Suzuki Samurai (1988-2000)

Gebrauchtwagen Suzuki Samurai Gebrauchtwagen Suzuki Samurai

Suzuki Samurai (1988-2000)

— 25.07.2002

Günstiger geht’s nicht

Ein gebrauchter Suzuki Samurai? Das ist doch nur was für Anfänger! So denken viele und tun dem kleinen Japaner damit bitter Unrecht. Denn er ist trotz einiger Detailschwächen ausdauernd und unerreicht günstig zu unterhalten.

Marktlage und Unterhalt

Billiges muss nicht unbedingt qualitativ schlecht sein. Wer Aldi oder Lidl-Kunde ist, erlebt das immer wieder: Günstigen Wein gekauft und später überrascht festgestellt, dass der vermeintliche Billig-Fusel durchaus mundet und keinerlei Kopfschmerzen verursacht. Ähnlich geht es den allermeisten Besitzern eines Suzuki Samurai. So mancher traute damals beim Kauf dem kleinen Japaner nur wenig Ausdauer zu. Na ja, drei, vier Jahre wird er schon halten, dachten offenbar viele. Acht Jahre später fährt so mancher Skeptiker immer noch Samurai und ist inzwischen Überzeugungstäter. Obwohl er sich vielleicht einen wesentlich teureren Allradler leisten könnte.

So viel sei vorweggenommen: In Sachen Haltbarkeit braucht der Bonsai-Kraxler den Vergleich mit so manchem größeren Geländewagen nicht zu scheuen. Dabei bleibt der Samurai mit den Kosten immer schön auf dem Teppich. Die Kfz-Steuer für seine 1,3 Liter Hubraum mit G-Kat kann man sich immer leisten. Und von den niedrigen Versicherungsbeiträgen der Samurai-Besitzer (Haftpflichtklasse 13!) können sich die Assekuranzen garantiert keine neuen Marmorpaläste bauen. Das quirlige Motörchen bedient sich – je nach Fahrweise – mit acht bis zehn Liter/100 km aus dem 40-Liter-Tank; zudem reicht preisgünstiges Normalbenzin. So bleibt genügend Geld für Familie, Urlaub, Pudelzucht oder sonstige Geld fressende Liebhabereien.

Denn schon beim Kauf kann man kaum viel Geld ausgeben. Zwischen 2500 und 6000 Euro gelten für einen sehr gut erhaltenen Samurai als typischer Aufrufpreis. Mehr kosten nur die allerjüngsten Exemplare. Durch die lange Bauzeit von mittlerweile 14 Jahren (in Spanien wird er immer noch gebaut) gibt es auch reichlich Auswahl auf dem Gebrauchtwagenmarkt. In den 90er Jahren konnte Suzuki regelmäßig rund 3000 Exemplare pro Jahr in Deutschland absetzen. Der Erfolg des Samurai lag einfach im günstigen Preis-Leistungsverhältnis.

Karosserie und Motor

Der Suzuki war stets – zusammen mit dem russischen Lada Niva – der preiswerteste Offroader auf dem Markt. Er glänzt mit vollwertiger Geländetauglichkeit, Platz für zwei Erwachsene mit Gepäck oder eine Familie ohne Gepäck, immerhin 1300 Kilo Anhängelast und der Möglichkeit, im Sommer offen zu fahren. Und das für rund 20.000 Mark Neupreis. Dennoch erkennen die Samurai-Besitzer im Laufe der Jahre einige Pferdefüße an ihrem Gefährt: Der blattgefederte Starrachser federt nur andeutungsweise. Er ist bereits bei Landstraßentempo höllisch laut und hat eine unmögliche Lenkung: Sie ist schwergängig, unpräzise, teigig und verursacht zudem einen viel zu großen Wendekreis.

Der größte Feind des gleichzeitig in Japan und in Spanien gebauten Samurai ist jedoch der Rost. Der werksseitige Korrosionsschutz ist schlecht. Leider scheuten die allermeisten Vorbesitzer die Investition einer nachträglichen Hohlraum- und Unterbodenversiegelung. Das rächt sich beim kleinen Suzuki späestens nach fünf Jahren. Erste Rostgeschwüre finden sich an Radläufen, den Schwellern, den Türunterkanten, den Bodenblechen und dem Frontscheibenrahmen. Dort tritt außerdem gerne Wasser in den Innenraum und sorgt für weiter fortschreitende Korrosion. Immerhin 26,3 Prozent der an unserer Fragebogenaktion teilnehmenden Samurai- Besitzer mussten erheblichen Rostfraß feststellen; 8,9 Prozent beklagten bereits komplett durchgerostete Blechpartien.

