Mercedes: Probeme mit V6-/V8-Benzinern

— 04.08.2011

Mercedes gibt Materialfehler zu

Mercedes hat ein Problem mit V6- und V8-Motoren. Die Besitzer sind unzufrieden mit der Kulanzregelung. Daimler gelobt Besserung, doch es bleiben Fragezeichen.



Besitzer von Sechs- und Achtzylinder-Benzinern von Mercedes müssen weiter um ihre Motoren bangen. Wegen eines Materialfehlers kann sich bei Autos des Bauzeitraums April 2004 bis September 2006 ein Zahnrad an der Steuerkette abnutzen. Der Schaden kündigt sich mit dem Aufleuchten der Motorkontrollleuchte an; die Reparatur kostet je nach Modell bis zu 4700 Euro. Mercedes verbaute die Motoren der Baureihen M272 (2,5-, 3,0- und 3,5-Liter-V6) und M273 (5,0-Liter-V8) in zehn Modellreihen. Wie viele Autos mit M272- und M273-Motor von den Schäden betroffen sein können, bleibt weiter im Dunkeln.

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Der CLS von Manfred Obrist aus Baden ging bei Kilometerstand 102.000 kaputt. Mercedes erhöhte den Kulanzanteil, doch 1000 Euro Kosten blieben.

Ein Firmensprecher sagte gegenüber AUTO BILD, dass es bislang "eine sehr geringe Ausfallquote von ca. einem Prozent" gebe – rund 1500 Schadensfälle. Man rechne nur noch mit wenigen neuen Beanstandungen, die meisten Fälle seien bereits abgearbeitet. Dies ergebe sich aus einer internen Mängelstatistik – die Mercedes allerdings unter Verschluss hält. Bei welchen Fahrzeugen das Problem auftritt, lässt sich offenbar nicht vorhersagen. Grund: Beim Kettenrad aus Sinterstahl seien verschiedene Materialzusammensetzungen zum Einsatz gekommen. Erst seit wieder Kettenräder aus konventionellem Stahl eingebaut wurden (September 2006), war das Problem gelöst.
VW: Rückruf wegen weicher Zahnräder
Ende 2008 rief der VW-Konzern rund 25.000 Passat und Sharan mit 2.0-TDI-Motor in die Werkstätten, weil es zu "vorzeitigem Verschleiß der Zahnräder im Ausgleichswellenmodul" kommen konnte. Die Zahnriemen-TDI von VW besitzen zwar keine Steuerkette, die Ausgleichswelle wird jedoch über Stirnräder angetrieben. VW-Sprecher Harthmuth Hoffmann zu AUTO BILD: "Die Werkstattaktion wurde präventiv durchgeführt, um größere Schäden zu vermeiden."
Im Schadensfall (Motorkontrollleuchte brennt) rät der Hersteller, unbedingt eine Mercedes-Vertretung aufzusuchen und keine freie Werkstatt. Nur so könnten zum einen Kosten begrenzt und zum anderen ein Kulanzantrag bearbeitet werden. Und: Kunden, die mit der Kostenbeteiligung von Mercedes unzufrieden sind, können einen neuen Kulanzantrag einreichen, dieser würde noch einmal geprüft. Sowohl die Kilometerleistung als auch der Kulanzrahmen seien nun "deutlich erweitert worden".

Kommentar von Matthias Moetsch

M. Moetsch

"Dieser Fehler trifft Mercedes ins Mark. Es geht um die dicken Benzinmotoren. Um Autos, die 70.000, 100.000 Euro oder mehr kosten. Um Kunden, die besonders viel Geld in der Konzernkasse lassen: Autoliebhaber, solvente Herrschaften, Stammkunden. Sie fahren nun mit der Ungewissheit, irgendwann einen Motorschaden zu erleiden. Für einen Hersteller, der sich "Das Beste oder nichts" auf die Fahnen schreibt, kann es angesichts des klaren Versagens nur eine Antwort geben: 100 Prozent Kulanz für alle. Alles andere ist nichts."

Lesen Sie auch: Mercedes-V-Motoren für die Zukunft

Matthias Moetsch

Matthias Moetsch

Kommentar

Dieser Fehler trifft Mercedes ins Mark. Es geht um die dicken Benzinmotoren. Um Autos, die 70.000, 100.000 Euro oder mehr kosten. Um Kunden, die besonders viel Geld in der Konzernkasse lassen: Autoliebhaber, solvente Herrschaften, Stammkunden. Sie fahren nun mit der Ungewissheit, irgendwann einen Motorschaden zu erleiden. Für einen Hersteller, der sich "Das Beste oder nichts" auf die Fahnen schreibt, kann es angesichts des klaren Versagens nur eine Antwort geben: 100 Prozent Kulanz für alle. Alles andere ist nichts. 

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