Kleinwagen mit Turbo im Test

Opel Corsa/Audi A1/Mini Cooper/Seat Ibiza: Test

— 21.09.2015

Wer schafft den Turbo-Sieg?

Opel rüstet den Corsa auf. Mit 150 PS aus einem 1,4-Liter stellt er sich den drei starken Konkurrenten Audi A1, Mini Cooper und Seat Ibiza.

Bitte schön neutral bleiben, absolut objektiv urteilen und dabei keine eigenen Vorlieben durchschimmern lassen: Nichts Neues für mich, AUTO BILD-Tester Jan Horn, aber bei diesem Vergleich fällt mir das schwer. Weil es ein Test ist, der mich persönlich anfasst. Denn hier geht es um Typen, die ich mir selbst kaufen würde. Genauer: Kleinwagen, die in Machart und Abstammung deutlich oberhalb der Billig-Blechbüchsen-Grenze rangieren und gleichzeitig mit bis zu 150 PS genug leisten, dass es reichlich Spaß macht, damit herumzukurven.

Alle vier Testkandidaten haben reichlich Dampf unter Haube

Dreimal 150, einmal 136 PS: A1, Corsa, Ibiza und Mini haben kleine Turbomotoren mit reichlich Leistung.

Bestes Beispiel: Opels jüngst aufgehübschter Corsa. Als fünftüriger 1.4 Turbo mixt der einen sauberen Leumund mit flinkem Wesen und zurückhaltenden Trinkmanieren. Laut Opel soll der kleine Alltagsheld mit 5,9 Liter Super-Durst auskommen. Passt. Also gleich bestellen? Nee, dafür gibt es zu viele Konkurrenten vom gleichen Schlag. Den Mini zum Beispiel. Der schafft als  Cooper quirlige 136 PS, benötigt sogar nur 4,8 Liter Sprit auf 100 Kilometer und kann traditionell sogar noch besser Kurven wetzen als ein Corsa. Dann wären da noch die Konzerngeschwister Audi A1 1.4 TFSI Sportback und der Seat Ibiza FR. Neben identischer Leistung imponieren die sogar noch mit einer technischen Besonderheit. Deren Motor verfügt über eine Zylinderabschaltung – gelegentlich tuckert der Vierzylinder nur auf zwei Pötten. Auf 4,7 Liter sollen Audi und Seat so kommen – nicht schlecht für 150 PS. Also: Ähnliche Eckdaten, ähnliche Typen – wer macht das Beste draus? Da bin ich besonders gespannt, denn der Testsieger wird auch mein persönlicher

In Sachen Fahrspaß kommt keiner am Mini vorbei

Klare Sache: Wer ein Auto will, das sich fährt und anfühlt wie ein Gokart, der sollte zum Mini greifen.

In aller Kürze: Der Mini macht alle glücklich, die so richtig Bock aufs Autofahren haben. Reduziert auf den Kurvenspaß, ist der Cooper nach wie vor ein ganz großer Wurf. Den dicken Lenkradkranz in der Hand, bereitet es schlicht am meisten Laune, exakt in eine Biegung hineinzupiksen. Der Dreizylinder drückt bereits unterhalb von 2000 Touren emsig, der Schalthebel findet nach wenigen Zentimetern seine Rastposition für den nächsten Gang, die Bremssättel beißen hungrig in die Scheiben. Kurz: In dieser kleinen Bude wohnt temporeiches Leben. Allerdings: Die große Alltagsheldenrolle spielt der Cooper nicht. Im Fond geht es arg eng zu, die Übersichtlichkeit ist (wie bei allen hier) mäßig. Speziell ein Effekt nervt mächtig: Die steile Frontscheibe kostet Sicht nach schräg oben. Eine aufgehängte Ampel erkennt (ohne Verrenkungen) nur, wer meterweit vor der Haltelinie stehen bleibt. Und noch eine Eigenart stört uns: Die Komfortausstattung des Cooper fällt lausig aus. Nicht einmal einen Bordcomputer spendiert Mini ab Werk. Zum Ausgleich hat BMW die Hausaufgaben in Sachen Assistenz gemacht. So finden sich Notbremsfunktion (City-Stop), aktive Geschwindigkeitsregelung, Schildererkennung und Fernlichtassistent in der Preisliste.
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Die Fahrwerksabstimmung des Corsa überzeugt nicht

Irgendwie entkoppelt: Statt sich eng an die Straße zu schmiegen, tänzelt der Opel nervös "obendrauf".

