Citroën C4 Cactus: Fahrbericht

Citroën C4 Cactus: Fahrbericht

— 19.06.2014

Entspanntes Reisen im Cactus

Der Citroën C4 Cactus ist ein Auto für Individualisten – und sogar bezahlbar. So fährt sich der frische Franzose mit dem stacheligen Rundum-Polster!

Video: Citroën Cactus vs. Ente

Neues Kompakt-SUV trifft 2 CV

Dieses Auto ist anders, wie schon sein Name sagt. Deshalb wollen wir den Citroën C4 Cactus auch anders vorstellen. Erst mit dem Kopf, dann mit dem Bauch. Der Kopf sagt: Wie mutig – oder crazy – muss man sein, ein Auto "Cactus" zu taufen? Aber bitte, darin haben sie ja Übung bei Citroën. Vor einem Jahr nur eine Studie, steht ab September 2014 das Serienmodell bei den Händlern: ein Fünftürer etwa im Golf-Format, mit einer kräftigen Knubbelnase und Radhäusern wie ein SUV. Das hat was, vor allem weil das Stachelding ringsum verpackt ist in eine Art Luftpolsterfolie, die gegen Parkschäden schützen soll und grundsätzlich in Kontrastfarbe erscheint. Fakt ist: Die Leute gucken. Wer auf der Straße verstecken spielen will, fährt besser Golf.

Preise Citroën C4 Cactus

Kein Drehzahlmesser, kein Luftausströmer für den Beifahrer: Im Cactus hat Schmalhans das Wort.

Fakt ist auch: Der Cactus hat fast so viele Macken wie Zuschauer. Es gibt keinen Drehzahlmesser, keinen Luftausströmer für den Beifahrer, hinten nur Ausstellfenster und auf der Rückbank kaum mehr Platz als im Kleinwagen. Die altbackenen Motoren leisten höchstens 92 PS und schaffen nur die Abgasnorm Euro 5, was zum gemütlichen Herumgondeln reicht. Mehr nicht. Als einzige Automatik steht eine überholte Ruckelschaltung im Programm, und die Verarbeitung des modischen Grenzgängers erlaubt sich ähnliche Nachlässigkeit wie der Mini.

Der Kofferraum fasst 358 bis 1170 Liter, die Rückbank lässt sich nur im Ganzen umlegen.

Solche Macken lassen sich nur teilweise damit entschuldigen, dass Citroën ein einfaches, reduziertes Auto anbieten will, das seine Käufer durch Beschränkung aufs Wesentliche entschleunigt. Denn auch Entschleunigte freuen sich über so simple, selbstverständliche Dinge wie eine geteilt umlegbare Rückbank. Da entlarvt sich scheinbare Kundenfreundlichkeit schnell als nackte Sparwut. "Schluss mit dem Gemecker!", ruft der Bauch. Der hat längst entdeckt, welche überraschende Neuheit da aus Frankreich heranschlendert. Das beginnt damit, dass dieses 4,16-Meter-Auto so recht in keine Schublade passt und scheinbar keinen direkten Konkurrenten kennt. Yeti? Zu gerade. Captur? Zu SUVig. Juke? Zu froschäugig.

Der Citroën C4 Cactus ist ein Auto für Individualisten

Der Cactus ist "unique" – und fährt damit automatisch ins Mode-Radar von Käufern, die was Eigenständiges suchen.

Der Cactus erfüllt zumindest ansatzweise, was in der vollgepackten Autowelt fast nicht mehr vorstellbar erschien: Er ist "unique", im Rudel seiner Klassenkameraden einzigartig. Und fährt damit automatisch ins Mode-Radar solcher Käufer, die was Eigenständiges suchen oder damit ihren speziellen Geschmack ausdrücken wollen. Was ja irgendwie alle wollen, und sei es für zwei entspannte Sommer. Mit seinen realistisch kalkulierten 18.000 Euro (so teuer wird ein halbwegs vernünftig gespickter Cactus) liegt die Hemm- und Einstiegsschwelle jedenfalls nicht in herzzerreißender Höhe. Diesen Spaß kann man sich mal gönnen.

Den Dynamik-Kick gibt's höchstens mit 110 PS

Die altbackenen Motoren leisten zunächst höchstens 92 PS. Später folgt eine 110-PS-Variante.

Dafür bekommt man einen ausgefallenen Kompakten, der in Fahrt genau das bietet, was seine Macher versprechen: entspannte Fortbewegung. Der Fahrer sinkt in einen untypisch breiten, eher weich gepolsterten Sitz und wird weder vom Motor noch von den Instrumenten jemals angestachelt, seine wilden fünf Sekunden auszuleben. Einzig der neue Dreizylinder-Turbo mit 110 PS (folgt ab Dezember 2014) bietet ansatzweise jenen Kick, den die Optik schon mitbringt. Auch die Lenkung arbeitet eher gemütlich, während die sanfte Federung zum Glück die pseudosportliche Härte vermeidet, die bei modernen SUVs die Insassen durchprügelt. Das alles fühlt sich sehr "undeutsch" an, bei der verwurstelten Mittelkonsole dürfen wir sagen: typisch französisch.

Ranking: Top drei der Farb-Kombis

Online-Voting

'Farbspiele: Welcher Cactus sticht ins Auge?'

Womit wir automatisch bei der wichtigsten, der modischen Frage wären: welche Farbe? Eine erste, selbstverständlich persönliche, individuelle und angreifbare (also cactussige) Rangliste sieht auf Platz Platz drei: Rot mit schwarzen Airbumps (so heißt die Luftpolsterfoile in Citro-Französisch). Auf Rang zwei: Lagoon Blau mit grauen Bumpern. Und momentan an der Spitze: Weiß mit braunen Airbumps. Welche Kombi finden Sie am besten? Stimmen Sie ab!

Citroën C4 Cactus: Fahrbericht

Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Kopf und Bauch einigen sich schließlich auf folgendes diplomatisches Fazit: Der Cactus ist unvernünftiger als jeder Kompakte, fröhlicher als ein SUV und lässiger als ein Kastenwagen. Besiegelt mit einem Glas Roten. Es lebe Citroën. Die spinnen, die Franzosen!

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.