Audi A6: Fahrbericht
So fährt der neue Audi A6

Drin saßen wir ja bereits, nun sind wir ihn auch gefahren. Bei der ersten Ausfahrt mit dem Audi A6 3.0 TDI quattro muss der neue Star in der Businessklasse zeigen, was er alles kann.
- Wolfgang König
Er hat das Aussehen, das wissen wir. Er hat die Ausstattung, die kennen wir. Aber hat er auch das Fahrtalent, um die aktuellen Platzhirsche in seiner Klasse in die Schranken zu weisen? Entscheidende Frage. Um eine Antwort zu finden, müssen wir vorerst noch ins ferne Mittelitalien. Denn dort ist er versammelt, der erste Wurf neugeborener Audi A6. Zur Fahrpremiere mit dem A6 3.0 TDI (245 PS), und wir sind die Ersten, die antanzen. Den Audi gibt es ausschließlich mit Allradantrieb und Automatik (ein Siebengang-DSG). Bei unserer Ausfahrt geht es um den ersten Eindruck, nicht mehr, aber auch nicht weniger.
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Dass ein solcher verräterisch sein kann, das weiß jeder – bei Autos ist es nicht anders. Und dass der Star des Tages unseren Augen schmeichelt, ist nicht von der Hand zu weisen. Audi hat ihn mit allen Schikanen ausgestattet, serienmäßig die programmierbare Elektronik ("Drive Select"), obendrauf noch Luftfederung und fette 19-Zoll-Räder. Innen das neue Eichen-Schichtholz, schönes Leder, (fast) das volle Programm. Eindruck: höchst elegant, wahre Qualität, teuer. Wohltuend der freiere Blick über das abgesenkte Cockpit, zumindest solange er nicht auf den unteren Rand der Frontscheibe fällt. Denn dort, in direkter Linie vor dem Fahrer, beleidigt ein Kasten aus Hartplastik das Auge, gar nicht Audi-like. Es handelt sich um den Projektor für das neue optionale Head up-Display à la BMW, der Infos in die Frontscheibe einspiegelt. Wir finden: wenn so, dann lieber nicht. Hinten soll der Neue etwas mehr Platz bieten als sein Vorgänger, doch der lässt sich nur mit dem Maßband nachweisen. Gefühlt reicht das Angebot, ist aber auch nicht so üppig, wie es 4,92 Meter Außenlänge erhoffen lassen.
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Bild: Uli Sonntag
Nur wer den "Sport"-Modus einschaltet und dann früh und kräftig aufs Gas steigt, kann hier das Heck aus der Ruhe bringen und so den Kurs korrigeren. Aber auch das gelingt nicht immer. Im Normalfall dominiert freilich das Gefühl hoher Fahrsicherheit. Die Lenkung mit elektrischer Servounterstützung operiert angenehm direkt und präzise, wenngleich gefühlsarm. Da dürfte noch mehr Feedback rüberkommen. Und wie sind die Komfortqualitäten des neuen A6? Wir verlassen die Piste und begeben uns auf die Landstraßen der Umgebung. Kategorie: übel bis brutal. Der luftgefederte A6 schluckt im Komfort- und im "Auto"-Modus die Asphaltaufbrüche und wechselseitigen Unebenheiten beeindruckend souverän, ruhiger und besser als sein Vorgänger. Guter Gesamteindruck also, doch kleine Unebenheiten wie Querrillen dringen immer noch durch, und große Verwerfungen quittiert er schon mal mit heftigen Stößen. Auffallend auch die Abrollgeräusche, da mögen ihm die 19-Zöller schaden.
Bleibt die Kostenfrage. Ist der neue A6 3.0 TDI ab sofort womöglich die smarte Wahl in seiner Klasse? Mindestens 51.200 Euro kostet der potenzielle Traum künftiger Firmenwagenbesitzer, die fahrdynamisch relevanten Optionen mit eingerechnet sogar 54.950 Euro. Der Trost: Die Konkurrenz (BMW 5er, Mercedes E-Klasse) macht es auch nicht billiger. Am unangemessen hohen Preis sollte der Kauf eines neuen A6 also nicht scheitern.
Fazit
Fortschritt in kleinen Schritten aber an allen Fronten: Der neue A6 ist komfortabler und vergnüglicher zu fahren, edler, moderner, schneller und dennoch sparsamer. Letzteres können wir noch nicht bestätigen – dies ist ja noch kein Vollwertest, sondern nur ein Schnuppertest. Alles andere würden wir indes schon mal unterstreichen. Aber wird es reichen, um den bisherigen Klassenbesten, den BMW 5er, zu entthronen? Erster Eindruck: nicht ganz, dazu ist dieser Gegner einfach zu kompetent, zu harmonisch. Und der andere, die Mercedes E-Klasse, zu angenehm.
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