Audi S4, BMW M3, Mercedes-Benz C 32 AMG

Audi S4 gegen BMW M3 und Mercedes-Benz C 32 AMG Audi S4 gegen BMW M3 und Mercedes-Benz C 32 AMG

Audi S4, BMW M3 und Mercedes-Benz C 32 AMG

— 14.04.2003

Mit (M)ACHT an die Spitze

Acht Zylinder und 344 PS. Der neue Audi S4 soll die sportliche Krönung der Mittelklasse sein – was BMW und Mercedes-Benz ganz anders sehen.

Bei diesem Vergleich brennt die Luft

An der Spitze wird die Luft dünner. Dieser fundamentalen Lebensweisheit zum Trotz streben die Menschen immer nach dem Höchsten. Und das ist auch gut so. Denn sonst wäre dieses Spitzenspiel nicht möglich: Der neue Audi S4 fordert BMW M3 und Mercedes-Benz C 32 AMG. Da kann die Luft so dünn sein, wie sie will, sie brennt ganz automatisch.

Besonders, weil Audi erstmals einen V8 auffährt. Wie bitte? Acht Zylinder im braven A4? Während wir den Speichelfluss nur mühsam unterdrücken können, dürften in Stuttgart und München die Alarmglocken schrillen.

Denn obwohl Mercedes-Benz/AMG in dieser Liga dank C 43 (V8/306 PS, 1997–2000) und C 55 (V8/347 PS, 1999–2001) klar den Kompetenz-König gibt, muss derzeit ein Kompressor-V6 reichen. Und auch BMW, wo der 3,2-Liter-Reihensechser mittlerweile ausgequetscht ist wie eine reife Zitrone, wird wohl erst mit dem nächsten M3 furiose V8-Töne anschlagen.

Passgenaue Recaros im S4 – auch im Fond

Also, nichts wie rein in den Audi und los. Hände und Augen streifen dabei mit Wolllust über das feine, fast schon provozierend perfekte Interieur, der Fahrer scheint auf Anhieb mit den passgenauen Recaros zu verwachsen. Wen schert da das im Vergleich zum Mercedes-Benz knappere Platzangebot im Fond! Zumal auch die Mitreisenden im S4 auf Recaro-Polstern lümmeln dürfen.

Mit denen nehmen sie unter dem gedämpften Grollen des 4,2-Liter-V8 nur zu gerne engen Kontakt auf. Auch wenn der extrem kurz bauende Fünfventiler mit hinten liegender Steuerkette nur auf eine Literleistung von 82 PS kommt (M3: 106, C32: 111 PS), beeindruckt seine Kraftentfaltung kolossal.

Dafür sorgen gieriges Ansprechverhalten, gewaltiger Durchzug und glanzvolles Drehvermögen. Wenn die 344 PS sich auf alle vier Räder stürzen, schießt der S4 aus der Startaufstellung, als wolle er den Asphalt auffressen. In jedem der sechs knackig rastenden Gänge reagiert der Allradler auf die Wünsche des Fahrers scheinbar schon, wenn der nur ans Gasgeben denkt. Aus den Tiefen des Hubraums zieht der V8 kompromisslos durch wie Kimi Räikkönen gegen Schumi. Und hört erst auf, um Drehzahlen zu betteln, wenn die elektronische Selbstkontrolle bei 250 km/h zur Ordnung ruft.

Audi-Sportfahrwerk lädt zum Rodeo-Ritt

Neben dem Vollgas-Vergnügen, das der Testverbrauch von 14,4 Litern etwas dämpft, verführt der S4 außerdem mit rassiger Kurven-Kunst. Ohne Zeit mit Qualmen zu vergeuden, sprintet der Allrad-Brocken (5,0 kg pro PS; BMW 4,6/Mercedes-Benz 4,6) auf die nächste Kurve zu – und vernascht sie wie auf Schienen.

Tatsächlich bleibt der Audi selbst bei abgeschaltetem ESP absolut neutral. Obwohl 61 Prozent des Gewichts auf der Vorderachse lasten, schiebt der S4 keinen Zentimeter geradeaus. Selten war schnell fahren so einfach: Kurve anpeilen, einlenken, fertig. Die nächste, bitte. Klappt immer – vorausgesetzt, der Fahrer begreift, dass die Physik auch für einen Audi quattro gilt. Aber das lernen S4-Piloten spätestens nach dem ersten Rennwochenende.

Das straffe Sport-Fahrwerk, das eben noch mit felsenfester Fahrdynamik glänzte, schüttelt uns auf schlechten Strecken durch wie Rodeo-Reiter. Sorry, liebe Ingolstädter, natürlich braucht so ein Auto eine gesunde Härte, aber sooo hoppelig muss es nun auch nicht sein.

