ADAC-Ecotest: Auch viele Euro-6-Diesel zu schmutzig

Dieselabgas: Manipulationsvorwürfe gegen Opel

— 30.06.2016

"Unzulässige Abschalteinrichtung"

Laut einem Gutachter des Bundesverkehrsministeriums soll die Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung des Opel Zafira unzulässig sein. Das berichtet das Magazin "Der Spiegel".

• Abschalteinrichtung beim Zafira unzulässig
• Opel verzichtet auf Werbeaussage "Sauber wie ein Benziner"
• Opel weist neue Vorwürfe zur Abgasreinigung zurück

• Dobrindt zweifelt an Legalität von Opel-Abgasreinigung
• Neumann: "Keine illegale Software bei Opel"
• Vorwurf der gezielt verringerten Abgasreinigung beim Opel Zafira CDTi
• Ähnliche Vorwürfe gegen Opel Astra


Opel Zafira Tourer auf dem Abgas-Prüfstand der Berner Fachhochschule.

(dpa/Reuters/lhp) Ein vom Bundesverkehrsministerium bestellter Gutachter hat laut dem Magazin "Der Spiegel" bestätigt, dass die Abschalteinrichtung in der Motorsteuerung des Opel Zafira nicht zulässig ist. Die technische Sachlage sein eindeutig und Opels Begründung nicht ausreichend. Die GM-Tochter hatte die Reduzierung der Abgasreinigung bei hohen Temperaturen und Drehzahlen mit dem Schutz wichtiger Bauteile erklärt. Der "Spiegel" wirft Opel vor, mit dieser Taktik auf Zeit zu spielen, weil das Genehmigungsverfahren für den Zafira aktuell läuft, der ab Herbst 2016 verkauft werden soll. Das Bundesverkehrsministerium soll vom KBA aber verlangt haben, die Typzulassung nur zu erteilen, wenn die Abschalteinrichtung im neuen Zafira nicht installiert ist.

Werbung muss geändert werden

Auf umstrittene Werbeaussagen zu seinem Diesel-Modell Zafira 1.6 muss Opel künftig verzichten. Es werde nicht mehr mit den Aussagen "so sauber wie ein Benziner" oder "Vorbildlicher Abgasreinigung mit niedrigstem Stickoxidausstoß" geworben. Das geht aus einer Unterlassungserklärung hervor, die Opel am 10. Juni 2016 vor dem Landgericht Darmstadt abgab. Bei Zuwiderhandlungen müsste die General-Motors-Tochter pro Fall 5001 Euro an den klagenden Verein "Deutsche Umwelthilfe" (DUH) zahlen.  

Man halte die ausschließlich auf die Abgasnorm Euro 6 bezogenen Aussagen weiterhin für richtig, hatte Opel-Anwalt Dominik Wendel vor Gericht erneut betont. Man wolle lediglich das von der DUH angestrengte Verfahren beenden. Bei der mündlichen Verhandlung hatte sich die Vorsitzende Richterin der 12. Zivilkammer, Ursula Emmenthal, kritisch zu den umstrittenen Werbeaussagen geäußert. Konsumenten könnten die Aussagen allgemeiner auffassen, sagte sie: "Es wird eine Einschätzung beim Verbraucher geweckt, die nicht realistisch ist".

Kein Gerichtsentscheid nötig

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Die Kammer musste in der Sache nicht entscheiden, da die DUH nach der Opel-Erklärung ihre Anträge auf einstweilige Verfügungen auch noch zu anderen Werbeaussagen fallen ließ. Bei der Verhandlung spielte es keine Rolle, ob der Zafira tatsächlich die Euro-6-Norm einhält, was von den Umweltschützern bezweifelt und vom Bundesverkehrsministerium untersucht wird. Opel selbst hat eingeräumt, dass die Reinigung unterhalb von 17 Grad Außentemperatur reduziert wird und dies mit dem notwendigen Motorschutz begründet. Das Gericht musste davon ausgehen, dass das Fahrzeug die Norm erfüllt. Opel muss die strittigen Aussagen innerhalb von vier Wochen aus sämtlichem Werbematerial entfernen und 60 Prozent der Gerichtskosten tragen. "Das Ergebnis der Anhörung lautet 4:2. Vier Anschuldigungen der DUH wurden zurückgewiesen, bei zweien haben wir zugestimmt, in unserer Darstellung präziser zu werden", sagte ein Opel-Sprecher. "Mit diesem Vergleich ist der Fall abgeschlossen." Die Umwelthilfe äußerte sich zunächst nicht zum Ausgang des Verfahrens.

"Vorwürfe beruhen auf falschen Interpretationen"

Opel Chef Karl-Thomas Neumann weist jeden Vorwurf der Trickserei zurück.

Anfang Juni hatte Opel neue Vorwürfe zur Abgasreinigung beim Zafira scharf zurückgewiesen. Der "Spiegel" hatte zuletzt über weitere Analysen des Hackers Felix Domke berichtet, der Daten aus der Zafira-Motorsteuerung ausgelesen hat. Diese deuteten auf eine ähnliche Strategie beim Abschalten der Abgaseinrichtung hin wie bei Volkswagen, hieß es in dem Bericht. Das Unternehmen verwies in seiner Reaktion auf Untersuchungen in Deutschland, Frankreich und England. Man verwende keine Software, die erkennt, ob sich ein Fahrzeug auf einem Prüfstand befindet, bekräftigte der Autobauer. Die Vorwürfen beruhten auf falschen Interpretationen der Daten, sagte ein Opel-Sprecher.

