Gebrauchte Euro-6-Diesel im Test

Gebrauchte Euro-6-Diesel im Test

Diskussion um Diesel-Abgase: Kommentar

— 28.08.2017

Schluss mit der Diesel-Doppelmoral!

Umwelt-Aktivisten und Auto-Hasser machen mobil gegen den Diesel im Auto. Doch in der Seeschifffahrt sind dreckigste Schweröl-Verbrenner legal! Ein Plädoyer für weniger Polemik in der Diskussion.

AUTO BILD-Redakteur Andreas May plädiert für saubere Diesel in Pkw und weniger Polemik in der Diskussion.

Es war der 4. Oktober 2014, als es in Hamburg Ruß regnete. Ein Containerfrachter hatte im Hafen versehentlich vom schwefelarmen Treibstoff auf das billige Schweröl umgeschaltet. Im Altenheim und Krankenhaus gingen die Feuermelder los, auf Restaurant-Terrassen prasselten schwarze Partikel in die Gläser. Die Menschen konnten live mit ansehen, was auf hoher See völlig legal ist. Wenn alles ganz schlecht läuft, darf ab Ende des Jahres 2017 kein Diesel-Pkw mit einer schlechteren Abgas-Norm als Euro 5 mehr ein Teilstück der Hamburger Max-Brauer-Allee befahren. Die liegt 500 Meter Luftlinie vom Hafen entfernt. "Stinke-Diesel" sagen Umwelt-Aktivisten. Sie sind Anführer einer Diskussion, in der mit zweierlei Maß gemessen wird, in der Populismus und Polemik vor Sachkenntnis stehen.



Betrug muss bestraft, der Diesel aber nicht verteufelt werden

Dass wir uns nicht falsch verstehen: Die Industrie hat betrogen. VW und vermutlich viele andere mehr haben Dieselmotoren manipuliert, um Abgas-Grenzwerte einzuhalten. Großer Mist war das, schäbiges Verhalten zu Lasten von Umwelt und Kunden. Das muss bestraft werden. Wer betrügt, der hat mit den Konsequenzen zu leben, womöglich hinter Gittern. Was mir tierisch auf den Zeiger geht, ist das konsequente Eindreschen auf den Stinke-Diesel. Das ist Doppelmoral.
Gut 500 Meter zwischen Elbstrand und Fahrverbotszone
In Hamburg soll ein Teilstück der Max-Brauer-Allee für Autos, die Euro-6 nicht erfüllen, gesperrt werden. Aber nur gut 500 Meter entfernt liegt der Hamburger Hafen, der jährlich von 200 Kreuzfahrtschiffen und riesigen Containerfrachtern angelaufen wird, für die kaum eine Abgasbeschränkung gilt.

15 Schiffe blasen Schadstoffe raus wie 750 Millionen Autos!

800.000 Menschen fahren pro Jahr mit dem Kreuzfahrtschiff von einem der drei Hamburger Terminals in den Urlaub, 171 Luxus-Dampfer haben 2016 festgemacht, 200 werden es 2017 sein. Insgesamt haben 2016 2,4 Millionen Deutsche eine Kreuzfahrt unternommen. Laut Naturschutzbund Deutschland stoßen die 15 größten Containerschiffe pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos. Und wir reden vom Pkw-Motor als Stinke-Diesel. Bei dieser wirren Diskussion müssen sich die Fah
rer von Diesel­-Pkw wie potenzielle Mörder fühlen. Dabei hilft der Diesel, die CO2­-Ziele 
zu erreichen. Warum sitzen Vielfahrer in einem
 VW Passat TDI und nicht in einem Benziner? Weil der Diesel sparsamer ist! Der Variant mit 150 Diesel­-PS ver­brauchte im AUTO-BILD­-Test 5,9 Liter, der vergleichbare Benziner zwei Liter mehr. Und es gilt: Je höher der Verbrauch, desto höher der CO2­-Ausstoß. Diese Fakten interessieren die Populisten aber nicht. Hauptsache, den Diesel kaputtreden.

