Gebrauchtwagen-Test Renault Laguna II

— 25.01.2008

Seine Heimat ist die Bühne

Er sollte eigentlich alles viel besser können als sein Vorgänger. Leider aber steht der Renault Laguna II viel öfter in der Werkstatt - wegen konstruktiver Schwächen.



Er beginnt meist sehr erfreulich, der erste Kontakt mit dem Renault Laguna der zweiten Serie ab Anfang 2001. Da steht ein elegantes Auto, ordentlich verarbeitet, das bei ansprechender Form auch noch viel Platz bietet. Selbst der Grandtour genannte Kombi opfert seinem abgeschrägten Heck nur wenige Liter Kofferraumvolumen. Und dann sind diese Autos auch meist recht günstig. Das hat gute Gründe, denn der zweite Eindruck ist oft nicht mehr so angenehm. Laut ADAC-Statistik birgt der Laguna von allen Mittelklassefahrzeugen das größte Risiko, mit einer Panne liegen zu bleiben. Grund können kleine Störungen sein. Etwa ein abgerutschter Luftschlauch des Turboladers, den ein versierter Mechaniker in ein bis zwei Minuten wieder befestigt hat.

Leiden mit dem Lader: Die Turbine dreht durch

Eigenwillig: Der Drosselklappensteller führte bei den Vierzylindern ein Eigenleben, wurde deshalb ausgetauscht.

Es kann aber auch ein deftiger Turboladerschaden sein, wie er den AUTO BILD-Dauertestwagen nach 59.740 Kilometern ereilte. Ursache soll laut Renault Schmutz im Öl gewesen sein – was natürlich kein gutes Licht auf die Ölfilterung des dCi-Motors wirft. Auch der Ladeluftkühler musste erneuert werden, denn er steckte voller Bruchstücke des Verdichterrades. Ein Schaden, wie er typischerweise bei chipgetunten Fahrzeugen auftritt. Wovon beim Testwagen aber keine Rede sein konnte. Auch von Leserseite sind uns zahlreiche Laderschäden gemeldet worden – offensichtlich läuft die Turbine bei Volllast im Grenzbereich. Und ist damit nicht die einzige schwache Seite des sanften Franzosen, wie etliche Kupplungs- und einige Getriebeschäden belegen. Vor allem der drehmomentgewaltige 2.2 dCi fällt hier auf, was auf Konstruktionsmängel schließen lässt.

Schwachstelle: Die Chipkarte geht fast immer kaputt. Sehr ärgerlich, denn dann lässt sich das Auto nicht mehr starten.

Häufigste Laguna-Malaise ist allerdings die versagende Chipkarte. In den besseren Ausstattungen ist der schlüssellose Zugang serienmäßig, ansonsten wurde er fast immer mitbestellt. Und fast immer geht er auch kaputt. Wie in nahezu allen Leserzuschriften bemerkt wurde – und wie es auch im Dauertestwagen geschah. Dort mussten schon nach wenigen Wochen nicht nur die elektronische Karte, sondern auch ihr im Einschub angebrachtes Lesegerät und der dazugehörige Startknopf erneuert werden. Pech, wenn das nach Ablauf der Gewährleistung oder der Gebrauchtwagengarantie auftritt. Auf Platz zwei der Fehler-Dauerbrenner liegt übrigens das Reifendruck-Kontrollsystem. Es funktioniert mit Sensoren in den Rädern, doch anscheinend ist der drahtlose Empfang öfter gestört. Zwar hat Renault das System 2003 von dauernder Anzeige des Drucks auf reine Warnfunktion bei eventuellem Druckabfall umgestellt, Fehlalarme kommen aber weiter vor. Das nervt.

Großer Hang zum Malheur auch im Fahrwerkbereich: Renault verzichtet auf ein Abschirmblech hinter den Bremsscheiben. Deshalb bekommen sie wegen erhöhten Schmutzbefalls zügig Riefen oder Rostränder und verschleißen schnell. Anderes Ärgernis: Der Laguna trägt Spurstangen, deren Gelenke aus einbautechnischen Gründen so klein sein müssen, dass sie schon in einem leichten Twingo überlastet wären. Oder die Querlenker-Gummis reißen ab, die Traggelenke schlagen aus, die Gummi-Buchsen der Hinterachse bekommen Spiel, und Stabilisator-Gestänge klappern. Nicht zu vergessen: Der Laguna rostet. Zwar nicht übermäßig, doch der TÜV hat bereits einer kleineren Anzahl von vorgeführten Dreijährigen wegen Rost an tragenden Teilen die Plakette verweigert. Schade um den Franzosen: Das kann er auch mit gelungenem Design kaum wettmachen.

Die Schwächen des Laguna 

Osteoporose: Die Spurstangen sind zu schwach. Im Testwagen wurde bereits bei Tachostand 80.000 eine neue eingebaut.