Die mechanische Haltbarkeit ist besser. Zahlreiche Unerschrockene können bereits auf mehr als 200.000 Kilometer hinter dem dünnen Kunststofflenkrad ihres Samurai zurückblicken. Dabei erweist sich besonders der Motor den Strapazen mit Dauervollgas gewachsen. Nur wenige der kleinen Vierzylinder brauchen vor der 200.000-Kilometer- Marke eine Überholung. Die anderen Aggregate geben meist früher ihren Geist auf.

Antrieb und Technik

Aber immerhin: Rund 100.000 Kilometer halten wichtige Bauteile wie Getriebe, Differenziale, Lichtmaschineund Wasserpumpe in der Regel durch. Der wenig robuste Anlasser ist zum Glück preiswert zu ersetzen. Er hält oft nur 60.000 Kilometer und ist fast immer dafür verantwortlich, wenn ein Samurai den Start verweigert (11 Prozent). Immerhin 18 Prozent der Leser blieben mit ihrem Samurai unterwegs liegen. Eine in dieser Fahrzeugklasse (und angesichts des überdurchschnittlich hohen Alters vieler Leser-Fahrzeuge) noch akzeptable Zuverlässigkeitsquote.

Lästige Ölundichtigkeiten bleiben den allermeisten Suzuki-Besitzern erspart. Dafür leckt der Wasserkühler überdurchschnittlich häufig. 58 Prozent der Leser mussten bereits Reparaturen am Kühler vornehmen lassen oder das Teil komplett austauschen. Deshalb sollte man bei der Besichtigung eines gebrauchten Samurai unbedingt nach der Probefahrt auf austretendes Kühlmittel und grünliche Kühlflüssigkeitsspuren am Kühler achten. Wer dabei schon mal unter dem Auto liegt, kann auch gleich die Blattfedern begutachten. Mit den Jahren werden sie bruchempfindlich, speziell bei ungepflegten oder häufig im Gelände genutzten Extemplaren. Da hilft nur, die Federn Lage für Lage genau zu prüfen.

Nach Federbrüchen baute so mancher Samurai-Besitzer gleich Blattfedern aus dem Zubehörhandel ein, um die Karosserie höher zu legen. Leider sind solche Federn qualitativ häufig schlechter als die Originalteile; außerdem verursacht die Höherlegung oftmals Probleme mit den Kardangelenken. Diese leiden unter den dann stärkeren Knickwinkeln, zerbröseln vorzeitig und verursachen geschwindigkeitsabhängige Brummgeräusche. Zum Glück sind sie billig.

Samurai im Leserurteil

Dass der Samurai keineswegs ein Arme-Leute-Geländewagen ist, belegt die Zahl der Zweitwagenbesitzer. 68 Prozent der Fragebogeneinsender haben noch ein weiteres Auto in der Garage, davon knapp die Hälfte einen wesentlich teureren Offroader. Für 52 Prozent der Einsender ist der Samurai der erste Geländewagen. Bei den 48 Prozent, die zuvor schon einen Allradler fuhren, war meist der schmalere und härtere Vorgänger Suzuki SJ (1982-88) der Einstieg in die Allrad-Klasse.

Mit den Suzuki-Werkstätten sind die Samurai-Besitzer recht zufrieden. 71 Prozent der Einsender vergeben gute oder sehr gute Noten. Der Preis für eine große Inspektion liegt nach Leserangaben durchschnittlich bei günstigen 320 Euro. Die Zahl der Selberschrauber ist hoch. Rund die Hälfte legt selbst Hand an. Die simple, durchschaubare Konstruktion des Samurai macht es ihnen leicht

