Xpeng G9 AWD Performance: Test
Ein Elektro-SUV in Hülle und Fülle: Xpeng G9 gefällt mit viel Luxus

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Einzeltest bei AUTO BILD – da sollte am Ende doch bitte eine klare Kaufempfehlung stehen. Manchmal ist es allerdings kippelig, zuweilen gibt es auch mal einige Wenn und manche Aber.
Xpeng hat die ersten Typen des XL-SUV, das es seit Mai 2024 in Deutschland gibt, zu früh auf deutsche Autobahnen losgelassen. Die Software spielt noch nicht ganz mit, das vermiest einen angenehmen Umgang.

Noch nicht sauber programmiert: Spurhaltekorrekturen zum Beispiel fallen beim G9 spät, stark und sehr kantig aus – das geht besser.
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Da bremst, lenkt und warnt die umfangreiche und prinzipiell sehr fortschrittliche Fahrassistenz zwar, was das Zeug hält – allerdings mit manchmal bevormundendem Eigenleben. So fallen z. B. die Spurhaltekorrekturen spät, mit unerwartet starken Eingriffen und sehr kantig aus. Daher ist das leicht überarbeitete Modelljahr 2025 ab September empfehlenswerter.
Xpeng verspricht über ein Update Besserung, und wir konzentrieren uns jetzt also auf das, was bereits gut gelungen ist. Das ist eine ganze Menge. Dafür sorgt das werksseitige Rüstzeug. Beim Testwagen – einem 69.600 Euro teuren G9 Performance mit Allradantrieb – gibt es praktisch nur zwei Kreuzchen in der Aufpreisliste zu setzen: Anhängerkupplung – Anhängelast 1,5 Tonnen – und Metalliclack.

Volle Hütte: Im Xpeng G9 fehlt es an nichts. Als Extras können nur noch Anhängerkupplung und Metalliclackierung geordert werden.
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Alles andere ist drin. Luftfederung, 21 Zoll große Leichtmetallräder, elektrische Sitze mit Belüftung, Massagefunktion für vier Sitze, 3D-Navi mit Apple- und Android-Verknüpfung, Soft-Close-Türen, riesiges Panoramadach, absolut vollständige Fahrassistenz, umfangreiche Multimediaversorgung, Premium-Sound von Dynaudio und Zwei-Zonen-Klimatisierung sind nur einige Beispiele. Das sollte für die 70.000-Euro-Liga mehr als reichen.
Fahrzeugdaten
Modell | Xpeng G9 AWD Performance |
|---|---|
Motor Bauart vorn | Induktionsmotor |
Leistung vorn | 175 kW (238 PS) |
Motor Bauart hinten | Synchronelektromotor |
Leistung hinten | 230 kW (313 PS) |
max. Drehmoment vorn/hinten/ges. | 287/430/717 Nm |
Spitzenleistung gesamt | 405 kW (551 PS) |
Dauerleistung | k. A. |
Vmax | 200 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 255/45 R 21" |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport EV |
Ladezeit (10-80 %, DC-Ladung) | 20 Minuten |
Reichweite* | 520 km |
Verbrauch* | 21,3 kWh |
Ladeanschluss | hinten rechts (CCS) |
Batteriekapazität (brutto/netto) | 98/93,1 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 11/300 kW |
Vorbeifahrgeräusch | 68 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1500/750 kg |
Stützlast | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 660–1576 l + 71 l vorn |
Länge/Breite/Höhe | 4891/1937–2190**/1670 mm |
Radstand | 2998 mm |
Grundpreis | 69.600 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 69.600 Euro |
Außerdem hat Xpeng dem G9 Performance ein äußerst pralles Elektropaket eingebaut. Heißt: Der 93,1 kWh (netto) große Akkublock versorgt zwei E-Maschinen mit insgesamt 551 PS Leistung beziehungsweise 717 (!) Newtonmeter Drehmoment.
Gemessene Reichweite von über 400 Kilometern
Auch eine Wärmepumpe gibt es ab Werk, dazu kann der G9 besonders üppig Strom nachladen – die Ladeleistung beträgt maximal 300 kW an der Gleichstrom-Säule. Der Ladestopp dauert – bei optimalen Bedingungen und dem typischen Batterieladungsfenster 10–80 Prozent – damit um die 20 Minuten. Sehr gut. Daheim an der Wechselstrom-Wallbox lädt der G9 allerdings nur mit maximal 11 kW. Das würde die Ladezeit dann auf mindestens acht Stunden erhöhen …

