Erlebnisse im VW T3

Reportage VW Bus T3 Syncro Reportage VW Bus T3 Syncro

Erlebnisse im VW T3

— 09.01.2004

Die unglaublichen Touren ...

... des Herrn Schmidt. Mit einem serienmäßigen VW Bus T3 syncro bereisen ein Münchner Ingenieur und seine Frau seit vielen Jahren die Sahara. Dabei nehmen sie Strecken unter die Räder, auf die sich andere nicht einmal mit einem Unimog trauen würden. Hier berichtet er von seinen Abenteuern.

Überraschende Sandtüchtigkeit des T3

Mehr als ein halbes Dutzend Mal haben wir mit diesem Auto Libyen und Algerien erkundet, von den Kufra-Oasen bis zum Hoggar-Gebirge. Im Stich gelassen hat uns der Syncro nie. Klar, dass wir in der Sahara, dem größten Sandkasten der Erde, die Grenzen des Wagens ausgelotet haben.

Oft zwangsweise. Wir haben Pisten und Dünen unter die Räder genommen, die zuvor noch nie einen VW-Bus gesehen haben. Nicht nur wir sind immer wieder von der Sandtüchtigkeit unseres Gefährts überrascht. Auch die Einheimischen verfolgen meist mit offenem Mund und ungläubigem Staunen unsere Spuren.

Ein VW-Bus, der einfach so durch die Dünen fährt – das kommt ihnen seltsam vor. Der Blick ins Fahrerhaus hilft nicht weiter, denn es gibt im T3 syncro keine Hebel für zuschaltbaren Allradantrieb oder Untersetzung (er hat nur einen einzigen kurz übersetzten Geländegang) wie bei richtigen Geländewagen.

Geheimnisvoller Topf mit Silikon

Erst ein prüfender Blick unter die Vorderachse enthüllt das Geheimnis und überzeugt die kritischen Betrachter aus der Wüste: Aha, ein Differenzial, also doch ein Auto mit "Quat-Quat" (Allradantrieb). Der ist vergleichsweise simpel gestrickt, funktioniert aber seit vielen Jahren äußerst zuverlässig. Die Hinterachse des Heckmotor-Busses wird ständig angetrieben, zur Vorderachse gelangt die Kraft stufenlos über eine Viskokupplung.

Das ist ein geheimnisvoller Topf, gefüllt mit einer zähen Silikonmasse und einem Lamellenpaket. Sobald die Hinterräder durchzudrehen beginnen, verdickt sich das Silikonöl in der Viskokupplung und das Lamellenpaket in der Kupplung schickt die Antriebskraft vermehrt zur Vorderachse. Das aus heutiger Sicht simple System kommt ohne Elektronik aus. Größter Nachteil: Der Antriebsstrang ist immer ein wenig verspannt, in engen Kurven und beim Einparken gibt sich der syncro störrisch.

Mehr Kraft haben wir uns im Sand oft gewünscht. Dem Turbodiesel mit seinen 70 PS aus 1,6 Liter Hubraum und dem für heutige Begriffe lächerlichen Drehmoment von 138 Newtonmeter geht im Weichsand schnell die Puste aus. Manche Dünen schafft der schwere Bus so einfach nicht. Was hätten wir da nicht alles gegeben für einen der modernen, kräftigen Turbodiesel, wie sie in heutige Geländewagen eingebaut werden.

In Falllinie nach unten stürzen

Eine Übung bleibt uns dafür erspart: mit vier durchdrehenden Rädern im Sand einwühlen, bis die Bodenplatte aufsitzt. Dazu ist der syncro einfach zu schwach. Anstatt zu schaufeln, fahren wir in der eigenen Spur meist mühelos zurück und versuchen, die Düne auf einer anderen Linie zu bezwingen. Genau das praktizierten wir bis zum Exzess beispielsweise in den Sandbergen rund um die Mandara-Seen in Libyen, wo unser Bus seine Reifeprüfung auf seiner ersten großen Saharatour ablegte.

Mutig und neugierig sind wir dort in das Wadi Machruga vorgedrungen und haben mehr als 100 Meter hohe Sanddünen bezwungen. Als wir dann oben stehen am Gipfel und hinunterblicken zum palmenumringten See, wird uns ganz schwindlig. Fast senkrecht erscheint der Abstieg. Es sind 38 Grad Gefälle, der Schüttwinkel des Sandes. Eigentlich viel zu gefährlich. Doch wir wollen hinunter zum Wasser, und dafür gibt es nur einen Weg: In der Falllinie senkrecht nach unten.

