Smart for-us: Fahrbericht

— 06.03.2012

So fährt sich der for-us

Er ist klein, er ist clever, er tankt Strom: Mit dem for-us will Smart den Amis zeigen, wie ein moderner Pick-up-Truck aussehen sollte. Erste Ausfahrt mit dem kleinen Pritschenwagen-Cabrio.

Wer in den USA bei einer Polizeikontrolle unbedacht zum Handschuhfach greift, eine durchgezogene Linie überfährt oder andere Vorschriften missachtet, der bekommt Probleme. Große Probleme. "Outlaws" – also Gesetzesbrecher – landen schnell im Knast. Unter diesen Vorzeichen ist es ganz schön mutig, wie Smart seine neue Pick-up-Studie den Amerikanern vorstellt. Der for-us nimmt nicht nur augenzwinkernd die Vereinigten Staaten (US: United States) mit seinem Namen ins Visier – sondern wird von seinem Hersteller auch ganz offen als außerhalb des Gesetzes stehend bezeichnet. "Er ist ein Regelbrecher, der die Welt auf den Kopf stellt", sagt Smart. Ausgerechnet auf der Detroit Auto Show hatte die Daimler-Tochter den Amis einen innovativen Pick-up vor die Nase gefahren. Die bei Smart haben wirklich eine gehörige Portion Mut und Humor.

Überblick: Alle News und Tests zu Smart

Der Smart summt mit Elektroantrieb flüsterleise an den Dieselmonstern in Reihe vorbei.

Der for-us ist klein. Er fährt elektrisch. Und er kommt an, wie AUTO BILD in Florida erfahren konnte. Exklusiv für uns hat Smart sein Messestück auf die Straßen des Sonnen-Staates entlassen. Was für ein Kontrast: der kleine for-us zwischen all den fetten Dodge Ram und GMC Silverado. So als liefe Fußballtechniker Mario Götze von Borussia Dortmund gegen die Football-Schränke der Dallas Cowboys aufs Feld. Motto: small is beautiful – statt bigger is better. Stimmt, ein kleiner und kluger Pick-up-Truck fehlt den USA. Zu den tradierten Eigenarten der großen Nation zählt es, riesige Autos mit Ladefläche und Lkw-Technik zu fahren – sie sind Planwagen der Neuzeit.

Lesen Sie auch: Vorstellung Smart for-us

Bunter Hund: die Sitze sind wie Hängematten mit wechselbaren Stoffbahnen bezogen.

Zwischen New York und San Fransisco ist der Ford F-150 noch immer das meistverkaufte Auto – ein Haufen Blech mit Blattfedern und durstigen Motoren. Der Pritschenwagen gehört zu Amerika wie Bisons zur Prärie. Noch konnte kein Buffalo Bill dieser Auto-Monokultur etwas anhaben. Daran dürfte auch der for-us in nächster Zukunft wenig ändern, aber er zeigt, dass es langfristig auch für die US-Ikone eine Zukunft geben kann. Dann nämlich, wenn sie von einem Elektromotor statt eines V8 angetrieben wird und ein feines XS-Kostüm anstelle von XXL-Schlabberklamotten trägt. Der for-us hat sich für seinen Amerika-Auftritt jedenfalls fein rausgeputzt. Die Kunststoff-Karosserie des fortwo hat er gegen eine Vollcarbon-Tridionzelle getauscht, die sich auf 3,55 Meter Länge streckt. Weil sein Radstand gegenüber dem Serien-Smart um 85 Zentimeter wächst und er auf 18-Zoll-Rädern mit breiterer Spur rollt, wirkt er viel größer und wuchtiger. Große Lufteinlässe, der fein strukturierte Bienenwaben-Grill und die LED-Scheinwerfer-Rhomben geben ihm einen freundlich-frechen Blick.

Zum Greencars-Channel

Der ab 2013 zusammen mit Renault produzierte forfour bekommt den gleichen Radstand und dürfte ein ähnlich knuffiges Antlitz tragen. Smart setzt große Hoffnungen in den Viersitzer. Er soll gegen den Mini antreten und der Marke in den USA zu höheren Stückzahlen verhelfen. Sonst droht Daimlers Kleinwagenableger das Schicksal der Luxustochter Maybach: aus, Ende, vorbei. Die ersten Publikumsreaktionen in Miami auf den for-us sind positiv, einige Passanten möchten ihn sofort kaufen. So wie Rick (38). Er ist Lagerist, fährt einen Dodge Ram mit 5,7-Liter-Achtzylinder. "Meine Tochter würde den Kleinen lieben. Ideales Auto für mein Surfbrett", sagt er. Arzt Johnathan (42) möchte sogar seine Corvette gegen den Smart tauschen: "Weil er so auffällig ist. Weil er nach Miami passt. Und weil er den Frauen gefällt." Aha! Leider haben Amis oft ein kurzes Gedächnis. Außerdem müssten sie sich an die nur 90 Zentimeter lange Ladefläche gewöhnen.

