Mini Cooper D – Volvo C30 1.6D

Volvo C30 1.6D – Mini Cooper D Volvo C30 1.6D – Mini Cooper D

Test Mini Cooper D gegen Volvo C30 1.6D

— 19.04.2007

Diesel vom Designer

Es gibt praktischere Autos als diese. Aber nur wenige, die besser aussehen. Mini und C30 sprechen vor allem die Sinne an – auch mit Diesel.

Das Herz muss stimmen. Eines, das zuverlässig schlägt, im richtigen Takt pocht und dem Körper keine unnötige Energie abverlangt. Das sind die Grundvoraussetzungen für eine gesunde, glückliche Beziehung. Auch mit dem Auto. Mini Cooper und Volvo C30 nehmen deshalb einen sparsamen Turbodiesel ins Programm. Aber wie soll das ganze Drumherum aussehen? Bei Designerstücken wie C30 und Mini ist das fast wichtiger. Schließlich kauft niemand solche Autos nur mit dem Kopf. Auf den Bauch kommt es an.Der sagt: Mit dem Mini könnte es was werden. Ein hübsches Gesicht hat er ja, ein modisches Weiß mit schwarzen Streifen. Und dann der pralle Popo.

Guter Abgang: Der pralle Popo des Mini kann schon verzücken.

"Yes, it's love" auf den ersten Blick. Aber wer will schon den Werbeprofis auf den Leim gehen? Deshalb ein zweiter Blick unter die Haut. Dort arbeitet wie im Volvo C30 ein 109 PS starker Vierzylinder-Diesel von Peugeot. Und obwohl Schweden und England in der hübschen Welt der Café- und Barbesucher konkurrieren, setzen beide Hersteller aufs gleiche Pferd. Gerade für Mini ist das eine kleine Revolution, die nach außen vor allem durch den neuen Namen sichtbar wird. Goodbye, old One D! Am Heck klebt jetzt ein Cooper D. Was für ein sozialer Aufstieg für alle Mini-Diesel-Fahrer! Mit einem farbigen Dach über dem Kopf und 21 PS mehr unter der Haube, das lässt sich der Hersteller mit 19.400 Euro auch teuer bezahlen.

Flink aber laut: Der Mini Cooper D dieselt wie ein Milchlaster.

Aber Geld spielt bei Mini-Kunden eher nicht die Hauptrolle. Auf geht's. Spätestens beim Starten macht sich das gute Gefühl einfach aus dem Staub. Der Vierzylinder dieselt wie ein Milch-Laster. Was für eine Enttäuschung, die jeder aus eigener Erfahrung kennt. Eine sexy Frau, die quckt wie ein Frosch? Durchgefallen, aber wie! Hören wir nicht nur auf die Stimme, die ist deutlich zu rau für den Mini. Linderung verspricht die Leistung. In 3,3 Sekunden von der Ampel auf Tempo 50, mit 5,4 Liter Diesel 100 Kilometer unterwegs, ohne dabei bewusst zu bummeln. Das Mini-Fahrwerk motiviert den Sportgeist. Und die Lenkung reagiert so direkt, dass der Cooper bei gleichem Einschlag vor dem Volvo Kreise zieht.

Klassische Eleganz im Volvo, runde Formen im Mini

Alter Schwede, der jüngste Volvo wirkt im Vergleich zum Mini behäbig. Komfortabel rollt er über Unebenheiten, die Lenkung fordert mehr Bewegung, und beim Beschleunigen fährt er dem bayerischen Briten stets hinterher. Insgesamt wirkt er reifer, ja erwachsener. Auch nicht so pubertär im Innenraum wie der Mini. Da tobte sich der Designer mit Kreisen aus. Runde Formen, wohin man blickt. Vor allem der Tacho steckt groß wie eine Pizza in der Mittelkonsole. Volvo baut klassische Instrumente in den C30. Die Bedienknöpfe für Klimaanlage und CD-Radio schweben frei auf einer Brücke, geformt im Alu-Design. Allerdings sind sie so klein geraten, dass man oft danebentippt.

Selbst der 1,6-Liter-Dieselmotor, der im Mini lärmt, läuft im Schweden deutlich dezenter. Auf 4,25 Meter Länge verteilt sich das Dämmmaterial anscheinend besser. Weshalb der C30 auch fast 200 Kilogramm mehr wiegt als ein Cooper D. Beim Schalten reichen Volvo fünf Gänge, während der Mini ab Werk auf eine Sechsgangschaltung setzt. Beide Getriebe funktionieren tadellos, mit kurzen Wegen. Nicht so knapp hat Volvo die Ladekante kalkuliert. Getränkekisten müssen erst auf Hüfthöhe gehievt werden, um sie in den kleinen Stauraum (251 l) zu quetschen. Das geht beim Mini einfacher. Dafür fällt aber auch sein Laderaum mit 160 Litern noch einmal kleiner aus. Aber was zählt das schon, wenn's um Herzklopfen geht?

