Kaufberatung Fiat 124 Spider

Fiat 124 Spider: Kaufberatung

Pasta mit Stäbchen

Der Fiat 124 Spider ist der Traum italophiler Roadsterfans – wendig, leicht und ohne unnötigen Schnickschnack. Kann man ihm unter diesen Umständen sogar verzeihen, dass er gar nicht aus Italien kommt?
Passend zum italienisch-frivolen Humor strahlte Fiat Anfang 2017 eine amüsante TV-Werbung zum 124 Spider aus. In jenem Spot sorgt statt der Einnahme einer gewissen blauen Pille eine Ausfahrt im offenen Zweisitzer für nachhaltigen Lustgewinn – mit der Folge, dass der nicht mehr ganz junge Charmeur sich anschließend wieder leidenschaftlich seiner Liebsten widmen kann. Während unserer Ausfahrt rund um den Starnberger See waren wir natürlich in erster Linie auf der Suche nach fahrerischen Glücksmomenten. Und so viel schon mal vorweg: Diese hatten wir reichlich. Aber der Reihe nach. Basis des freudeversprechenden Roadsters bildet der Mazda MX-5 – die Genetik stimmt also schon einmal. Doch der Körperbau ist eben nicht alles. In Sachen Anmutung und Charakter zieht der Italiener am Japaner vorbei. Denn kaum eine andere Nation versteht es derart gekonnt, mit wenigen stilvollen Akzenten ihr ganz eigenes Flair zu versprühen, wie die Italiener. Die Turiner schicken den kleinen Mazda in die Sportboutique, kleiden ihn etwas adretter ein, wie es sich für einen Verführer gehört. So zitieren etwa die zwei markanten Dome auf der Motorhaube, der sechseckige obere Frontgrill sowie die nostalgischen, ringförmigen Heckleuchten Stilelemente des Originals von 1966.

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Zu umfangreich um die Hüfte sollten die Passagiere nicht sein

Der Technikbruder ist sofort erkennbar. Allerdings gibt es im Fiat mehr Lederbesatz, mehr Klavierlack, dickere Seitenscheiben sowie ein besser gedämmtes Verdeck.

Doch nicht nur beim Outfit konnte Fiat eigene Akzente setzen. Zwar ist die Ähnlichkeit im Interieur recht groß, allerdings bringt der Spider mehr Lederbesatz am Armaturenträger, ein wenig mehr Klavierlack statt einfachen Kunststoffs, dickere Seitenscheiben so wie ein besser gedämmtes Stoffverdeck mit. Platz gibt's weniger, dafür fühlt man sich allein oder auch zu zweit wie in einem Kokon geschützt. Die Sitze schmiegen sich eng an alle Konfektionsträger jenseits der Größe 0, zu umfangreich um die Hüfte sollten die Insassen also nicht sein. Auch müssen wir fairerweise hinzufügen, dass dieses Auto für Fahrer bis maximal 185 Zentimeter Körpergröße passt. Noch größeren Personen würde der Fahrtwind direkt auf die Stirn pfeifen – zu gedrungen ist die Architektur.

Modell 1.4 MultiAir Turbo Abarth
Motor / Hubraum R4, Turbo / 1368 cm3 R4, Turbo / 1368 cm3
Getriebe (man. | autom.) 6-Gang | 6-Stufen-Wandler 6-Gang | 6-Stufen-Wandler
kW (PS) bei 1/min 103 (140) / 5000 125 (170) / 5500
Nm bei 1/min 240 / 2250 250 / 2500
Höchstgeschwindigkeit 217 | 214 km/h 224 | 222 km/h
0–100 km/h 7,5 | 7,6 s 6,8 | 6,9 s
Verbrauch (ECE-Mix) 6,4 | 6,6 l S 6,4 | 6,6 l S
Abgas CO2 148 | 153 g/km 148 | 153 g/km
Ottopartikelfilter / Abgasnorm -/ Euro 6 -/ Euro 6
Grundpreis 24.990 Euro 33.000 Euro
Wertung Der 1.4 Multijet läuft kultiviert und vibrationsarm, klingt unter Last durchaus interessant und bringt das Leichtgewicht jederzeit lebendig voran. Mehr als nur der sportive Ableger des Basismotors. Subjektiv kraftvoller, als es die Zahlen vermuten lassen. Dazu der grandiose Sound.
Ökotrend-Wertung 3+ 3
Ein Jammer für alle Betroffenen. Denn sie kommen nicht in den Genuss, quasi einen MX-5 mit Turbomotor zu fahren. Hier offenbaren sich die grundlegendsten Unterschiede gegenüber seinem japanischen Halbbruder. Den 1,4-Liter bläst ein Turbolader auf 140 PS und vor allem auf 240 Nm Drehmoment, die dem Italiener eine breite Brust machen. Der Vierzylinder läuft nicht nur ruhig und klingt vollmundig, er bringt auch aus jeder Lage satten Antritt auf die Straße. Egal wo die Drehzahlnadel steht, ein Gruß ans Gaspedal reicht aus, um im 124 die Lebendigkeit zu spüren, die einen Roadster zu et was Besonderem macht. Das Gefühl lässt sich in Zahlen ausdrücken: Von null auf hundert reichen dem Fiat 7,5 Sekunden.
Überblick: Alles zum Fiat 124 Spider

