Mazda CX-5/Nissan Qashqai: Test

Bilder: Mazda CX-5 vs. Nissan Qashqai Bilder: Mazda CX-5 vs. Nissan Qashqai

Mazda CX-5/Nissan Qashqai: Test

— 07.12.2011

Japans stärkste Stücke

Der Mazda CX-5 ist eine komplette Neuentwicklung – und zielt ab 2012 voll auf den Trend-Typen Nissan Qashqai. AUTO BILD hat die beiden schon jetzt miteinander verglichen.

Darf ich vorstellen: Hier ist Kodo der Erste. Er kommt nicht aus der Sternenmitte wie sein Namensvetter in den Charts der 80er-Jahre, sondern aus Hiroshima in Japan. Und außerdem ist er total skyactiv. Verwirrt? Hier ist Aufklärung: Kodo ist Japanisch, heißt auf Deutsch Puls, Herzschlag oder auch Kinder der Trommeln und steht bei Mazda für das neue Design. Der CX-5 ist das erste Modell, dem sie die Kodo-Linien ins Blech gepresst haben. Die neuen Technologien darunter fasst Mazda unter dem Begriff Skyactiv zusammen. Das steht, so lassen es uns die Japaner wissen, für Bestwerte bei Verbräuchen, Emissionen und Gewicht. Alle Komponenten sind gewichts- und reibungsoptimiert. Besonders wichtig: die leichte, stabile Karosserie, in der erstmals neu entwickelte, hochfeste Stähle verbaut werden.

Überblick: Alle News und Tests zum Nissan Qashqai

Bestseller: Der Nissan Qashqai hat sich in Deutschland 2011 bisher 27.707 mal verkauft.

Aber Mazda muss gar nicht so laut für den CX-5 trommeln. Was wir sehen, gefällt: ein großer, grinsender Kühlergrill, gefällige Rundungen – der neue CX-5 lässt seinen schärfsten Konkurrenten Nissan Qashqai ein wenig alt aussehen. Dabei ist der Nissan ein ausgesprochen beliebtes SUV, verkauft sich in Deutschland wie geschnitten Brot. Dieses Jahr sogar bisher öfter als der BMW X1. Von Januar bis Oktober 2011 konnten die Nissan-Händler 27707 Qashqai an Kunden ausliefern. Damit ist der Qashqai (sprich Kasch-kai) eine echte Cash-Cow für Nissan und derzeit bestverkaufter Japaner. Man muss kein Prophet sein, um es vorauszusagen: Im nächsten Jahr wird es schwerer für den erfolgsverwöhnten Nissan. Denn der neue Mazda ist gut gelungen. Die Ingenieure begannen auf einem leeren Blatt Papier. Motoren, Getriebe, Karosserie, Fahrwerk – alles neu. Herausgekommen ist ein überraschend rundes Auto.

Überblick: Alle News und Tests zum Mazda CX-5

Pfiffig: Der Mazda CX-5 gefällt mit intelligenten Detaillösungen und passt jedem Fahrer.

Ein Typ, der es fast jedem Fahrer recht machen will. Sitze, Lenkung, Schaltung – alles passt. Für große und für kleine Fahrer. Denn die Sitzflächen der Vordersitze sind lang genug für lange Beine, aber nachgiebig in der Polsterung, damit sie kurze Beine nicht drücken. Zudem überrascht der CX-5 mit pfiffigen Lösungen. So lassen sich Radio und Navi (kostet nur 500 Euro Aufpreis) sowohl per Touchscreen als auch mit dem Multi Commander – ein iDrive à la Mazda – in der Mittelkonsole bedienen. Praktisch auch die dreigeteilt umlegbare Rücksitzbank. Nur einen Hebel im Kofferraum ziehen, und schon legen sich die Lehnen flach. Karakuri nennt Mazda diese Detail-Verliebtheit und erinnert damit an ein in Japan beliebtes historisches Mechanik-Püppchen. Der Qashqai verzichtet noch auf solche pfiffigen Details, alles klappt zuverlässig wie gewohnt – nicht mehr und nicht weniger.

In Fahrt wirkt der Nissan jedoch ein wenig hölzern. Sein Diesel, eine Renault-Konstruktion, gefällt an sich mit gepflegten Manieren. Erst im Vergleich zur Mazda-Maschine fällt sein brummigerer Ton auf. Bei der neuen Konstruktion haben die Mazda-Männer alle technischen Register gezogen. Zwei Turbolader und eine für Dieselmotoren niedrige Verdichtung von 14:1 ermöglichen Euro 6 ohne spezielle Nachbehandlung der Abgase. Viel wichtiger: Der Diesel ist kräftig und kultiviert. Ruhig, mit einem metallischen Schnarren zieht er schon knapp über Leerlaufdrehzahl kräftig an und dreht munter bis zum Ende des nutzbaren Bereichs bei 5200 Touren – für Diesel ein sehr ordentlicher Wert. Erstaunlich: Der 2,2-l-Diesel mit 150 PS soll mit Vorderradantrieb nur 4,5 Liter pro 100 Kilometer verbrauchen. Wir werden es prüfen. Eine Ver brauchsangabe für den Allradler lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.

Das neue mechanische Sechsganggetriebe erinnert in seiner Exaktheit an den Joystick des MX-5: kurze, präzise Wege, passende Übersetzungen. Die Mazda-Ingenieure haben dem CX-5 eine Fahrkultur anerzogen, wie wir sie bislang bei den Autos aus Hiroshima nicht kannten. Damit sind sie dem angestrebten Jinba-Ittai-Gefühl, der Harmonie zwischen Ross und Reiter, ein gutes Stück näher gekommen – auch wenn es nur um Wagen und Fahrer geht. Bis zum Serienstart bleibt aber auch noch etwas Zeit für Verbesserungen: Der Abrollkomfort des CX-5 fällt noch etwas zu ruppig aus. Vor allem Beifahrer wünschen sich mehr Ruhe im Fahrwerk. Und die Fondpassagiere eine weicher gepolsterte Bank.
Fahrzeugdaten Mazda Nissan
Hubraum 2184 cm³ 1598 cm³
kW (PS) bei 1/min 110 (150)/4500 96 (130)/4000
Nm bei 1/min 380/1800 320/1750
Antrieb Allradantrieb Allradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben Scheiben/Scheiben
Tankinhalt 58 l 65 l
Leergewicht 1520 kg 1540 kg
Zuladung 515 kg 560 kg
Kofferraumvolumen 503–1620 l 410–1513 l
Anhängelast gebr./ungebr. 2000/750 kg 1400/750 kg
0–100 km/h 9,4 s 10,9 s
Vmax 197 km/h 190 km/h
Verbrauch (EU-Mix) keine Angabe 5,1 l Diesel
Abgas CO2 keine Angabe 135 g/km
Preis 29.990 Euro 27.790 Euro

Andreas Borchmann

Andreas Borchmann

Fazit

Der Bessere ist des Guten Feind. Hier kommt er: Der Mazda CX-5 kann alles besser als sein Kollege von Nissan. Er ist praktischer, größer, komfortabler und sparsamer. Der Qashqai ist zu Recht so beliebt. Denn irgendwie passt dieser kompakte und sportliche Typ immer ins Leben. Er ist die gefällige SUV-Interpretation des ewigen Themas Golf. 

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