Zeekr 7X AWD: Test
China-SUV im Test: Der Zeekr 7X braucht nur noch Feinschliff

Auf dem Papier ist das SUV der chinesischen Marke Zeekr ein Tech-Gigant. Im AUTO BILD-Test muss der 7X zeigen, ob er auch im echten Leben liefert.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Geek triff Gen Z – also enthusiastischer Experte trifft um die Jahrtausendwende Geborene. So erklärt Zeekr seinen Namen. Der 7X will genau das sein: ein SUV für die jungen, wilden Digital Natives. Schnell nicht nur bei den Updates, sondern auch an der Ladesäule. Und auf der Straße.
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Innenraum zeigt sich hochwertig
646 PS leistet das 4,79 Meter lange SUV in der Vollfettstufe "Privilege" mit Allradantrieb, soll mit bis zu 480 kW Strom in den Akku pumpen. Zeekr ist Teil des Geely-Konzerns, zu dem auch Volvo, Lynk & Co oder Polestar zählen. In der Praxis legt der 7X stark los. Der 2,5-Tonnen-Koloss strahlt auch auf den zweiten Blick noch Wertigkeit aus, zeigt sich makellos zusammengebaut und sorgsam ausstaffiert.

Der anfällige Klavierlack trübt das Bild nur geringfügig. Der 7X setzt ansonsten auf wertige Materialien und wirkt solide zusammengebaut.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Der Materialmix, in unserem Fall schwarzes Nappaleder gemischt mit Holz, Kunstleder und Klavierlack, ist eher klassisch gehalten. In China lässt sich der 7X – dort eher ungewöhnlich – sehr individuell konfigurieren und wird laut Hersteller vor allem auf Bestellung gebaut. In Deutschland gibt es vorgefertigte Fahrzeuge.

In allen Richtungen gibt es hinten ausreichend Platz. Die Lehne der weich gepolsterten Sitze kann elektrisch verstellt werden.
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Erwartbar großzügig gibt sich der Zeekr in der zweiten Reihe – die Chinesen mögen das ja. Auf der weich gepolsterten Rückbank herrscht mehr Sofa-Feeling als im Möbelhaus. Auch vorn mangelt es etwas an Seitenhalt, dafür heizt, belüftet und massiert der 7X die Kehrseite der Gäste, was das Zeug hält.
Fahrzeugdaten
Modell | Zeekr 7X AWD |
|---|---|
Einbaulage | je ein Motor vorn und hinten |
Spitzenleistung | 475 kW (646 PS) |
Dauerleistung | 140 kW (190 PS) |
maximales Drehmoment | 710 Nm |
Vmax | 210 km/h |
Getriebe | Einganggetriebe |
Antrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben, innenbelüftet |
Testwagenbereifung | 265/40 R 21 V |
Reifentyp | Continental EcoContact 7 EV |
Radgröße | 9,0 x 21" |
Reichweite* | 543 km |
Verbrauch* | 19,9 kWh/100 km |
Batterieart | Lithium-Ionen |
Batteriekapazität | 100 kWh |
Ladeleistung AC/DC | 22/480 kW |
Ladezeit (10-80 %; DC-Ladung) | 16 Minuten |
Fach unter Frontklappe | Serie/42 l |
Vorbeifahrgeräusch | 65 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 2000/750 kg |
Stützlast | 85 kg |
Kofferraumvolumen | 539–1776 l |
Länge/Breite/Höhe | 4787/1930–2100**/1650 mm |
Radstand/Bodenfreiheit | 2900/172 mm |
Grundpreis | 64.990 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 68.290 Euro |
Wem das noch nicht reicht, der bekommt in der getesteten Topversion sogar elektrische Türen, die per Knopfdruck auf- und zuschwingen. Alternativ lässt sich auf weniger Hilfe umschalten. Dann unterstützen die E-Motoren nur noch, und man zieht oder schiebt selbst.
Infotainment mit einigen Marotten
Dickstes Manko im Innenraum bleibt momentan das Infotainment. Alles läuft flüssig, aber noch leistet sich der 7X so manche Marotte. Wer es wagt, sein Handy in der Ladeschale liegen zu lassen, erntet einen mahnenden Stimmhinweis: "Vergessen Sie Ihr Handy … (Pause) … nicht." Das passiert nicht nur beim Aus-, sondern manchmal auch beim Einstieg.

