Zwei Supersportler im Vergleich
Scharfes Duo

Mehr geht fast nicht: Mit 580 und 670 PS fordern TechArt GT2 und Mercedes SL 65 AMG Black Series den ganzen Fahrer. Dafür bieten sie aber auch Gänsehaut und Achterbahnfeeling. Ein Vollgas-Vergleich auf dem Hockenheimring.
Mit einer "Schwarzen Serie" verbindet man eher nichts Gutes. "Black Series" klingt dagegen für Kenner nach Verheißung, für manchen gar nach Erfüllung eines Traumes, den das Kürzel AMG allein bislang nicht zu befriedigen vermochte: Nach allen Regeln der Kunst auf die Spitze getriebene Sportlichkeit in einem Modell mit dem Stern, ein Stück dunkler Materie, das das Meer glitzernder Himmelskörper an Kraft bei Weitem übertrifft. Jüngster Streich der Mercedes-Tuning-Abteilung AMG: Der SL 65 AMG Black Series, der schon von außen als Darth Vaders Dienstwagen durchgehen könnte und die dunkle Seite der Kraft mit einem auf 670 Biturbo-PS aufgeblasenen V12 mit sechs Liter Hubraum zelebriert. Weitaus einschüchternder als optischer Auftritt und PS-Leistung jedoch: Das Drehmoment ist elektronisch auf 1000 Nm begrenzt. Weshalb auch "nur" eine extrem lang übersetzte Fünfstufenautomatik zum Einsatz kommt - die einzige im Mercedes-Regal, die diese Leistung nicht mit zerbröselnden Einzelteilen quittiert. Black Series steht aber auch für sportliche Performance auf der Rennstrecke.
Durch den Einsatz von Carbon werden beim Black Series 165 Kilo gespart

Bild: Jens Mönich
Der TechArt GT2 verzichtet optisch auf reine Effekthascherei

Bild: Jens Mönich
Wer einen der beiden Supersportler maximal beschleunigt, ist um eine fast traumatische Erfahrung reicher. Die aberwitzige Kraft des Black Series kommt völlig ansatzlos und ohne Verzögerung. Das macht es auch etwas knifflig, schlupffrei und gerade vorwärtszukommen, denn bei zu viel Gaseinsatz neigen die reichlich dicken 325er bei jeder Drehzahl zur völligen Haltlosigkeit – den richtigen Gang vorausgesetzt, denn das Getriebe ist eben sehr lang übersetzt, was auch die vergleichsweise schlechten Elastizitäts-Werte im fixierten 4. und 5. Gang erklärt. Im passenden Gang, oder im Automatikmodus des schnell schaltenden Automatikgetriebes, entfesselt der Black Series einen brachialen Druck, der erst deutlich jenseits der 250 km/h etwas nachzulassen scheint. So mühelos der SL 65 die Kraft aus seinen zwölf Töpfen schüttelt, so spektakulär ist die begleitende, dunkel brodelnde Geräuschkulisse. Schade nur, dass viele Feinheiten wie etwa das rotzige, dumpfe Bollern im Schiebebetrieb besser von außen als von innen zu hören sind.
Nicht minder eindrucksvoll presst sich der TechArt mit Wolllust dem Fahrtwind entgegen, doch beginnt bei ihm der Brutalo-Schub erst bei etwa 3000 Touren. Was nach Turboloch klingt, ist jedoch nur ein etwas weniger spitzes Anfallen des maximalen Drehmoments, was unter dem Strich eine gleichmäßigere und besser fahrbare Leistungsausbeute bedeutet. Dazu spielt der TechArt einen harten, metallisch gefärbten Sound, der bei geöffnetem Klappenauspuff zwar nicht die typische Trompetenfanfare der Boxer-Sauger bei hohen Touren moduliert, sich aber kreischend in die Gehörgänge bohrt. Und zwar auch in die der Insassen, und nicht überwiegend in die der Passanten wie der Black Series.
Weitere Details zu den beiden brachialen Pulsbeschleunigern gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.
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