So funktioniert "Keyless-Klau"

Keyless Go: Das Risiko Keyless Go: Das Risiko Keyless Go: Das Risiko

Sicherheitsrisiko Keyless Go

— 10.11.2016

So leicht gehen Autos auf

Mit simpler Technik lassen sich die Signale von Keyless-Go-Autoschlüsseln verlängern. Damit wird Autodiebstahl zum Kinderspiel. AUTO BILD hat's ausprobiert. Mit Video!

Video: Digitaler Autoklau

So unsicher ist Keyless Go

Autos mit Keyless Go lassen sich mit simplen Mitteln knacken. So auch der nagelneue Ford S-Max von Familie Quack. Ganz ohne Schlüssel. Den hat Besitzer Patrick Quack in seiner Hosentasche. Sicher, wie er glaubt. Doch dann kommen drei Panzerknacker: Matthias Rötsch und Robin Mahlke vom Chaos Computer Club Aachen (CCCAC) sowie Claudius ("Klau"-dius) Maintz von AUTO BILD. Sie fragen: "Entschuldigung, dürfen wir Ihr Auto knacken?" Sie dürfen. Während Rötsch sich direkt an die Fahrertür des Ford stellt und den Türgriff anfasst, rückt Mahlke dem Ford-Besitzer auf die Pelle. Bereits nach wenigen Sekunden hat das Stellungsspiel Erfolg. Es macht klick, die Blinker leuchten kurz auf, Rötsch kann einsteigen. Doch damit nicht genug: Ein CCCAC-Aktivist hält seinen Stoffbeutel neben das Lenkrad, drückt den Startknopf. Der Motor springt an, der Neuwagen könnte jetzt den Besitzer wechseln, Rötsch später in aller Ruhe einen neuen Schlüssel anlernen. Patrick Quack ist baff: "Das kann doch nicht angehen! Die Hersteller müssen hier mehr machen." Allein in Köln wurden seit Jahresbeginn 50 Autos mit Keyless Go geklaut. Klare Sache: Die Technik birgt ein hohes Sicherheitsrisiko.

Ist Ihr Auto sicher? Die Auflösung in AUTO BILD 45/2016

Jetzt die aktuelle Ausgabe sichern


AUTO BILD deckt die Schwächen von Keyless Go auf

Ist Ihr Auto sicher? Keyless Klau ist Thema in AUTO BILD 45/2016, ab 11. November am Kiosk!

Keyless Go erlaubt es, den Schlüssel beim Öffnen der Tür und beim Starten des Motors bequem in der Hosentasche zu lassen. Bereits in zwei Ausgaben (Heft 1/2016 und 18/2016) hat AUTO BILD die Schwächen der Technik aufgedeckt und mit einem geliehenen, rund 35.000 Euro teuren Verstärker die Signale zwischen Schlüssel und Auto so aufgefangen und verlängert, dass sich neun von zehn Autos aus großer Entfernung entwenden ließen. Diebesbanden sollen bei ihren Beutezügen ähnlich professionelle Geräte einsetzen, die im Internet ab rund 20.000 Euro zu haben sind. Beim neuen Test für AUTO BILD kommt ein simpler Funkwellenverlängerer für 90 Euro zum Einsatz.

Auf den Spuren der Navi-Mafia

"Keyless Go ist unausgegoren"

Einen BMW 218i Active Tourer knacken die Aktivisten vom Chaos Computer Club ohne Mühe.

Dass die Technik zum Autoklau günstig zu haben ist, demonstrierte Elektroingenieur Rötsch schon Ende April 2016 mit seinem selbstgebastelten Gerät, dessen Einzelteile insgesamt 32 Euro kosten. Zusammen mit Clubkollege Mahlke knackte er mühelos vor dem Clubraum in einem alten Fabrikgebäude aus Backstein einen Ford EcoSport und ein BMW 218i Active Tourer. "Solange die Technik derart unausgegoren ist, kann man von Keyless Go nur abraten", sagt Matthias Rötsch. Robin Mahlke ergänzt: "Der Technologiewettlauf in der Industrie führt oft dazu, dass unausgereifte Technik auf den Markt kommt."

Streit um geklauten 911er: Seiner oder nicht seiner?

