A6, E-Klasse, 5er: Vergleich

Audi A6 BMW 5er

Audi A6, E-Klasse, 5er: Erster Vergleich

— 07.02.2011

Neuer A6 fordert Oberklasse-Konkurrenz

Bei der ersten Ausfahrt mit dem Audi A6 3.0 TDI muss der neue Star in der Businessklasse zeigen, was er kann. Mit dabei: seine Erzrivalen BMW 530d und Mercedes E 350 CDI

Er hat das Aussehen, das wissen wir. Er hat die Ausstattung, die kennen wir. Aber hat er auch das Fahrtalent, um die aktuellen Platzhirsche in seiner Klasse in die Schranken zu weisen? Entscheidende Frage, das. Um eine Antwort zu finden, müssen wir vorerst noch ins ferne Mittelitalien. Denn dort ist er versammelt, der erste Wurf neugeborener Audi A6. Zur Fahrpremiere, und wir sind die Ersten, die antanzen. Um klarer zu sehen, haben wir die Konkurrenten von BMW und Mercedes schon mal mitgebracht: der neue A6 3.0 TDI quattro mit 245 PS gegen BMW 530d xDrive und Mercedes E 350 CDI. Den Audi gibt es ausschließlich mit Allradantrieb und Automatik, einem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Der BMW bringt die entsprechenden Merkmale als Optionen mit, aber mit konventioneller Achtstufenautomatik. Im Standardtrimm der Mercedes, ohne Allradantrieb also, aber mit Siebenstufenautomatik.

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Ungleiche Voraussetzungen, schon klar, aber hier vollziehen wir ja auch noch keinen gepunkteten Vergleichstest. Es geht um den ersten Eindruck – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dass ein solcher verräterisch sein kann, das weiß jeder – bei Autos ist es nicht anders als bei Menschen. Und dass der Star des Tages unseren Augen schmeichelt, ist nicht von der Hand zu weisen. Audi hat ihn voll ausgestattet, serienmäßig die programmierbare Elektronik ("Drive Select"), obendrauf Luftfederung und 19-Zoll-Räder. Innen das neue Eichen-Schichtholz, schönes Leder, (fast) das komplette Programm. Unser Eindruck: höchst elegant, wahre Qualität, teuer. Wohltuend der freiere Blick über das abgesenkte Cockpit, zumindest solange er nicht auf den unteren Rand der Frontscheibe fällt. Denn dort, in direkter Linie vor dem Fahrer, beleidigt ein Kasten aus Plastik das Auge, gar nicht Audi-like. Es handelt sich um den Projektor für das neue optionale Head-up-Display à la BMW, der Infos in die Frontscheibe einspiegelt. Wir meinen: wenn so, dann lieber nicht.

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Hinten soll der Neue etwas mehr Platz bieten als sein Vorgänger, doch der lässt sich nur mit dem Maßband nachweisen. Gefühlt reicht das Angebot, ist aber auch nicht so üppig, wie es 4,92 Meter Außenlänge erhoffen lassen. Im BMW sitzt es sich bequemer, auch im Fond, doch das schwellende Cockpit engt vorn mehr ein. Der Mercedes, Kürzester im Vergleich, bietet alles in allem das beste Raumgefühl. Teil eins unseres Fahrprogramms ist ein abgesperrter Handlingkurs, ideal zum Ausloten und Austoben. Es regnet in Italien, in Strömen sogar, was die Lage in Sachen Straßenlage tendenziell zuspitzt. Im Audi überzeugt auf Anhieb die Laufruhe des neuen V6-TDI-Motors. Dazu passen die dezenten Schaltvorgänge des Doppelkupplungsgetriebes. Beeindruckend, wie sanft das inzwischen vonstattengeht. Das gilt weniger für die Start-Stopp-Automatik, die dazu gehört: Beim Stoppen schüttelt sich der Diesel spürbar, mehr als der ebenfalls Start-Stopp-gesteuerte BMW-Diesel.

Auf der Piste prescht der momentan stärkste A6 TDI heftig voran, nicht zuletzt dank des serienmäßigen quattro-Antriebs. Viel Grip und enorme Stabilität in den schnellen Kurven beeindrucken. Da kann der neue A6 deutlich mehr als der alte, wobei ihm die 19-Zoll-Räder natürlich helfen. Der Motor ruht nun etwas weiter hinten im Chassis, das Zentraldifferenzial des quattro leitet im Normalfall 60 Prozent der Kraft nach hinten – auch das macht sich positiv bemerkbar. Doch in den nassen, engen Radien zeigt sich nach wie vor die angeborene Kopflastigkeit – bei sportlicher Fahrweise drängt der Bug des A6 hartnäckig geradeaus. Nur wer den "Sport"-Modus einschaltet und dann früh und kräftig aufs Gas steigt, kann hier das Heck aus der Ruhe bringen und so den Kurs korrigieren. Aber auch das gelingt nicht immer. Im Normalfall dominiert freilich das Gefühl hoher Fahrsicherheit. Die Lenkung mit elektrischer Servounterstützung operiert angenehm direkt und präzise, wenngleich gefühlsarm. Da dürfte noch mehr Feedback rüberkommen.

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Feinfühlig: Die Hydrauliklenkung der E-Klasse gibt am meisten Rückmeldung.

Nach Umsteigen in den 5er wird dann eines sofort klar: Das agilere, fahraktivere Auto kommt nach wie vor von BMW, zumal, wie hier in Verbindung mit der Option "Adaptive Drive" (variable Stoßdämpfer, aktiver Wankausgleich). Sein 258-PS-Reihensechszylinder rumort lauter, atmet aber freier als der TDI im Audi und spricht freudiger an. Auf Lenkbewegungen reagiert er feinfühliger, lenkt bereitwilliger in die Kurven, lässt sich mit dem Gaspedal auch als Allradler ("xDrive") in seinem Kurvenverhalten leicht und gern manipulieren. Mit seinen 18-Zoll-Rädern ist unser Exemplar in den Krümmungen der nassen Piste allerdings in puncto Seitenführung früher am Ende. Der Mercedes: kein Sportler, auch in der gestrafften "Avantgarde"-Version nicht, aber doch erfreulich. Mit den serienmäßigen 17-Zoll-Rädern ist auf dem Handlingkurs kein Staat zu machen, zumal es dem Hecktriebler bei Nässe an Grip fehlt. Und auch die ausgiebigeren Karosseriebewegungen laden nicht zum Extremfahren ein. Aber er bewegt sich spielerisch und völlig problemlos, und seine Hydrauliklenkung beschert uns noch jene Prise Gefühl, die den elektrisch garnierten Systemen bei Audi und BMW abgeht. Eine Freude ist der V6-Diesel mit 265 PS: kultiviert, durchzugsstark und noch leistungsfreudiger als das Audi-Gegenstück.

Weitere Details zum neuen Audi A6 und seinen beiden Oberklasse-Konkurrenten BMW 5er und Mercedes E-Klasse gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten finden Sie als Download im Heftarchiv.

Autor: Wolfgang König

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