Audi A4 gegen Ford Mondeo

Vergleich Audi A4 Ford Mondeo Vergleich Audi A4 Ford Mondeo

Audi A4 2.0 gegen Ford Mondeo 2.0

— 25.02.2002

Fährt Ford nach vorn?

Zwei aus einer Klasse, die scheinbar so gar nicht in eine Klasse passen. Hier der noble Audi A4, dort der bodenständige Ford Mondeo.

Ford Mondeo: viel Auto für wenig Geld

Willkommen im Finale der Champions-League. Audi A4 2.0 gegen Ford Mondeo 2.0. Für Kenner ist die Teilnahme des Audi keine Überraschung. Er gewann sein Halbfinale deutlich gegen Mercedes C 180, BMW 318 und Volvo S60. Auf der anderen Seite aber steht ein totaler Außenseiter: Wie hat sich der Mondeo bloß ins Finale gemogelt? Nun, der fegte mal eben locker die etablierte Konkurrenz vom Platz. Und zwar so überzeugend, dass er sich für höhere Aufgaben empfahl.

VW Passat, Opel Vectra, Peugeot 406 und Mazda 626 hatten jedenfalls keine Chance. Und wer weiß, schließlich hat auch der Hamburger SV die Millionari von Juventus Turin geputzt. Und die spielen definitiv in einer anderen Gehaltsklasse. So wie hier Audi.

Der preiswerteste A4 kostet schon mal 47.624 Mark, mit Zweiliter und 131 PS. Der Mondeo hat nicht das Attribut "Premium", läuft dafür als Trend 2.0 für gerade 42.250 Mark und mit 145 PS auf. Um Chancengleichheit bei der Sicherheit herzustellen, bekam der Kölner von uns noch das ESP für 1020 Mark. Macht dann 43.270 Mark. Und selbst für diese 4354 Mark weniger gibt es noch deutlich mehr Auto.

Mit 4,73 Metern ist der Mondeo 18 Zentimeter länger und hat zehn Zentimeter mehr Radstand. Ergebnis: Vorne, wo die Sturmspitzen sitzen, sind die Platzverhältnisse noch vergleichbar, da erspielt sich der Audi sogar leichte Vorteile. Hinten in der Abwehr aber verliert er deutlich. Viel mehr Raum als im Mondeo gibt es in der Oberklasse auch nicht. Und viel weniger als im A4 selbst in der Kompaktklasse nicht.

Audi A4: tolle Verarbeitung, aber teuer

Unverfroren auch, dass Audi die geteilt klappbare Rücklehne extra berechnet. Erst für 548 Mark lässt sich der 445 Liter große Kofferraum vergrößern. Beim Ford gehört die umlegbare Rücklehne zur Serienausstattung, der Gepäckraum schluckt mit 450 Litern sowieso schon eine Handtasche mehr. Größe kann es also nicht sein, was den Premium-Charakter des Audi ausmacht.

Vielmehr ist es die Mischung aus lupenreiner Verarbeitung, perfekter Bedienung und Akribie im Detail. Audi schafft es mittlerweile, mit ganz eigenem Stil eine gediegene Atmosphäre in die Innenräume zu zaubern. Die Sitzposition hinter dem verstellbaren Lenkrad ist einfach perfekt, den Lederbezug für 362 Mark sollte man sich schon noch gönnen. Und zumindest die Vordersitze können als Lehrbeispiel für Sitzdesign dienen: straffe Polster, fester Seitenhalt, lange Auflage. Die Bank hinten dagegen ist weniger gelungen: zu klein, zu wenig Kontur. Da sitzt man in den tieferen Ford-Polstern entspannter und bequemer, vorn ist der Komfort dabei ähnlich gut.

Auch der Mondeo ist durchaus geschmackvoll eingerichtet, nur noch nicht so selbstbewusst. Schnörkelloser, glatter. Vielleicht auch ein wenig lustloser. Besonders dort, wo man nicht ständig hinguckt, stecken viele Nachlässigkeiten. Bei ihm ist die Bodenmatte im Gepäckraum locker eingeworfen, die vier dort lässig angeschweißten Drähte als Halteösen zu bezeichnen, ist schon fast eine Beleidigung für den Audi.

Verarbeitung und Funktionalität

Der trägt immer noch stolz seine Chrom-Bügel, die Bodenverkleidung hat - anders als beim Ford - einen versenkbaren Griff. Darunter liegen, wohlverpackt, Wagenheber und Werkzeug. Hier sind es die Details, die in der Summe den kleinen, aber feinen Unterschied machen. Dafür noch ein Beispiel: Betätigt man die Wisch/Wasch-Funktion der Scheibenwischer, wischen die Blätter dreimal über die Scheibe. Und erst nach ein paar Sekunden Pause ein letztes Mal: Es könnte ja sein, dass da noch ein einsames Tröpfchen hinterherkommt.