Dokumentation fürs Bundesverkehrsministerium

Opel legte der zuständigen Kommission des Bundesverkehrsministeriums am 1. Juni 2016 eine Erläuterung der Funktionsweise seiner Abgasreinigung vor. "Wir sind davon überzeugt, dass unsere Motoren die gesetzlichen Vorschriften hinsichtlich der Stickoxid-Emissionen erfüllen und dass die Anschuldigungen ein falsches Verständnis der Arbeitsweise von Diesel-Motoren widerspiegeln", hieß es in einer Mitteilung. Das Unternehmen sei bereit, alle Fragen der Behörden zu beantworten.

Dobrindt: "Unterschiede in der Bewertung"

Derzeit nimmt die zuständige Kommission des Ministeriums diese mehrere Hundert Seiten Unterlagen von Opel technisch und juristisch unter die Lupe. Wie lange sie dafür brauche, sei noch nicht abzuschätzen, hieß es Anfang Juni in Berlin. Bei der rechtlichen Bewertung des Konzerns und der Abgas-Untersuchungskommission ließen sich "Unterschiede erkennen", sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Dabei gehe es um den Opel Zafira, der bei einer Geschwindigkeit von 140 Kilometern pro Stunde und geringem Luftdruck etwa ab 1000 Meter Höhe die Abgasreinigung herunterregele. Dies hätten Vertreter des Konzerns bestätigt.

Opel weist Manipulationsvorwürfe zurück

Das Unternehmen aus Rüsselsheim hatte bereits Ende Mai in einer Stellungnahme beteuert, alle gesetzlichen Vorschriften zu erfüllen. Wie "ausnahmslos jeder Automobilhersteller" nutze man bei der Abgasreinigung verschiedene Parameter, unter anderem Geschwindigkeit, Luftdruck und Drehzahl. "Wir sind der festen Überzeugung, dass wir in diesem komplexen Umfeld keine illegalen Abschaltvorrichtungen nutzen", hieß es in dem Text. Auch Opel-Chef Karl-Thomas Neumann hatte die Manipulationsvorwürfe gegen sein Unternehmen persönlich zurückgewiesen. "Es gilt nach wie vor: Wir bei Opel setzen keine illegale Software ein."

Zuvor hatten der "Spiegel" und das ARD-Magazin "Monitor" in Zusammenarbeit mit der Deutschen Umwelthilfe Recherchen vorgelegt, die auf möglicherweise illegale Abschaltvorrichtungen bei der Abgasreinigung von Opel-Dieselmodellen hindeuten. Neumann nannte diese Anschuldigungen "irreführende, übermäßige Vereinfachungen und Fehlinterpretationen der komplexen Zusammenhänge eines modernen Diesel-Abgasreinigungssystems". Abgasreinigungssysteme seien äußerst anspruchsvolle, integrierte Systeme, die sich nicht in isolierte Parameter zerlegen ließen. Die Testmethoden und Messergebnisse seien Opel nicht zur Verfügung gestellt worden und könnten daher nicht überprüft werden.

ADAC-Ecotest: Auch viele Euro-6-Diesel zu schmutzig

Vorwürfe gegen Volumenauto Astra

Auch gegen das Opel-Modell Astra wurden Vorwürfe laut, auch hier würden die Abgase erst ab einer Außentemperatur von 17 Grad gereinigt, berichtete der "Spiegel" vorab. Bei hoher Beschleunigung werde die Reinigung ebenfalls abgeschaltet. Die DUH hat inzwischen nach eigenen Angaben ein Rechtsverfahren gegen die Adam Opel AG wegen Verbrauchertäuschung eingeleitet.

"Nicht erklärbares Verhalten"

Zu den Vorwürfen gegen den Zafira hatte der Verkehrsexperte Axel Friedrich AUTO BILD gesagt: "Das Fahrzeug zeigt ein Verhalten, das physikalisch-technisch nicht zu erklären ist. Bisher hat Opel keine Erklärung dafür abgegeben." Er fügte hinzu: "Es gibt Hinweise, dass Opel mit Hilfe von Software ein bestimmtes Abgasverhalten erzeugt hat." Zuvor hatte Opel bereits eine teilweise Abschaltung außerhalb von 20 bis 30 Grad eingeräumt. Dieses sogenannte Thermofenster hatten Untersuchungen des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) bei vielen Modellen verschiedener Hersteller festgestellt. Wie andere Hersteller hatte sich Opel dabei auf den von der EU akzeptierten Bauteilschutz berufen.

Nur VW räumte Manipulation ein

Bislang führten Ermittlungen der US-Umweltbehörde EPA dazu, dass lediglich Volkswagen einräumte, Software eingesetzt zu haben, die auf Prüfständen zu niedrigeren Abgaswerten führte als im Alltagsbetrieb. Alle anderen Hersteller bestreiten, gegen Vorschriften verstoßen zu haben.

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