Elia-Firmengründer Hans-Jörg Köninger gibt sich pragmatisch: "Renault-Fahrer wollen keine fünfstelligen Beträge für die Fahrzeugveredelung hinlegen. Daher steht unser Name in erster Linie für professionelles, hochwertiges, aber auch bezahlbares Tuning." Mit dieser Marschroute hält er Elia seit Jahren auf Platz eins, wenn es um Nissan- und Renault-Veredelung geht. Ab und zu kommt aber auch bei Köninger der Spieltrieb durch. Dann weicht Vernunft schierer Experimentierfreude, und es entstehen gar irrwitzige Kreationen. So geschehen Mitte der Neunziger: Damals widmete er sich zusammen mit seinem Team dem ersten Twingo und dessen schwachbrüstiger 55-PS-Maschine. Die Frage nach mehr Leistung beantwortete man mit einem 12.900 Mark teuren Kompressor-Kit. Darin enthalten waren eine Zusatzeinspritzanlage, ein hauseigenes Motormanagement sowie ein Albrex-Kompressor mit bis zu 0,6 Bar Ladedruck und passendem Ladeluftkühler. Schalensitze, Komplettfahrwerk, Breitbausatz und Spoilerwerk hievten den Winzling dann endgültig auf das Preisniveau einer C-Klasse. Dennoch fanden sich letztlich stolze 54 Käufer.

Der Auftritt des Elia Twingo Evolution II ist in erster Linie böse

Elia Renault Twingo Evolution II
Bild: Wolfgang Gröger-Meier
"So etwas wäre heute gar nicht mehr denkbar", konstatiert Köninger und verweist mit Stolz auf seine Interpretation des neuen Twingo-Modells. "Heute erhält der Kunde für lediglich 4525 Euro ein komplettes Tuningpaket inklusive Leistungssteigerung." Möglich wurde dies durch eine dankbare Basis mit Turbolader ab Werk. Eine sorgsame Modifikation der Motorsoftware reicht mittlerweile aus, um 16 zusätzliche Pferdestärken antreten zu lassen. Genug der Worte. Wir verlassen die Räumlichkeiten und gehen hinaus auf den Innenhof. Dort stehen beide Charaktere bereits Modell. Fotograf Wolfgang Gröger-Meier widmet sich liebevoll allen Außendetails. Er war früher selbst Twingo-Besitzer und zeigt sich ob des radikalen Auftritts vom alten Evo II sichtlich beeindruckt: "Dieses Auto hat definitiv nichts mehr mit der charmant dreinblickenden Kulleraugenserie zu tun. Hier wirkt alles nur noch böse." Andere Reaktionen ruft da schon der neue GT-R hervor. Im Gegensatz zu seinem Vorgänger bewahrt er sich trotz Rundumverspoilerung einen Rest Niedlichkeit. Entsprechend angetan fällt auch Wolfgangs Urteil aus: "Spoilerpaket und 17-Zöller machen den neuen Twingo eine ganze Ecke schärfer. Dennoch wirkt er fast so knuffig wie sein Serienpendant."

Beim Umstieg in den Twingo GT-R spürt man die 14 Jahre Fortschritt

Elia Renault Twingo GT-R
Bild: Wolfgang Gröger-Meier
Alles andere als knuffig sind dagegen die ersten Fahreindrücke im Vorgänger. Stoßdämpfend wirkt hier allenfalls die eigene Bandscheibe. Das Fahrwerk indes beschränkt seine Arbeit auf das Unterbinden jeglicher Seitenneigung in Kurven, während der Fahrer alle Mühe hat, die heftig an der servolosen Lenkung rupfenden Vorderräder auf Kurs zu halten. Gelingt ihm das, werden seine Bemühungen mit erstaunlich flotten Kurventempi belohnt. Abgerundet wird das Fahrerlebnis der besonderen Art von einer Klangkomposition aus stets präsentem Kompressorpfeifen und unverhohlenem Vierzylinderdröhnen. Bei Drehzahlen jenseits der 3000 Touren verliert der kleine Stößelstangenmotor alle Hemmungen und zieht den Straßenfloh beachtlich voran. Gleichzeitig steigen aber auch Lärmpegel und Vibrationen im Innenraum exponentiell zur Drehzahl. Der Umstieg in Twingo Nummer zwei macht den automobilen Fortschritt der letzten 14 Jahre sofort deutlich. Bedienung und Handhabung gehen wesentlich einfacher von der Hand. Obwohl auch im Falle des GT-R-Fahrwerks von Weichspüler keine Rede sein kann, fällt der Federungskomfort um Welten besser aus.
Der Turbomotor wirkt trotz lediglich 19 PS Mehrleistung um einiges kraftvoller und verzichtet auf eine allzu penetrante Beschallung seiner Passagiere. Vibrationen sind der drehfreudigen Maschine ebenso fremd wie starke Antriebseinfl üsse in der Lenkung. So wird das fröhliche Kurvenwetzen zum Genuss, ohne dabei allzu stark an des Fahrers Physis zu nagen. Kein Zweifel: Elias Twingo GT-R gehört zusammen mit dem neuen Twingo RS zum Sportlichsten, was sich Renault-Jünger derzeit zulegen können. Das puristische Fahrgefühl des Altmeisters vermag er allerdings nicht zu vermitteln.