Ersatzteile

Ratgeber: Fahrzeugreparatur

— 30.03.2016

Wie lange bekomme ich Ersatzteile?

Wie sieht's eigentlich mit der Ersatzteil-Versorgung in Deutschland aus? Engpässe sind nicht ausgeschlossen – AUTO BILD hat in in der Branche nachgefragt.

Verschleiß, Unfallschäden und Inspektionen – Autofahrer sind bei Reparaturen ständig auf einen gesicherten Nachschub an Ersatzteilen angewiesen. Vor allem Besitzer älterer Fahrzeuge haben Angst, keine passenden Teile zu bekommen. "Die deutschen Hersteller und Zulieferer halten Ersatzteile für ihre Modelle in vollem Umfang bereit", beruhigt Eckehart Rotter, Sprecher des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Tatsächlich versichern alle in- und ausländischen Autobauer, Ersatzteile mindestens zehn Jahre nach dem Auslaufen einer Modellreihe vorrätig zu halten – zum Teil auch länger.

Trotz aller Mühe: Engpässe können vorkommen

Enrico Schuch musste 2015 nach einem Unfall lange auf neue Türen für seinen Golf warten.

Dass es manchmal auch innerhalb dieser zehn Jahre zu Problemen und Engpässen kommen kann, zeigte sich 2015, als VW monatelang keine Türen für den Golf VI liefern konnte. Überraschend, denn die Teileversorgung ist hochprofitabel und wichtig für die Kundenbindung. Die Hersteller betreiben viel Aufwand, produzieren einzelne Teile nach (Mercedes, Mazda), verfügen über markeninterne Teilebörsen und bieten Programme für zeitwertgerechte Reparaturen an. Herzstück des Teilenachschubs von Daimler ist beispielsweise das Mercedes-Benz Global Logistics Center im rheinland-pfälzischen Germersheim – mit 1,2 Millionen Quadratmeter Lagerfläche und 460.000 verschiedenen Teilenummern soll es das weltgrößte Lager für automobile Ersatzteile sein.

Nachfrage regelt das Angebot: Ersatzteilbestand ist gestiegen

Wachsender Fahrzeugbestand und steigendes Durchschnittsalter (9,2 Jahre laut Kraftfahrt-Bundesamt) sollten dem Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA) zufolge grundsätzlich dafür sorgen, dass Ersatzteile länger verfügbar sind. "Denn je mehr ältere Fahrzeuge im Markt sind, umso interessanter wird es für Fahrzeughersteller und die Unternehmen des freien Kfz-Ersatzteilmarktes, Teile dafür vorzuhalten", meint GVA-Präsident Hartmut Röhl. Nachfrage regelt das Angebot: Zumindest der Bedarf an Verschleiß- oder Wartungsteilen wie Bremsbelägen, Kupplungen oder Luftfiltern ist groß, entsprechend leicht sind diese Komponenten erhältlich. Dagegen sind Innenausstattungen wie Türverkleidungen oder Sitzbezüge schwieriger zu bekommen. Engpässe können sich etwa bei Ersatzteilen älterer Autos ergeben, wenn diese zugunsten von stärker nachgefragten Komponenten jüngerer Fahrzeuge weichen müssen. Insgesamt hat der Bestand an verschiedenen Ersatzteilen in den vergangenen Jahren jedoch stark zugenommen. Grund hierfür: "Die wachsende Fahrzeugmodell- und Typenvielfalt, unzählige Ausstattungsvarianten sowie immer kürzere Modellzyklen bei gleichzeitig längerer Lebensdauer der Autos", erklärt Röhl.
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Bedenklicher sieht es bei der künftigen Versorgung mit Elektronikteilen aus, schätzt der Automobilclub von Deutschland (AvD). Es sei nämlich nicht sicher, ob ein Vorhalten bei der wachsenden Zahl von elektronischen Bauteilen noch möglich ist. "Viele solcher Elemente werden nach der Erstproduktion schon deshalb nicht mehr nachgebaut werden können, weil es die Fertigungsverfahren nicht mehr gibt", prognostiziert AvD-Sprecher Herbert Engelmohr. Schlecht, auch Elektronik altert.

Zumindest Klassiker sind gut versorgt

Für Klassiker: Seit 2005 bietet Bosch Auto­motive Tradition auch Oldtimer­teile im Netz an.

Immer mehr Old- und Youngtimer fahren auf den Straßen, benötigen Ersatzteile. 15 Jahre nach dem Auslaufen einer Modellserie bei Mercedes, BMW, VW und Opel übernehmen die jeweiligen Classic Center die Teileversorgung. Nicht nur die Hersteller, auch Zulieferer handeln mit Oldtimerteilen, etwa Bosch Automotive Tradition in Karlsruhe. "Wir bieten vor allem Weiter- und Neuanfertigungen, Weiterentwicklungen und Instandsetzungen von Ersatzteilen an, um die Fahrbarkeit von Klassikern zu gewährleisten, sowie eine umfangreiche Internet-Datenbank zur Fahrzeug- und Produktsuche", erläutert Fritz Cirener, Leiter der Traditionsabteilung.
Autor:

Christian Bruns

Fazit

Ihr Hersteller ist vom Markt verschwunden? Keine Panik! Die meisten Teile stammen von Zulieferern und sind im freien Handel verfügbar. Bei der Suche nach seltenen Teilen lohnt es sich, bei Markenclubs nachzufragen und in Internetbörsen zu stöbern.

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