Drei SUVs mit Hybridantrieb

Mitsubishi Outlander Toyota RAV4 Kia Niro

Kia Niro/Mitsubishi Outlander/Toyota RAV4: Hybride im Test

— 28.09.2016

SUV und Hybrid – eine gute Kombi?

ln SUVs oder Crossover gehört ein Diesel. Sicher? Kia Niro, Mitsubishi Outlander und Toyota RAV4 kommen mit Hybridantrieb als Alternative.

Kräftig, durchzugsstark und vor allem sparsam – moderne Diesel empfehlen sich als Standardantrieb für die gerade schwer angesagten SUVs. Doch zum einen können sich manche mit der Laufkultur der Selbstzünder nicht anfreunden, zum anderen scheint ihre Zukunft angesichts aktueller Skandale unklar. Benziner wiederum sind in SUVs entweder zu schlapp oder zu durstig. In genau dieser Situation kommen Hybride ins Spiel, also Autos, die Verbrennungs- und E-Motoren gemeinsam nutzen. Doch Hybrid ist nicht gleich Hybrid. Im brandneuen Kia, im Mitsubishi und im Toyota arbeiten drei unterschiedliche Systeme – welches ist das beste Gespann?

Der Outlander schafft bis zu 40 Kilometer rein elektrisch

Sonderweg: Der Mitsubishi Outlander ist der Einzige im Test, der sich auch an der Steckdose laden lässt.

Den Mitsubishi kann man als Einzigen an der Ladesäule oder der Haushaltssteckdose aufladen, das dauert dann fünf Stunden. Mit voller Batterie haben wir rein elektrisch eine Reichweite von etwa 40 km geschafft. Im Werksverbrauch über nur 100 km ist der E-Anteil voll enthalten. Deswegen gibt Mitsubishi nur 1,8 l/100 km an. Unsere Testrunde ist aber 155 km lang. Das führt zu 7,4 l Testverbrauch – mehr als 300 Prozent Abweichung zur Werksangabe. Das Hybridsystem besteht aus einem 2,0-Liter-Benziner mit 121 PS, je einem E-Motor an Vorder- und Hinterachse mit je 60 kW (82 PS), der Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von zwölf kWh und einem Einganggetriebe. Hybridpionier Toyota verzichtet beim aktuellen RAV4 auf Plug-in-Technik, spart damit natürlich Gewicht und Kosten. Rein elektrisch kommt der RAV4 wirklich nicht weit, es reicht zum Rangieren oder zum Rollen in der heimatlichen Tempo-30-Zone.
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Nur beim Kofferraum muss man im Niro Abstriche machen

Überraschend: Der Niro ist der kleinste Testkandidat, er kann aber beim Platzangebot locker mithalten.

Sein Hybridsystem besteht aus einem 2,5-Liter-Benziner mit 155 PS, beim Allradler einem E-Motor mit 105 kW (143 PS) an der Vorderachse sowie einem mit 50 kW (68 PS) hinten, der Nickel-Metallhydrid-Batterie mit einer Kapazität von 1,59 kWh und dem technisch anspruchsvollen Planetengetriebe. Anders als die beiden ausgewachsenen SUVs findet sich der Kia Niro irgendwo am Schnittpunkt zwischen kompaktem Kombi, Van und SUV, ein klassischer Crossover also. Der Antrieb besteht aus einem 1,6-Liter-Benziner mit 105 PS, einem 32 kW (44 PS) starken E-Motor, einer Lithium-Ionen-Polymer-Batterie mit einer Kapazität von 1,56 kWh und einem Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Obwohl der Kia (4,36 Meter Länge) viel kompakter dasteht als der Toyota (4,61 m) und vor allem der Mitsubishi (4,70 m), verblüfft er mit einem großzügigen Raumangebot, auch im Fond. Nur der Kofferraum (427 bis 1425 Liter) fällt dann doch spürbar kleiner aus. Mitsubishi schluckt 463 bis 1602 Liter, der Toyota sogar 501 bis 1633 Liter.
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Auch der RAV4 verfügt über jede Menge Platz vorn und einen geradezu weitläufigen Fond, hier lässt sich noch die Neigung der Lehne verstellen. Im ähnlich geräumigen Mitsubishi nervt nur, dass der Fahrersitz sich nicht weit genug nach hinten verschieben lässt. Lange Kerle reisen eher unbequem.