Die Wiederkaufquote ist ordentlich, obwohl Suzuki den Samurai in Deutschland nicht mehr anbietet. Man bekommt ihn nur noch bei freien Importeuren, die ihn aus Spanien holen. 77 Prozent würden sich als nächstes wieder einen Samurai kaufen. Seinen direkten Nachfolger, den etwas größeren und komfortableren Jimny, wollen neun Prozent nehmen. Bleiben 14 Prozent, die der Marke Suzuki verloren gehen, denn auf den größeren Grand Vitara will kaum ein Samurai-Besitzer umsteigen. Die Umsteiger favorisieren mit großer Mehrheit den Land Rover Defender, wünschen sich vor allem mehr Platz und höhere Zugkraft für den Anhängerbetrieb. Zweiter Liebling der Umsteiger ist der Jeep Wrangler – sozusagen die kraftvolle amerikanische Version des simplen Samurai-Konzepts.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 1988 Modelleinführung des Samurai mit 1,3-Liter-Vergaser-Benziner (60 PS; U-Kat) als Nachfolger des SJ 413 mit 90 mm breiterer Spur, Kotflügelverbreiterungen aus in Wagenfarbe lackiertem Blech, neuen Blattfedern, neuem Innenraum, Reifen 205/70 R 15, Länge 3,47 m, Breite 1,53 m, Höhe 1,68 m 1990 Neuer 1,3-Motor, jetzt mit Zentraleinspritzung, G-Kat, 70 PS 1994 weicher abgestimmte Blattfedern und Stoßdämpfer 1997 Sondermodelle "Schlumpf" und "Dschungelbuch" 1998 In Japan Ablösung durch den Jimny 1.3 mit 80 PS; der Samurai kommt jedoch weiterhin von Santana/Spanien nach Deutschland 1999 zusätzlich 1,9-Liter-Turbodiesel (von Peugeot), 63 PS 2000 Ende des offiziellen Deutschland-Imports; Lieferung über freie Importeure nach Deutschland möglich; inzwischen mit Jimny-Motor

Schwachstellen • Die 100.000-km-Marke ist beim Samurai entscheidend. Wasserpumpe, Lichtmaschine, Anlasser, Lenkgelenke und Kühler geben dann gerne auf • vor Rost ist der Samurai schlecht geschützt. 26 Prozent der Leser beklagen Korrosion (Türen, Radläufe, Schweller, Boden) • der Auspuff hält 3–4 Jahre • die Getriebe machen in einigen Fällen Ärger (14 Prozent). Sind mehr als 100.000 km auf dem Tacho, vergrößert sich das Risiko eines Exitus deutlich • Undichtigkeiten gibt es am Motor, vor allem aber am Wasserkühler (19 Prozent) • die Zuverlässigkeit des Samurai ist für die Preislage gar nicht so schlecht. Startet der Motor nicht (11 Prozent), liegt es fast immer am defekten Anlasser • bei Pannen auf freier Strecke (18 Prozent) ist die Auswahl an Ursachen größer: elektronisches Motorsteuergerät, festgefressenes Radlager oder gerissener Keilriemen. Die noch jungen 1.9 Turbodiesel haben (noch) keine Probleme.

Reparaturkosten Preise inklusive Mehrwertsteuer am Beispiel eines Suzuki Samurai 1.3, Baujahr 1996. Sündhaft teuer sind original Blechteile, superbillig dagegen Scheinwerfer und Auspuff, billig ist auch der Anlasser, den man einkalkulieren sollte.

Fazit und Technik

Fazit Nach wie vor ist der kleine Samurai eine unerreichte Kombination aus sehr guter Geländetauglichkeit, niedrigen Kosten, akzeptabler Zuverlässigkeit und viel Fahrspaß. Nicht vorhanden sind nennenswerter Komfort und ein vernünftiger Rostschutz. Ein gepflegter, rostfreier Samurai wäre ideal. Ab 100.000 km machen einige Aggregate schlapp.

Technik Allradantrieb: zuschaltbarer Allradantrieb (während der Fahrt; manuelle Freilaufnaben), Geländeuntersetzung; Aufbau: Leiterrahmen, aufgeschraubte Stahlblech-Karosserie; Verbrauch: 1.3: 10 Liter/100 km Normal; 1.9 TD: 8 Liter/100 km Diesel; Höchstgeschwindigkeit: 1.3: 130 km/h; 1.9 Turbodiesel: 129 km/h

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