Audi A6 (1997-2004)

Audi A6 (Typ 4B) 2.5 TDI Audi A6 (Typ 4B) 2.5 TDI

Audi A6 (1997-2004)

— 25.02.2002

Auffällig anfällig

Oberklasse aus Ingolstadt: Audi fährt zwar in Qualität und Komfort auf dem Niveau von Mercedes/BMW. Aber als Gebrauchter spielt der A6 wegen diverser Schwächen nur die dritte Geige.

Karosserie und Technik

Wer in der prestigeträchtigen Oberklasse ganz vorn mitfahren will, darf sich keine Fehler leisten. Zwar schaffte Audi 1994 mit seinem Audi 100, der später in A6 umgetauft wurde (Typ C4), den Anschluss ans Spitzenduo Fünfer-BMW und Mercedes E-Klasse, doch das erste neue A6-Modell ab 97 (Typ 4B) verärgert mit auffällig vielen Fehlern und Schwächen die Kundschaft.

So jüngst AUTO BILD-Leser Michael S. aus München. Der Taxichef beklagt bei seinen 16 (!) A6-Modellen ausgerissene Vordersitze. Taxi-Fahrten sind zwar kein Sonntagsausflug, aber auch unsere Kummerkastenbriefe und die TÜV-Statistik offenbaren Mängel der Audi-Oberklasse. Die Hauptschwachstellen heißen Vorderachse, Elektrik und Bremsen. An der Achse schlagen die Gelenke aus – eine VW-Konzernkrankheit, die vom Audi A4 und VW Passat mit baugleichen Konstruktionen bekannt ist.

Die Elektrik-Zicken scheinen dagegen eine Erbkrankheit vom Audi 100 zu sein. Vor allem Wegfahrsperre und elektrische Fensterheber gelten als Streikposten. TÜV-Prüfer registrieren zudem überdurchschnittlich oft Beleuchtungsdefekte. Auch an der Bremse hapert es, hoher Verschleiß gilt als typisch. Liegt es am Material oder an den Langstrecken? Der A6 ist häufig als Geschäftswagen unterwegs, spult viele Kilometer ab und wird entsprechend gefordert. Schnelle Fahrt braucht schnelle Bremsen, aber bei Nässe und Salz klappt das Zusammenspiel nicht wie gewünscht. Ein Problem, das schon am A4 auftrat (1999). Audi hat daher Radspoiler nachgerüstet.

Motor und Antrieb

Tendenziell erfreulicher sieht es bei den Motoren aus. Auch ohne den teuren wie effektiven Quattro-Antrieb ist der Audi sicher unterwegs. Der beliebteste Benziner ist der 2,4-Liter mit 165 PS. Zwei Zylinder weniger im 1.8 mit 125 PS sind etwas schwachbrüstig, aber der 1.8T mit 150 PS geht schon richtig ab. Turbo läuft und säuft heißt es zwar. Doch nach AUTO BILD-Messung liegt der kräftige 1.8T im Schnitt bei 10-11 Litern. Da er bei Steuer und Versicherung noch günstig abschneidet, ist er neben den Dieseln eine empfehlenswerte Wahl. Für Vielfahrer ist natürlich der Sechszylinder-TDI die attraktive Alternative, doch der Motor läuft rau. Defekte Luftmassenmesser verursachen oft Leistungsverlust oder Ruckeln, und die Einspritzpumpen fallen gelegentlich aus.

Trotz mäßiger Zuverlässigkeit ist der A6 in puncto Komfort und Qualität wahre Oberklasse – und das zu bezahlbaren Preisen. Traditionell teurer ist der Avant. Doch Limousinenfreunde kriegen zum Preis eines guten Golf auch einen 98er A6 1.8T, der vor der Haustür sicher für mehr Neid sorgt.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 5/94 Umbenennung/Facelift der Baureihe C4 von Audi 100 in A6 3/97 neues Modell (4B) auf Plattform des VW Passat. Motoren von 150 (1.8T) bis 193 (2.8) PS, TDI (1.9) mit 110 PS (ab 2000: 115 PS) 9/97 großer TDI als V6 mit 150 PS (2.5) 1/98 Kombiversion Avant. Neues Einstiegsmodell mit 125 PS (1.8) 1/99 neue Achtzylinder mit 230 (2.7) und 300 (4.2) PS 7/99 Sportmodell S6 mit 340 PS (4.2) ab 120.870 Mark 11/99 zweiter 2,5-Liter-TDI mit 180 PS 5/01 Modellpflege: neue Benziner mit 130 (2.0) und 220 (3.0) PS 5/04 Nachfolger eingeführt

Schwachstellen • Ölverlust an Motor und Getriebe fällt vor allem bei den TDI auf • Bremsscheiben sind laut Leser-Erfahrung schnell hinüber. Audi spricht vom Wechsel alle 120.000 Kilometer • Radaufhängungen sind wie bei VW Passat und Audi A4 schnell ausgeschlagen. Auch in der TÜV-Statistik taucht Lenkungsspiel als Mangel überdurchschnittlich oft auf • Elektrik mit zu viel Trick: Wegfahrsperre, Zentralverriegelung und Fensterheber gehören zu den Hauptübeltätern. Auch die Batterie streikt gern • TDI – ein Kürzel mit Licht und Schatten: gerissene Zahnriemen (1.9), defekte Einspritzpumpen und Luftmassenmesser machen Ärger, der turbodruckvolle Vortrieb und der geringe Verbrauch dafür viel Freude

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Audi A6, 1.8T, 110 kW/150 PS, Baujahr 99. Mit ihren Preisen liegen die Ingolstädter wie die Premium-Konkurrenz von BMW und Mercedes auf hohem Niveau. Ein bisschen sparen helfen die AT-Teile.

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Die Hauptuntersuchung ist für den jungen Audi A6 in der Regel kein Problem. Trotzdem sind uns bereits ein paar Schwachstellen aufgefallen. Dazu zählen das überdurchschnittlich schlechte Lenkungsspiel sowie schadhafte Antriebswellen. Auch die Beleuchtung vorn und hinten wird öfter als üblich beanstandet. Letzte Auffälligkeit: Die Bremsschläuche werden doppelt so häufig bemängelt wie bei anderen Fahrzeugen dieser Altersklasse." Rainer Fass, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Audi A6 Avant 1.8T (110 kW/150 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 180 Mark im Jahr/D3 Testverbrauch: Werksangabe 8,3 Liter, gemessen 10,3 Liter (Super) Versicherung: Vollkasko (18/1000 Mark SB): 1828 Mark. Teilkasko (32/300 Mark SB): 492 Mark. Haftpflicht (14): 1577 Mark (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 500 bis 700 Mark Wertverlust: Zweijährige verlieren 25 bis 30 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich fünf bis zehn Prozent Verlust

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