Die Software des Infotainments reagiert zackig auf Befehle, ist aber noch nicht frei von Übersetzungsfehlern. Und in Sachen Sprachsteuerung gibt es auch noch Optimierungspotenzial.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Selbst Sprachbefehle entgegenzunehmen, liegt dem 7X dagegen so gar nicht. Auf das "Ich höre. Bitte sagen Sie" des Sprachassistenten sagen wir "Ich muss laden" – und bekommen prompt "Jans Musik-Laden" empfohlen. Lustig, aber unpraktisch. Zeit für ein Update.
Einmal an der Säule angekommen, schluckt der 7X dann tatsächlich Strom wie Popeye Spinat. In der Spitze lagen bei uns im Test 422 kW an, von 10 auf 80 Prozent dauerte es exakt 17 Minuten. Beide Werte liegen etwas unter- bzw. oberhalb der Herstellerangabe (480 kW, 16 Minuten).
Messwerte
Modell | Zeekr 7X AWD |
|---|---|
Beschleunigung | |
0–50 km/h | 1,9 s |
0–100 km/h | 3,8 s |
0–130 km/h | 5,2 s |
0–160 km/h | 7,2 s |
0–200 km/h | 11,2 s |
Zwischenspurt | |
60–100 km/h | 1,5 s |
80–120 km/h | 1,6 s |
Leergewicht/Zuladung | 2470/520 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 47/53 % |
Wendekreis links/rechts | 11,5/11,6 m |
Sitzhöhe | 690 mm |
Bremsweg | |
aus 100 km/h kalt | 36,3 m |
aus 100 km/h warm | 35,8 m |
Innengeräusch | |
bei 50 km/h | 56 dB(A) |
bei 100 km/h | 64 dB(A) |
bei 130 km/h | 68 dB(A) |
Verbrauch | |
Sparverbrauch | 16,0 kWh/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 21,8 kWh/100 km (+10 %) |
Sportverbrauch | 30,0 kWh/100 km |
CO2 (lokal) | 0 g/km |
Reichweite | 490 km |
Dazu sei erwähnt, dass der Zeekr mit knapp 600 Ampere Ladestrom am Rande dessen operiert, was unsere Test-Ladesäule hergibt. Möglich, dass noch etwas mehr drin gewesen wäre. Wechselstrom erlaubt bis zu 22 kW Ladeleistung. Der Akku hat 100 Kilowattstunden brutto.
Fahrleistungen auf beeindruckendem Niveau
In Bewegung hinterlässt der 7X einen eher zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite mobilisiert er mit den erwähnten 646 PS und 710 Newtonmetern beeindruckende Fahrleistungen, sprintet in 11,2 Sekunden auf 200 km/h (!) und gibt mit guter Dämmung sowie kräftigem Soundsystem die komfortable Reiserakete. Angenehm ist auch der mit 11,6 Metern moderat große Wendekreis, Allradlenkung sei Dank.