Ich gebe ein wenig Gas, der syncro stürzt sich todesmutig durch den weichen Sand in die Tiefe. Gas wegnehmen oder gar bremsen hätte in dieser Situation unweigerlich zum Überschlag geführt. Unten feiern wir unseren VW Bus und den Sieg über die Naturgewalten mit einer Flasche Champagner, die wir für solche Fälle ganz tief verborgen stets in unserer Proviantbox mitführen. Es folgten in den Jahren danach noch viele weitere Touren durch die Wüste und über Dünen. Wobei wir unseren T3 syncro immer mehr zu schätzen lernten. Er hat uns immer dorthin gebracht, wohin wir wollten.

Bugwelle bis zur Windschutzscheibe

Obwohl es nicht die besonders geländegängige 16-Zoll-Version mit erhöhter Bodenfreiheit und Differenzialsperren ist, sondern die Standardausführung mit serienmäßiger 14-Zoll-Bereifung. Echte Nehmerqualitäten beweist der unauffällige Volkswagen auch ein paar Tausend Kilometer nördlich der Sahara, da, wo es 50 Grad kälter ist – auf den Fahrten zum Nordkap und durch Island. Hoch oben in Norwegen pflügt er sich durch 30 Zentimeter tiefen Neuschnee, vorbei an anderen Wohnmobilbesatzungen ohne Allradantrieb, die auf besseres Wetter warten müssen.

Und dann lehnen wir uns in den Polstern genüsslich zurück und schlürfen heißen Tee, während draußen der eisige Wind über die Felsen pfeift: Das Nordkap gehört uns ganz alleine, wir sind die Einzigen hier auf dem riesigen Parkplatz. In Island verleitet uns die gute Traktion des syncro zum Leichtsinn. Wir durchpflügen einen Wasserlauf nach dem anderen, ohne Probleme. Und weil es so gut läuft, verzichten wir bald auf die sonst unumgängliche Erkundung der Wasserdurchfahrten zu Fuß.

Die gerechte Strafe folgt umgehend. In den nächsten Fluss fällt der Bus förmlich hinein, die Bugwelle reicht bis zur Windschutzscheibe. Mein Herz bleibt fast stehen, als der Drehzahlmesser auf null fällt. Doch der Motor zieht unbeirrt weiter, der Wagen bringt uns ans rettende Ufer. Gerade noch mal gut gegangen. Die Erklärung für den ausgefallenen Drehzahlmesser: Die Lichtmaschine mit dem Drehzahlgeber war geflutet und hatte vorübergehend ihren Dienst eingestellt. ´

VW T3 syncro – es gibt keine Alternative

Inzwischen hat unser Bus 180.000 Kilometer auf dem Buckel und eine Motorüberholung hinter sich. Er läuft noch so zuverlässig wie am ersten Tag – und das ist gut so.

Ein adäquater Nachfolger oder ebenbürtige Alternativen sind nämlich nicht in Sicht. VW T4 syncro und der neue VW T5 syncro eignen sich nicht für Saharatouren, das sind brave Straßenfahrzeuge. Das Raumangebot eines Hyundai Starex 4WD ist eine halbe Nummer kleiner und zum drin Wohnen deshalb ungeeignet. Ausgebaute Toyota Land- Cruiser HZJ 78 oder HZJ 105 bieten ebenfalls viel weniger Platz als unser VW Bus, zudem ist der Camping-Umbau dieser Geländewagen aufwändig und teuer.

Als Fernreisender kommt man schnell ins Grübeln, wenn man den Markt der neueren Geländeautos betrachtet. Da fragt man sich, was die Unzahl der elektronischen Fahrhilfen im Gelände bringen soll. Wenn es hart auf hart kommt, braucht ein Auto eigentlich nur drei Dinge: Es muss robust gebaut sein, es sollte genügend Kraft haben (was beim T3 syncro zugegebenermaßen nicht der Fall ist), und der Allradantrieb muss die Kraft stets zuverlässig auf den Boden bringen. Für Touren über besonders felsige und materialmordende Pisten haben wir uns mittlerweile einen älteren Nissan Patrol GR zugelegt. Als Wüstenzweitwagen, um den VW Bus zu schonen. Denn den werden wir wohl noch lange behalten.

Zur Person Friedrich Schmidt Seine erste Tour nach Algerien unternimmt er als Student in den späten 60er Jahren – mit einem Opel Kadett, der ihn bis nach In Salah und zurück bringt. Zusammen mit seiner Frau Erika zieht es den Ingenieur für Automatisierungstechnik danach immer wieder in die Sahara, sobald es die Zeit zulässt. Neben der Suche nach archäologischen Schätzen im Wüstensand hat der Münchner noch zwei weitere Hobbys: das Ultraleichtfliegen und das Fotografieren.

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