen, Auto China will an alle Ersatzteile herankommen, beauftragt aber freie Werkstätten. Aktuell bleibt die Anschaffung eines SU7 somit eher ein Gedankenspiel – aber eines, das Spaß macht.
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