Gebrauchtwagen-Test: Sportliche Kleinwagen

Gebrauchtwagen-Test: Sportliche Kleinwagen

— 17.05.2016

Gebrauchte Mini-Sportler im Test

Peugeot 206 RC, Mini Cooper S und MG ZR 160 eignen sich perfekt als Ringtool oder für den Freizeiteinsatz. Gebraucht kosten sie unter 7000 Euro. Vergleich!

Perfekter Einstieg für unter 7000 Euro. Da bleibt noch Geld für Rennfahrerschuhe und leichtes Tuning.

Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Das gilt besonders für Fahranfänger mit sportlichen Ambitionen. Zu groß ist derzeit das Angebot an lifestyligen Kleinwagen, die äußerlich auf Turnschuh machen, beim Fahren aber von schütterer Leistung, viel Hüftspeck und elektronischen Fesseln eingebremst werden. Wer also bei den Touristenfahrten auf der Nordschleife mitmischen möchte, muss deutlich mehr Geld auf den Tresen legen – und landet mitunter dennoch in der nächsten Leitplanke. Finanziell ist das gerade für junge Fahrer oft ein Dilemma.

Ein PS für nur 33 Euro

Wer dagegen einen günstigen Gebrauchten dann doch mal kaltverformt, hat nicht so viel Geld ins Kiesbett gesetzt. Drei preisgünstige Kleinwagen mit Kraft, die genau diese Vorteile bieten, sind der Peugeot 206 RC (2003-2006), der Mini Cooper S R53 (2002-2006) und der MG ZR 160 (2001-2005). Alle drei wiegen knapp 1100 Kilo, leisten zwischen 160 und 177 PS und sind in brauchbarem Zustand zwischen 3000 und 6500 Euro zu haben. Rechnet man mit Durchschnittswerten dieser Angaben, kostet ein PS gerade mal rund 33 Euro. Ein Fabrikneues VW-Polo-GTI-PS liegt bei 128 Euro. Wer seinen Wagen obendrein noch pflegt und talentiert schraubt, hat heutzutage kaum noch Wertverlust und obendrein die Chance, nach Altväter Sitte noch ein wenig mehr Leistung herauszukitzeln.

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Mit anderen Worten: Diese drei eignen sich blendend für den Freizeiteinsatz als Ringtool oder um vielen Autos, die wesentlich teurer, neuer oder stärker sind, gehörig um die Ohren zu fahren. Außerdem: Wer auf leichten und flotten Autos wie unseren dreien das Fahren lernt, hat schon bald wesentlich mehr Wissen über Fahrdynamik als jene, die von Anfang an mit zu viel Kraft und zu wenig Köpfchen durch Kurven zittern. Wie für fast alle Autos, die in irgendeiner Weise Charakter haben, gibt es mittlerweile auch zu unseren Kandidaten eine rührige Internetgemeinde, die in Foren für Erfahrungsaustausch und teils wichtiges Fachwissen in Hülle und Fülle sorgt. Bei näherer Betrachtung von Fahrern und Foren wird schnell deutlich, wie groß die Wesensunterschiede der drei sind, obwohl sie sich in ihren Fahrleistungen so ähneln. Die Fahrer der schnellen Peugeot feilen an Feinheiten, um die Autos immer noch ein Stück besser zu machen. Die etwas weniger kultigen MG dienen vielen dazu, etwa bei Slalomrennen so richtig die Sau rauszulassen. Minis werden mit jeder Umbaumaßnahme immer mehr auch zum optischen Leckerbissen.

Der Franzose mit dem Löwenherz

Der Peugeot 206 RC glänzt im Vergleich mit dem stärksten Motor, dem geringsten Gewicht und einem exquisiten Fahrwerk.

Nun aber der Reihe nach. Dem geneigten Schnellfahrer ist sicherlich seit den frühen 90er-Jahren der Renault Clio 16V/Sport/RS ein Begriff. Klein und leicht, mit großem Zweilitermotor aus der hauseigenen Mittelklasse. Ein wunderbar simples Rezept, leicht nachzukochen und stets ein großer Erfolg für Renault. Unfair also, dass Peugeot schon ab 2003 das gleiche Gericht servierte, mit dem 206 RC aber dennoch nie ganz so bekannt wurde. Dabei waren es die Franzosen, die seit Jahren mit der Rallyeversion des 206 Erfolge einheimsten. Tatsächlich profitiert davon auch das Sportmodell RC (Rally Car). Im Vergleich zu Mini und MG verbindet es den stärksten Motor mit dem niedrigsten Gewicht und einem exquisiten Fahrwerk.

