Fahrbericht Chevrolet Camaro

Fahrbericht Chevrolet Camaro

— 29.07.2009

Eine ganz heiße Geschichte

Fans von potenten Muscle-Cars reiben sich schon begeistert die Hände: 2010 startet der Chevrolet Camaro in Deutschland. Importeure bieten den US-Verkaufsschlager schon jetzt an. Ein erster Fahrbericht.

Die Schöpfer des neuen Chevrolet Camaro müssen Fußballfans sein – frei nach der Sepp-Herberger-Weisheit: Das Runde muss in das Eckige! Kreisförmige Tacho- und Drehzahlmesserskalen zwischen eckigen Rahmen, halbmondförmige Rückleuchten in chromblitzenden Rechtecken, runde Scheinwerfer hinter kantigem Grill. Rund gegen eckig erzeugt Reibung. Der neue Camaro ist nicht bloß Retorten-Retro wie der Dodge Challenger , sondern ein zeitgenössisches, eigenständiges Auto. Ganz ohne dezente Design-Anleihen bei frühen Ahnen kommt der Neue nicht aus, insgesamt steht da aber ein starker Neuanfang. Was angesichts des gähnend langweiligen Vorgängers bitter nötig war. Doch kann die Neuauflage eines Muscle-Car den kränkelnden GM-Konzern heilen, oder wird der Hubraumriese zum Abgesang auf hemmungslose Säufer-Dinos? 

Der 6,2-Liter-V8 brüllt in fünf Sekunden auf Tempo 100

Kräftiger Herzmuskel: Unter der Haube des Camaro arbeitet ein 6,2-Liter-V8 mit 422 PS. Ein V6 mit 304 PS ist auch zu haben.

In technischer Hinsicht wirkt das Comeback nach sieben Jahren Pause gelungen. Wer die kompromisslos harten Fahrwerke der Supersportler kennt, fühlt sich im Camaro angenehm überrascht. Aber wer sehnt sich im Camaro schon nach Gemütlichkeit? Der Big Block unter der Haube verstärkt diesen Eindruck. Im Alltagsbetrieb blubbert der V8 geruhsam vor sich hin, doch das Brüllen beim Kick aufs Gaspedal zeigt zweifelsfrei: Diese Brust ist unrasiert! Der 6,2-Liter schießt das Coupé in gut fünf Sekunden auf Tempo 100. Und wer die Tanksäulen nicht fürchtet, treibt den Camaro auf angezeigte 250 Spitze. Schweißnasse Hände ausgeschlossen, denn die Lenkung arbeitet ohne Ami-Weichspüler.

Die Verarbeitung im Cockpit enttäuscht – Plastik gibt den Ton an

So fing alles an: Chevrolet Camaro der ersten Baureihe (1966 bis 1970).

Zu verschachtelt wirkt das Cockpit. Mehr Stahl und Metall hätten den starken äußeren Auftritt sicher besser unterstrichen als Plastik, Plastik und noch mal Plastik. Alles in allem enttäuscht die Verarbeitung. Chevrolet will das Sportcoupé im kommenden Jahr in Deutschland auf den Markt bringen. Wer nicht so lange warten will, muss bei freien Importeuren zuschlagen. Bei Geiger in München kostet der 304 PS starke V6 39.900 Euro, der V8 (422 PS) ist für 49.900 zu haben. Wartezeit: sechs bis acht Wochen. Der Spritdurst des Achtzylinders hält den Camaro exklusiv. In den USA ist der Wagen so beliebt, dass Händler für sofort verfügbare Modelle bereits 5000 bis 7000 Dollar Zuschlag verlangen. 12.000 Wagen wurden im Juni dort zugelassen. Viel für ein Nischenmodell, aber nicht genug, um Chevrolets heißer Heilsbringer zu werden.

Technische Daten Chevrolet Camaro: • V8, vorn längs • zwei Ventile pro Zylinder, eine zentrale Nockenwelle • Hubraum 6162 ccm • Leistung 315 kW (422 PS) bei 5000/ min • max. Drehmoment 553 Nm bei 4500/min • Hinterradantrieb • Reifen vorn 245/45 ZR 20, hinten 275/40 ZR 20 • L/B/H 4815/1928/1365 mm • Radstand 2852 mm • Sechsganggetriebe • Tankinhalt 72 l • Kofferraumvolumen 320 l • 0–100 km/h in 5 s • Spitze ca. 250 km/h
Claudius Maintz

Claudius Maintz

Fazit

Der Camaro hat zwei Gesichter. Einerseits ist er ein kraftstrotzender Supersportler, der auf Kommando zubeißt. Andererseits taugt er dank hohen Komforts auch zum Alltagsauto. Am meisten überzeugt sein Design – weil es einen echten Neuanfang markiert .

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