Elektro-Rakete: Trotz seiner knapp 2,5 Tonnen schießt der Zekkr 7X AWD in 3,8 Sekunden auf Tempo 100. Noch beeindruckender: 200 km/h liegen bereits nach 11,2 Sekunden an.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Allerdings gibt es an allen möglichen Stellen Abzüge in der B-Note: Die Luftfederung dürfte gern feinfühliger auf kleine Unebenheiten reagieren, die launige Fahrassistenz berechenbarer arbeiten. Das gilt insbesondere fürs Ein- und Ausschalten des "Autopiloten", der mal den Dienst komplett verweigert und im nächsten Moment alle Leinen losmacht. Dann bugsiert er den Fahrer minutenlang über die Autobahn, ohne dass dieser aufgefordert wird, das Lenkrad anzufassen oder die Augen auf der Straße zu halten.
Dazu signalisiert der 7X das Annähern an die Höchstgeschwindigkeit (210 km/h) durch ein ständig blinkendes Kombiinstrument. Wer den Akku bis auf drei Prozent herunterfährt, wird dagegen nicht ein einziges Mal akustisch ermahnt. Dazu kommt ein bei höherem Tempo unruhiger Geradeauslauf.
Wertung Zeekr 7X AWD
Kategorie | Bewertung / Beschreibung | Punkte |
|---|---|---|
Karosserie | Viel Platz, hochwertige Materialien und gute Verarbeitung. Die Heckscheibe ist eher ein Schlitz. | 4 / 5 |
Antrieb | Mit massig Leistung und Top-Ladetempo zweifelsfrei stark. Schwache Rekuperation. | 4,5 / 5 |
Fahrdynamik | Viel Grip, wirkt aber nicht besonders fahraktiv. Stabile Bremse, dürftiger Geradeauslauf auf der Autobahn. | 3,5 / 5 |
Connected Car | Vieles ist vorhanden, darunter eine App fürs Auto. Den KI-Sprachassistenten konnten wir nicht finden. | 4,5 / 5 |
Umwelt | Sehr schwer und ausladend, aber lokal emissionsfrei und mit leisem Außengeräusch unterwegs. | 3,5 / 5 |
Komfort | In vielerlei Hinsicht gut – könnte aber besser sein, Assistenz unzuverlässig, Warntöne penetrant. | 4 / 5 |
Kosten | Gemessen am Gebotenen sind 65.000 Euro fair. Aber: teure Vollkasko, potenziell hoher Wertverlust. | 2,5 / 5 |
AUTO BILD-Testnote | 1,8 |
Immerhin: Oft stoppen muss man auf der Langstrecke nicht. Hält man sich auf der Autobahn ein wenig zurück und fährt Richtgeschwindigkeit, sind 439 Kilometer Reichweite drin. Nach Testverbrauch (21,8 kWh/100 km) wären es sogar 490 Kilometer. Das sorgt für Zuversicht – und für passable Stromkosten. Allerdings ist der Zeekr in einer sehr teuren Vollkasko-Klasse eingestuft.
Vollausstattung für knapp 65.000 Euro
Ob man bereit ist, inklusive Vollausstattung 64.990 Euro für den 7X zu bezahlen, dürfte nicht zuletzt vom Ausbau des Händlernetzes in Deutschland abhängen. Derzeit gibt es lediglich acht Anlaufstellen. Als wir bei "Zeekr Hamburg" vorbeifahren wollen, werden wir bis über die Grenze nach Schleswig-Holstein gelotst.

Eingermaßen fair: Für das, was er bietet, erscheint uns der Grundpreis des Zeekr 7X AWD von 64.990 Euro angemessen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Und treffen dort auf freundliche Mitarbeiter einer Bosch-Werkstatt, die aktuell die Abwicklung von Probefahrten für Zeekr übernehmen. Bald wolle man auch einen Werkstattservice anbieten, die Schulungen liefen allerdings noch, erzählt man uns. Das Interesse an Probefahrten in der ersten Woche sei groß gewesen.
Fazit
Ein wenig Abenteuerlust braucht es derzeit schon noch, um sich mit dem 7X anfreunden zu können. Aber diese Klientel gibt es – und bei der Hardware schneidet der 7X gut ab. Wenn bald Updates für die Software folgen, welche zumindest einige der sprachlichen und funktionellen Ungeschliffenheiten ausräumen, ist der 7X ein wirklich starkes Angebot. AUTO BILD-Testnote: 1,8
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