Fiat Panda 4x4/Mähdrescher: Vergleich

— 17.12.2012

Drescher-Monster trifft Mini-Allradler

Sie sind Fiat, haben Allradantrieb, aber sonst wenig gemeinsam. Wir suchen die Schnittmenge von Panda und Mähdrescher.



Mähdrescher fahren? Ist doch ganz einfach, finden die Landeier in der Redaktion. Aber was wissen die schon von diesem Urvieh, dem neun Meter breiten Weltrekord-Monster? Also gibt mir dessen Fahrer, Stefan Wolff, oben in der verglasten Kanzel eine kleine Fahrstunde. Zündung an. Den runden Gangwähler auf "3" stellen, am dicken Schaltknauf hinten die kleine Wippe drücken. Dann den Hebel sachte nach vorn schieben. Unter mir krabbeln die Raupenräder los wie Aliens, die roten Zähne vorn schwenken aufs nächste Maisfeld, als wollten sie es leer fressen. Ein schneller Blick nach rechts auf den Monitor. Herrje, 6,7 km/h! Na ja, ostdeutsche Äcker sind groß und geduldig. Stefan ist es auch.

Überblick: News und Tests zum Fiat Panda

Video: Fiat Panda 4x4 vs. New Holland

Ernte gut, alles gut

Sein Arbeitsgerät ist dieser New Holland CR 9090. Ein 18 Tonnen schweres Gefährt, das in den endlosen Weiten des Fiat-Konzerns entsteht und als Rolls-Royce unter den Mähdreschern gilt. Zu Werbezwecken hat der New Holland in acht Stunden mal 551 Tonnen Weizen geerntet und den Titel als "Guinness- Weltrekordler" gleich dazu. Genau der richtige Begleiter für den neuen Panda 4x4, der auch in seiner jüngsten Form eines geblieben ist: der kleinste Allradler unterm Fiat-Dach. Ich treffe die beiden im Revier des Großen. In 39624 Bismark in der Altmark, auf bestem Boden, wo der Mais trotz des Sommers, der keiner war, so hervorragend steht, als hätte es doch einen Sommer gegeben. Hier erntet Stefan Wolff mit seinem New Holland manchmal über 100 Tonnen Mais in der Stunde – und manche seiner Arbeitstage haben 22 davon. Schließlich soll so ein Maxi-Drescher seinen Preis von gut 400.000 Euro wieder einfahren. Die Saison dauert nur ein halbes Jahr, von Juni bis Dezember, deshalb müssen sie ranklotzen. Stefan und sein CR, die können ackern.

Fahrbericht Fiat Panda 4x4

Überblick: Geländegänger bei AUTO BILD ALLRAD

Auf der Landstraße macht sich der New Holland so breit, dass er eine Ausnahmegenehmigung braucht. Den Panda schreckt das nicht.

Schon die Anfahrt wird zum Abenteuer. Auf der Landstraße macht sich der New Holland mit seinen 3,82 Metern so breit, dass er eine Ausnahmegenehmigung braucht, um mit maximal 30 km/h über den Asphalt zu schleichen. Die Raupen knabbern rechts am Randstreifen und ragen links einen halben Meter in die Gegenfahrbahn. In 39624 Bismark haben sie alle Respekt, wenn dieses rollende Haus mit den blitzenden Rundumleuchten auftaucht, selbst Tanklaster weichen ehrfurchtsvoll aus. Nur der schmale Panda flitzt vorbei wie ein Floh. Auch dessen dritte Generation ist der leichte, flinke Springinsfeld geblieben, der in Österreich die Post befördert, in den Dolomiten Notärzte und in den Großstädten weiter nördlich das Gefühl vom etwas rustikaleren Kleinwagen. Dazu haben seine Designer ihn wieder passend eingekleidet: ein steilwandiger Kasten mit dunklen Planken ringsum und zweifarbigen Polstern – kneift man die Augen zu, geht er als Mikro-SUV durch.

Bildergalerie: Mega-Mähdrescher

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Bauch einziehen! Der Panda reckt sich vier Zentimeter höher, der Mais kratzt trotzdem am Boden.

