Keyless Klau. So leicht gehen Autos auf

Keyless Go: Das Risiko Keyless Go: Das Risiko Keyless Go: Das Risiko

Sicherheitsrisiko Keyless Go

— 22.12.2016

So leicht lassen sich Autos knacken

Mit simpler Elektro-Technik können Autodiebe auf kinderleichte Art die Signale von Keyless-Go-Autoschlüsseln verlängern. AUTO BILD hat's ausprobiert. Mit Video!

Video: Digitaler Autoklau

So unsicher ist Keyless Go

Autos mit Keyless Go lassen sich mit simplen Mitteln knacken. AUTO BILD hat die Probe aufs Exempel gemacht und gemeinsam mit zwei Aktivisten vom Chaos Computer Club Aachen (CCCAC) auf einem Supermarkt-Parkplatz Autos geknackt. Natürlich immer in Anwesenheit und mit Erlaubnis der Besitzer. Unter den Testobjekten: ein Ford S-Max, ein Renault Mégane Cabrio, ein Toyota Auris, ein Nissan Qashqai, ein 5er BMW und ein Audi A8. Ziel: Aufzeigen, wie unsicher Keyless Go, der kontaktfreie Autoschlüssel, ist. Denn allein in Köln wurden seit Jahresbeginn 2016 50 Autos mit Keyless Go geklaut. Die Panzerknacker: Matthias Rötsch und Robin Mahlke vom Chaos Computer Club sowie Claudius Maintz von AUTO BILD.

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Familienauto geht auf, Motor springt an

Mit Hilfe des verlängerten Funksignals kann Matthias Rötsch den S-Max von Familie Quack einfach öffnen.

Erster Testkandidat ist der nagelneue Ford S-Max von Familie Quack. Den Schlüssel hat Besitzer Patrick Quack in seiner Hosentasche. Sicher, wie er glaubt. Das Panzerknacker-Team fragt: "Entschuldigung, dürfen wir Ihr Auto knacken?" Sie dürfen. Während Rötsch sich direkt an die Fahrertür des Ford stellt und den Türgriff anfasst, rückt Mahlke dem Ford-Besitzer auf die Pelle. Bereits nach wenigen Sekunden hat das Stellungsspiel Erfolg. Es macht klick, die Blinker leuchten kurz auf, Rötsch kann einsteigen. Und damit nicht genug: Ein CCCAC-Aktivist hält seinen Stoffbeutel neben das Lenkrad, drückt den Startknopf. Der Motor springt an, der Neuwagen könnte jetzt den Besitzer wechseln, Rötsch später in aller Ruhe einen neuen Schlüssel anlernen. Patrick Quack ist baff: "Das kann doch nicht angehen! Die Hersteller müssen hier mehr machen."

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Gleiches Spiel beim Renault Mégane Cabrio von Sabine Froesch. Die Sprecherin und Moderatorin aus Aachen kommt gerade aus dem Baumarkt, will in ihren Wagen steigen. Wieder die gleiche Frage: Dürfen wir ...? Ja! Und erneut klappt die Nummer mit den Stoffbeuteln, Sabine Froesch ist entsetzt. "Das ist enttäuschend. Von den Herstellern kann ich als Kundin erwarten, dass zumindest den bekannten Klaumethoden etwas entgegengesetzt wird." Doch danach sieht es derzeit überhaupt nicht aus: "Wir passen unsere technischen Lösungen permanent an, um die Sicherheit unserer Fahrzeuge gewährleisten zu können. Wenn es der Kunde wünscht, kann er problemlos die Keyless-Entry-Funktion deaktivieren", lautet Renaults lapidare Antwort.
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"Keyless Go? Zu unsicher"

Öffnen lässt sich der Toyota Auris von Peter Rockel aus Aachen nicht – aber dafür ohne Schlüssel starten.

Nächster Versuch, ein Kia. Doch dessen Besitzer kennt sich aus: "Keyless Go? Zu unsicher, ich bin Funkamateur, würde das nie bestellen", sagt er und drückt – ganz klassisch – auf den Knopf auf seinem Schlüssel. Genauso öffnet auch Peter Rockel aus Aachen seinen drei Jahre alten Toyota Auris. Der Motor aber springt auch ohne Zündschloss an, der Wagen hat Keyless Start. Und auch hier ist die Signalverlängerung ein Kinderspiel. Motorstart möglich, obwohl der Funkschlüssel zehn Meter entfernt in Rockels Hosentasche ist. "Ich habe es befürchtet", sagt der Lehrer frustriert. Und Toyota? Bei den Japanern heißt Keyless Go "Smart Key", der smarte Schlüssel öffnet bei vielen Modellen auch die Türen. "Die Keyless-Funktion lässt sich per Knopfdruck leicht deaktivieren – etwa beim Parken in unsicheren Gegenden. Kriminelle Energie wird man aber auch durch beste Abwehrtechnik nicht nachhaltig bekämpfen können", so ein Sprecher.

