Mercedes CLA/Audi A3 Sportback/VW CC: Vergleich
— 13.03.2013
CLA – Glamour, Stil, Spaß oder Vernunft?
Ein bisschen Coupé, ein Schuss Limousine – wo steht der CLA von Mercedes? Wir haben den Sternträger mit VW CC und Audi A3 Sportback verglichen.
Saint-Tropez – ach, wie das klingt! Nach Jetset, Jachten und lässigen Menschen in Edelknitter-Leinen. Doch im Februar, dem kältesten Monat an der Côte d’Azur, knittert im Süden Frankreichs höchstens die Gesichtshaut. Saint- Tropez ist leer und öde. Nicht gerade ein mondänes, glitzerndes Pflaster, um bei der ersten Ausfahrt den Boulevard-Wert des
Mercedes CLA zu testen. Daher haben wir dem kleinen Bruder des CLS die passende Begleitung mitgebracht:
Audi A3 Sportback und
VW CC sollen dem Neuling den Spiegel vorhalten: Glamour, Stil, Spaß oder Vernunft – wohin geht die Reise?
Überblick: Alle News und Tests zum Mercedes CLA
Video: Mercedes CLA
Das Coupé der A-Klasse
Das Andere, Ungewöhnliche am CLA verlangt ein paar erklärende Worte. Kurz gesagt: Er sieht aus wie ein
Mercedes, etwas länger, flacher und modischer als die
C-Klasse, hat vier Türen und die Technik der
A-Klasse. Also Vorderradantrieb! Früher so undenkbar wie der Rücktritt des Papstes. Heute gilt so etwas als Vorreiter für die nächste große Automode – schicke, teure Coupé-Limousinen im Mittelklasse-Format. Ganz neu ist das nicht, in dieser Nische fährt seit 2009, wenngleich fast unbeachtet, der CC. Der Volkswagen hat mit der letzten Schönheitskur das bürgerliche "Passat" aus seinem Namen gestrichen und folgt dem Schönheitsideal der Coupés noch konsequenter. Er streckt sich mit 4,80 Metern deutlich länger und duckt sich flacher als der Mercedes, das verlangt beim Einsteigen eine noch tiefere Verbeugung. Innen fühlt sich der
VW luftiger und weiter an, auch hinten erhalten Knie und Gepäck (mit 532 Litern der größte Kofferraum) deutlich mehr Platz. Beim Ausblick aus den schmalen Fenstern fühlt man sich ein bisschen wie in der Souterrain-Wohnung – die ist dafür edel tapeziert und besonders reichhaltig ausgestattet.
Überblick: Alle News und Tests zum VW CC
Die technische Reife des VW CC weiß zu gefallen: Sein TDI läuft angenehm leise und sparsam.
Zweifellos ordentlich, doch der Fahrer ist auf den serienmäßigen Sportsitzen seltsam hoch platziert. Mitten im Armaturenträger klafft das hässliche Schlüsselloch, einen zentralen Bedienknopf für das Infotainmentsystem hat er nicht – der CC wirkt angestaubt. Dafür gefällt rund um Saint-Tropez die technische Reife des VW. Sein TDI läuft angenehm leise und sparsam (Normverbrauch 4,8 Liter), der 70 Liter große Tank macht 1000-Kilometer-Etappen möglich. Reisen ist ohnehin seine Domäne. Ausgewogene Federung, wenig Windgeräusche und eine weich ansprechende Lenkung, die in Kurven ausholendes Kurbeln verlangt. Zum Verwöhn-Charakter passt die umfangreiche Serienausstattung (siehe Tabelle unten). All das kostet 35.800 Euro – ein durchaus selbstbewusster Preis. Wo der VW dezent bleibt, wählt der Mercedes gern die große Geste. Dicker Zentralstern für enormes Überholprestige, modische Sicken in den Flanken. Sein Interieur wirkt frischer, sportlicher als das im CC: Runde Lüftungsdüsen, seit dem SLS in jedem neuen Mercedes zu finden, verlocken zum Anfassen, selbst wenn man sie nicht braucht.
Den Show-Effekt überzieht das Coupé leider hinten, beim engen Fond und der schlechten Rundumsicht – die Rückfahrkamera für 345 Euro dürfte zu den beliebtesten Extras zählen. Umso mehr erfreuen die langstreckentauglichen Vordersitze oder der Automatik-Schalthebel rechts hinterm Lenkrad: Einmal daran gewöhnt, möchte man ihn so wenig missen wie die Ablagen auf der Mittelkonsole. Mercedes spendiert dem CLA eine neu abgestimmte Federung mit elastisch entkoppelter Hinterachse – sie ist also besonders weich gelagert. Großes Kompliment, dieses Komfortfahrwerk hat seinen Namen wirklich verdient. Wie das Coupé Wellen schluckt und die Straße wegdrückt – ja, so muss ein Mercedes federn. Ein echter Gewinn, kein Vergleich zur straffen A-Klasse. Schade, dass der Kompakte dieses großartige Fahrwerk nicht ebenfalls bekommt.
