Fahrbericht Kia Venga 1.4 CVVT

Test Kia Venga 1.4 CVVT

— 02.02.2010

Dieser Kia ist A-Klasse

Hoppla, da kommen Erinnerungen an die kippende A-Klasse von Mercedes auf. Aber keine Sorge: Kias neuer Minivan Venga ist nicht nur ein sicheres, sondern auch ein gutes Auto.

Kopieren die Koreaner mit dem Kia Venga schon wieder? Oder erleben wir gerade, dass sich ein weltweit universelles Hochdachauto durchsetzt, das auf vier Meter Länge nun mal nicht anders aussehen kann? Der neue Venga hat verblüffende Gemeinsamkeiten mit der A-Klasse. Keine Einzelmeinung: Gleich mehrere AUTO BILD-Kollegen sowie Passanten erkennen vor allem in der Fensterlinie den Baby-Benz wieder. Kompliment oder Vorwurf? Egal, denn auch ohne die Parallelen zum Stern hat Kia einen rundum guten Allrounder auf die Räder gestellt. Das liegt wohl auch daran, dass der Venga in und für Europa entwickelt wurde. Das Design stammt vom früheren Audi-Gestalter Peter Schreyer (TT, A2), zudem wird der auf dem Soul basierende Van ausschließlich im slowakischen Zilina produziert. Diese konsequente Ausrichtung hat ihm optisch und inhaltlich gut getan. Der Venga ist ein durchdachter, praktischer und angenehm zu fahrender Minivan. Im Alltag bewährt er sich als überraschend funktionales Vielzweck-Auto.

Überblick: News und Tests zum Kia Venga

Das beginnt bei drei großen Rundinstrumenten (Drehzahl, Tempo, Tankinhalt) und einfacher, klarer Bedienung von Radio und Lüftung auf der Mittelkonsole – übersichtlicher geht es nicht. Ablagen gibt es genug, drei Zwölf-Volt-Buchsen laden Handys und Musikspieler. Noch wichtiger ist der vielseitige Innenraum. Rückbank und Lehnen lassen sich stufenlos justieren, dank doppelten Kofferraumbodens entsteht entweder eine ebene Ladefläche oder ein tiefes Gepäckfach. Kias Neuer ist variabler und geräumiger (Kofferraum 314 bis 1341 Liter) als ein VW Polo (280–952). Aber der Venga ist nicht nur ein praktisches Auto, sondern auch eines, das es gut mit seinen Passagieren meint. Vier Erwachsene reisen mit reichlich Bein- und Kopffreiheit, wobei die hohe Sitzposition allen Insassen eine gute Aussicht bietet.

Der Venga ist variabel und geräumig

Allerdings ist ein voll besetzter Venga mit der 90-PS-Basismotorisierung überfordert. Schon unbeladen erreicht er nur mit Mühe sein Höchsttempo von knapp 170 km/h. Zudem brüllt der kleine Saugmotor dann recht laut. Also besser bei Autobahn-Richttempo bleiben und sich über rund sieben Liter Verbrauch freuen. Wer zurückhaltend fährt, braucht keinen Diesel. Der leichte Benzin-Vierzylinder hilft dem Venga zudem, in Kurven nicht zu kopflastig über die Vorderräder zu schieben. Nicht überragend, aber ordentlich benimmt er sich bei schneller Kurvenfahrt und in Notsituationen. Lastwechsel oder grobe Fahrfehler werden durch das Serien-ESP mit wohldosierten Bremseingriffen korrigiert.

Ein Umkippen – wie einst bei der ersten A-Klasse – ist auch durch sehr heftige Spurwechsel weder zu provozieren noch zu befürchten. Prima, dass die sichere Straßenlage nicht mit einer zu straffen Fahrwerkabstimmung erkauft wird. Im Gegenteil: Kleine wie grobe Unebenheiten steckt der Venga elegant weg. Leider erreicht er dieses hohe Niveau nicht bei der Lenkung. Sie arbeitet recht leichtgängig, aber zu teigig. Für die Stadt ist das okay, aber bei zügiger Fahrt über Landstraßen fehlt die Rückmeldung und zwingt zu Lenkkorrekturen. Kleiner Trost – das kann die A-Klasse auch nicht viel besser.

Das Fahrwerk überzeugt, nur die Lenkung ist zu weich

Große Sitze und silberfarbenes Dekor sind Serie. Die Rundinstrumente sind übersichtlich, die Anordnung klar.

Zwar kostet der 90 PS starke Basis-Venga faire 13.990 Euro, doch der kommt auch erschreckend nackig daher. Der getestete, besser ausgestattete "Spirit" ist bereits satte 17.375 Euro teuer. Und: Für das Start-Stopp-System, das den Normverbrauch unter die wichtige Sechs-Liter-Marke drückt, verlangt Kia 300 Euro Aufpreis. Warum wird für wichtige Öko-Technik zusätzlich abkassiert? Oder stand auch hier der Stern Pate? In der A-Klasse ließ sich Mercedes das System anfangs ebenfalls mit 300 Euro extra bezahlen. Inzwischen ist der automatische Motorabsteller (plus Öko-Reifen, Schaltempfehlung) beim Stern Serie. Kia, bitte nachmachen. Der Venga hätte es verdient.
Fahrzeugdaten Kia Venga 1.4 CVVT Spirit
Motor Bauart/Zylinder/Einbaulage Vierzylinder, vorn quer
Ventile/Nockenwellen 4 pro Zylinder/2
Nockenwellenantrieb Kette
Hubraum 1396 cm³
kW (PS) bei U/min 66 (90)/6300
Nm bei U/min 137/4000
Höchstgeschwindigkeit 168 km/h
Getriebe Fünfgang manuell
Antrieb Vorderradantrieb
Bremsen vorn/hinten Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung 205/55 R 16 H
Radgröße 6,0 x 16"
Abgas COp 136 g/km
Verbrauch* 6,8/5,3/5,9 l
Tankinhalt/Kraftstoffsorte 48 l/Super
Anhängelast gebremst/ungebremst 1300/550 kg
Kofferraumvolumen 314–1341 l
*innerorts/außerorts/gesamt auf 100 km
Messwerte Kia Venga 1.4 CVVT Spirit
Beschleunigung 0–50 km/h 3,9 s
0–100 km/h 13,0 s
0–130 km/h 23,9 s
Elastizität 60–100 km/h 12,0 s (4. Gang)
80–120 km/h 18,3 s (5. Gang)
Leergewicht/Zuladung 1260/450 kg
Gewichtsverteilung vorn/hinten 59/41 Prozent
Wendekreis links/rechts 10,8/11,1 m
Bremsweg aus 100 km/h kalt 39,8 m
aus 100 km/h warm 38,5 m
Innengeräusch bei 50 km/h 59 dB (A)
bei 100 km/h 68 dB (A)
bei 130 km/h 71 dB (A)
Testverbrauch – CO2 7,1 l S – 168 g/km
Reichweite 670 km
Jörg Maltzan

Jörg Maltzan

Fazit

Applaus, der Venga liefert eine überzeugende Vorstellung. Bei Raumausnutzung, Komfort und Fahrdynamik kann er es mit den Klassenbesten aufnehmen. Er dürfte Erfolg haben, obwohl die Korea-Domäne "Preis" ein Fragezeichen verdient. Über 17.000 Euro sind kein Schnäppchen mehr. Immerhin gibt Kia konkurrenzlose sieben Jahre Garantie auf die Technik.

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