Zwei veredelte Sportler
Starke Sturmspitzen

Zwei Tuner auf dem Weg nach ganz vorn: Sportec und Eibach wagen sich mit zwei burschikosen Boliden in Regionen jenseits der 400 PS – ohne Netz und doppelten Turbo. Volltreffer oder Eigentor?
- Ben Arnold
England gegen Deutschland – vor allem im Fußball ein Zweikampf-Dauerbrenner. Aktuell ist good old Germany im Hintertreffen: Zehn Siegen stehen vierzehn Niederlagen gegenüber. Zwei Tuner verlagern das Duell der Nationen von Rasen auf Asphalt und schicken zwei aufgemotzte Stürmer ins Rennen. Dem britischen Aston Martin hilft paradoxerweise der deutsche Fahrwerksspezialist Eibach auf die Sprünge, beim Porsche fungiert der Schweizer Tuner Sportec als Steigbügelhalter. Beide hinterlassen bleibende Spuren: Eibach montiert ein Spoilerkit aus Carbon. Es umfasst Frontspoilerlippe und Heckflügel und soll den Auftrieb um 45 Prozent verringern. Außerdem kommen markante AEZ-Schmiederäder im 19-Zoll-Format zum Einsatz. Die exotische Anmutung des Aston kontert Sportec mit Vertrautem: Als Ausgangsprodukt hält offensichtlich der GT3 her. Eine optische Täuschung: Ein Carrera S dient als Basis, aufgerüstet mit dem bei Porsche erhältlichen Upgrade "Aerokit Cup" – starrem Heckflügel und Frontspoilerlippe. Mit 415 PS leistet das Sportec-Auto 60 PS mehr als die Ausgangsbasis – und exakt so viel wie ein GT3.
Eibach kauft die Mehrleistung in England ein

Bild: Aleksander Perkovic
Der Sportec-Porsche scheint ohne Federung zu fahren

Bild: Aleksander Perkovic
Unterm Strich geht die Rechnung dennoch auf: Auf der Rennstrecke fährt das Sportec-Auto so ziemlich allem um die Ohren. Der SP420 präsentiert sich als Rennsemmel reinsten Wassers. Auch die hinterletzten Winkel der Motorsport-Arena Oschersleben durcheilt der Pilot mit ungeahnter Schnelligkeit. Könner braucht das Land – der 911er gibt sich bisweilen tückisch. Der Grip an der Vorderachse liegt auf einem derart hohen Niveau, dass die Haftung an der Hinterachse regelmäßig zuerst abreißt. Dann sind gute Reflexe gefragt, um den Dreher zu vermeiden. Hat man sich damit arrangiert, kennt der Spaß keine Grenzen. Die Lenkung wirkt ungeahnt feinfühlig, die Schaltwegeverkürzung spart bei jedem Gangwechsel wertvolle Hundertstelsekunden, und die großartige Bremsanlage wirft zuverlässig den Anker. Ihr Druckpunkt passt, die Dosierbarkeit begeistert – eine vertrauenerweckende Lösung. Der veredelte V8 Vantage kann kaum Paroli bieten. Eibach versucht zwar, mit einem Sportfahrwerk mit zwei verschiedenen Kennlinien Boden gutzumachen. Zur Wahl stehen ein Alltags-Setup und eine deutlich härtere Rennstreckenabstimmung. Es vermag jedoch nicht, die Kastanien aus dem Feuer zu holen. Angesichts zu langer Schaltwege, zu leichtgängiger Lenkung und nachlassender Serienbremse gibt der V8 Vantage deutlich zu verstehen, dass sein bevorzugtes Revier abseits der Rennstrecke zu finden ist. Punkt für Deutschland – und vorerst keine Revanche-Chance für England. Zumindest nicht bei der nächsten EM. Schade.
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