Dazu passt dieses relaxte Fahrgefühl. Mit dem höheren Schwerpunkt schaukelt der Fiat entspannt durch die Lande. Der kleine rumorende 1,3-Liter-Diesel hat hier seine endgültige Bestimmung gefunden. Laufkultur und Tempo sind im Allrad-Panda letztlich egal, es geht halt irgendwie voran – auch dann noch, wenn es dreckig wird. Als neuer Rettungsanker wartet in der Mittelkonsole der ELD-Schalter. Das "Electronic Locking Differential" bremst bis 50 km/h Räder ohne Grip ab. Acker, wir kommen. Nach ein paar Hundert Metern Plattenweg landen wir im Heimatrevier des New Holland. Mais, so weit das Auge reicht. Der steht entweder so hoch, dass der Panda dahinter samt Dachreling verschwindet. Oder der CR 9090 hat ihn schon geerntet, dann ragen noch kniehohe Stengel in die Luft. Ein tückisches Offroad-Revier für den Kleinen, vier Zentimeter mehr Bodenfreiheit als im normalen Panda reichen kaum aus. Die abrasierten Stengel sind erstaunlich widerborstig und kratzen dem Fiat lautstark über den ungeschützten Boden. Plopp-plopp-plopp, macht es. Hoffentlich halten Antrieb und Auspuff das durch.

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Nebenan fährt Stefan Wolff das neun Meter breite Schneidwerk herunter, dessen rote Zähne jetzt auf eine Wand aus Mais zusteuern. Wie der Rasierer eines Riesen knickt der New Holland die Pflanzen, als seien es Strohhalme. Ketten rasseln, der Drescher dröhnt, und hinten schleudern die Maisreste als pfundschwere Geschosse heraus, sodass Stefan uns warnt, den Panda aus der Schusslinie zu halten. "Wenn ihr Glück habt, gibt’s nur Beulen." Nach zwei Minuten hat der CR mit seinen 571 PS eine Schneise geschlagen. Das Spitzenmodell (Werbeslogan: "Um Tonnen besser") hat Allradantrieb, 12,9 Liter Hubraum, Abgasnachbehandlung und ein Navigationssystem. Damit erntet die Maschine sogar unbemannt und zentimetergenau, während die Generation i-Bauer mit der Fernbedienung am Feldrand stehen kann – eine rasante Entwicklung, seit 1952 in Belgien der erste selbstfahrende Mähdrescher Europas gebaut wurde.

Bilder: Mähdrescher-Designstudie Future Harvester

Ich klettere sechs Stufen hoch in die klimatisierte "Harvest Suite". Dort hat Stefan Wolff einen Kühlschrank, rechts den 17-Zoll-Monitor mit zahllosen Sensormeldungen aus der Ernte- Fabrik, dahinter eine Batterie Schalter. Einer mit einem Hasen drauf. Damit wird doch nicht ...? "Nein, das ist der Schnellgang, wenn der Mais dünner steht." Okay. Ist er mit seinen 30 Zoll breiten Raupen schon mal stecken geblieben? "Nie, ich kann ja immer noch die Differenzialsperre zuschalten." Das macht den Fotografen übermütig, zum Abschlussfoto auf ein anderes Feld zu bitten. Dort gibt es keinen Mais, dafür mehr Schlamm. Der Panda wühlt sich tapfer rein, bleibt aber stecken. Ha, jetzt den ELD-Schalter gedrückt! Aber die schmalen Reifen sind schon verklebt. Der New Holland turnt derweil durch den Morast, als mache er sich über seinen kleinen Bruder lustig. Doch mit ein bisschen vor und zurück, mit hau und ruck kommt der 4x4 wieder raus. Wäre ja auch gelacht. Ein Panda blamiert sich doch nicht vor einer Landmaschine.

Technische Daten Fiat Panda 1.3 Multijet 4x4: Vierzylinder-Diesel • Hubraum 1248 cm³ • Leistung 75 PS (55 kW) • Fünfganggetriebe • permanenter Allradantrieb • L/B/H 3686/1672/1605 mm • 0–100 km/h 16,1 s • Spitze 159 km/h • Verbrauch 4,7 Liter/100 km (125g CO2/km) • Preis: 17.290 Euro.

Technische Daten New Holland CR 9090: Sechszylinder-Diesel • Hubraum 12 900 cm³ • Leistung 571 PS (420 kW) • Vierganggetriebe • Allradantrieb • L/B/H 9970/3820/3960 mm • Wendekreis 14 Meter • Tankinhalt 1160 Liter • Spitze 30 km/h • Gewicht 18 514 kg • Preis: circa 400.000 Euro.

Autor: Joachim Staat

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