Suzuki SX4 S-Cross im Dauertest

Suzuki SX4 S-Cross Suzuki SX4 S-Cross Suzuki SX4 S-Cross

Suzuki SX4 S-Cross: 100.000-Kilometer-Dauertest

— 15.04.2016

Suzi macht keinen Zirkus!

Manege frei für ein kleines SUV, das mit seinem flotten Auftritt überraschte. Das Beste aber: Er hielt bis zum Abgang durch! Der Suzuki SX4 S-Cross im AUTO BILD-Dauertest.

Welcher Zirkusdirektor hatte das unscheinbare Zwerg-SUV denn in dieses Kostüm gesteckt? In seinem "Erbsengrün metallic der Neuzeit", so ein Spötter, wirkte der Suzuki S-Cross unfreiwillig wie der überschminkte Clown, der als Pausenfüller in der Manege unseres Dauertest-Fuhrparks gelandet war. Ein Senioren-Hochsitz, in Lime-grün auf jugendlich getrimmt – haha – was haben wir gelacht. Aber ab da begann der kleine Allradler seine große Show.

Das Navi sorgt immer wieder für schlechte Laune

Im Cockpit regiert hartes Plastik. Ärgerlich: Der Monitor ist zu tief eingebaut und das Navi daher schlecht abzulesen.

Zu Beginn seines 100.000-Kilometer-Auftritts moserte das Publikum noch aufgeregt herum. Das Abblendlicht mies, das Fahrwerk störrisch, zudem fiel schon nach wenigen Tagen die Navi-Anzeige aus. "Das Display war eingefroren wie das Gesicht nach einem missratenen Gag." Erst mit einem Neustart brachte Redakteur Frank B. Meyer das System wieder in Gang. Der Navi-Ärger zog sich wie ein roter Faden durch den gesamten Test. Nicht nur, dass der Monitor zu tief eingebaut und schlecht abzulesen ist, das Gerät berechnete einmal 47 Minuten Fahrtzeit für 349 Kilometer und kurz darauf 17 Stunden für 311 Kilometer. Dazu kamen Ansagen in clowneskem Kauderwelsch. Als wir nach 62.031 Kilometern mit einem weißen Monitor in die Werkstatt fuhren, wusste der Serviceberater sofort Bescheid: Anscheinend hat Suzi solche Probleme öfter. Auch das viele Piepsen übermotivierter Parkwarner oder ein Radio, das Sender nicht automatisch verfolgt und umstellt, bestärkten das Gefühl: Das Thema Elektronik ist beim Suzuki eher ein schlechter Witz.
Im Überblick: Alles Infos zum Suzuki SX4 S-Cross

Das Raumkonzept kommt super an

Endlich ein Heckfenster mit guter Aussicht! Der Laderaum punktet mit großer Luke und praktischem Format.

Doch mit zunehmender Laufleistung landeten im Fahrtenbuch immer mehr zufriedene Kommentare. "Ein Auto, aus dem man vernünftig herausschauen kann und das noch eine mechanische Handbremse besitzt – klasse!", lobt Online-Redakteur Lars Hänsch-Petersen, der das Raumkonzept gelungen fand. "Viel Platz, große Fenster, reichlich Ablagen und die praktische Rückbank. Beim Umlegen selten so wenig mit Bank und Gurten rumgehakelt." Der Kofferraum, mit 430 bis 1269 Litern etwas größer als im Golf, bietet zwar kein Kombiformat, reicht aber allemal für das Gepäck der kleinen Familie oder eines Paares. Die hohe Sitzposition und der kleine Wendekreis (11,1 Meter) machen den Suzuki ohnehin zum idealen Partner reiferer Semester: viel mehr ein hochgelegter Pkw als ein unübersichtliches SUV. Kleine Schwächen im Finish – wie der wacklige Tankdeckelhebel, billige Stoffe an der Sitzrückseite oder der penetrante Plastikgestank, wenn die Sonne zu lange durchs große Glasdach knallt – wurden moniert. Aber gnädig verziehen.

Suzuki SX4 S-Cross im Dauertest

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Deutlich kontroverser urteilte das Testpublikum über die Sitze (von "zu kurz" über "Lordosenstütze fehlt" bis "langstreckentauglich") und den Motor, der im Stadtverkehr mit der bissigen "Alles-oder-nichts-Kupplung" gelegentlich abstirbt und so vorlaut klingt wie ein "Diesel aus den Neunzigern". Zweifellos penetrante Begleitmusik, die jedoch in manchen Ohren als Folklore ankam, weil der 1,6-Liter restlos begeisterte: Seine 120 PS sprinteten weit flotter, als Suzuki verspricht, zogen selbst am Berg noch kernig an und kamen auch unter einem kräftigen Gasfuß nie ins Saufen. 6,0 Liter im Testschnitt sind klasse, zumal einige Tester den S-Cross bei Gefälle probehalber bis auf 215 km/h trieben – angegeben sind 175 Spitze.
Mehr zum Thema: Die Dauertest-Rangliste mit allen Testergebnisse

Suzukis Offroad-Gene hat der SX4 nicht abbekommen

Der 4x4-Antrieb hilft auf Schnee, aber für schweres Gelände fehlt das Offroad-Talent.

