Gebrauchtwagen-Test: Sportliche Kleinwagen
Gebrauchte Mini-Sportler im Test

Peugeot 206 RC, Mini Cooper S und MG ZR 160 eignen sich perfekt als Ringtool oder für den Freizeiteinsatz. Gebraucht kosten sie unter 7000 Euro. Vergleich!
- Andreas Jüngling

Perfekter Einstieg für unter 7000 Euro. Da bleibt noch Geld für Rennfahrerschuhe und leichtes Tuning.
Bild: Sven Krieger
Ein PS für nur 33 Euro
Wer dagegen einen günstigen Gebrauchten dann doch mal kaltverformt, hat nicht so viel Geld ins Kiesbett gesetzt. Drei preisgünstige Kleinwagen mit Kraft, die genau diese Vorteile bieten, sind der Peugeot 206 RC (2003-2006), der Mini Cooper S R53 (2002-2006) und der MG ZR 160 (2001-2005). Alle drei wiegen knapp 1100 Kilo, leisten zwischen 160 und 177 PS und sind in brauchbarem Zustand zwischen 3000 und 6500 Euro zu haben. Rechnet man mit Durchschnittswerten dieser Angaben, kostet ein PS gerade mal rund 33 Euro. Ein Fabrikneues VW-Polo-GTI-PS liegt bei 128 Euro. Wer seinen Wagen obendrein noch pflegt und talentiert schraubt, hat heutzutage kaum noch Wertverlust und obendrein die Chance, nach Altväter Sitte noch ein wenig mehr Leistung herauszukitzeln.
Mit anderen Worten: Diese drei eignen sich blendend für den Freizeiteinsatz als Ringtool oder um vielen Autos, die wesentlich teurer, neuer oder stärker sind, gehörig um die Ohren zu fahren. Außerdem: Wer auf leichten und flotten Autos wie unseren dreien das Fahren lernt, hat schon bald wesentlich mehr Wissen über Fahrdynamik als jene, die von Anfang an mit zu viel Kraft und zu wenig Köpfchen durch Kurven zittern. Wie für fast alle Autos, die in irgendeiner Weise Charakter haben, gibt es mittlerweile auch zu unseren Kandidaten eine rührige Internetgemeinde, die in Foren für Erfahrungsaustausch und teils wichtiges Fachwissen in Hülle und Fülle sorgt. Bei näherer Betrachtung von Fahrern und Foren wird schnell deutlich, wie groß die Wesensunterschiede der drei sind, obwohl sie sich in ihren Fahrleistungen so ähneln. Die Fahrer der schnellen Peugeot feilen an Feinheiten, um die Autos immer noch ein Stück besser zu machen. Die etwas weniger kultigen MG dienen vielen dazu, etwa bei Slalomrennen so richtig die Sau rauszulassen. Minis werden mit jeder Umbaumaßnahme immer mehr auch zum optischen Leckerbissen.
Der Franzose mit dem Löwenherz

Der Peugeot 206 RC glänzt im Vergleich mit dem stärksten Motor, dem geringsten Gewicht und einem exquisiten Fahrwerk.
Bild: Sven Krieger
Das geilste Fahrgeschäft: Caterham Super Seven
Der RC fegt ähnlich kugelblitzartig durch die Schikanen wie die Kontrahenten und schafft es dabei, fast gänzlich aufs Untersteuern zu verzichten. Tatsächlich hängt er eher mal das Heck raus. Leidenschaftliche Leistungen erbringt der 206 mit einer geradezu frappierenden Selbstverständlichkeit. Dazu passt auch seine gesamte Machart. Als vernünftiger Kleinwagen bietet er den durchdachtesten Innenraum, der noch heute durchaus modern wirkt, und bedient sich baukastenmäßig im Konzernregal. So passen zum Beispiel die großen Bremsen der Dickschiffe 607 und 807 auf den RC. Ansonsten begnügen sich viele RC-Fahrer mit eher sanftem Tuning wie härteren Fahrwerksbuchsen oder einem Chip. Auch verschleißtechnisch steht der 206 am besten da. Es gibt vereinzelte Berichte über defekte Motorsteuerungen. Ansonsten geht kaum mehr kaputt als das, was von ruppigen Fahrern abgenutzt wird. Und: Falls doch mal was kaputt geht, reden wir hier von den äußerst erträglichen Ersatzteilpreisen einer günstigen Anfängerkutsche. Nur RC-Spezifisches ist gelegentlich teuer.
Der englische Underdog

Geboren als Rover 25, gespickt mit abgelegter Qualitätstechnik aus dem Honda Civic der sechsten Generation, hatte der MG keinen einfachen Start.
Bild: Sven Krieger
Besser als jede Bank: Mercedes-Benz SLS AMG
So hat es der ZR nicht leicht. Ihm fehlen als Waisenknabe der Herstellerrückhalt und auch eine wirkliche Fangemeinde. Obendrein hat man ihm in einem misslungenen Facelift 2004 eine ziemlich merkwürdige Frontpartie anmodelliert. Trotz alledem bemüht sich der Kleine rührend, den britischen Sportsgeist hochzuhalten. Seit Jahrzehnten feiert man in England in großem Stil kleinere Bergrennen. Mit viel British Racing Green und poliertem Alugitter geht es dann über verschnörkelte Hügelpisten. Und genau hier brilliert der ZR. Er ist nicht der Stärkste, er ist ziemlich lausig verarbeitet, und er muss mit seinem Schicksal klarkommen. Und trotzdem: Leicht modifiziert, schnalzt man in ihm mit Krawall und Rule Britannia durch enge Kurven, dass es nur so qualmt. Der drehfreudige 1,8-Liter macht dabei ordentlich Radau, wird aber nach oben raus doch recht zäh. Beim geringen Kaufpreis darf man den finanziellen Einsatz nicht außer Acht lassen, der einen meist in Form von Folgekosten plagt. Seine Seltenheit macht den ZR nicht unbedingt begehrt. Darunter leidet wiederum oftmals die Pflege beim Vorbesitzer. Immerhin: Was das Fahrwerk angeht, so hätte man dieses getrost schon im Neuzustand rauswerfen können. Schon mit einem mittelpreisigen Zubehörfahrwerk verbessert der ZR sein staksiges, hölzernes Kurvenverhalten radikal und wird zum richtigen Spaßmacher. Was bleibt, ist die etwas schwierige Ersatzteillage. Zwar werden Verschleißteile von einigen Spezialisten immer noch angeboten, jedoch teils mit ewigen Lieferzeiten oder hohen Preisen für Karosserieteile.
Der Urvater aller Knallbüchsen

Mutterkonzern BMW kennt sich mir Freude am Fahren aus, auch der Mini Cooper S setzt konsequent auf dieses Motto.
Bild: Sven Krieger
Fazit
Ob als Einsteiger- oder Hobbyauto – derzeit kann man kaum günstiger mit Sportsgeist unterwegs sein als mit den drei Hot Hatches, die obendrein noch im Alltag in jede Parklücke passen. Der Peugeot ist dabei im Vergleich mit Abstand der Souveränste. Der Mini zeigt überall eine gehörige Portion Leidenschaft. Der MG hat seine kleinen Fehler, ist dafür aber auch spottbillig.
Service-Links
















































