Erst Anfang dieses Jahres präsentierte Zwift seinen ersten Smarttrainer Zwift Hub, doch schon ein halbes Jahr später folgt die zweite Hardware des E-Cycling-Unternehmens. Der neue Zwift Hub One ist ab heute für 599 Euro verfügbar – und bietet bei identischen Leistungsdaten eine spannende Neuerung, die man sonst nur von hochpreisigen sogenannten Smartbikes kennt: Statt auf einer Kassette wird das Rennrad, City- oder auch Mountainbike auf nur einen Zahnkranz gespannt, der virtuell bis zu 24 Gänge zur Verfügung stellt. Zwift Cog nennt der Hersteller das innovative Schaltsystem. Kurz vor Marktstart konnten wir uns ein erstes Bild vom neuen Zwift-Trainer machen.
Zwift Hub One im Test
Bild: BIKE BILD

Zwift Hub One: Montage, Aufbau, Installation

Sicher verpackt schlug der Hub One bei uns in der Redaktion auf. Tatsächlich benötigte es – Im Gegensatz zu anderen Geräten – dieses Mal nicht zwei weiterer helfender Hände, um den Rollentrainer aus dem Karton zu hieven. Für den Aufbau sollten Sie rund 15 Minuten einplanen, mehr braucht es eigentlich nicht, denn die paar wenigen Handgriffe (es müssen lediglich zwei Standbeine ans Gestell geschraubt werden) sind schnell erledigt. Das hierfür notwendige Werkzeug liegt dem Paket bei. Wichtig: Die Fläche, wo der Zwift Hub One stehen soll, muss möglichst eben sein, da die Standfüße in der Höhe nicht verstellt werden können, wie es etwa beim Wahoo KickR V6 geht. Der Clou kommt jetzt: Es bedarf keiner Montage einer Fahrradkassette, da der neue Smarttrainer von Zwift mit der "Zwift Cog" ausgestattet ist. Das ist ein einfaches Zahnrad, über das virtuell bis zu 24 Gänge geschaltet werden können.
Wichtig bei der Monate von Fahrrad und Smarttrainer ist eine gerade Kettenlinie. Das geht am besten so: Sie spannen das Fahrrad auf den Rollentrainer ein und müssen dann jene Gangkombination suchen, die eine möglichst gerade Kettenlinie bietet. Auch das ist schnell und einfach erledigt, allerdings war es bei unserem Testaufbau so, dass trotz einigermaßen gerader Kettenlinie der Antrieb leichte Geräusche machte – nicht störend, aber auch nicht viel leiser, als wir das von den besten Kassettentrainern gewohnt sind. Daher bedarf es wohl einer Feinjustierung der Schaltung, wenn man nahezu geräuschlos in virtuellen Welten unterwegs sein will. Mit elektronischen Schaltungen und dem Microshiftung dürfe der Prozess indes fix erledigt sein – muss aber wieder rückgängig gemacht werden, wenn man das Fahrrad wieder draußen ausführt. Der vom Hersteller proklamierte Vorteil – schneller Auf- und Abbau – muss daher in der Praxis mit einem Mini-Aber versehen werden.
Zwift Hub One im Test
Bild: BIKE BILD

Zwift Click – Schalten auf Knopfdruck

Die virtuellen Schaltvorgänge werden mit dem mitgelieferten kabellosen "Zwift Click" gesteuert, der über zwei Gummi-O-Ringe (dem Lieferumfang liegen zwei Größen bei) an unterschiedlichen Lenkerarten (Rennrad, Mountainbike, Zeitfahrrad) befestigt wird. Gekoppelt wird das Bluetooth-Gerät analog zum Trainer und Herzfrequenzgurt. Das Schalten ist so einfach, wie man es sich wünschen würde: mit je einer Plus- und Minustaste, um den Gang hoch oder runter zu schalten. Nicht mehr, nicht weniger. Hält man eine der Tasten gedrückt, verändert sich die Schaltperformance nicht. Der leichte (aber nicht zu schwere) Druckpunkt und die Haptik haben uns gut gefallen, so ließ sich die Knöpfe sogar mit dem Daumen gut bedienen.
Der Vorteil von Zwift Click ist, dass die Steuerungseinheit beliebig am Fahrrad montiert werden kann. Andererseits liegt darin auch wieder ein Nachteil – so zum Beispiel, wenn man Zwift Click am Oberlenker montiert hat, ein Rennen in der oberen Bremsgriff-Position fährt und erst umgreifen muss für den Gangwechsel. Oder stellen Sie sich vor, dass Sie während eines Sprints im Unterlenker liegen und auch hier umständlich umgreifen müssen. Aber selbst für diese Spezialfälle hat Zwift eine Lösung parat: Der neue Hub One lässt sich zusätzlich mit dem Gamecontroller Zwift Play koppeln. Seitliche Tasten an den Controllern ermöglichen dann virtuelles Schalten in allen erdenklichen Griffpositionen und bieten außerdem den Vorteil einer verbesserten Spiel-Navigation sowie Lenk- und Bremssteuerung. Zwift Play ist nur mit Dropbar-Rennradlenkern kompatibel und kann separat für 99 Euro erworben werden.
Zwift Hub One im Test
Bild: BIKE BILD