Sicher, bisher haben wir auch ohne so etwas gelebt. Aber noch schneller fiel die Gewöhnung. Mal ehrlich, an dem kleinen Luxus zwischendurch haben wir doch alle unsere helle Freude. Da passt das Lichtpaket (352 Mark) mit beleuchteten Türöffnern, Fußräumen und Einstiegen exakt ins Bild. Braucht man nicht wirklich. Ist aber echt vornehm.

Zu dieser Lust am Laster kommt bei Audi eine selten erlebte Funktionalität, hier passt einfach alles. Griffe zum Anpacken, klare Instrumente, große Spiegel, präzise rastende Schalter. Und zwar alle. Ford erreicht diese Präzision (noch) nicht. Das fängt bei den kratzigen Schlüsseln an und hört bei dem fehlenden Griff innen an der Kofferraumklappe leider noch nicht auf. Dazu kommen unnötige Bedienungsschwächen. So lässt sich die Motorhaube beispielsweise nur per Schlüssel öffnen. Warum eigentlich? Auch die drei Tasten auf der Fernbedienung für die Zentralverriegelung nerven. Viel zu klein. Die winzigen Außenspiegel ebenfalls.

Aber nur noch an solchen Details - und das ist die eigentliche Überraschung - kann man einen Klassenunterschied festmachen. Wenn man denn will. Bei Motor und Fahrwerk spielen beide bereits in einer Liga. Der Mondeo ist hier ebenbürtig, teils sogar überlegen. Sein neuer Zweiliter ist ein harmonischer Motor, laufruhig, spritzig, beim Ausdrehen lockerer als die Audi-Maschine. Passend dazu: die knackige, exakte Schaltung. Da legen sich die Gänge fast von allein ein. Genau wie beim Audi.

Motor und Fahrverhalten

Sein Zweiliter-Fünfventiler zieht bei niedrigen Drehzahlen kräftiger an, wirkt dafür bei hohen Drehzahlen ein wenig zugeschnürt. Die Fahrleistungen nehmen sich nicht viel, der Mondeo ist schneller auf 100, der Audi zieht besser durch. Der A4 fährt auf der sportlichen Schiene: sicher, griffig und straff. Kleine Unebenheiten und Querfugen sind spürbar, aber nicht unangenehm.

Seine exakte Lenkung spricht eine Spur giftiger an als die im Mondeo. Kein Nachteil für den Ford, der lenkt sich dafür noch gefühlvoller und zielgenauer. Der Mondeo federt vor allem unbeladen ausgewogener, nimmt die fiesen, kleinen Stöße einfach gelassener.

Trotzdem lässt sein sportliches Fahrverhalten die Größe vergessen. Agil, präzise und spurstabil bis in die letzte Kehre. Und dabei nie nervös. Das sanft regelnde ESP tritt überhaupt nur in Extremfällen in Erscheinung. Beim Audi regelt es noch später. Der A4 darf in schnellen Kurven schon mal ganz kurz das Heck herausragen lassen. Wie weit die Entwicklung in der Mittelklasse inzwischen tatsächlich ist, zeigen die Bremswerte: Der A4 steht aus Tempo 100 im Idealfall nach 38,2, der Mondeo bereits nach 37,2 Metern. Vor ein paar Jahren haben wir noch teure Sportwagen für solche Werte gefeiert.

Gefeiert werden darf auf jeden Fall schon mal in Köln. Das Finale ist erreicht - und gegen härteste Konkurrenz gewonnen. Doch jetzt folgt die schwerste Partie. Und die müssen PR- und Marketing-Abteilung gewinnen. Ihre Aufgabe: Wie sag ich es den deutschen Autofahrern, dass Ford wieder wirklich gute Autos baut?

Fazit und Zeugnis

Fazit Er hat es tatsächlich geschafft: Der Ford Mondeo fährt ganz nach vorn und ist damit der Meister der Mittelklasse. Aber was heißt hier Mittelklasse. Das ist in beiden Fällen technisch anspruchsvoller Automobilbau. Besonders begeisternd beim Ford: das sportive Fahrverhalten bei gutem Federungskomfort, das Platzangebot, der Preis. Beim Audi: Handlichkeit, Detail-Perfektion und Image. Dennoch, machen wir uns nichts vor, hat der A4 den besseren Namen. Aber wenn Ford so weitermacht ...

Preise und Kosten

Zur AUTO BILD-Version der Mittelklasse-Limousinen gehören ASB, ESP, vier Airbags, E-Spiegel beheizt, Klimaanlage, drei Kopfstützen und drei Dreipunktgurte im Fond. Dazu Nebellampen, CD-Radio und Zentralverriegelung mit Fernbedienung.

Testwerte und Technische Daten

Beide Limousinen gehören in Sachen Technik und Sicherheit zum Besten was es in der Mittelklasse zu finden gibt. Beeindruckend: der Mondeo toppt den mit 38,2 Metern ohnehin schon guten Bremsweg des A4 locker - steht einen Meter früher.

Punktewertung

Der Mondeo hat den Sprung an die Spitze der Mittelklasse geschafft. Nur mit zwei Punkten Vorsprung, aber geschafft. Wer andere Akzente setzen will, rechnet einfach die entsprechende Rubrik raus und kommt zum eigenen Ergebnis.

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