Gezerre um gestohlenen Porsche Gezerre um gestohlenen Porsche Gezerre um gestohlenen Porsche
Juristisches Gezerre um gestohlenen Porsche
Auto-Aufbruch: Was ist versichert?

Keine Hinweise auf häufigere Diebstähle

Video: Keyless Klau

Digitaler Auto-Diebstahl

Doch das ändert kaum etwas an der Beliebtheit von Keyless Go. Rund die Hälfte aller BMW-Neuwagenkäufer ordert den Komfortzugang, bei Ford sind es – je nach Modell – bis zu 58 Prozent, bei den Mazda-Baureihen im Schnitt 47,2 Prozent. Noch erhöht "das Vorhandensein eines Keyless-Go-Systems die Versicherungsprämie nicht", sagt eine Sprecherin der Allianz-Versicherung. Es gebe derzeit auch noch "keine Statistiken, die häufigere Diebstähle von Fahrzeugen, die mit dem System ausgestattet sind, belegen würden". Indirekt aber kann die Sicherheitslücke künftig durchaus zu höheren Beiträgen führen. Nämlich dann, wenn bestimmte Automodelle gerade wegen häufiger Ausstattung mit Keyless Go in den Diebes-Fokus rücken. "Bei der jährlichen statistischen Überprüfung durch den GDV kann ein erhöhtes Diebstahlaufkommen dazu führen, dass der betroffene Fahrzeugtyp in der Folge höher eingestuft wird", sagt Christoph Lauterwasser, Chef des Allianz Zentrums für Technik.

Ranking zum Autoklau in Deutschland

Autodiebstahl

Unbeteiligte tragen Keyless-Risiko mit

Theoretisch könnte sich ein erhöhtes Diebstahl-Risiko durch Keyless Go auf die Versicherungsprämie auswirken.

Am Ende tragen also selbst solche Autofahrer das Keyless-Risiko über ihre Kasko mit, die sich wegen Sicherheitsbedenken bewusst gegen den automatischen Türöffner entschieden haben. Schuld daran ist die relativ grobe Einteilung von Autos in Typklassen, die Ausstattungen unberücksichtigt lässt. Ebenso wenig belohnen Versicherungen freiwilligen Diebstahlschutz – etwa durch Smartphone-Apps. Mithilfe der BlueID-Technologie zum Beispiel tauschen App und Auto vor Türöffnung und Start verschlüsselte Codes aus. Bei Carsharing-Autos ist die Technik bereits im Einsatz.

Volvo-App statt Autoschlüssel

Nur wenige abschaltbare Keyless-Systeme

Freiwilliger Diebstahlschutz durch Smartphone-Apps wird von den Versicherern bisher nicht belohnt.

Alternativ sind auch Alarmanlagen und Wegfahrsperren ein Hemmnis, die durch einen kleinen Zusatzsender entschärft werden müssen. Die Signale dieser "Tokens" sind in der Regel auf anderen Frequenzen unterwegs als die Keyless-Schlüssel. Diese ebenfalls zu überbrücken, ist noch zu aufwendig. Sinnvoll ist auch der abnehmbare Startknopf einiger Mercedes-Modelle. In ihm steckt der Empfänger für das Funksignal. Kaum verbreitet sind leider Keyless-Systeme, die sich bei Bedarf per Knopfdruck abschalten lassen. Daher hilft zurzeit nur: Schlüssel am besten in einer speziellen Schutztasche aufbewahren. In der Galerie sehen Sie, wie "Keyless Klau" funktioniert. Die Reportage mit fünf weiteren, blitzschnell geknackten Autos, lesen Sie in AUTO BILD 45/2016 (ab 11. November am Kiosk).

Abschirmhüllen bei Amazon.de

Keyless-Klau: So leicht gehen Autos auf

Keyless Go: Das Risiko Keyless Go: Das Risiko Keyless Go: Das Risiko
Claudius Maintz

Claudius Maintz

Fazit

Mit einem einfachen Funkreichweitenverlängerer lassen sich Autos mit Keyless Go stehlen. Dass es so leicht geht, entlarvt die entscheidende Schwäche von Keyless Go. Zu simpel, zu einseitig, nur auf Komfort ausgelegt. Solange sich Klau-Attacken häufen, muss Keyless Go aus den Preislisten verschwinden!

Stichworte:

Autodiebstahl

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.