Ford Focus RS/BMW 130i/Audi S3 im Vergleich — 29.05.2009
Ford will nach vorn
305 PS und Frontantrieb: Kann das überhaupt gut gehen? Mit dem Focus RS will Ford BMW und Audi das Fürchten lehren. Auf der Handlingsstrecke des Contidroms durfte er gegen 130i und S3 zeigen, was er draufhat.
Gegen den Ford Focus RS wirken S3 und 130i geradezu schüchtern
Aber durch dieses Brachial-Tuning steht hinterm Focus RS ein großes Fragezeichen. Denn wie, bitte schön, soll der Fronttriebler 440 Newtonmeter und 305 PS auf die Straße bringen? Allradantrieb ist zu schwer und zu teuer. Um die gewaltige Kraft dennoch effektiv zu übertragen, verwendet Ford eine mechanische Differenzialsperre. Dazu kommt die sogenannte Revo-Vorderachse, die das Serienauto vom Wettbewerbs-Focus aus der Rallyeweltmeisterschaft erbt. Kann Renntechnik den Focus auf das Niveau des BMW mit Heckantrieb oder des Allrad-Audi bringen? So erleben wir auch einen Kampf der Antriebskonzepte. Das Ganze wirkt wie ein Spiel 1. FC Köln gegen Bayern München. Hier die lustige rheinische Karnevalstruppe, dort der vornehme Edelclub aus dem Süden. Der hat trotzdem kürzlich sein Heimspiel gegen die Kölner mit 1:2 verloren. Viva Colonia auch bei den Autos – denn der Focus geht den Dreikampf um die Sportkrone offensiv an. Optisch stellt er die beiden bajuwarischen Technokraten in den Schatten. Ob Spoiler, Flügel, Diffussoren oder Verbreiterungen – der RS schreit pubertär aus jeder Fuge: Platz da, jetzt komm ich! S3 und 130i wirken gegen dieses Tuning-Outfit unterkühlt, ja fast schüchtern.
Auf der Rennstrecke löst der Ford das Versprechen seiner Optik ein
Und dann diese Stimme. Zischend, keuchend, bollernd brüllt der Focus die Bayern nieder. Reiner Rennstreckensound. Für einen Turbomotor erste Klasse und alles andere als leere Worte. Vor allem bei mittleren Touren fällt ein Drehmoment-Tsunami über die gesperrte Vorderachse her und reißt den RS mit Urgewalt nach vorn. Auf der AUTO BILD-Hausstrecke, dem Contidrom bei Hannover, hält der RS, was sein martialischer Auftritt verspricht. Den 3,8 Kilometer langen Rennkurs umrundet er in 1:40,15 Minuten – schneller als Audi und BMW. Für einen Fronttriebler eine Sensation. Auch auf dem trickreichen Nasshandlingkurs zeigt der Focus ein verblüffend neutrales Einlenkverhalten. Differenzialsperre und modifizierte Vorderachse arbeiten so gut zusammen, dass kaum spürbarer Radschlupf auftritt. Ob in engen Kehren oder weiten Kurven – der Focus lässt sich wunderbar mit dem rechten Pedal und der direkten Lenkung dirigieren.Wie es sich für eine Sportkanone gehört, hat er einen gut kontrollierbaren Lastwechsel im Repertoire. Keine Frage: Traktionsfreudiger und agiler kann man einen Fronttriebler nicht abstimmen. Besonders gegen den vermeintlichen Chefdynamiker aus München schlägt er sich überraschend gut. Der Dreiliter-Saugmotor des BMW hat eine völlig andere Charakteristik. Klingt komisch, aber im Vergleich mit den aufgeladenen Audi- und Ford-Aggregaten wirkt der 130i durchzugsschwach. Erst jenseits von 5000 Umdrehungen jubiliert der Reihensechszylinder vehement genug, um nicht den Anschluss an die Turbo-Tiere zu verlieren. Auch beim Fahrspaß müssen BMW-Fans tapfer eine Niederlage ertragen. Natürlich hat der Hecktriebler die präziseste Lenkung, dennoch entzaubern ihn S3 und RS. Besonders alt sieht er auf nasser Fahrbahn aus. Dort rutscht er hektisch hin und her und findet nie eine akzeptable Linie.