Im RAV4 macht sich der Motor immer noch stark bemerkbar

Lautstark: Bei höherem Tempo auf der Autobahn knurrt der Benziner des Toyota RAV4 rau und kräftig.

Abgesehen davon geht der Outlander komforttechnisch in Ordnung. Er federt gemütlich bis schaukelig und ist der Leiseste hier. Anders als etwa im Toyota bleibt der Benziner, wenn er denn läuft, stets etwas mehr im Hintergrund, das ganze Auto wurde offensichtlich ganz gut gedämmt. Im RAV4 kann es vergleichsweise laut werden. Der Benziner bleibt in der Stadt oder auf der zurückhaltend gefahrenen Landstraße zwar leise und friedlich, doch bei höherem Tempo auf der Autobahn knurrt er rau und kräftig. Verbesserungspotenzial bietet die holprige Federung. Auch der Kia federt steifbeinig, das führt auf schlechterem Straßenbelag zu einer gewissen Unruhe. Doch er hat hier die besten Sitze, groß und stramm gepolstert, eine angenehme Sitzposition und lässt sich problemlos einstellen. Kia gibt als Systemleistung im Vergleich bescheidene 141 PS an, aber das sagt noch gar nichts. Denn den Unterschied macht das Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe. Das ruckelt zwar durchaus mal, reagiert aber schnell und direkt. Und so fühlt sich der Niro trotz der geringeren Leistung lebhafter und im Wortsinn leichtfüßiger an, fährt handlicher und flinker als RAV4 oder Outlander.
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Die Preisunterschiede der drei Testwagen sind riesig

Kostbar: Für den getesteten Outlander werden über 50.000 Euro fällig – der Kia kostet 20.000 Euro weniger.

Der Mitsubishi hat hier spürbar die meiste Kraft und schiebt aus dem Stand am mächtigsten an, doch mit höherem Tempo lässt seine Energie nach, bei Tempo 170 wird er vergleichsweise früh abgeregelt. Mit seinen knapp zwei Tonnen bewegt er sich unterm Strich eindeutig schwerfälliger als seine Mitstreiter. Oder sagen wir gemütlicher – die sanfte Art des Reisens hat nämlich durchaus ihren Charme. Der Toyota ist rein von den Messwerten her am flottesten unterwegs – spüren lässt sich das offen gestanden aber nicht. Die Funktionsweise des technisch raffinierten Hybridsystems mit dem Planetengetriebe vermittelt eben doch immer wieder dieses CVT-Gefühl: Hat man es eilig, schaltet sich schnell und deutlich hörbar der Benziner zu, das Tempo steigt aber erst mit Verzögerung. Dabei dröhnt der Vierzylinder kräftig und ziemlich laut – also lässt man das lieber und fährt gelassen. Denn so etwa bis Tempo 100 ist die Welt in Ordnung, alles bleibt ganz leise.