Chronologie des VW-Abgasskandals

29. September 2017: VW gibt bekannt, dass die Aufarbeitung des Dieselskandals in den USA im dritten Quartal weitere 2,5 Milliarden Euro kostete, da Rückkauf und Nachrüstung von 2,0-Liter-Autos nicht wie gewünscht liefen.

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Ist Elektro wirklich eine Alternative?

AUTO BILD unterzieht den elektischen  BMW i3 einem Dauertest.

Was ist die Alternative? Elektro, sagen die Umwelt­-Aktivisten. AUTO BILD hat so ein vermeintliches Öko-Auto, einen BMW i3. Steht in der Tiefgarage an der Wallbox und tankt Strom aus dem Kohlekraftwerk. Die Abgaswolke sehen wir nur da, nicht an unserem i3, der ist ja sauber. Und die Ökobilanz bei der Produktion eines E­-Autos? Verheerend. Den Akku eines großen Stromers herzustellen ist so wie 150.000 Kilometer Diesel fahren – da entsteht die gleiche Menge an CO2. Es ist eine krude Diskussion, die wir über uns ergehen lassen müssen. Neulich habe ich einen Hamburger Papi beobachtet, der hat sein Lastenfahrrad vorm Öko­-Supermarkt abgestellt hat und mit zwei Tetra­-Paks Bio­-Milch aus Bayern zurückkam. Aus Bayern! 800 Kilometer Transportweg mit dem Lkw. Abends dann drei Paar Sneaker im Internet bestellen, zwei wieder zurückschicken, per Lkw. Aber sich über Nachbars Stinke­-Diesel aufregen.
15 Containerschiffe schmutzig wie 750 Millionen Autos
Die 15 größten Container-Riesen der See stoßen weltweit so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos.
Abgasskandal bei Volkswagen: Was VW-Diesel-Fahrer wissen sollten

NOx-Genzwert am Arbeitsplatz 20 Mal so hoch wie im Verkehr!

Manche Polemik ist nur schwer zu ertragen. Städte unterhalten Mess­stationen an viel befahrenen Straßen und schlagen Alarm, wenn die Stickoxid-­Grenzwerte von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten werden. Weltuntergang! Dabei gelten am Arbeitsplatz 950 Mikrogramm NOx als Grenzwert. Mehr als 20 Mal so viel! Wir von der arbeitenden Bevölkerung müssten da längst tot sein. Oder gibt es gute Stickoxide (am Arbeitsplatz) und schlechte (aus dem Auspuff)? Und wer legt NOx­-Grenzwerte für Autos fest? Antwort: die EU. Die Typen, die einmal im Monat ihre Akten in Lkw laden lassen und 440 Kilometer von Brüssel zur Plenarwoche nach Straßburg fahren.
Grenzwert-Wirrwarr: 40 und 950 Mikrogramm
Der Stickoxid-Grenzwert liegt auf der Straße bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Für Arbeiter und Angestellte gilt aber eine maximale Arbeitsplatzkonzentration von 950 Mikrogramm pro Kubikmeter.
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Saubere Diesel werden noch lange gebraucht

Nein, wir dürfen die Hoheit in der Diesel­-Diskussion nicht den Verbitterten überlassen, nicht den Auto­-Hassern und grünen Öko­-Hardlinern, die nach dem Ausstieg aus der Kernenergie dringend ein Thema suchen. Wir brauchen den Diesel, sehr lange noch sogar. Wir brauchen Diesel mit SCR­-Kat und AdBlue, die 95 Prozent aller Stickoxide vernichten. So lange, bis es eine langstreckentaugliche Alternative zum Diesel gibt. Übrigens: Am Hamburger Elbstrand könnte es bald wieder so rauchen wie am 4. Oktober 2014. Wenn die Bagger anrücken. Ausgerechnet die Grünen wollen den Strand zubetonieren, einen sechs Meter breiten Radweg bauen. Motto: Rauf aufs Fahrrad, raus aus dem Stinke­-Diesel. Im Hamburger Bezirk Altona findet dazu im September 2017 eine Volksabstimmung statt. Ich weiß schon, wo ich mein Kreuzchen mache.

Autor: Andreas May

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