Renault Alpine: erste Mitfahrt

Renault Alpine: erste Mitfahrt

— 11.05.2016

Die Alpine macht Lust auf mehr

Sie lebt. Sie bebt. Sie spotzt und beißt sich in die erste Kurve, dass der Glaube wächst: Renault wird wieder eine Alpine bauen. Erste Mitfahrt.

Die beste Nachricht gleich vorweg: Die Alpine ist schon fertig. Serienreif, ready for take-off, auf direktem Weg ins automobile Lustzentrum. AUTO BILD hat sie exklusiv gehört, erlebt und so weit gespürt, dass wir nun wissen: Das Sportcoupé, das Renault im Februar 2016 in Monaco vorgestellt hat, ist keine leere Hülle, kein reiner Showtyp, sondern ein spotzendes, spritziges Kraftpaket. Frankreichs schönstes Versprechen auf vier Rädern.

Der historische Vorgänger wird ganz behutsam zitiert

Video: Renault Alpine Vision (2017)

Die Legende kehrt zurück

Ein kurzer Rückblick, was bisher geschah: Vor vier Jahren hatte Renault-Chef Carlos Ghosn angekündigt, Alpine, die 1995 eingestellte Sportwagenmarke, wiederzubeleben. Es folgten 2015 in Le Mans der erste Prototyp, vor zwei Monaten das offizielle Debüt in Monaco. In einem dunklen Zelt duckte sich eine weiße, noch namenlose Flunder, die jetzt erstmals auf der Straße fährt. Was für ein Unterschied. Wie der Mensch die Luft braucht und der Fisch das Wasser, so brauchen Sportwagen den Asphalt. Die Gasstöße. Live, im ersten Frühlingslicht, versprüht die Alpine erst ihre volle Wucht, gewinnen die Proportionen und das ganze Auto an Glaubwürdigkeit. Renaults Designer haben das Original, den A110 von 1962, nur behutsam zitiert. An den vier Augen, der bombierten Heckscheibe und den Luftauslässen darunter erkennen wir den Tiefflieger, der Anfang der 70er auf den Rallyepisten zum großen Gegner des Porsche 911 heranwuchs.
Alle News und Tests zur Renault Alpine

Viele Elemente der Studie sehen wir in der Serie wieder

Nur Vision oder Serienausstattung? Markenchef Michael van der Sande erklärt den Alpine-Innenraum.

Die neue Alpine ist mehr als nur Revival. Sie ist viel breiter, schafft damit Platz unterm flachen Dach. Das Interieur glänzt mit so aufwendig verspielten Details, dass wir Markenchef Michael van der Sande die bange Frage stellen: "Ist das nur Show oder geht diese Einrichtung in Serie?" Also: Das große TFT-Display vorm Fahrer kommt ebenso wie das Doppelkupplungsgetriebe und die großen Schaltpaddles hinterm Lenkrad. Und die geriffelten Alu-Kippschalter darüber, die nackten Sitzstreben und die blauen Nähte im Leder? "Die Serie bewahrt den Geist, nicht jedes Detail", so van der Sande. Alpine-Fans, holt schon mal Taschentücher raus. Na ja, es bleibt bei wenigen Tränen, weil der Markenchef das Grundkonzept bestätigt. Vierzylinder-Mittelmotor mit Turbo, null auf 100 in weniger als 4,5 Sekunden, was immerhin ein paar Eckpunkte festlegt. Aus exakten Zahlen machen die Franzosen noch immer ein Staatsgeheimnis.

Die Alpine hat etwa das Format des Audi TT. Rund 270 PS, später 300, werden nicht dementiert, damit darf die Alpine nur rund 1200 Kilogramm wiegen. Durch Aluminium? Das wird wohl zu teuer. "Wir bilden gerade ein Leichtbau-Team, das künftig alle Serien-Renault betreut." Es gilt, Kosten und Preis unter einen Hut zu bringen. Die 50.000 Euro, wie anfangs spekuliert, könnten mehr Wunsch als Wirklichkeit darstellen, "denn billig", betont van der Sande, "billig werden wir nicht".

Gegen die starke Konkurrenz setzt Renault auf klassische Werte

Video: Kommentar Renault Alpine (2016)

Das Comeback einer Legende

Die Konkurrenz ist stark: BMW Z4, Audi TT RS und Nissan 370Z bei Leistung und Preis, beim Fahrspaß sind es Porsche Cayman, Lotus Elise oder Alfa 4C. "Die Alpine soll der agilste, leichteste und fahraktivste Sportler seiner Klasse sein." Ein Stirnrunzeln ist erlaubt, was ist daran das Besondere, das Französische? "Dass die neue Alpine ihren Wurzeln treu bleibt und sich traut, anders zu sein: leicht statt stark, wendig statt statusbeladen." Nun, das klingt stark nach Prospekt-Poesie, aber dann fegt der Flachmann fürs Foto erstaunlich zackig und ansatzlos um eine 90-Grad-Linkskurve. Mit einem Auspuffsound, dass es bis in die Magengrube (und noch tiefer) knallt und wir am liebsten sofort hinterm Lenkrad säßen. Halt, ruhig, erste Probefahrten sind erst im Dezember 2016 möglich. Die Produktion in Dieppe, wo jetzt Clio RS und Elektromobile gebaut werden, soll noch im ersten Halbjahr 2017 (angeblich mithilfe von Magna) starten, der Verkauf frühestens ab Jahresmitte. Alpine soll zu Renaults Sportmarke heranwachsen, mit spezialisierten Händlern und eigenem Auftritt.

Da schließt Michael van der Sande auch ein SUV nicht aus, dafür wird das Sportcoupé nur den knallenden Startschuss geben. Das müsste dann, um die leckerste Frage zum Schluss zu stellen, einen eigenen Namen bekommen. Alpine irgendwas: Wie wird der gallige Gallier heißen? Großes A mit drei Ziffern. A710, 810 oder ... Dreimal dürfen wir raten.
Joachim Staat

Joachim Staat

Fazit

Die erste Ausfahrt mit der Alpine hat überzeugt: Das Konzept vom leichten, agilen Herzschlag-Sportler kann aufgehen. Vorausgesetzt, Renault findet die goldene Mitte zwischen nicht zu teuer und edel genug, um große Stückzahlen zu erreichen.

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