Skoda Rapid/VW Polo: Test

Skoda Rapid/VW Polo Skoda Rapid/VW Polo Skoda Rapid/VW Polo

Skoda Rapid/VW Polo: Test

— 02.05.2014

Der Rapid entzaubert den Polo

VW hat den Polo mit einem Facelift erneuert. Es reicht aber nicht, um gegen den Konzernbruder Skoda Rapid Spaceback zu bestehen.

Der erste Blick genügt nicht. Das soll der neue Polo sein? Ja, und darauf sind sie bei VW stolz. Der Kleinwagen ist so erfolgreich, dass das Facelift der seit 2009 angebotenen fünften Generation so dezent ausfallen darf. Immerhin haben sich im vergangenen Jahr allein in Deutschland 68.343 Käufer gefunden – ein Plus von über 25 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Und so sollen ein paar neue Stoßfänger, veränderte Leuchten und zusätzliche Assistenzsysteme reichen, um den Polo weiter in der Erfolgsspur zu halten. Sogar die Preise seien nicht gestiegen, betonen sie bei VW.

Preislich nähert sich der Polo der Kompaktklasse an

Video: VW Polo Facelift 2014

VW stellt den neuen Polo vor

Wäre ja auch noch schöner! Denn der Polo sieht dem größeren Golf nicht nur verdächtig ähnlich – er ist auch preislich längst in der Kompaktklasse angekommen. Für den neuen 90-PS-Benziner mit fünf Türen rufen die Wolfsburger mindestens 16.775 Euro auf. Dafür gibt es bei der Konzernschwester Skoda einen ähnlich motorisierten und ausgestatteten Rapid Spaceback – der aber eine Klasse größer ausfällt. Für die meisten Käufer dürfte sich da schnell die Frage stellen, ob der Polo seinen hohen Preis auch wirklich wert ist. Schließlich nutzen die Tschechen den gleichen Technikpool wie die VW-Entwickler. Schon auf dem Parkplatz wird klar, dass Skoda beim Design mindestens aufgeholt hat. Selbstbewusst steht der Rapid da. Nicht zu schlicht, sondern von einer zeitlosen Eleganz, wie sie früher einmal Mercedes oder Volvo ausgezeichnet hat. Auf ähnlich hohem Niveau ist der Polo gezeichnet, nur eine ganze Handbreit kürzer. Der erste Eindruck täuscht nicht. Im Cockpit fällt der VW eine Nummer kleiner aus. So sehr sogar, dass er für große Fahrer ein wenig zwickt. Der Sitz lässt sich nicht weit genug nach hinten verstellen und ist zu hoch montiert. Immerhin fällt der Blick auf ein blitzsauber verarbeitetes, übersichtliches Cockpit. Nur allzu genau sollte man nicht hinschauen, im unteren Cockpitbereich verbauen die Wolfsburger billig wirkendes Hartplastik.
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Wer Platz braucht fährt mit dem Rapid Spaceback gut

Video: Skoda Rapid Spaceback

So fährt der Rapid Spaceback

Davon gibt es auch im Rapid reichlich. Und anders als im VW ist der obere Teil des Armaturenbretts nicht weich geschäumt. Aber hier zeigt sich, dass der Volkswagen-Konzern penibel auf die Qualität achtet – nichts klappert oder ist unsauber eingepasst. Dazu kommt das deutlich bessere Platzangebot, selbst große Fahrer können sich hier bequem lümmeln. Den größten Unterschied zwischen den Konzernbrüdern aber gibt es im Fond. Während der Polo hier den klassischen Kleinwagen mit arg beschränktem Platzangebot vor allem für die Beine gibt, ist der Rapid selbst in der Kompaktklasse ein Raumriese. Sogar das optionale Glasdach schränkt die Kopffreiheit kaum ein. Auch der Kofferraum des Skoda fällt mit einem Volumen von 415 Litern eine Nummer größer aus als der des Polo (280 Liter) – das sind zwei große Koffer mehr, die in den Gepäckraum passen. Vorteile hingegen kann sich der Polo im Bereich der Assistenzsysteme und der Connectivity, also der Vernetzung des Autos mit dem Internet, sichern. Erstmals bietet Volkswagen "Mirror Link" an – ein System, das den Bildschirm eines Smartphones im Monitor in der Mittelkonsole spiegelt.
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So können Apps, etwa für die Navigation, dargestellt werden. Das funktioniert aber nicht mit Apples iPhone – es werden ausschließlich Telefone mit einem Android-Betriebssystem unterstützt. Skoda hingegen setzt auf ein veraltetes Navigationssystem, das nur die Kopplung von Telefonen per Bluetooth ermöglicht. Mehr als Musik abspielen und telefonieren ist so nicht möglich – trotz des hohen Aufpreises von 990 Euro.

Bei der Abstimmung liegt der Skoda vor dem VW

Da geht der Skoda vorbei: Bei der Abstimmung des Fahrwerks ist der Rapid dem Polo überlegen.

