Test Winterreifen 255/55 R 18

Test Winterreifen 255/55 R 18 Test Winterreifen 255/55 R 18

Test Winterreifen 255/55 R 18

— 20.10.2008

Volle Haftung

Acht Winterreifen für Geländewagen streiten sich dieses Jahr um die Krone des Winterkönigs. Mit dabei: Ein reiner Sommerreifen, der zeigt, was passiert, wenn man so auf Schneeglätte fährt.

Wird es wieder ein milder Winter in Mitteleuropa? Keiner weiß es. Und nur, weil der Winter letztes Jahr ein milder war, heißt das noch lange nicht, dass der diesjährige erneut mild wird. Trotzdem auf Winterreifen verzichten? Selbstverständlich kommt man mit einem Allradauto auf Schnee trotz Sommerreifen meist gut voran. Aber was macht man, wenn bei Schnee und Matsch der winterbereifte Vordermann plötzlich bremst? Da reicht dann oft der größte Sicherheitsabstand nicht, und es kommt fast unweigerlich zum Auffahrunfall. Und was sagt der Gesetzgeber? Nein, es gibt in Wahrheit keine gesetzliche Pflicht zur Montage von Winterreifen. Der Gesetzgeber spricht von "geeigneter Bereifung". Das lässt Spielraum zur Interpretation. Bußgeld gibt es nur, wenn wegen nicht "geeigneter Bereifung" andere Verkehrsteilnehmer behindert oder gar gefährdet werden. Bei trockener und nasser Fahrbahn kann man also von niemandem belangt werden, wenn man im Dezember auf Sommerreifen unterwegs ist. Auch nicht, wenn es zum Unfall kommt. Aber was gilt bei Schnee? Dazu gibt es noch keine klärenden Worten der deutschen Gerichte, der letzte Winter war zu warm. Kühle Naturen warten deshalb zurzeit einfach ab. Wer lieber auf Nummer sicher gehen will, montiert Winterreifen, egal was Gesetzgeber oder Richter sagen.

Im Vergleich: acht Winterreifen der Dimension 255/55 R 18

Traktion: Alle acht Winterreifen liegen bei der Zugkraft auf einem hohen Niveau.

Nachdem beim letztjährigen Test die Winterreifen für die leichteren, kompakten Allradler zum Zug kamen, luden wir dieses Mal wieder die großen Reifen für die schweren Autos zum Vergleichstest auf. Ein VW Touareg mit seinen gut 2,3 Tonnen Leergewicht kam uns da gerade recht. Auf acht Winterreifen der Dimension 255/55 R 18 fiel die Wahl. Die Teilnehmer kamen aus Deutschland (Continental), Japan (Bridgestone und Dunlop), den USA (Goodyear), Italien (Pirelli), Frankreich (Michelin) und Finnland (Nokian), dazu lief im Test ein besonders preisgünstiger Reifen der slowakischen Marke Matador. Außer Konkurrenz musste auch noch ein reiner Sommerreifen der gleichen Dimension in die Kälte. Er sollte verdeutlichen, was genau passiert, wenn man versucht, sich auf Sommerreifen durch die Winterzeit zu mogeln. Die Wahl fiel hier auf den aktuellen Continental CrossContact UHP. Dabei ergab sich bei den Fahrversuchen und Messungen eine Überraschung: Beim Bremsen auf Schnee erzielt der sommerbereifte Touareg mit seinem hohen Eigengewicht noch eine halbwegs akzeptable Bremsleistung. Nach 24 Metern steht der Touareg aus Tempo 50 auf Schnee.

Slalom: Mit dem Sommerreifen wird Kurvenfahren auf Schnee zum Eiertanz.

Die besten Winterreifen aber schaffen es unter 21 Meter, der Matador als Schlusslicht bei den Winterreifen braucht 22 Meter. Dagegen wurde es bei jeder Art von Kurvenfahrt dramatisch. Mit den Sommerreifen schiebt der schwere Geländewagen auf Schnee stur geradeaus. Jede Biegung muss im Schneckentempo genommen werden, sonst verlässt das Fahrzeug unweigerlich die Fahrbahn und landet im Graben oder an der Leitplanke. Selbst die beiden Winterreifen mit der geringsten Seitenführung, Bridgestone und Matador, spuren auf der Schneefahrbahn um Welten sicherer als der Sommerreifen. Die Spitzenreiter, der erst in den nächsten Wochen voll lieferbare Dunlop, der Pirelli und vor allem der Goodyear legen noch einmal ein ordentliches Sicherheitsplus obendrauf. Doch besteht winterliches Autofahren nicht nur aus Schnee und Matsch, sondern sehr oft aus tage- oder gar wochenlang nassen Fahrbahnen. Und hier — das muss man zugeben — haben wieder diejenigen Oberwasser, die doch mit den Sommerreifen unterwegs sind.