Der Audi S3 bietet den besten Kompromiss zwischen Komfort und Sport
Ganz anders der Audi. Na klar, der hat Allradantrieb und auf rutschigen Straßen jederzeit perfekte Traktion. Unter Rundstreckenfahrern gelten 4x4-Systeme allerdings nicht als erste Wahl: höheres Gewicht und sperriges Handling ermöglichen normalerweise keine Topzeiten. Nicht so im S3. Trotz 40 PS weniger Leistung und gut einem Zentner mehr Gewicht als der Focus bleibt er ihm ganz dicht auf den Fersen. Das spricht für seine gekonnte Abstimmung, denn der Allradantrieb per Haldexkupplung bietet hier nicht nur ein Sicherheitsplus, sondern auch spürbar mehr Dynamik. So geeignet die drei Kompaktgranaten für Rennstrecken sein mögen, der Besuch abgesperrter Pisten dürfte eher die Ausnahme bleiben. Für öffentliche Straßen sind S3 und 130i besser geeignet als der RS. Weil sie viel geschmeidiger abrollen, werden Langstrecken nicht zur Tortur. Den besten Kompromiss zwischen Komfort und Sportlichkeit bietet der teure Audi, der zudem mit der besten Verarbeitung überzeugt.Um die harte Federung des Focus RS auf Dauer zu ertragen, braucht es Leidensfähigkeit. Motto: nicht weich, nicht reich, aber schnell. Sicher, der Ford ist billiger. Allerdings nur, wenn man ihn wie der freundliche Rentner im Focus CC 1.6 durch die Gegend trägt. Sonst liegen Verbrauch (11,3 Liter im Test) und Reifenverschleiß höher als bei Audi und BMW. Bei unseren – zugegeben sehr harten – Fahrtests waren die Gummis vorn schon nach wenigen Runden kräftig runtergerubbelt. Aber wir wollen nicht klagen. Der Ford RS ist wieder da. Und das ist gut so. Wer einen haben will, sollte sich beeilen. 1030 Exemplare sind für den deutschen Markt bestimmt. Die meisten davon sind bereits verkauft.
Das Endergebnis des Tests und weitere Details gibt es in der Bildergalerie. Den kompletten Artikel mit allen technischen Daten und Tabellen finden Sie als Download im Heftarchiv.
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Kommentare zum Artikel (75)
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@BMW-Georg: Ist das jetzt dein Ernst? du vergleichst einen sieben Jahre alten Z3 M-Roadster mit 52Tkm mit einem neuen Focus RS und bist dann stolz, dass du 10.000Euro weniger bezahlt hast? Für ein sieben Jahre älteres Auto mit 52000km?
Ausserdem muss man mal allein optisch schauen...Der RS schlägt nen Z3 M-Roadster um Längen...
@speedy220
33900 Euro für einen Ford RS mit 305PS. Du meinst du hast dein Geld so richtig gut angelegt? Ich habe mir letzen Sommer als Zweitwagen einen sieben Jahre alten Z3 M-Roadster mit 52Tkm BMW- Scheckheft) zugelegt. Der hat 20 Pferdchen mehr und ist eine Sekunde eher bei Tempo 100. V-Max Beschränkung rausgenommen läuft er offen(!!!) schon 280 (GPS 269km/h) Sachen.
Achso bezahlt habe ich incl. Hardtop und einen Satz fast neuer Winterreifen - die ich aber wohl auch nur sporadisch gebrauchen werde- 10 Riesen weniger als du, ups.
Der RS lässt alle anderen Konkurrenten schon beim Anlassen zu Staub zerbröseln!!! Wer richtig Adrenalin spüren will, muß sich einfach den Ford kaufen. Der ist einfach der Hammer!!! Ach übrigens, an alle Kritiker unter euch: Ich weiß, wovon ich rede. Ich hab den neuen RS in Ultimate Green... ;-)
ich guck erst nach design :) Da liegt der Focus RS klar vorn ! Der BMW sieht langweilig aus kein bisschen nach sport der S3 auch nur sehr gering. Für das "kleine" Geld soviel Power ist beachtlich. Wenn man bei VW oder Audi 305 PS will muss man mindesten 40.000 hinlegen.
Für die meisten hier ist der Gewinner ganz klar, der Ford Focus RS zurecht. Auch wenn er vllt. ca. 1 Liter mehr verbraucht. Dafür ist der wagen eine rarität nur 1030 in Deutschland.
also: wer ein auto in solch einer PS region kaufen möchte,der schaut zuerst auf den sound, dann auf den fahrspaß, dann auf das design dann auf die messwerte und dann auf den preis. wenn man nach diesen kriterien vorgeht, ist der Ford welten vorraus.
aber naja autobild halt