Fazit von AUTO BILD-Redakteurin Margret Hucko:

Ob Mini oder Volvo – die Entscheidung fällt mit dem Geschmack, nicht mit der Technik. Der eine liebt das Schlichte, der andere das Klassische. Der eine fährt bequem, der andere sportlich. Obwohl beide sich die wichtigste Komponente teilen: den Diesel. Aber selbst der entwickelt in beiden Modellen einen ganz individuellen Charakter.

Zwei Redakteure, zwei Meinungen

Margret Hucko und der Mini

Hamburg-Winterhude, Samstag, 11 Uhr, Café Contigo. Um meine Mini-Abneigung zu verstehen, müssen Sie genau diesen Ort besuchen. Überall Mini-Fahrer mit dicken Sonnenbrillen, dickem Geldbeutel und großer Geschmacksverirrung. Jeder von denen glaubt, etwas Besonderes zu fahren, individueller als individuell zu sein. Dabei ist ein Mini mittlerweile so inflationär wie "Coffee to go". Und ebenso absurd. Denn die Verpackung liegt vielleicht im Trend, aber wirklich praktisch ist sie nicht.

Wie ein "Coffee to go": unpraktisch, teuer und eine Modeerscheinung.

Ein Auto in Fox-Größe, zum Preis eines VW Golf mit dem Nutzwert eines Cabrios. In Mini-Form: klein, teuer, unpraktisch. Mini-Fahrer werden jetzt entgegnen: "Dafür ist er aber unfassbar schön." Schön? Von außen vielleicht. Aber im Innenraum erinnert er mich ans Spielzeugparadies. Alles rund, aus praktischem Plastik, das aussieht, als könnten es sich Säuglinge in den Mund stecken. Da werden sie sich ganz schön die (ersten) Zähne ausbeißen. Denn hart ist der Kunststoff auch noch. Mit Pech macht er sogar Geräusche. In unserer Mittelkonsole zirpte es bei mittleren Drehzahlen.

Der Volvo dagegen ist mehr Auto als Spielzeug. Er braucht keine Menschen mit dicken Sonnenbrillen am Steuer. Er ist eben nicht hip wie der Mini, sondern hübsch. Mit einem schlichteren Cockpit, das auf kitschigen Christbaum-Chrom und klotzige Kugeln verzichtet. Für mich ist der C30 wie ein guter Espresso in der dickwandigen Porzellantasse. Geschmackvoller, für Genießer. Lieber den als einen hektischen "Coffee to go" in unpraktischer Mogelpackung.

Axel Cohrs und der C30

Die ersten Worte sollen Volvo-Chef Fredrik Arp gehören. "Der Volvo C30", behauptet der Mann, "ist ein cooles Auto für junge Singles oder Paare, die einen intensiven, urbanen Lebensstil pflegen." Ich sage: Nein, lieber Herr Arp, das eben gerade genau nicht. Die Marketingleute von Volvo mögen die Sex-and-the-City-Generation im Blick haben, vor meinem inneren Auge sehe ich als typischen C30-Fahrer einen Kunstlehrer an der gymnasialen Oberstufe. Jemanden, der sich über seine sauteure Bang-&-Olufsen-Stereoanlage definiert, diese aber mit seinem sicheren Beamtenlohn finanziert hat.

Perfekt für den Kunstlehrer in der gymnasialen Oberstufe: der Volvo C30.

Ich meine, gucken wir uns das Auto doch nur an. Es hat eine langweilige Front und eine langweilige Seite. Eigentlich ein Spießerauto, an das ein durchdesigntes Heck gebastelt wurde – als würde man ein Reihenhaus zum Loft umbauen. Die Folge ist, dass man hinten nicht vernünftig sitzen kann, dass der Gepäckraum jeder Beschreibung spottet und dass durch die Glasklappe jeder meine Aldi-Tüten sehen kann. Was mich noch mehr nervt: Alle Welt jammert darüber, dass VW keine echten Volkswagen mehr baut. Dann kommt Volvo, stellt uns ein Auto hin, das bestimmt nicht besser fährt als ein Golf, bei gleicher Motorisierung aber deutlich teurer ist. Und das ist dann plötzlich cool? Nee, wirklich nicht. Dann doch lieber der Mini. Man hat zwar immer den Verdacht, dass eine Marketing-Assistentin am Steuer sitzt, die mittags mit ihrer Freundin "'ne Latte" trinken geht. Aber dafür hat der Mini etwas, was dem C30 trotz aller Marketingsprüche abgeht: Charakter.

Autor: Margret Hucko

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