Nicht nur im AUTO BILD-Kummerkasten ist der Renault Laguna stark vertreten, auch der ADAC sieht die Zuverlässigkeit des geräumigen Franzosen im tiefroten Bereich. Statistisch gesehen waren von 1000 Laguna des Baujahres 2002 über 50 schon mal Kunden der Pannenhilfe. Und zwar innerhalb eines Jahres. Damit birgt der Renault das höchste Pannenrisiko in der Mittelklasse. Dabei steckt in dem Auto eigentlich keine neue Technik, die so viel Unzuverlässigkeit erklären könnte. Das schlüssellose Zugangssystem gab es schon vorher bei Mercedes, wo es meistens funktioniert. Und auch Turbodiesel-Direkteinspritzer sind ja keine Erfindung des Jahrgangs 2001. Doch rund um die dCi-Motoren des Laguna häufen sich Schäden an Zylinderkopfdichtung, Turbolader und Einspritzsystem. Ganz zu schweigen vom Fahrwerk, dessen traditionell komfortable Abstimmung bis heute ein wichtiger Kaufgrund ist. Vorder- und Hinterachse liegen beim TÜV in der Mängel-Spitzengruppe, die Spurstangen sind ganz einfach unterdimensioniert. Bitter, denn so wird aus dem Slogan von "Autos zum Leben" der von "Autos zum Schrauben".

Bewertung von AUTO BILD-Experte Hendrik Dieckmann

Geräumig und bequem ist er ja, der Laguna. Aber die Zuverlässigkeit: Nicht nur im Dauertest versagte der Franzose, auch in Leserhand macht er viele Probleme. Da nützt auch die gute Sicherheitsausstattung wenig.

Modellempfehlung: Renault Laguna Grandtour 1.9 dCi, 1870 cm³, 88 kW/120 PS, Höchstgeschwindigkeit 197 km/h

Wenigfahrern würden wir auch zu einem der zahlreichen Benziner im Laguna raten, aber den schwächeren Vierzylindern fehlt es an Drehmoment für die stattliche Karosse. Das liefern die diversen dCi-Motoren, die allerdings penibel gewartet werden wollen. Nachlässigkeit bei der Zahnriemenkontrolle ahnden sie mit baldigem Defekt, vergessene oder unsachgemäß durchgeführte Ölwechsel können den Turbo kosten. Machtlos stehen auch akkurate Autofahrer den gelegentlichen Elektronik-Defekten gegenüber, die sowohl die Besitzer von Benzin-Modellen als auch Eigner von Diesel-Laguna beuteln.
Unterhaltskosten Renault Laguna Grandtour 1.9 dCi, 88 kW
Testverbr. – CO2 7,1 Liter D/100 km – 152 g/km
Inspektion 200 bis 400 Euro
Haftpflicht* 653 Euro
Teilkasko* 243 Euro
Vollkasko* 867 Euro
Kfz-Steuer (Euro 3) 316 Euro
* Onlinetarif der HUK24-Versicherung, Zulassung in Berlin, Fahrer: Versicherungsnehmer + Partner (30 Jahre alt), jährliche Fahrleistung 15.000 Kilometer, Beitragssatz 100 Prozent
Ersatzteilpreise**
Lichtmaschine 830 Euro
Anlasser 590 Euro
Wasserpumpe 470 Euro
Zahnriemen 430 Euro
Endschalldämpfer 370 Euro
Kotflügel vorn, lackiert 590 Euro
Bremsscheiben und -klötze vorn 350 Euro
** inklusive Lohnkosten und 19 Prozent Umsatzsteuer

Modellgeschichte Renault Laguna

März 1995 Beifahrerairbag serienmäßig, Einführung 2,2-Liter-Dieselmotor, 83 PS

Oktober 1995 Vorstellung der Kombiausführung Laguna Grandtour, Einführung 2,2-Liter-Turbodiesel, 113 PS; Grandtour auch mit Dreilitermotor lieferbar

Alles neu macht der März: 2001 wurden Limousine und Kombi überarbeitet.

September 1998 Facelift, Seitenairbags vorn Serie. 1,8-Liter mit 120 PS ersetzt 90-PS-Motor, neuer 1,6-Liter-Sechzehnventiler mit 107 PS und 1,9-Liter-Diesel-Direkteinspritzer, 98 PS

September 1999 1,9-Liter-Common-Rail-Diesel 1.9 dCi mit 107 PS ersetzt 1.9 dTi

März 2001 Modellwechsel bei Limousine und Kombi. Sechs Airbags und ESP serienmäßig, fünf Benziner: 1,6 Liter/ 107 PS; 1,8 Liter, nur mit Automatik, 115 PS; 1,8 Liter/ 120 PS; Zweiliter-Turbo/ 163 PS; Dreiliter-V6/ 207 PS. Ein Diesel: 1.9 dCi/ 120 PS

September 2001 Benzin-Direkteinspritzer 2.0 IDE, 140 PS

Oktober 2001 Zusätzliche Leistungsvariante des 1.9 dCi mit 100 PS

August 2002 Zusätzlicher Benziner: Zweiliter mit 135 PS, zunächst nur mit Automatik lieferbar

Mai 2004 Weitere Leistungsvariante des 1.9 dCi mit 91 PS (Abgasnorm D4)

Spitzenmotor: Der Dreiliter-V6 ist das Top-Triebwerk der Laguna-Baureihe.

August 2004 Zusätzlicher Diesel: 2.2 dCi, 150 PS

November 2004 2.2 dCi nun mit Partikelfilter und Euro-4-Norm, 140 PS

April 2005 Facelift, 1,6-Liter-16V nun mit 112 PS; neuer Zweiliter-Turbo mit 204 PS; 1.9 dCi mit Partikelfilter und 110 PS oder 130 PS ersetzt schwächere Ausführungen

September 2005 2.2 dCi mit 150 PS wieder im Angebot, kein Partikelfilter

Januar 2006 2.2 dCi auch mit Partikelfilter; neuer 2.0 dCi mit 173 PS

Juni 2007 Produktionsende des Typ G. Gesamtverkäufe in Deutschland: 117.400 Exemplare

Autor: Hendrik Dieckmann

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