Gebrauchtwagensuche: Peugeot 206 RC

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Der RC fegt ähnlich kugelblitzartig durch die Schikanen wie die Kontrahenten und schafft es dabei, fast gänzlich aufs Untersteuern zu verzichten. Tatsächlich hängt er eher mal das Heck raus. Leidenschaftliche Leistungen erbringt der 206 mit einer geradezu frappierenden Selbstverständlichkeit. Dazu passt auch seine gesamte Machart. Als vernünftiger Kleinwagen bietet er den durchdachtesten Innenraum, der noch heute durchaus modern wirkt, und bedient sich baukastenmäßig im Konzernregal. So passen zum Beispiel die großen Bremsen der Dickschiffe 607 und 807 auf den RC. Ansonsten begnügen sich viele RC-Fahrer mit eher sanftem Tuning wie härteren Fahrwerksbuchsen oder einem Chip. Auch verschleißtechnisch steht der 206 am besten da. Es gibt vereinzelte Berichte über defekte Motorsteuerungen. Ansonsten geht kaum mehr kaputt als das, was von ruppigen Fahrern abgenutzt wird. Und: Falls doch mal was kaputt geht, reden wir hier von den äußerst erträglichen Ersatzteilpreisen einer günstigen Anfängerkutsche. Nur RC-Spezifisches ist gelegentlich teuer.

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Der englische Underdog

Geboren als Rover 25, gespickt mit abgelegter Qualitätstechnik aus dem Honda Civic der sechsten Generation, hatte der MG keinen einfachen Start.

Der MG ZR ist sozusagen der Underdog in diesem zeitgenössischen Vergleich. Anders als der Peugeot glänzt er nicht mit Souveränität, sondern mit dem fröhlich aufgedrehten Charakter eines hyperaktiven Gummiballs. Er ist als Rover 25 zur Welt gekommen und durfte – abgesehen vom hauseigenen Motor – als angelsächsisches Vernunftauto die abgelegte Qualitätstechnik des Honda Civic der sechsten Generation auftragen. Um dabei den Sportsgeist nicht völlig verloren gehen zu lassen, vermarktete man ihn bald unter der sportlichen Traditionsmarke MG. Beide Marken, MG und Rover, sind schon seit Jahren klinisch tot. Ihr Vermächtnis beschränkt sich heute auf ein Paar Markenrechte, die in einer Schublade bei Tata in Indien liegen, und eine Handvoll Autos chinesischer Machart.
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So hat es der ZR nicht leicht. Ihm fehlen als Waisenknabe der Herstellerrückhalt und auch eine wirkliche Fangemeinde. Obendrein hat man ihm in einem misslungenen Facelift 2004 eine ziemlich merkwürdige Frontpartie anmodelliert. Trotz alledem bemüht sich der Kleine rührend, den britischen Sportsgeist hochzuhalten. Seit Jahrzehnten feiert man in England in großem Stil kleinere Bergrennen. Mit viel British Racing Green und poliertem Alugitter geht es dann über verschnörkelte Hügelpisten. Und genau hier brilliert der ZR. Er ist nicht der Stärkste, er ist ziemlich lausig verarbeitet, und er muss mit seinem Schicksal klarkommen.

Gebrauchtwagensuche: MG ZR 160

Und trotzdem: Leicht modifiziert, schnalzt man in ihm mit Krawall und Rule Britannia durch enge Kurven, dass es nur so qualmt. Der drehfreudige 1,8-Liter macht dabei ordentlich Radau, wird aber nach oben raus doch recht zäh. Beim geringen Kaufpreis darf man den finanziellen Einsatz nicht außer Acht lassen, der einen meist in Form von Folgekosten plagt. Seine Seltenheit macht den ZR nicht unbedingt begehrt. Darunter leidet wiederum oftmals die Pflege beim Vorbesitzer. Immerhin: Was das Fahrwerk angeht, so hätte man dieses getrost schon im Neuzustand rauswerfen können. Schon mit einem mittelpreisigen Zubehörfahrwerk verbessert der ZR sein staksiges, hölzernes Kurvenverhalten radikal und wird zum richtigen Spaßmacher. Was bleibt, ist die etwas schwierige Ersatzteillage. Zwar werden Verschleißteile von einigen Spezialisten immer noch angeboten, jedoch teils mit ewigen Lieferzeiten oder hohen Preisen für Karosserieteile.

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Der Urvater aller Knallbüchsen

Mutterkonzern BMW kennt sich mir Freude am Fahren aus, auch der Mini Cooper S setzt konsequent auf dieses Motto.

Sein Freund und Landsmann, der Mini Cooper S, ist gewissermaßen der Urvater aller kleinen Knallbüchsen. Schon lange vor dem ersten Golf GTI flogen mit ihm die tollkühnen Rallye-Recken auf dem Weg nach Monte Carlo über die Pässe der französischen Seealpen. Von diesem Prestige zehrt die Marke noch heute. Hier aber vom Glanz vergangener Tage zu sprechen, wäre vermessen. Auch ein über zehn Jahre alter New Mini zaubert seinem Piloten noch ein Lächeln ins Gesicht. Der Mutterkonzern BMW hat den Mini konsequent auf die markentypische Freude am Fahren hin entwickelt. Tatsächlich fühlt sich der Mini aber stets ein wenig dynamischer an, als er in Wirklichkeit ist. Das dürfte letztlich den meisten Fahrern zum Kurvenräubern auf der Landstraße taugen. Wer mit dem Mini aber in wirklich sportliche Gefilde vordringen will, muss definitiv Hand anlegen.