Zwift Cog – Zahnkranz mit virtuellen Gängen

Der Zwift Hub One verfügt über 24 Gänge und bot damit während unserer Testfahrten eine Bandbreite, die ausreicht, um jedes Zwift-Terrain, von Berg bis Tal, zu bewältigen. Die Übersetzung der 24 Gänge ist äquivalent zu 53/39 (vorn) und 10–38 (hinten), also beinahe eine theoretische 1:1-Übersetzung. Zwift behauptet, dass der Zwift Cog die Übersetzung des Fahrrads erkennt. Der Hersteller verspricht in seiner Pressemitteilung: "Der Hub One Trainer von Zwift eignet sich ideal für eine Vielzahl von Fahrrädern und bietet somit das gleiche Fahrerlebnis. Um die Einheitlichkeit zwischen den Fahrrädern zu gewährleisten, kann der Zwift Hub One die Übersetzungsverhältnisse an dem echten Fahrrad erkennen und die virtuellen Gänge entsprechend einstellen. Der Trainer führt dies innerhalb der ersten Sekunden jeder Fahrt automatisch (eine Kalibrierung) durch."
Wir haben den neuen Rollentrainer und das Zwift Cog-System mit der Zwift-Software getestet. Der jeweilige Gang wird im Datenfenster gut sichtbar unter dem Wattwert angezeigt. In der Ebene fuhren wir – vor dem Update! – bei rund 200 Watt im elfen bis zwölften Gang und sprinteten in Gang 18 knapp an die 1.000 Watt ran. Nach dem Update verschoben sich die Gänge deutlich: 200 Watt in der Ebene erzielten wir nach der Softwareaktualisierung auf die Firmware-Version 5.2.2 zwischen Gang 15 und 16 – und erreichten unser Wattpeak am Ende der Gangskala, was uns deutlich zu früh erschien. Wir würden daher das Übersetzungsmuster vor dem Update daher vorziehen.
Weiterhin ist der Zwift Hub – der fortan den Zusatz "Classic" im Namen tragen wird –, als Kassettentrainer (8 bis 12-fach) erhältlich und liegt preislich ebenfalls bei 599 Euro. Gleichwohl kann der Zwift Hub Classic auch zum Hub One mithilfe des Cog-Moduls umgerüstet werden. Preise hierfür lagen zum Redaktionsschluss noch nicht vor. Fest steht schon jetzt: Zwift Cog wird ausschließlich für Zwift-Smarttrainer erhältlich sein.

Fazit

von Daniel Eilers
Die Montage und Installation des neuen Zwift-Smarttrainers ist maximal einfach und schnell erledigt – top! Die Schaltvorgänge mit der Hardware "Zwift Click" sind besser, als wir das erwartet hatten. Der Druckpunkt der Tasten ist sehr gut und die Widerstandsregelung reagiert prompt, so wie man es von einer Kettenschaltung gewohnt ist. Wir wollen nochmal den einsteigerfreundlichen Preis von 599 Euro in den Vordergrund stellen, womit der neue Zwift Hub One ein tolles Angebot für Indoor-Radfahrer ist, die einen soliden Rollentrainer mit hohem Spielfaktor wünschen. Und noch eine gute Nachricht zum Schluss: Wer den Zwift-Smarttrainer bezieht, bekommt einen kostenlosen Zwift-Zugang für ein Jahr (Gegenwert: fast 180 Euro) geschenkt. Wer also plant, ohnehin das nächste Jahr auf Zwift unterwegs zu sein, bezahlt effektiv nur rund 400 Euro für den neuen Zwift Hub One. Ein Angebot, was man nur schwer ablehnen kann.