So günstig ist ein Reichweitenverlängerer

"Derzeit sind keine Maßnahmen verfügbar, die das Öffnen mittels Signalverlängerungs-Werkzeugen prinzipiell verhindern", heißt es bei Ford. 90 Euro stecken im Funkreichweitenverlängerer von AUTO BILD und CCCAC. Das simpel konstruierte Gerät verlängert zunächst das Abfragesignal des Autos an den Schlüssel. Dieses entsteht, sobald jemand den Türgriff – je nach Modell – zieht, berührt oder einen kleinen Knopf am Auto drückt. Der Schlüssel in der Hosentasche empfängt das (verlängerte) Abfragesignal und sendet ein Öffnungssignal zum Auto. Dieses kann ebenfalls verlängert werden. Das Auto glaubt, der Originalschlüssel sei in der Nähe, Tür öffnen und Motor starten sind möglich.

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Es besteht Handlungsbedarf bei Keyless Go

Auch Luxus-Modelle wie der Audi A8 sind nicht sicher mit Keyless Go. Dieser ließ sich jedoch nicht knacken.

Ohne Autoklau-Apparat würde das Abfragesignal maximal einen bis zwei Meter weit reichen. Bereits zweimal hat AUTO BILD über das Sicherheitsrisiko Keyless Go berichtet (Ausgaben 1 und 18/2016), wie auch der ADAC und diverse Fernsehsender. Bewegt hat sich seitdem wenig, wirklich sicher sind Funkschlüssel nur im Kühlschrank oder in speziell abgeschirmten Taschen, die mittlerweile angeboten werden. Dabei besteht dringender Handlungsbedarf: In Köln verschwanden 2016 seit Jahresbeginn 2016 durch Funk-Attacken 2016 mindestens 50 Autos. In Potsdam rät die Polizei davon ab, auf der Straße oder im Carport zu parken. Und Berlins Polizei warnt vor Funkpiraten, die das Signal des Schlüssels abfischen, wenn er im Hausflur hängt.

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Unbeteiligte tragen Keyless-Risiko mit

Theoretisch könnte sich ein erhöhtes Diebstahl-Risiko durch Keyless Go auf die Versicherungsprämie auswirken.

Und am Ende tragen selbst solche Autofahrer das Keyless-Risiko über ihre Kaskoversicherung mit, die sich wegen Sicherheitsbedenken bewusst gegen den automatischen Türöffner entschieden haben. Schuld daran ist die relativ grobe Einteilung von Autos in Typklassen, die Ausstattungen unberücksichtigt lässt. Ebenso wenig belohnen Versicherungen freiwilligen Diebstahlschutz – etwa durch Smartphone-Apps. Mithilfe der BlueID-Technologie zum Beispiel tauschen App und Auto vor Türöffnung und Start verschlüsselte Codes aus. Bei Carsharing-Autos ist die Technik bereits im Einsatz.

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Nur wenige abschaltbare Keyless-Systeme

Freiwilliger Diebstahlschutz durch Smartphone-Apps wird von den Versicherern bisher nicht belohnt.

Alternativ sind auch Alarmanlagen und Wegfahrsperren ein Hemmnis, die durch einen kleinen Zusatzsender entschärft werden müssen. Die Signale dieser "Tokens" sind in der Regel auf anderen Frequenzen unterwegs als die Keyless-Schlüssel. Diese ebenfalls zu überbrücken, ist noch zu aufwendig. Sinnvoll ist auch der abnehmbare Startknopf einiger Mercedes-Modelle. In ihm steckt der Empfänger für das Funksignal. Kaum verbreitet sind leider Keyless-Systeme, die sich per Knopfdruck abschalten lassen. Daher hilft zurzeit nur: Schlüssel am besten in einer speziellen Schutztasche aufbewahren. 1:0 für die Diebe. Hier sehen Sie, wie "Keyless Klau" funktioniert.

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Keyless-Klau: So leicht gehen Autos auf

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Claudius Maintz

Claudius Maintz

Fazit

Mit einem einfachen Funkreichweitenverlängerer lassen sich Autos mit Keyless Go stehlen. Dass es so leicht geht, entlarvt die entscheidende Schwäche von Keyless Go. Zu simpel, zu einseitig, nur auf Komfort ausgelegt. Solange sich Klau-Attacken häufen, muss Keyless Go aus den Preislisten verschwinden! Wird es aber nicht. Denn mit jedem gestohlenen Auto verkaufen die Hersteller ein neues. Warum also was ändern?

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