Fisker Karma: Fahrbericht

— 10.08.2011

Karma für ein gutes Gefühl

Mit dem Karma mischt Henrik Fisker das Oberklasse-Establishment auf – mit Fahrspaß und einem guten Gewissen. AUTO BILD hat den Opel Ampera für Reiche ausprobiert.



Weil die etablierten Hersteller kaum mehr ein Modell im Programm haben, das sich nicht als grünes Auto versteht, folgt eine neue Eskalationsstufe der Umweltverträglichkeit. Auftritt Fisker Karma, das erste veganische Auto. In der Version EcoChic kommt er "tierfrei", womit die Pressemappe meint, dass bei der Produktion kein Tier zu Schaden kommt. Klingt wie ein Hinweis im Abspann von Kino-Western, bedeutet aber nur den Verzicht auf Leder. Bei den anderen Ausstattungslinien, bis zur Decke mit Leder tapeziert, stammen die Häute von Tieren aus artgerechter Haltung. Das sind nur Puzzlestückchen – wie die Verwendung von Treibholz für die Interieurleisten oder Altglas für den Glanzlack. Doch es summiert sich zum Bild eines umweltbewussten Oberklasseautos.

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Stark: Zwei Elektromotoren und ein Benziner versorgen den Karma mit insgesamt 403 PS.

Ohne den Beigeschmack des schlechten Gewissens, den V12-Brummer auslösen, will der Karma volles Luxusaroma und hohe Dynamik mit Sparsamkeit verbinden. Das ist Aufgabe des Antriebs. Der Karma hat ein Verbrennungstriebwerk und zwei Elektromotoren. Letztere sitzen an der Hinterachse, ziehen sich ihre Energie aus einem 20 kWh großen Lithium-Ionen-Akku, der an einer normalen Steckdose in sechs Stunden aufgeladen werden kann. Seine Kapazität genügt für rund 80 Kilometer. Danach – oder beim Antippen einer Schaltwippe am Lenkrad – schaltet sich der 260 PS starke Turbobenziner unter der Motorhaube zu. Weil der Karma ein serieller Plug-in-Hybrid ist, hat der Vierzylinder – anders als der des Opel Ampera – keine mechanische Verbindung zu den hinteren Antriebsrädern. Stattdessen treibt er – mit Effizienzverlusten im Vergleich zu anderen Plug-in-Hybriden – einen Generator an, der Strom für die E-Motoren liefert. Erzeugt er dabei mehr Energie als nötig, lädt er nebenbei die Batterie.

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Atemberaubend: Der Karma beschleunigt im E-Betrieb wie ein Raumschiff auf Warp 2.

Aus dem Stand stürmt der Karma mit gigantischen 1300 Nm voran. Weil er statt eines Getriebes nur eine feste Übersetzung braucht, beschleunigt er mit maximal 403 PS homogen. Dabei zischt er im E-Betrieb wie die "Enterprise" beim Sprint auf Warp 2. Die plärrigen Manieren des GM-Triebwerks wirken dagegen deplatziert in dieser gediegenen Umgebung. Besser passt die Fahrdynamik zum Karma, der mit tiefem Schwerpunkt, guter Gewichtsbalance (v/h: 47/53 Prozent) sowie dem langen Radstand satt und agil um Biegungen kurvt. Neutral, mit geringer Seitenneigung und direkter, leicht stößiger Lenkung legt sich der Zweieinhalbtonner mit dem Aston Martin Rapide an. Dass es nicht um Komfort geht, zeigen die harsche Federung – unverbindliche Grüße von den 22-Zoll-Niederquerschnittsreifen – und das Platzangebot. Der Großteil der zehn Quadratmeter Grundfläche geht für Technik und Design drauf. Knie- und Kopffreiheit im Fond? Bescheiden. Vorn reist es sich tief integriert. Größere fühlen sich beengt – vom Mitteltunnel, in dem die Batterie logiert.

Kofferraum? Nur 195 Liter. Die High Society wird's verschmerzen, solange zwei Golfbags reinpassen. Dass die Lüftungsdüsen vom Opel Corsa stammen, wird sie nicht stören – weil sie den Corsa gar nicht von innen kennt. Vor allem aber wird sie den Karma für seinen spektakulären Auftritt lieben. Das Styling des Konzeptautos brachte Henrik Fisker mit seinem Team binnen 39 Monaten in Serie. Ab September steht der Karma bei acht Händlern in Deutschland. 15.000 Exemplare will Fisker pro Jahr weltweit absetzen. Für einen Neueinsteiger in dieser konservativen Klasse wäre das ein tierischer Erfolg.

Technische Daten Fisker Karma zwei Elektromotoren an der Hinterachse, je 150 kW • Vierzylinder, Turbo, vorn quer, 191 kW (260 PS) • Systemleistung 300 kW (403 PS) • Drehmoment 1300 Nm ab 0/min • Hinterradantrieb • Einganggetriebe • 0–100 km/h 5,9 s • Tank 36 l • Mix 2,4 l Super/100 km • CO2 83 g/km • Spitze 201 km/h • Preis 101.800 Euro.
Sebastian Renz

Sebastian Renz

Fazit

Vor gut drei Jahren war der Karma die erste Studie von Fisker. Jetzt startet die Serienproduktion. Sein Preis von 101.800 Euro dürfte große Verbreitung verhindern, aber er könnte ein Trendsetter werden. Das Risiko ist hoch, aber das haben Revolutionen so an sich.



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