Überblick: Alle News und Tests zum Audi A3 Sportback
Video: Audi A3 Sportback
Der A3 für Praktiker
Im CLA steht der 170 PS starke CDI bis zum Sommer, wenn der kleinere 200 CDI folgt, als einziger Diesel in der Preisliste. Der Motor spielt den kernigen Naturburschen, der 230 km/h Spitze erreicht und das Sparen mit 4,2 Liter pro 100 km Normverbrauch ebenso beherrscht wie der VW. Zusammen mit der direkt ansprechenden Lenkung kitzelt er die sportlichen Seiten des Coupés heraus, während das serienmäßige Doppelkupplungsgetriebe die Hektik beim Gangwechsel bisweilen übertreibt. Wer weiß, vielleicht zeigt Mercedes ähnliche Entwicklungsschritte wie beim Fahrwerk. Für die 37.991 Euro Basispreis (inklusive Abstandswarner, Tempomat und Knie-Airbag) dürfte kaum ein CLA 220 CDI vom Hof fahren. Dafür sorgen allein die fünf Extra-Ausstattungspakete und jede Menge Leckereien. Aus diesen Preishöhen betrachtet ist der
Audi günstig: Ab 28 700 Euro gibt es einen
A3 Sportback mit 180 Benziner-PS, Klimaanlage und der S tronic. Ein piekfeines Edel-Auto, wohin man auch schaut und greift – seine Qualität ist jedes Mal eine stille Belohnung für die Sinne. Mit seinem klassischen Kompaktschnitt und der steilen Heckklappe unterwirft er sich nicht der Mode, sondern der Funktion. Große Fenster, gute Sicht, der Fond hat gefühlte Taxi-Qualität – zumindest im Vergleich mit den Coupés.
Der Antrieb, ausnahmsweise ein Benziner, arbeitet wie ein Geheimagent, still und effektiv. Der 1,8-Liter-Turbomotor hat Schub, aber keinen Klang. Auch die leichtgängige Lenkung dürfte gern mehr Rückmeldung bieten. Man wünscht dem Sportback ein bisschen mehr Biss, aber den wird Audi bald nachreichen. In Genf steht ein 300 PS starker
S3 Sportback. Und einen Monat später in New York der A3 als Stufenheck und direkter Konkurrent des CLA. Denn trotz aller Perfektion kann der Audi im Vergleich eines nicht bieten: den Glamour, das gewisse Etwas, den selbstbewussten Auftritt eines CLA, der seinen Pelz nach außen trägt. So sieht pure Un-Vernunft aus. Ist das nicht schön?
| Fahrzeugdaten |
Audi A3 Sportback 1.8 TFSI |
VW CC 2.0 TDI |
Mercedes CLA 220 CDI |
| Hubraum |
1798 cm3 |
1968 cm3 |
2143 cm3 |
| kW (PS) bei 1/min |
132 (180)/5100 |
130 (177)/4200 |
125 (170)/3400 |
| Nm bei 1/min |
250/1250 |
380/1750 |
350/1400 |
| 0–100 km/h |
7,3 s |
8,4 s |
8,2 s |
| Vmax |
232 km/h |
227 km/h |
230 km/h |
| Verbrauch (EU-Mix) |
5,6 l S/100 km |
4,8 l D/100 km |
4,2 l D/100 km |
| Länge/Breite/Höhe |
4310/1785/1425 mm |
4802/1855/1417 mm |
4630/1777/1432 mm |
| Grundpreis |
28.700 Euro |
35.800 Euro |
37.991 Euro |
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Audi A3 Sportback (Typ 8VA), Mercedes-Benz CLA, VW CC
Veröffentlicht:
11.03.2013
Joachim Staat
Fazit
Wenn Glamour darin besteht, dass Köpfe beim Anblick herumfahren, dürfte der CLA mit seinem extrovertierten Design kaum zu schlagen sein. Das Coupé steht als modischer Viertürer noch einzigartig da, profitiert im Stil zudem vom Image des großen Bruders CLS und dem Stern. In dieser Kategorie zieht der Audi gleich, setzt aber mehr auf den Stil des zeitlosen Edel-Kompaktwagens. In seinem Benziner schlummern größere Spaß- und Sportreserven als im Diesel, hier punktet der Mercedes mit seiner Lenkung. Der CC hält mit dem größeren Platzangebot halbwegs Anschluss an den supervernünftigen A3 Sportback, der Raum wie Ressourcen optimal nutzt. Im CLA wohnt die Un-Vernunft – er ist am meisten Coupé.
Kommentare zum Artikel (13)
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Und immer wieder wird über Geschmack geschrieben, wie unsinnig doch. Design ist keine exakte Wissenschaft, versucht nur möglichst vielen Kunden zu gefallen. So ist es nicht verwunderlich, dass Mercedes, BMW, Audi und VW sowohl schöne und andere Autos bauen. Der CLA ist meiner Ansicht nach ein unproportioniertes Auto und sieht von Hinten alles andere als gut aus. Aber eben, es ist Geschmacksache.
Also wenn das "sportliche" Mercedes Coupé schon kaum gegen einen Audi pampersbomber ankommt wundert mich nicht das die in der Kreise stecken ...
merkwürdiger Vergleich, mit 2 Diesel und einem Benziner...
Der CLA ist vom Design her wirklich gut gelungen. Von der Qualität der Verarbeitung her kann er aber nicht mithalten. Das ist von Mercedes auch bewusst so gemacht. Die Marge pro Fahrzeug muss nach oben: also Kosten runter, gutes Design, dicken Stern drauf und Volumen machen. Autobild unterstützt Mercedes in den letzten Monaten auffallend stark und stellt das Design bei den Test stark in den Vordergrund. Technik und Verarbeitung sind plötzlich nicht mehr so relevant.
Insgesamt: Sehr gute Strategie! OB Mercedes so wieder den Anschluss an BMW und Audi schafft, wird sich zeigen.
@ V70er
Klar hat der A3 hier eigentlich nichts verloren. Aber er verkauft sich halt schlecht. In D im Februar zwar das erste Mal mehr als 3000 Zulassungen, davon aber 88% gewerblich, für die Kompaktklasse überdurchschnittlich viel. D. h, die meisten Zulassungen sind wahrscheinlich Händler- bzw Werkszulassungen.
Demnach werden wir hier noch viele abstruse Zusammenstellungen bei Vergleichstests sehen. Hauptsache der A3 ist dabei und gewinnt.