Test Dodge Challenger SRT8
Die Dampfmaschine

Die Retro-Version des Dodge Challenger hat alles, was die Muscle Cars der 60er so populär machte: Stil, einen fetten V8 und Kraft im Überfluss. AUTO BILD trat in Kalifornien mal richtig aufs Gas.
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- Jürgen Zöllter
Hitze, Wüste, ein paar Kakteen – in der kalifornischen Kleinstadt ist nichts los. Die Jungs da vorn an der Ampel wollen Action. Sie wollen Gummi. Kraft, die man sehen kann. Also bitte. Ich drücke "ESP Off". Linker Fuß auf der Bremse, der rechte bringt den V8 auf 4800 Touren. Der Challenger scharrt mächtig mit den Hinterrädern, presst weißen Rauch aus den Radhäusern. Und steht. "Burn-out", Kids staunen, Passanten lächeln. Ich lasse die Bremse los, der Challenger schwänzelt mit radierenden Hinterreifen über die Kreuzung. Da spielt ein Mercedes die 60er nach, als die Tankuhren noch anders gingen – die Antriebstechnik für das neue Muscle Car stammt aus der alten E-Klasse.
431 PS für 23.900 Euro
2006 hatte Dodge die gefeierte Studie vorgestellt, jetzt fährt das Serienmodell vor. Ein Herzschrittmacher für den amerikanischen Nationalstolz, so wie der Ford Mustang und der in wenigen Monaten zu erwartende Chevrolet Camaro. Rollende Remakes vom Ideal des preiswerten, technisch unkomplizierten, aber bärenstarken Automobils. Den Dodge Challenger bietet Chrysler in den USA für umgerechnet 23.900 Euro über seine SRT-Tuningabteilung zunächst nur mit dem gewaltigen 6,1-Liter-V8-Hammerwerk an – mit halbkugelförmigen (hemisphärischen) Brennräumen für hohe Leistung bei geringer Verdichtung. Der neue V8-HEMI leistet 431 PS, ist mit einer Fünfstufenautomatik von Mercedes gekoppelt und schiebt die 1878 Kilogramm schwere Fuhre mit bis zu 569 Newtonmeter an. Zusammen mit der Karosserie und dem eigens gestalteten Interieur wuchert der HEMI-Motor im amerikanischen Selbstverständnis wie seinerzeit die erfolgreiche Mondlandung.

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Das Triebwerk grummelt und brodelt im Leerlauf, der Fünfstufenautomat schaltet schnell und präzise. Doch als der dritte Gang einrückt, scheint ihm die Puste auszugehen. Der Drehzahlsprung (rund 1500 Touren) ist zu groß, um das Temperament zu halten. Auch per Hand geschaltet findet man auf kurviger Bergstraße selten die geeignete Drehzahl: 2500 Touren bieten zu wenig Drehmoment, über 4000 hängt der Motor zu nervös am Gas. Dass auch die vierte Stufe zu lang übersetzt ist, verkraftet man leichter, wenn man sie als Appetitzügler begreift. Dennoch wünschte ich ein enger abgestuftes Sechsstufengetriebe herbei, damit der Challenger SRT8 so sportlich zu bewegen ist, wie er auftritt.
Lieber cruisen statt rasen

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Das Coupé im Retro-Look der 60er-Jahre erinnert Amerikaner an Zeiten, die viele als reich verklären. Der neue Dodge Challenger entsteht in Brampton/Ontario, wo bisher der 300C Kombi Dodge Magnum entstand. Da jährlich nur 6500 Stück gebaut werden, ist der Challenger für über zwei Jahre ausverkauft. Doch der schwache Dollar kann Europas Käufer bestärken, den Dodge drüben einzukaufen – um bei uns mal Muskeln zu zeigen.

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Technische Daten
V8-Zylinder, vorn längs • Stößelstangen, oben liegende Ventile • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 6059 cm³ • Leistung 317 kW (431 PS) bei 6200/min • max. Drehmoment 569 Nm bei 4800/min • Hinterradantrieb • Fünfstufenautomatik • doppelte Dreieckquerlenker vorne, Raumlenkerachse hinten, Stabi • innenbelüftete Scheibenbremsen vorne/hinten • Reifen 245/45 R 20 vorne, 255/45 R20 hinten • L/B/H 5023/1923/1448 mm • Radstand 2946 mm • Leergewicht 1878 kg • Kofferraum 459 l • Tank 72 l • Beschleunigung 0-100 km/h in ca. 5,5 s • Spitze 274 km/h • Verbrauch ca. 14 l Normal
Kurze, schnelle Karriere

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Mercedes-Technik fürs Muscle Car
Die Bodengruppe des neuen Challenger samt Automatik und Hinterradantrieb stammt von Mercedes. Als Daimler und Chrysler 1998 ihre Firmen-Ehe vollzogen, brachte Stuttgart die Technik des E-Klasse-Vorgängers W210 ein. Sie heißt bei Chrysler LX-Plattform und wird seit 2004 in die Limousinen Chrysler 300C und Dodge Charger sowie den Kombi Dodge Magnum eingebaut. Trotz der Firmenscheidung liefert Mercedes weiter.
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