Mercedes A-Klasse: Connectivity-Check

Mercedes MBUX: Tops und Flops

MBUX der neuen A-Klasse im Connectivity-Check: Was kann das neue Bediensystem von Mercedes? Und wo stößt es an seine Grenzen?
"Das Beste oder nichts": Hält der Mercedes-Slogan auch beim MBUX in der neuen A-Klasse, was er verspricht? MBUX steht für Mercedes-Benz User Experience und ist ein System an Bord zur Steuerung von Fahrzeugfunktionen und Infotainment. Mehrere Redakteure von AUTO BILD haben sich das neue Bediensystem zwei Wochen in diversen Alltagssituationen genau angeschaut. Hier lesen Sie, was uns an MBUX gefällt und was weniger!

Top 1: Steuerung und Aufbau

Homescreen mit Icons: So kennt man es vom Smartphone.

Lena Trautermann bevorzugt das Touchpad in der Mittelkonsole, Jan Götze fasst lieber an den Touchscreen, während Robin Hornig lieber alles über Sprachbefehle und mit den zwei Touchpads in den Lenkradspeichen regelt. Mit den vier Bedienmöglichkeiten liegt Mercedes goldrichtig. Die jüngste Connected-Car-Studie von AUTO BILD belegt, dass bei den Verbrauchern (über 18 Jahre) neben den Lenkradtasten vor allem Sprachsteuerung und erst dann Touchscreens an Bord gewünscht werden. Alles funktioniert intuitiv. Die Sprachsteuerung ist an keine starren Befehle gebunden, und die Touchfunktionen sind so gestaltet, wie es jeder vom Smartphone kennt. Das Menü im zentralen Hauptbildschirm besteht aus vier Ebenen, wobei nur die ersten zwei häufiger genutzt werden. In der ersten Reihe, dem Homescreen, stecken hinter großen selbsterklärenden Icons Funktionen wie Navi oder Klimasteuerung.

Fast jede Anzeige lässt sich individualisieren. 

In Reihe zwei (Basescreen) macht Mercedes Vorschläge, die auf das Verhalten des Nutzers abgestimmt sind. Sie gehen oft nach der Arbeit zu Sport? Mercedes schlägt die Route nach Feierabend vor. Kennt man von Google Maps und Apple Karten. Zusätzlich macht Mercedes auch bei Anrufen und Medieninhalten Vorschläge. Ebenfalls vom Handy bekannt ist das Verschieben von Icon-Kacheln. Anfassen, halten und an anderer Stelle platzieren. Redakteur Peter Fischer lobt die Individualisierung vor allem dafür, dass man sie immer an Ort und Stelle findet. Heißt: Für die Ansichtänderung der linken Rundanzeige im digitalen Kombiinstrument bleibt man direkt auf dem gewünschten Element und geht nicht in irgendwelche Untermenüs auf einem anderen Bildschirm.
Fazit: MBUX beherrscht jede Bedienvorliebe, ist intuitiv und einfach zu konfigurieren wie jedes etablierte Smartphone. Wer dennoch Fragen zum Fahrzeug hat, kann ab September mit der AskMercedes-App via Augmented Reality und Chat alles in Erfahrung bringen.

Top 2: Zusammenspiel und Ökosystem

"Experience", also die Erfahrung, beschränkt sich bei MBUX nicht auf zwei Bildschirme. Es fängt bereits an, wenn man morgens über Alexa in der Wohnung den Füllstand des Tanks überprüft oder seine Route plant, die anschließend ins Fahrzeug übertragen wird. Im Auto stellt sich mit dem gewählten Nutzerprofil sofort alles auf mich ein. Und zwar exakt so, wie ich das Fahrzeug zuletzt verlassen habe – obwohl meine Frau zwischendurch damit bei der Arbeit war. Kurz vorm Ziel suche ich über die neue Parkfunktion einen möglichen Parkplatz, den andere Mercedes-Modelle und Car2Go zuvor gescannt und an eine Cloud geschickt haben. Steige ich dann aus, fragt mich die MercedesMe-App gleich, ob die Navigation zu Fuß weitergehen soll. Alternativ kann man über myTaxi ein Taxi rufen. Später ist eine Integration von Car2Go und öffentlichen Verkehrsmitteln über Moovel geplant.
Fazit: Mercedes hat zusammen mit Drittanbietern ein eigenständiges System geschaffen, das für Mobilität und Unterhaltung steht und zukünftig weiter ausgebaut wird. In Umfang und Zusammenspiel bietet das auf diesem Level bisher kein anderer Hersteller.

Top 3: Augmented Reality (AR) bei der Navigation

Muss ich nun hier abbiegen oder die Querstraße gleich dahinter nehmen? Jeder kennt das Spiel mit dem Navi an unübersichtlichen Kreuzungen, besonders in fremden Städten. Mit MBUX wird an kritischen Stellen die Frontkamera der A-Klasse aktiviert und das Bild wie beim Parkassistent ins Auto übertragen. Dort blendet das System direkt Pfeile, Straßenschilder und Namen ein und zeigt dem Fahrer noch genauer, wo er tatsächlich hinmuss.
Fazit: AR ist eine gute Unterstützung und hat sicherlich noch viel Potenzial, vor allem bei Head-up-Displays. Punktabzug: Bei den Tests waren auf dem Bildschirm in einigen Situationen Hinweise schlecht zu erkennen, zu klein oder im ungünstigen Ansichtswinkel dargestellt.