Bei Nässe bremst der Sommerreifen seinen Winterkollegen aus

Denn in sämtlichen Nassdisziplinen liegt der Sommerreifen auf einem der vordersten Plätze, auch bei kühler Witterung. Am deutlichsten wird das in nassen Kurven, wo der Sommerreifen erheblich mehr Sicherheitsreserven bietet als sämtliche getesteten Winterreifen. Gerade hier und beim Bremsen auf Nässe zeigen einige Winterreifen echte Schwächen. Vor allem der Billigpneu von Matador bezieht auf Nässe Extrempositionen. Bestnoten erzielt der Slowake beim Aquaplaning, weil er das Wasser hervorragend ableitet. Dagegen ist er Träger der roten Laterne, wenn es ums Kurvenfahren und Bremsen auf Nässe geht. Mit dem etwas schwammigen Lenkgefühl kann man sich noch arrangieren, aber die Bodenhaftung ist bei Nässe einfach zu gering, was zu langen Bremswegen und deutlich verringerten Sicherheitsreserven in Kurven führt. Dass allerdings nicht nur ein preisgünstiger Reifen hier hinten liegt, beweist der Michelin. Der teure Franzose missfällt zum einen mit der höchsten Aquaplaningempfindlichkeit im Feld, zum anderen überrascht er mit vergleichsweise langen Bremswegen auf nasser Fahrbahn. Die 61,7 Meter aus Tempo 100 des Michelin werden nur noch vom Matador mit 64,3 Metern überboten.

Hie geht es zum Goodyear-Winterfit-Spezial

Der bleischwere Touareg bremst mit dem Sommerreifen weit besser als erwartet.

Der Goodyear als bester Nassbremser bringt das Auto gegenüber dem Matador mehr als zehn Meter früher zum Stehen. Dafür überstand der Michelin die Stapazen des Tests mit bemerkenswert geringem Verschleiß. Dies und der zudem herausragend geringe Rollwiderstand, der den Treibstoffverbrauch zu reduzieren vermag, relativieren seinen auf den ersten Blick hohen Preis. Denn was hilft ein niedriger Reifenpreis, wenn später beim Verbrauch draufgezahlt werden muss und wegen hohem Verschleiß frühzeitig neue Reifen gekauft werden müssen, was wiederum zusätzliche Montagekosten verursacht? In allen Trockendisziplinen zeigt der Sommerreifen seinen Winterkollegen endgültig ihre Grenzen auf, auch bei kühlen Außentemperaturen. Sicher, Winterreifen haben beim Trockenfahrverhalten in den letzten Jahren bedeutende Fortschritte gemacht. Sie fahren sich ausgewogen und unkritisch. Das beweisen auch die gemessenen Rundenzeiten auf dem trockenen Handlingkurs. Alle erreichen hier die Note 2, also ein Gut. Ausnahme: Das schwammigere Lenkverhalten des Matador bringt Punktabzug und somit nur ein Befriedigend.

Beim Kurven-Aquaplaning mischt der Matador ganz vorn mit, kann den Sommerreifen sogar übertreffen.

Dass der Sommerreifen hier dennoch letztlich eindeutig überlegen ist, zeigen die drastischen Unterschiede bei den Bremsversuchen auf trockenem Asphalt. Mit dem Sommerreifen steht der zuvor 100 km/h schnelle VW Touareg bereits nach nur 37,2 Metern. Selbst die drei besten Winterreifen in dieser Disziplin benötigen schon satte sechs Meter mehr, um den schweren Geländewagen zum Stillstand zu bringen. Pirelli, Goodyear und Michelin brauchen zwischen 43,6 und 43,8 Meter — respektabel für Winterreifen, aber eben bei weitem unter dem Niveau eines guten Sommerreifens. Die anderen Winterreifen fordern bei den Bremsversuchen noch längere Anhaltewege. Die Schlusslichter bilden der Bridgestone mit 45,8 Metern und — erschreckend — der Matador mit viel zu langen 48,8 Metern. Das sind bereits bei Tempo 100 über elf Meter mehr, als der Sommerreifen benötigt. Solche Unterschiede entscheiden bei einer zu spät eingeleiteten Vollbremsung am Stauende über Totalschaden oder Stoßfängerreparatur.

Fazit von Martin Braun, Dierk Möller-Sonntag und Henning Klipp

Vorbildlich: Dunlop, Goodyear und Continental schnitten am besten ab.

Bei winterlichen Straßenverhältnissen zeigen alle getesteten Winterreifen gute bis sehr gute Leistungen. Nur Bridgestone und der preiswerte Matador hinken hier ein wenig hinterher. Diese Rangfolge zieht sich auch durch andere Disziplinen, wie die Fahrversuche bei Nässe und Trockenheit beweisen. Beim Matador führen diese Schwächen sogar zum Prädikat "Nicht empfehlenswert". Insgesamt ist das Niveau der Winterreifen aber hoch, sodass Dunlop, Goodyear und Continental ein "Vorbildlich" erhalten konnten. Der mitgetestete Sommerreifen zeigte: Bei Nässe und Trockenheit ist er der Beste, bei der Seitenführung auf Schnee versagt er.

Wie die Reifen im Einzelnen abgeschnitten haben, erfahren Sie oben in der Bildergalerie. Den kompletten Reifenest mit ausführlichen Wertungstabellen können Sie sich bequem als PDF herunterladen.

Reifentest intern

Glück gehabt. Auch bei unserem diesjährigen Winterreifentest spielte Petrus mit. Es gab ausreichend Schnee bei typischen Wintertemperaturen — und dazu Sonnenschein. Aber nicht in Deutschland, sondern im hohen Norden. Wir schleppten Ausrüstung, Versuchsfahrzeug und viele, viele Reifen nach Nordschweden. Ziel war das Pirelli-Versuchsgelände im verschlafenen Ort Älvsbyn am eisigen Fluß Piteälven. Die Nass- und Trockentests fanden auf dem bewährten Contidrom in Hannover statt. Nachdem letztes Jahr die Winterreifen für leichtere Allradler getestet wurden, war diesmal ein Schwergewicht gefragt. Der VW Touareg war dafür ideal.

Autoren: Martin Braun, Dierk Möller-Sonntag, Henning Klipp

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.