Das Karosserie-Kapitel kann der Rapid Spaceback deutlich für sich gewinnen. Mindestens ebenso wichtig ist die Frage: Wird er auf der Straße mithalten? Schließlich verwendet Skoda eine Plattform und Motoren, die Volkswagen schon vor Jahren ins Museum geschickt hat. So setzt VW erstmals beim Polo die neu entwickelten TSI-Benziner ein, die bei erhöhter Leistung weniger verbrauchen sollen. Doch schon die Papierform zeigt, wie minimal die Fortschritte sind. Der VW leistet 4 PS mehr, soll im Schnitt 0,2 Liter weniger verbrauchen (4,7 statt 4,9 Liter pro 100 Kilometer). Und tatsächlich sind im normalen Straßenverkehr keine Unterschiede herausfahrbar. Beide Motoren sind absolut empfehlenswert, ziehen sauber ab der Leerlaufdrehzahl durch. Trotz der relativ geringen Leistung kommt nie ein Gefühl der Untermotorisierung auf. Für einen Vierzylinder wirkt das Laufgeräusch zudem ausgesprochen geschmeidig. Deutliche Unterschiede gibt es hingegen bei der Fahrwerkabstimmung. Skoda hat von der anfänglichen Kritik am rumpeligen Federungskomfort des Rapid gelernt und dem Spaceback ein komplett neu abgestimmtes Fahrwerk gegönnt.

Und das haben die tschechischen Ingenieure gekonnt Richtung Komfort getrimmt. Der Spaceback federt mit sanfterer Abstimmung an beiden Achsen nun deutlich geschmeidiger, ohne die sportliche Grundnote aufzugeben. Und wo die Skoda-Leute schon mal dabei waren, haben sie die elektrohydraulische Lenkung des Rapid Spaceback durch die elektromechanische aus dem VW Up ersetzt. Ein echter Gewinn, denn der Skoda bietet nun ein ebenso feines Ansprechen bei schöner Präzision wie der Polo.

Skoda Rapid Spaceback gegen VW Polo

Skoda Rapid/VW Polo Skoda Rapid/VW Polo Skoda Rapid/VW Polo
Der allerdings patzt beim Komfort. Er rollt deutlich weniger geschmeidig ab, kurze Stöße dringen unfein in den Innenraum. Wer es sportlich mag, wird Gefallen daran finden – allen anderen ist der Polo schlicht zu hart. Ein echter Klassenunterschied. Den es, wie bereits erwähnt, bei den Preisen nahezu nicht gibt. Der VW Polo kostet als Fünftürer 16.775 Euro, den Skoda Rapid Spaceback gibt es als GreenTec bereits für 15.390 Euro. Rechnet man die beim Wolfsburger serienmäßige Klimaanlage für 1095 Euro dazu, herrscht beinahe Gleichstand. Es zeigt sich also, dass sich ein zweiter Blick durchaus lohnt. Allerdings über den Tellerrand, Richtung Tschechien.

Technische Daten Skoda Rapid SB TSI GreenTec: Vierzylinder, Turbo, vorn quer• 2 Ventile pro Zylinder • Hubraum 1197 cm³ • Leistung 63 kW (86 PS) bei 4800/min • max. Drehmoment 160 Nm bei 1500/min • Vorderradantrieb • Fünfganggetriebe • Bereifung 185/60 R 15 • L/B/H 4304/1706/1459 mm • Kofferraumvolumen 415–1380 I • Verbrauch EU-Mix 4,9 l Super • CO2 114 g/km • Spitze 180 km/h • 0–100 km/h 11,7 s • Tankinhalt 55 l • Preis: ab 15.390 Euro.

Technische Daten VW Polo 1.2 TSI BMT: Vierzylinder, Turbo, vorn quer• 4 Ventile pro Zylinder • Hubraum 1197 cm³ • Leistung 66 kW (90 PS) bei 4800/min • max. Drehmoment 160 Nm bei 1400/min • Vorderradantrieb • Fünfganggetriebe • Bereifung 185/60 R 15 • L/B/H 3972/1682/1453 mm • Kofferraumvolumen 280–952 I • Verbrauch EU-Mix 4,7 l Super • CO2 107 g/km • Spitze 184 km/h • 0–100 km/h 10,8 s • Tankinhalt 45 l • Preis: ab 16.775 Euro.
Autor:

Stefan Voswinkel

Fazit

Der Polo ist einer der erfolgreichsten Kleinwagen – und einer der besten. Das optisch dezente Facelift bringt vor allem neue Technologie. Trotzdem findet der VW im Rapid Spaceback seinen Meister. Auch wenn der Skoda nicht auf die neueste Technik setzt, bietet er schlicht mehr Auto fürs Geld. Zumal der Tscheche nicht nur deutlich mehr Platz hat, sondern sich auch noch besser fährt.

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