Zwei E-Fahrräder im Heck

Die elektrisch ausfahrende Ladefläche nimmt zwei Smart-E-Räder auf und versorgt sie mit Strom.

Die kurze Pritsche taugt nämlich nicht für Angelruten oder Bauholz, sondern dient dem Transport von zwei Smart-Pedelecs (E-Fahrräder). Dort werden sie auch gleich geladen, sodass der for-us-Fahrer im Auto bis zum Stadtrand fährt und dort aufs Elektrorad umsteigt: ein Reichweitenverlängerer à la Smart. Das spannende Auto-plus-Elektrorad-Konzept hat viel Potenzial. So arbeitet auch Opel an einer ähnlichen Lösung für seine Flexfix-Träger, die Pedelecs aufladen sollen. Der for-us selbst fährt ebenfalls elektrisch. Für eine Studie sogar überraschend gut. Spurtstark, aber fast lautlos summt er nach vorn. Im Heck steckt die Antriebstechnik des fortwo Electricdrive: 55-Kilowatt-Permanentmagnetmotor mit 130 Newtonmeter Drehmoment, der die Hinterachse antreibt. Dass der For-Us in Serie geht, ist so unwahrscheinlich wie ein Sheriff, der auf seinen Colt verzichtet. Schade! Das kleine Pritschenwagen-Cabrio hat viel Charme und könnte dem amerikanische Pick-up-Laster zum nötigen Neuanfang verhelfen.

Technische Daten Smart for-us: L/B/H 3547/1506/1701 Millimeter • Permanent-Elektromotor 55 kW (75 PS) • 130 Newtonmeter max. Drehmoment • Lithium-Ionen-Batterie 17,6 kWh • Spitze mehr als 120 km/h.
Jörg Maltzan

Jörg Maltzan

Fazit

Das ist frech: ein Pick-up für uns und für die USA. Mit dem witzigen Winzling hält Smart dem
amerikanischen Autogigantismus den Spiegel vors Gesicht. Die Botschaft, ein paar Nummern kleiner und mit E-Antrieb unterwegs zu sein, ist nicht nur für US-Metropolen richtig. Dass der For-Us nebenbei einen Ausblick aufs Styling des künftigen Forfour andeutet, steigert die Freude auf den Viersitzer.

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Kommentare zum Artikel (11)

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Karli
07.06.2012, 13:53Uhr

... die Umweltenergie Sonne
kontinuierlich zu ernten
schaffen derzeit wohl nur

a) ein gewisser Flugzeugprototyp
b) die studentischen Solarfahrzeuge

Dietmar
06.03.2012, 12:54Uhr

Designer für echte Marktlücke gesucht !

Wer baut mal einen schönen Zweisitzer Combi mit nicht so breiten Türen den man auch in engen Parklücken schadlos verlassen kann. Die meisten Autos sind mit bis zu zwei Personen unterwegs und haben oft reichlich Gepäck zu transportieren.

blacksmart
19.02.2012, 17:48Uhr

Immer, immer und immer wieder das gleiche Gesülze über den Smart! Weit über 1 Mio Smart zeugen davon, dass es Viele gibt, die weiter denken können als von 12 bis es läutet!

inschinoer
17.02.2012, 11:02Uhr

Als Kind hatte ich auch so was - zum Spielen. Als Erwachsener braucht man aber etwas, was nebenher noch einen gewissen Nutzwert aufweist. Selbst der Zweitwagen sollte die Nutzungsmöglichkeiten eines richtigen Autos bieten, sonst ist es überflüssig. Wer sich nur alleine in die Stadt transportieren will, kann das seit Jahrzehnten bewährte und einzig sinnvolle Elektrofahrzeug benutzen: Die Straßenbahn!!! Dass immer so getan wird als besäße man Autos nur aus Luxus, Jux und Dollerei, da geht mir das Messer im Hosensack auf.

SmartPit.de
15.02.2012, 12:07Uhr

Dieser Artikel ist eine Schande für jeden, der sich als Journalist oder Blogger mit Autos beschäftigt. Überschrift: So fährt sich der forus! Und, wie fährt er sich denn? Blöde Kommentare über amerikanischen Lifestyle? Hirnloses Interview mit dem Vater, der sich den forus als Auto für seine Tochter vorstellen könnte?
Jörg Maltzan hat hier mal ganz locker bewiesen, dass er sich für den Feuilleton der FAZ berufen fühlt, es aber nur für die Autosparte der BILD gereicht hat.
Dummes Geschwätz durch und durch, aber was soll man hier auch anderes erwarten!

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