Fahrbericht Honda S2000

Honda S2000 Honda S2000

Fahrbericht Honda S2000

— 28.05.2009

Die letzten ihrer Art

Zehn Jahre lang durfte er Herzen brechen, jetzt ist Schluss: Honda stellt den S2000 ein. autobild.de-Autor Stephan Bähnisch drehte eine finale Runde – und weint dem Japaner viele Tränen nach.

Da steht er, schlicht in Weiß, und wartet auf die letzte Ausfahrt. Zehn Jahre auf dem Buckel, seit 1999 nahezu unverändert gebaut, die Form absolut klassisch. Der Honda S2000 ist kein gewöhnliches Auto. Als der Roadster auf dem Markt kam, gab es Begeisterungsstürme wegen des unerhört hoch drehenden Motors und heftige Kritik, weil der Japaner lange eine echte Heckschleuder war, die einer kundigen Hand bedurfte. Hochdrehzahlkonzept, damit macht BMW Werbung für seine M-Modelle, Honda hat das bereits vor zehn Jahren umgesetzt. Während sich ein M3 mit 8200/min begnügen muss, setzt der S2000 nochmal 800 Touren drauf. Und obwohl der Zweiliter-Sauger immer nach deftigen Gasstößen zu betteln scheint, gelten die Motoren als ausgesprochen standfest.

Bei 5850 Touren kommt die zweite Luft

Unter die Heckklappe passen 150 Liter Gepäck, Passagiere müssen Puristen sein.

Der S2000 ist reinste Roadster-Philosophie: Das Gewicht ist perfekt verteilt, 50:50, der Fahrer plumpst tief in die engen Sitzschalen, das Verdeck öffnet schnell per Knopfdruck, nachdem ein Haken entriegelt wurde. So soll es sein. Starterknopf links drücken und der Sturm kann losbrechen. Obwohl sich der S2000 auch sehr zivil fahren lässt, denn die 240 Pferde schlummern ja jenseits der 5850 Touren, wo die variable Ventilsteuerung VTEC (Variable Valve Timing and Electronic Control) auf eine schärfere Nocke schaltet und die zweite Stufe zündet. Dann brüllt der Motor sein hohes C aus den Auspuffrohren, der Japaner macht nochmal merklich Druck. Ein "Wroar" bis 9000 Touren. Das verleitet dazu, immer mindestens zwei Gänge niedriger zu fahren als es sein müsste, zumal das Rühren in der Sechs-Gang-Box richtig Spaß bringt, weil die Wege extrem kurz sind.

Das Heck bleibt brav

Leder ist Serie, das Mäusekino mit Digital-Anzeige ebenso.

Gut, die Plastikwüste um die Passagiere ist nicht ganz zeitgemäß, die Schalter wirken billig. Der Fußraum des Beifahrersitzes ist wegen der Rahmenkonstruktion zerklüftet wie die Schweizer Alpen. Also runterschalten und das "Wroaarrrrr" erneut bemühen, dann vergisst man Plaste und Elaste, lässt sich in die lederbezogenen Sportsitze pressen. Selbst das Heck drängt nicht mehr wie früher vehement nach außen, seitdem Honda seinen Renn-Roadster mit VSC (ESP bei Honda) zivilisiert hat. Auf die exorbitanten Versicherungseinstufungen hat das übrigens keine Auswirkungen. Die Federung bügelt knochentrocken über die schlechten Straßen im Taunus, doch es klappert nicht im Gebälk, die Karosserie ist steif wie in Stein gemeißelt. Dank der Differenzialsperre bringt der Roadster die Kraft erstaunlich souverän auf den Asphalt. Dazu kommt die feine Lenkung als Genussfaktor, dank Hinterradantrieb absolut frei von störenden Einflüssen. Dieses Auto darf nicht sterben.

Hybrid statt Sport

Der Nachfolger für den S2000 ist fertig entwickelt, er steht in Japan praktisch in den Startlöchern. Aber er kommt nicht, weil Honda sparen will und künftig vor allem auf Hybridtechnik wie im Insight statt auf Sportwagen setzt. In den USA ist der Markt für Roadster eingebrochen, es gibt gute wirtschaftliche Gründe, den S2000 einzustellen. In Deutschland hat Honda 2008 gerade mal 95 Fahrzeuge verkauft. Vielleicht ist das der Grund, warum die in Genf 2009 präsentierte "Ultimate Edition" nicht nach Deutschland kommt. Die Händler verkaufen noch die verbliebenen Exemplare, das war's. Wer 39.590 Euro übrig hat, sollte sich einen der letzten S2000 sichern, eine Gute-Laune-Garantie gibt es inklusive.

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