Top 4: Sprachsteuerung

Zusammen mit dem Unternehmen Nuance hat Mercedes eine Sprachsteuerung integriert, die auf dem Automobilmarkt momentaneinzigartig ist. Wie Siri, Google Assistant und Alexa reagiert Mercedes auf ein Aktivierungswort ("Mercedes"), beantwortet einfache Fragen, versteht einen auch bei lauter Musik, zeigt manchmal Humor und bedient vor allem diverse Fahrzeugfunktionen. Die Bandbreite reicht von der Sitzheizung über Klimafunktionen bis hin zur Leseleuchte. Andere Premiumhersteller wie Audi haben zwar ähnlich intelligente Assistenten in den neuesten Modellen, gewähren dort aber weniger Zugriff aufs Fahrzeug.
Fazit: Die Sprachsteuerung über eine Cloud weiterzuentwickeln und ihr den Zugriff auf viele Fahrzeugfunktionen zu geben, ist ein mutiger Schritt, den so konsequent bisher nur Mercedes geht. Für gute "Experience" ist das die richte Richtung!

Flop 1: Sprachsteuerung 

Fast jeder störte sich daran, dass sich der Sprachassistent meldet, obwohl Mercedes nur beiläufig in einem Satz erwähnt wurde. Die Konkurrenz von Aexa und Co hat ähnliche Schwachstellen. Totzdem merken starke Nutzer von Google Assistant, Alexa und Siri schon, dass Mercedes mit der Sprachsteuerung nicht auf ihrem Level ist. Einer der Gründe dafür ist sicherlich die künstliche Intelligenz. Zwar nutzt auch Mercedes eine Cloud zur Weiterentwicklung der Sprachsteuerung – hier fehlt gegenüber der Konkurrenz im Smarthome-Sektor aber noch die große Masse an Nutzern sowie die langjährige Erfahrung mit Nutzern. Auf der anderen Seite ist sicherlich der Datenschutz (und der Datenwert) ein Grund dafür, warum Mercedes nur der eigenen Entwicklung Zugriff auf das Fahrzeug gewährt. Mitentwickler Nuance arbeitet bereits an Ausbaustufen: Bald soll der Sprachassistent erkennen, welcher der Passagiere mit ihm spricht.
Fazit: Im automobilen Sektor hat Mercedes mit der Sprachsteuerung die Nase vorn. Im Vergleich mit den großen Playern im Smarthome-Bereich hinkt die Technik aber hinterher. 

Flop 2: Drittanbieter

Sicherheit und Datenschutz sind zwei entscheidende Gründe, warum Mercedes ein System wie MBUX selbst entwickelt hat, auf einen eigenen Sprachdienst besteht und selbst entscheidet, welcher Drittanbieter in das System eingebunden wird. Das ist nachvollziehbar, macht die Entwicklung aber auch langsamer als bei der Konkurrenz aus dem Smartphone-Sektor. Bestes Beispiel: A-Klasse Kunden bekommen für ein Jahr kostenlos den Musikstreamingdienst Tidal, der mit dem nächsten Over-the-air-Update im September 2018 ins MBUX übertragen und dann nutzbar wird. Aber: Auf Apple CarPlay ist die App bereits jetzt voll einsatzfähig. 
Fazit: In Zukunft wird sich zeigen, wie schnell MBUX weitere Drittanbieter installiert. Angesichts der Manpower und der Erfahrungen dürften Apple CarPlay mit iOS und Android Auto mit Android hier immer eine Naselänge voraus sein. Aus diesem Grund planen erste Autohersteller Softwareplattformen auf Android-Basis, um schneller auf App-Entwicklungen reagieren zu können. Pluspunkt: Obwohl es sich genau genommen um Konkurrenten handelt, hat Mercedes CarPlay und Android Auto im MBUX integriert. 

Flop 3: Und plötzlich gar kein Flop mehr!

Was war denn da los? Über eine Woche nervte uns das im MBUX installierte Onlineradio Tunein mit Werbung vor jedem Stream. Nervig, weil sich die Werbung zudem nach jedem Sprachbefehl wiederholte und Tunein eine Pro-Version ohne Werbung anbietet. In einem Video auf unserem Facebook-Kanal haben wir das Problem gezeigt. Verdutzt waren wir dann, als dieses Problem Tage danach gar nicht mehr auftrat und die Werbung gänzlich verschwunden war. Reiner Zufall oder technische Probleme? Egal, im besten Fall würde es zeigen, wie flexibel ein System mit Onlineverbindung wie MBUX auf Fehler reagieren kann.
Fazit: Natürlich ist es pingelig, auf kleine Fehler bei der Werbe-Einblendung einzugehen, aber der Slogan "Das Beste oder nichts" fordert auch solche Spitzfindigkeiten geradezu ein. Zudem darf der Daimler-Kunde auch ein Top-System erwarten. Er zahlt für einen Mercedes A 200 mit dem hier vorgestellten MBUX immerhin mindestens 35.000 Euro. Und dabei haben wir schon alle anderen Extras wie AMG-Line und einige Fahrassistenten bei der Berechnung weggelassen.

Gesamtfazit zum Connectivity-Check MBUX:

Redakteur Robin Hornig beim Connectivity-Check in der neuen A-Klasse. 

Geschafft! Mit MBUX hält Mercedes, was sie mir ihrem Slogan "Das Beste oder nichts" versprechen. Im Automobilbereich liegt dieses System vorn. Im Vergleich mit der Konkurrenz im Smarthome- und Smartphone-Sektor stößt Mercedes an seine Grenzen. In Zukunft wird es darum gehen, wer schnell und gut seine Systeme weiterentwickelt. Da muss Mercedes jetzt weiter am Ball bleiben, bevor sich ein anderer Autohersteller ein ausgereiftes Konkurrenzsystem wie Android oder iOS krallt und von deren Know-how und Schnelligkeit bei Updates sowie von der Einbindung von Drittanbietern profitiert!

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