Ganz schön modern, der kleine Rüsselsheimer: Smartphone-Funktionen lassen sich auf das große Farbdisplay im Cockpit spiegeln, und das Telefon reagiert auf Sprachbefehle. Außerdem parkt der kleine Opel auf Knopfdruck ein, erkennt Verkehrsschilder und kann rechtzeitig vor drohenden Frontalkollisionen warnen. Fast wie in der Oberklasse. Und sonst? Fällt der Corsa leider etwas ab. Zwar summt der 1.4er-Turbobenziner kultiviert und leise, mag auch mal gedreht werden. Mit 7,4 Liter Durst liegt der Durchschnittsverbrauch jedoch zu hoch. Außerdem gefällt uns die Fahrwerkabstimmung überhaupt nicht. Auf kurze Wellen spricht der Corsa unwirsch an, der Komfort leidet darunter. Gleichzeitig fehlt autoritäre Führung der Achsaufhängungen. Statt sich eng an die Straße zu schmiegen (wie es zum Beispiel der Audi schafft), tänzelt der Opel nervös "obendrauf", wirkt so weniger verbindlich, weniger spielerisch beherrschbar. Trost: Der Corsa ist um mehrere Tausend Euro günstiger als die Konkurrenten.
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Im Seat Ibiza findet man sich auf Anhieb zurecht

Reinsetzen und wohlfühlen: Der Ibiza gibt keine Rätsel auf – er ist leicht zu bedienen und fährt erwachsen.

So klein und schon soo erwachsen – so könnte man den ersten Eindruck beschreiben. Der Ibiza wirkt nämlich angenehm unverspielt. Sofort findet man sich im Cockpit zurecht, liest die Instrumente sauber ab, kann jede Taste intuitiv zuordnen. Die Sitze stützen und tragen erstklassig, dank weit verstellbarer Lenksäule finden auch Große eine ordentliche Sitzposition. Und: Der Motor ist im unteren Drehzahlbereich kaum zu vernehmen. Auch beim Fahren gibt es nichts zu meckern. Allenfalls das straffe Anfedern auf Querfugen stört das Wohlfühlniveau. Insgesamt ähnelt der Ibiza sehr dem Audi – er fährt sicher und erwachsen, ist allenfalls etwas schlichter eingerichtet. Dafür kostet er auch rund 5000 Euro weniger. Schade: Trotz der aufwendigen Technik, die dem Ibiza das Spritsparen erleichtern soll, ermittelten wir 6,7 Liter Verbrauch. Für 150 PS ist das nicht viel, für einen Kleinwagen mit diesem Anspruch (und Zylinderabschaltung!) jedoch schon.
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Mit seinem Preis spielt der Audi A1 in einer anderen Liga

Preislich schon Mittelklasse: Der Audi A1 Sportback 1.4 TFSI kostet im Testtrimm satte 27.370 Euro.

Mit 27.370 Euro Testwagenpreis (also Grundpreis plus alle für diese Bewertung wichtigen Extras) klopft der Kleinwagen ja schon laut an der Tür zur Mittelklasse. Fährt er auch so? Fast. Für einen Kleinwagen meistert der A1 seine Aufgaben mehr als ordentlich. Die Lenkung arbeitet direkt und zielgenau, den ebenso kräftigen wie unter Teillast sehr leisen Motor stresst so schnell nichts. Sehr sicher und satt liegt der A1 auf der Straße, bis auf gelegentliche Stößchen über die Reifen arbeitet er Bodenunebenheiten sehr gut ab. Die straff abgestimmten Stoßdämpfer lassen wir noch als sportlich durchgehen. Passt zur gefälligen Lenkung. Auffällig: Der Audi wirkt besonders sorgfältig zusammengebaut, die verwendeten Materialien passen zum Preis. Darüber hinaus steckt der Kleine voller Multimedia-Hightech. WLAN, Echtzeit-Navi, Smartphone-Anbindung – alles möglich. Auch in Sachen Fahrassistenz trumpft der A1 ganz groß auf. Neben Spurwarnung stehen auch Verkehrsschilderkennung und Kollisionsvermeidung auf der Liste.
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Vier kleine mit aufgeladenen Benzinern

Der vollständige Artikel ist ab sofort im unserem Online-Artikelarchiv erhältlich. Hier können Sie das Original-Heft-Layout als PDF-Dokument downloaden. Der Artikel handelt von folgenden Modellen: Audi A1 Sportback 1.4 TSI, Mini Cooper, Opel Corsa 1.4 Turbo und Seat Ibiza 1.4 TSI (Vergleichstest).

Veröffentlicht:

11.09.2015

Preis:

1,00 €


Jan Horn

Jan Horn

Fazit

Der Audi kostet in der Testwagenkonfiguration 27 370 Euro. Aua! Aber eins muss man ihm lassen: Unter den Kleinwagen ist der A1 ein Großer. Sein Motor (mit Zylinderabschaltung!) trägt dazu ebenso bei wie der gute Qualitätseindruck.

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