Der RAV4 steht als Hybrid-Allradler ab 35.990 Euro in der Liste, die Ausstattung ist komplett, aber nicht ganz so umfangreich wie bei Kia und Outlander. Und für alle gilt ja: 3000 Euro Umweltprämie kann man schon mal abziehen. Den sehr gut ausgestatteten Outlander Plug-in Hybrid berechnet Mitsubishi mit mindestens 39.990 Euro, fünf Jahre Garantie gehören dazu. Sehr gut, doch bei Kia gibt es sieben Jahre, und das ist noch nicht alles: Für den Hybrid-Niro verlangen die Koreaner gerade mal ab 24.990 Euro. Und mit 5,5 Litern verbrauchte der Niro deutlich weniger als seine beiden Konkurrenten. 7,4 Liter genehmigte sich der Mitsubishi und 8,4 Liter der Toyota. Nicht nur das klingt eindeutig nach dem besten Gespann.
Fahrzeugdaten Kia Mitsubishi Toyota
Modell Niro 1.6 CVVT Hybrid Outlander Plug-in Hybrid RAV4 Hybrid E-Four
Motor Vierzylinder plus E-Motor Vierzylinder plus 2 E-Motoren Vierzylinder plus 2 E-Motoren
Hubraum 1580 cm³ 1998 cm³ 2494 cm³
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2 4 pro Zylinder/2
kW (PS) Verbrenner 77 (105)/5700 min 89 (121)/4500 min 114 (155)/5700 min
kW (PS) E-Motor(en) 32 (44) 2 x 60 (82) 105 (143) +50 (68)
max. Drehmoment 147 + 170 Nm 190 + 137 + 195 Nm 210 + 270
kW (PS) Systemleistung 104 (141) keine Angabe 145 (197)
Energiespeicher 1,56 kWh 12 kWh 1,59 kWh
Vmax 162 km/h 170 km/h 180 km/h
Getriebe Sechsgang-DSG Eingang-Getriebe Planetengetriebe
Antrieb Vorderradantrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 225/45 R 18 W 225/55 R 18 H 235/55 R 18 H
Reifentyp Michelin Pilot Sport 4 Toyo R37 Bridgestone Ecopia A/L 422 Plus
Radgröße 7,5 x 18" 7,0 x 18" 7,5 x 18"
Abgas CO2 101 g/km 42 g/km 118 g/km
Verbrauch* 4,4/4,5/4,4 l -/-/1,8 l 5,1/5,1/5,1 l
Testverbrauch
Sportverbrauch 8,5 l/100 km 12,2 l/100 km 14,0 l/100 km
Testrunde 5,5 l/100 km 7,4 l/100 km 8,4 l/100 km
Sparverbrauch 4,0 l/100 km 6,9 l/100 km 5,9 l/100 km
Tankinhalt 46 l/Super 45 l/Super 56 l/Super
Kältemittel R1234yf R 134a R1234yf
Vorbeifahrgeräusch 72 dB (A) 71 dB (A) 68 dB (A)
Anhängelast gebr./ungebr. –/– 1500/750 kg 1650/750 kg
Kofferraumvolumen 427–1425 l 463–1602 l 501–1633 l
Länge/Breite/Höhe 4355/1805-2040/1535 mm 4695/1800–2125/1710 mm 4605/1845–2120/1675 mm
Testwagenpreis 30.390 Euro 50.990 Euro 36.890 Euro
* innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km (Herstellerangabe); ** 54 km Autobahn, davon 20 km Vollgas; *** Durchschnitt der 155-km-Testrunde von AUTO BILD; **** 101 km Stadt und Land mit wenig Gas
Messwerte Kia Mitsubishi Toyota
Beschleunigung
0–50 km/h 3,7 s 4,1 s 3,0 s
0–100 km/h 10,5 s 10,5 s 8,6 s
0–130 km/h 17,8 s 18,3 s 14,1 s
Zwischenspurt
60–100 km/h 5,8 s 5,5 s 4,9 s
80–120 km/h 7,8 s 7,9 s 6,2 s
Leergewicht/Zuladung 1475/455 kg 1914/426 kg 1749/521 kg
Gewichtsverteilung v./h. 60/40 % 53/47 % 56/44 %
Wendekreis links/rechts 11,3/11,0 m 11,6/11,2 m 12,1/12,0 m
Bremsweg
aus 100 km/h kalt 37,0 m 37,6 m 38,5 m
aus 100 km/h warm 36,0 m 37,1 m 37,2 m
Innengeräusch
bei 50 km/h 61 dB (A) 57 dB (A) 58 dB (A)
bei 100 km/h 68 dB (A) 65 dB (A) 67 dB (A)
bei 130 km/h 71 dB (A) 71 dB (A) 72 dB (A)
CO2 131 g/km 176 g/km 199 g/km
Reichweite 810 km 600 km + 40 km elektrisch 660 km

Dirk Branke

Dirk Branke

Fazit

Interessante Autos, alle drei. Der Mitsubishi gefällt mit Lademöglichkeit und Elektro-Reichweite, der Toyota mit ausgeklügeltem Hybridantrieb. Als modernstes Konzept erweist sich aber der Kia: viel Platz bei schlanker Größe, sehr sparsames Hybridsystem, niedrige Kosten.

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