M3: höllischer Klang und starke Bremsen

Wie es geht, demonstriert Sport-Spezialist BMW. Der M3, den es nur noch als Coupé und Cabrio gibt, kann ebenfalls heftig austeilen – ohne uns aber gleich aus den gut geformten Sportsitzen zu werfen. Weshalb wir die Schläge einstecken und verzeihen. Gleiches gilt fürs knappe Platzangebot – schließlich fahren wir ein rassiges Coupé. Das eine ebensolche Copilotin plus Gepäck allemal schluckt.

Im Motopark Oschersleben denken Männer dann ohnehin nur noch an das eine: Sechs – und zwar reihenweise. Der 3,2-Liter-Reihensechser klingt höllisch. Wie in Ekstase reißen wir die sechs knackigen Gänge durch und können vom infernalischen Schub ab 3000 Touren nie genug bekommen. Zugegeben, schaltfaules Fahren liegt dem BMW mit seinen 343 PS überhaupt nicht – doch dafür lässt sich der M3 am sparsamsten bewegen (12,7 Liter). Und verspricht auf dem Rundkurs den größten Lustgewinn.

Heiser hechelnd jagt der Bayern-Express über die Geraden, staucht sich vor jeder Kurve brutal zusammen (Bremsweg auf 100 km/h: 34,9 m) und zirkelt mit der Präzision eines Schweizer Uhrwerks durch die Kehren. Wow. Selbst ohne DSC bleibt der perfekt ausbalancierte M3 weitgehend neutral. Und wird natürlich erst dann richtig schnell. Doch Vorsicht, sonst parken ungeübte Pedal-Paniker den Drift-Dynamiker im Kies.

C 32 AMG – der Sportwagen für jeden Tag

Solche Kapriolen bleiben dem C 32 fremd. Garantiert. Die stärkste C-Klasse verhindert Ausflüge ins Abseits durch Elektronik-Einsatz. Abschalten lässt sich dabei nur die Traktionskontrolle. Der Mercedes-Benz also ein spaßarmer Spießer?

Mitnichten, viel eher der Sportwagen für jeden Tag. Auf der Piste reißt der Mercedes-Benz seine Runden trotz lascher Lenkung ebenso rasant wie risikofrei ab, klebt dabei dicht an den Endrohren der Gegner. Daran schnüffeln kann er aber nicht, denn wer die letzten Reserven mobilisiert, wird durch lästiges Untersteuern ausgebremst.

Schade, begeistert der 3,2-Liter-V6 doch mit donnerhaftem Durchzug und spritzigen Sprints. Da sehen wir über den wenig erotischen Kompressor-Klang glatt hinweg. Vom mechanischen Lader angefeuert, erreicht der 354 PS starke Dreiventiler die 200-km/h-Marke tatsächlich als Erster. Woran aber auch die schnell und präzise agierende Fünfgangautomatik (Serie) ihren Anteil hat. Sie passt außerdem hervorragend zum zweiten Gesicht des AMG-Athleten, der abseits der Rennstrecke zum perfekten Alltagswagen wird. Trotz Sportfahrwerk schont der verbindlich federnde C 32 Bandscheiben und Beziehungen. Und mit dem besten Platzangebot dürfte er auch der Gattin gefallen – bis sie die Rechnung sieht.

Kosten und Ausstattungen

57.536 Euro für eine C-Klasse bringen trotz toller Ausstattung jeden in Argumentationsnöte. Auch der M3 für 54.500 Euro ist nicht viel billiger – und dem fehlen noch zwei Türen und eine Automatik. Schon eher dürfte der Familienrat den S4 akzeptieren, der für 52.420 Euro fast komplett vorfährt. Und dessen V8 uns die dünne Luft an der Spitze irgendwie leichter ertragen lässt.

Technische Daten im Überblick

Nach fantastischen 34,9 Metern steht der M3 aus Tempo 100. Beeindruckend: Auch nach mehreren Vollbremsungen lässt er nicht nach. Mit 36,3 Metern bei warmer Bremse zeigt auch der S4 eine hervorragende Bremsleistung. Immer noch sehr gut: der C 32 mit 37,6 Metern.

Fazit und Wertung

Fazit Dem betörenden Klang und der bulligen Kraft des V8 lässt sich schwer widerstehen, in der Summe aller Punkte muss sich der S4 aber doch dem C32 AMG ergeben. Das Erfolgsrezept des Mercedes-Benz liegt in der gelungenen Mischung aus Vollblutsportler und Vollwertlimousine. Der C32 geht gewaltig und federt familientauglich. Nur der Preis stört das Glück. Dem Audi fehlt vor allem ein harmonischeres Fahrwerk. Was auf der Rennstrecke zusammen mit dem grandiosen Achtzylinder kaum zu toppen ist, nervt im Alltag ungemein. Der M3 setzt bis hin zur Coupé-Form konsequent auf Sportwagen. Und macht als solcher auch die beste Figur.

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