Kompakt-SUVs im Vergleich

BMW X1/Mercedes GLA/VW Tiguan: Test

— 10.06.2016

Schlägt der Tiguan X1 und GLA?

Er ist der König der kompakten SUVs. Und soll jetzt alles noch besser
können. Der neue VW Tiguan stellt sich BMW X1 und Mercedes GLA.

Kann alles, hat alles, macht nix falsch. Der neue Tiguan hat ja schon reichlich Vorschusslorbeeren kassiert. Und in der Klasse der kompakten SUV gilt er ohnehin als sichere Bank. Speziell als 2.0 TDI mit trittsicherem Allradantrieb scheint der Neue ein wahrer Alleskönner zu sein. Kurz: Wer so einen kauft, kauft richtig. Allerdings: Kauft er auch das Beste für sein Geld? Beim Debüt des ersten Tiguan Ende 2007 hätten wir sofort Ja gesagt. Doch inzwischen beackern auch andere Hersteller dieses Feld sehr gründlich und effektiv.

Zwei Tiguan-Gegner warten in München und Stuttgart

Edle Konkurrenten: Mit dem neuen Tiguan will VW dem BMW X1 und dem Mercedes GLA den Rang ablaufen.

Zum Beispiel BMW. Die haben mit dem aktuellen X1 einen äußerst allroundigen SUV im Programm. Wir erinnern uns: Das Kürzel steht für Sport Utility Vehicle – also ein ebenso sportliches wie nützliches Fahrzeug. BMW stellt einen Raumriesen auf ein aktives Fahrwerk mit xDrive-Komponenten, koppelt einen lebhaften Antrieb inklusive bewährter Achtstufenautomatik dran – was soll da im Sinne eines SUV also schiefgehen? Und noch etwas könnte VWs Erfolgsaussichten dämpfen. Nach diesem Rezept geht schließlich auch Mercedes vor. Nur etwas origineller, eigenständiger eingekleidet. Der muskelbepackte GLA ragt optisch aus der sonst eher kantig faden Klasse heraus, vereint dennoch typische Softroader-Tugenden unter seinem Blechkleid. Auch hier arbeitet ein traktionsstarker Allradantrieb mit einer starken Dieselmaschine zusammen, eine leichte Höherlegung der Karosserie sorgt für das erhabene Sitzgefühl inklusive zusätzlicher Bodenfreiheit. Also: Bietet VW tatsächlich den überzeugendsten SUV-Mix?

Die Fahrleistungen des Zweiliter-Diesels überzeugen

Guter Motor: Der 2.0 TDI macht den Tiguan zum Dynamiker, ohne dafür übermäßig Sprit zu forden.

Mit dem neuen 2.0 TDI hat VW einen Saubermann mit AdBlue-Versorgung (12 Liter, reicht für 6700 km) im Programm. Gleichfalls beweist der Tiguan quasi im Vorbeirauschen, was 340 Newtonmeter mit einem 1,7 Tonnen schweren SUV anstellen können. Nämlich so unspektakulär wie nachdrücklich für Beschleunigung zu sorgen, dennoch nicht zum Säufer zu mutieren. Mehr als 6,5 Liter trinkt er nicht. Dabei schnurrt der 2.0er wohlig leise. Derbes Dieselnageln ist nie zu hören, Vibrationen sind kaum zu spüren. Allerdings fehlt diese Geschmeidigkeit beim Anfahren, zu ungeschliffen beißt die erste Kupplung der DSG-Automatik nach einer Ampelpause zu. Auch beim Herunterschalten nach dem Kick-down-Befehl lässt sich das Getriebe mehr Zeit als zum Beispiel die wachere Achtstufenautomatik des BMW X1. Erst mal in Fahrt, bügelt der Tiguan dieses Manko aber wieder aus. Und zwar über sein stimmiges Fahrwerk. Er lässt sich einerseits agil scheuchen, kann aber auch sanft über kaputte Straßenoberflächen rollen. Im "Comfort"-Modus der Stoßdämpfer spricht das Fahrwerk fein an.
Alle News und Tests zum VW Tiguan

Allenfalls auf Querfugen und nach groben Bodenwellen fehlen im Vergleich zum BMW Reserven – bei Letzteren dürfte der VW gern tiefer und der Klasse entsprechend sanfter eintauchen. Heißt unter dem Strich: Sind die Straßen halbwegs gut, fährt auch der Tiguan gut.

Bei der Bedienung gibt es noch Optnimierungspotenzial

Bequemer Arbeitsplatz: Der Tiguan überzeugt mit seiner guten Ergonomie und seinem Platzangebot.

Das passt zum Rest. Erstklassige Sitze, gute Ergonomie, beste Platzverhältnisse (auch hinten!) – Passagiere fühlen sich wohl im Tiguan. Dieses SUV taugt auch für weite Reisen. Für die Bedienung gilt jedoch: Die neuen virtuellen Anzeigen lassen sich in manchen Ansichten nicht schnell erfassen, der große Touchscreen verlangt nach einer ruhigen Hand – nicht einfach mit ausgestrecktem Arm auf schlechten Straßen. Wer viel Gepäck verstauen möchte, benötigt dagegen dicke Arme. Die Rückbanklehne fällt zwar selbsttätig in ihre leicht schräge Position, lässt sich jedoch nur unter höherem Kraftaufwand wieder aufstellen. Das passt nicht wirklich zum modernen Auftritt des Tiguan. Der strotzt nämlich sonst vor Assistenzfunktionen (wie zum Beispiel dem Trailer Assist, der Anhänger selbsttätig in Lücken fädelt) und Multimediaspektakel (wie der App-Connect-Funktion, die das Smartphone ins System spiegelt). Wo der Tiguan am Ende landet, erfahren Sie in der Bildergalerie.
Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Der Tiguan ist ein echter Alltagsheld: Ein riesiger Kofferraum, satte Zuladung, viel Platz und sehr gute Sitze machen ihn zum Freund (nicht nur) jeder Familie. Gleichzeitig läuft und liegt er super. Der BMW fährt ebenfalls erstklassig, bietet jedoch weniger Möglichkeiten der multimedialen Vernetzung. Der Mercedes ist für diese Liga schlicht zu klein.

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