Gebrauchtwagensuche: Mini Cooper S

Ein gut gemachtes, hochwertiges Tief-breit-hart-Programm verbessert die Rundenzeiten deutlich. Motormäßig bietet der 1600er viel Potenzial für schnelles Tuning. Eine größere Downpipe und eine geänderte Kompressorübersetzung sind gut und günstig machbar. Zusammen mit ein wenig Gewichtsersparnis wird aus dem Giftzwerg ein wirklich ernstzunehmender Sportwagen. Größte Mängel sind die empfindlichen Spanner der Steuerkette (deutliches Rasseln), die immer wieder getauscht werden müssen, heulende Elektrolenkungen sowie zu schwach dimensionierte Getriebe von Midland-Gear bis 2004 (danach Getrag). Kleiner Tipp: den Mini R53 im Leerlauf und mit angezogener Handbremse parken. Das nimmt den Steuerkettenspannern und dem Getriebe viel Last ab. Für alle gilt: Nach über zehn Jahren Heizerei gibt es immer auch Verschleiß, den es zu bekämpfen gilt. Nervige Kleinigkeiten wie defekte Fensterheber oder spinnende Wegfahrsperren stehen nun mal überall auf der Tagesordnung.
Technische Daten MG Mini Peugeot
Motorbauart R4 R4, Kompressor R4
Einbaulage vorn quer vorn quer vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/1 4 pro Zylinder/2
Hubraum 1796 ccm 1598 ccm 1997 ccm
Bohrung x Hub 80,0 x 89,3 mm 77,0 x 85,8 mm 85,0 x 88,0 mm
Verdichtung 10,5:1 8,3:1 11,0:1
Leistung kW (PS)/ U/min 118 (160) /6900 120 (163)/6000 130 (177)/7000
Literleistung 89 PS/l 102 PS/l 89 PS/l
Drehmoment Nm/ U/min 174/4700 210/4000 202/4750
Antrieb Vorderrad Vorderrad Vorderrad
Getriebe 5-Gang manuell 6-Gang manuell 5-Gang manuell
Bremsen vorn 282 mm/innenbelüftet 276 mm/innenbelüftet 283 mm/innenbelüftet
Bremsen hinten 260 mm 259 mm 247 mm
Radgröße 7x17 Zoll 7x17 Zoll 7x17 Zoll
Reifengröße 205/45 R17 205/45 R17 205/40 R17
Länge/Breite/Höhe 4011/1688/1400 mm 3655/1688/1416 mm 3822/1652/1425 mm
Radstand 2500 mm 2467 mm 2442 mm
Tankvolumen 50 Liter 50 Liter 50 Liter
Kofferraumvolumen 304-1086 Liter 160-680 Liter 245-1130 Liter
Messwerte
Beschleunigung
0-100 km/h 8,5 s 8,1 s 7,6 s
0-130 km/h 13,8 s 13,1 s 12,3 s
0-160 km/h 21,8 s 20,1 s 19,1 s
0-200 km/h 48,8 s 37,8 s 36,3 s
Elastizität
60-100 km/h im 4. Gang 8,6 s 7,9 s 8,3 s
80-120 km/h im 5./6. Gang 12,0 s/- 10,4/15,6 s 10,7 s/-
Bremsweg
100-0 km/h kalt (Verzögerung in Sekunden²) 37,5 m (10,4 m/s²) 39,0 m (9,9 m/s²) 37,2 m (10,2 m/s²)
100-0 km/h warm (Verzögerung in Sekunden²) 37,6 m (10,3 m/s²) 38,1 m (10,2/s²) 38,9 m (9,9 m/s²)
200-0 km/h (Verzögerung) 175,8 m (9,1 m/s²) 160,1 m (9,7 m/s²)
Durchschnitt auf 100 km/Reichweite 9,2 Liter Super/540km 12,5 Liter Super/400km 11,1 Liter Super/450km
Leergewicht/Zuladung 1145/405kg 1240/330kg 1105/445kg
Leistungsgewicht 7,2 kg/PS 7,6 kg/PS 6,2 kg/PS
Höchstgeschwindigkeit (Herstellerangabe) 210 km/h 218 km/h 225 km/h
ehemaliger Neupreis ab 20.565 Euro (2003) ab 19.990 Euro (2003) ab 21.500 Euro (2003)
aktueller Gebrauchtwagenpreis ca. 3500 Euro ca. 6500 Euro ca. 6000 Euro

Gebrauchtwagen-Test: Sportliche Kleinwagen

Autor:

Andreas Jüngling

Fazit

Ob als Einsteiger- oder Hobbyauto – derzeit kann man kaum günstiger mit Sportsgeist unterwegs sein als mit den drei Hot Hatches, die obendrein noch im Alltag in jede Parklücke passen. Der Peugeot ist dabei im Vergleich mit Abstand der Souveränste. Der Mini zeigt überall eine gehörige Portion Leidenschaft. Der MG hat seine kleinen Fehler, ist dafür aber auch spottbillig.

Stichworte:

Sportwagen

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