Ordentlich: Voll geladen reichte der 93,1 kWh große Akku für 414 Kilometer. Die Bedingungen am Testtag waren mit 22 Grad ideal.
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Im Test haben wir einen Verbrauch von 22,5 kWh pro 100 Kilometer gemessen – der Reiseradius liegt also bei rund 414 Kilometern. Ordentlich. Die Bedingungen am Testtag waren ideal, die Temperatur lag bei sommerlichen 22 Grad. (Das sind die E-Autos mit der größten Reichweite.)
Messwerte
Modell | Xpeng G9 AWD Performance |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 2,0 s |
0–100 km/h | 4,2 s |
0–130 km/h | 6,4 s |
0–160 km/h | 9,5 s |
0–200 km/h | 16,0 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 1,9 s |
80–120 km/h | 2,4 s |
Leergewicht/Zuladung | 2435/365 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 47/53 % |
Wendekreis links/rechts | 12,2/12,2 m |
Sitzhöhe | 655 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 36,1 m |
aus 100 km/h warm | 37,8 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 55 dB(A) |
bei 100 km/h | 61 dB(A) |
bei 130 km/h | 66 dB(A) |
bei 160 km/h | 71 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 14,5 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 22,5 kWh/100 km (+6 %) |
Sportverbrauch | 32,7 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 414 km |
Kraft hat der G9 jede Menge. Egal ob im Sport- oder Normalmodus – das durchgetretene Fahrpedal hat einen raketenhaften Vorwärtsdrang zur Folge. Erst bei 200 km/h (Tachoanzeige 212) regelt die Elektronik den G9 ein. Achtung: In dieser Geschwindigkeitszone saugt der große Kasten trotz seiner guten Cw-Werte über 60 kWh Energie aus den Batterien.
Etwas geruhsamer steht dem Xpeng aber eh besser. Denn der G9 wirkt bei hohem Tempo ungenau, die Lenkung vermittelt kaum ein präzises Gefühl. Aus der Mittellage heraus spricht das Lenksystem unverbindlich und gefühllos an, der Fahrer muss sensibel korrigieren. Beim vollen Beschleunigen haben wir zudem ab ca. 120 km/h eine leichte Vibration aus dem Antriebsstrang bemerkt.
Im Fahrwerk steckt viel Gelassenheit
Feinfühlige Fahrer werden zudem das über den gesamten Betätigungsweg hinweg weiche, puddinghafte Pedalgefühl auf der Bremse und auch innerhalb der Rekuperation bemängeln. Für den Stopp aus Tempo 100 km/h haben wir im Test mit warmen Bremsen 37,8 Meter Bremsweg ermittelt – nicht besonders toll. Und das trotz der bekannt griffigen Michelin-Pilot-Sport-Bereifung des Testwagens.

Angenehmer Reisewagen: Der Xpeng G9 läuft enorm leise, die serienmäßige Luftfederung bügelt Unebenheiten souverän aus.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Sehr gut: Der Xpeng läuft enorm leise, selbst das gigantische große Panoramadach erlaubt sich keinerlei zischenden Frechheiten. Und die serienmäßige Luftfederung arbeitet – ausgenommen nur das stoßige Anprallen der riesigen 21-Zoll-Reifen – angenehm bandbreit, gibt auf dicken Buckeln stoisch nach, ohne die Fuhre in schwammige Unruhe zu versetzen. Den Entwicklern des ESP-Systems gebürt ein dickes Lob: Der G9 meistert Ausweichmanöver und Ausflüge ins Untersteuern nämlich mit hervorragend dezenten und passenden Regeleingriffen. Ohnehin fährt sich das massige Schiff trotz seiner 2,4 Tonnen Leergewicht angenehm berechenbar und sanftmütig. Im G9 wohnt die Gelassenheit.
Bedienkonzept teilweise nervig
Im Xpeng fühlen sich aber auch einige Schrullen wie zu Hause. So ist das Bedienkonzept eher experimentierfreudig bis originell. Ein paar Beispiele: Die elektrische Lenksäulenverstellung und die Spiegelverstellung müssen jeweils erst per Touchscreen aktiviert und dann mit den Tasten am Lenkrad eingestellt werden, das Navi erklärt den Weg gern mal mit niedlichen Sprachfehlern: "Schulzone vorau …", in den Menüs gibt es Rechtschreibfehler.
Alles nicht wirklich schlimm, doch irgendwie auch nicht besonders hochwertig. Laut Xpeng soll ein Software-Update diese Fehlerchen abstellen. Das neue Modell(jahr) verfügt dann ab September auch über Apple CarPlay und Android Auto.
Wertung
Modell | Xpeng G9 AWD Performance |
|---|---|
Karosserie | Luxuriöse Einrichtung, ordentlich Platz. Passable Anhängelast, Verarbeitung im Detail nicht optimal. |
3/5 Punkten | |
Antrieb | Gute Fahrleistungen, satte Durchzugskraft. Für E-Auto hohe Endgeschwindigkeit. Traktion top. |
4/5 Punkten | |
Fahrdynamik | Schweres Auto, sicheres Fahrverhalten, Geradeauslauf etwas diffus. Bremsen mit Fading. |
3,5/5 Punkten | |
Connected Car | Drei große Displays, schöne Grafik. Navi und Smartphone-Integration Serie ab 2024er-Modell. |
4/5 Punkten | |
Umwelt | Hohes Leergewicht, keine vollumfängliche One-Pedal-Fahrfunktion verfügbar. Lokal emissionsfrei. |
4/5 Punkten | |
Komfort | Sehr hohes Ausstattungsniveau, Luftfederung ab Werk, leise Fahrgeräusche, tolle Sitze. |
4/5 Punkten | |
Kosten | Kaufpreis für diese Liga noch im Rahmen. Verbrauch auf der Autobahn hoch. Lange Garantien. |
3/5 Punkten | |
AUTO BILD-Testnote | 2- |
Das Interieur des G9 hat uns ansonsten gut gefallen, das ist stilvoll eingerichtet, routiniert verarbeitet und offenbart auch bei genauerem Hinsehen keine Nachlässigkeiten. Erstaunlich für einen gerade mal seit 2014 existierenden Hersteller. Dazu gibt es ordentlich Platz, drei große Bildschirme, angenehmes Material und vielfach verstellbare Sitze. Insgesamt zeigt der G9 gute Anlagen – warten wir also gerne das nächste Modell ab.
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