"Ein echter Langstrecken-König", befand Online-Textchef Michael Voß, "super Klimaanlage und ein sicheres Gefühl bei Nässe und Glätte." Der automatisch zuschaltende Allradantrieb taugt jedoch gerade mal als Traktionshilfe, so Redakteur Martin Puthz nach einem Jagdausflug ins osthessische Mittelgebirge, wo der Suzuki schon im leichten Gelände trotz vorgewähltem "Snow"-Programm kapitulieren musste, leicht festzustellen am Geruch nach verbrannter Kupplung im Innenraum. Die Offroad-Gene seiner Vorgänger – vom legendären LJ80 bis zum Vitara steht Suzuki im Ruf, bergfeste Kletterziegen zu bauen – hat der S-Cross jedenfalls nicht abbekommen. Außerdem federt der Kleine eher spröde, die Geräusche der rumpelnden Vorderachse dringen so laut durch, dass Redakteur Roland Bunke forderte: "Mehr Dämmung, bitte!"

Der von vielen erwartete Defekt blieb aus

Bis zuletzt hatte der Suzuki rings um die Manege seine Skeptiker, die einen Defekt erwarteten – ob an der Kupplung, dem morgens hakelnden Schaltgetriebe oder der ständig zickenden Unterhaltungselektronik. Doch es geschah: nichts. Kein Ausfall, kein Schaden, nichts. Nach 100.000 Kilometern wirkte der S-Cross optisch frisch und unverbraucht, der Motor verschleißfrei. Voller Skepsis ("War das ein Freitagsauto?") maß AUTO BILD die Leistung: 87 kW, alles im Lot, nur die Abgasmessung ergab einen leicht erhöhten Stickoxid-Wert. Martin Puthz, der für seine vielen Dienstreisen ein Dauerabo auf den Suzi hatte, brachte es treffend auf den Punkt: "Tatsächlich wächst man mit dem SX4 zusammen, je länger man ihn fährt." Ohne das zickige Navi, das uns einmal in die Werkstatt zwang, wäre der Suzuki mit einer glatten Eins aus der Manege gerollt. Am Ende hat er seine Kritiker überzeugt – eben weil er keinen Zirkus gemacht hat. Das Einzige, was ihm noch fehlt, ist ein knackiger Name. "SX4 S-Cross 1.6 DDiS AllGrip Comfort+". Da gähnt man ja schon, wenn ihn der Zirkusdirektor ankündigt. Der SX4 hat eine große Show geliefert – da war "Erbsengrün" noch die kleinste Nummer.
Wertung: Suzuki SX4 S-Cross 1.6 DDiS AllGrip
Fehlerpunkte max.
Zuverlässigkeit
Liegenbleiber 0 x 15 0
Motor-/Getriebeschaden 0 x 15 0
Defekte Antriebs-/Funktionsteile 0 x 5 0
Zusätzlicher kurzer Werkstattbesuch 1 x 3 3
Zusätzlicher mehrtägiger Werkstattaufenthalt 0 x 5 0
Defekte und Sonderarbeiten (Radio/Navi/Flüssigkeiten etc.) 0 x 2 0
Defekte Kleinteile (Lampen etc.) 0 x 1 0
Langzeitqualität (aus Demontage)
Karosserie (Konservierung, Lack, Teppiche, Verkleidungen) 0–5 1
Motor (Leistung, Dichtigkeit, Ablagerungen, Laufspuren) 0–5 1
Getriebe (Dichtigkeit, Abrieb, Zustand, Kupplung) 0–5 0
Abgasanlage (Zustand, Kat, Aufhängung, Abschirmbleche) 0–5 0
Fahrwerk (Achsen, Federung, Lenkung, Befestigung) 0–5 0
Elektrik (Kabel, Stecker, Steuergeräte, Sicherungen) 0–5 0
Alltagswertung/Fahren
Ergibt sich aus den Eintragungen im Fahrtenbuch 0–10 3
Gesamtpunkte 8
Note: 1-
0 Punkte: 1+; 1–4 Punkte: 1; 5–8 Punkte: 1-; 9–12 Punkte: 2+; 13–16 Punkte: 2; 17–20 Punkte: 2-; 21–24 Punkte: 3+; 25–28 Punkte: 3; 29–32 Punkte: 3-; 33–36 Punkte: 4+; 37–40 Punkte: 4; 41–44 Punkte: 4-; 45–48 Punkte: 5+; 49–52 Punkte: 5; 53–56 Punkte: 5-; ab 57 Punkte: 6.
In der Bildergalerie erfahren Sie, was während des Tests und bei der Demontage des Testwagens nach Erreichen der 100.000 Kilometer außerdem aufgefallen ist. Den vollständigen Artikel mit allen Daten und Tabellen gibt es im Online-Artikelarchiv als PDF-Download.
Autor:

Manfred Klangwald

Fazit

Bravo, Suzuki! Der SX4 S-Cross besteht den Dauertest wie früher von der Marke gewohnt: mit solider Technik. In Material, Verarbeitung und Detail zwar unter Top-Niveau, dafür ohne Ausfall – abgesehen vom Navi, da müssen die Japaner dringend besser einkaufen. Wer einen zuverlässigen Kompakten in Mokka-Format sucht, kommt am S-Cross nicht vorbei.

Autoren: Manfred Klangwald, Joachim Staat

Stichworte:

Kompakt-SUV

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