Die verschärfte Version von Haustuner Abarth macht richtig Spaß

Wenn es etwas mehr sein darf, steht Abarth parat und liefert ab: Der Klang des 1,4-Liter-Turbos bewegt sich am Rande der Legalität.

Für all jene, denen das zu lange dauert, hat Fiats Haustuner Abarth eine verschärfte Version des 124 Spider im Angebot. Der Roadster mit dem Skorpion im Logo bringt es dank größerem Turbolader auf 170 PS. In puncto Antritt und Durchzug macht sich das deutlich bemerkbar, sodass der Eindruck entsteht, hier seien mehr als 30 zusätzliche PS am Werk. Schon im Stand klingt der Abarth 124 Spider vielversprechend. Der Record Monza genannte Klappenauspuff beherrscht verschiedene Tonlagen, von tief brummend über brabbelnd bis laut röhrend. Der Klang des 1,4-Liter-Turbos bewegt sich am Rande der Legalität und erinnert stark an einen Lancia Delta Integrale. Unter Volllast und hohen Drehzahlen wird der Sound allerdings etwas dünn. Dafür entschädigt der Abarth mit herrlichen Schaltsalven des automatischen "Sequenziale Sportivo"-Getriebes. Das getestete aufpreispflichtige Automatikgetriebe überzeugt mit flotten Schaltzeiten, und so sind die werksseitig angegebenen 6,8 Sekunden auf Tempo gekauft. Und wer will, kann dank Hinterradantrieb auch herrlich driften. Für die passenden Winkel sorgt ein mechanisches Sperrdifferenzial. Die serienmäßigen Brembo-Bremsen verzögern souverän. Unabhängig von der Motorausbaustufe ist die Landstraße das bevorzugte Revier. Den Kurvenswing und die Verschmelzung des Fahrers mit dem Auto – das beherrschen alle 124er.

Ein Artikel aus AUTO TEST

In Sachen Qualität gibt es nichts zu meckern

Nachdem Faktoren wie Verarbeitungsqualität und Exaktheit ja immer so eine Sache sind bei den Italienern, haben wir hier besonders genau hingesehen. Aber siehe da: Auch hier ist alles paletti. Machart und Anmutung stimmen. Einzig auf besonders schnell überfahrenen Wellen kriegt die Frontscheibe ein wenig das Zittern. Ein Basis-Spider startet bei 25.000 Euro, exakt 2000 Euro über dem Mazda. Ratsam ist zudem die 2000 Euro teure Lusso-Ausstattung. Sie umfasst 17-Zoll-Räder, Ledersitze, Klimaautomatik und das doppelte Endrohr. Macht am Ende fast 27.000 Euro. So toll das Fahrgefühl auch sein mag – und es die Roadster-Spezies unbedingt zu erhalten gilt –, über den Preis verkauft sich so ein 124 Spider wohl nicht.

Kaufberatung Fiat 124 Spider

Abarth 124 SpiderFiat 124 SpiderFiat 124 Spider

André Huster

Fazit

Er ist keineswegs nur eine schnöde MX-5-Kopie. Im Gegenteil – der 124 ist kräftiger, luxuriöser und fährt auch einen Tick komfortabler. So ist es nachvollziehbar und in Relation gerechtfertigt, dass sich Fiat diese Aufwertung bezahlen lässt. Als Abarth legt er in vielerlei Hinsicht noch eins drauf, leider auch beim Preis.

Stichworte:

Roadster

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