Tokyo Motor Show 2011: Skurrilitäten

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Tokyo Motor Show 2011: Skurrilitäten

— 01.12.2011

Abgedrehte Autowelt

Streng organisiert sind sie, die Japaner. Und diszipliniert. Im Grunde ihres Herzens aber auch immer verspielt. Das zeigt sich auf der Tokyo Motor Show an den Ständen abseits der großen Hersteller.

Tokyo Motor Show, das ist ein Kulturschock. Für alle Seiten. Hier die jederzeit um Ordnung, Disziplin und Organisation bemühten Japaner, dort die ewig neugierigen Langnasen, die sich nicht um Foto-Slots, Zeitpläne und minutiös ausgearbeitete Gesprächsleitfäden scheren. Spontaneität ist den Jungs und Mädels an den Messe-Absperrbändern fremd. Nicht aber den Menschen hinter den Produkten. Die sind kaum zu bremsen, vor allem dann nicht, wenn es um Technologie und verspielte Details geht. Um davon etwas mitzubekommen, muss man sich auf der Tokyo Motor Show etwas abseits der Besucherströme bewegen. Im Schatten der großen Konzerne zeigen kleine Firmen, Entwickler und Zulieferer Ab-, Um- und  Aufgedrehtes. Ganz wichtig: Bunt muss es sein.

Alle Neuheiten auf der Tokyo Motor Show 2011

Suzuki Q-Concept: Sieht aus wie die Kreuzung einer Orange mit einem E-Motor.

So wie Suzukis Q-Concept: Das sieht aus, als wäre es das Ergebnis einer kurzen Liebesnacht zwischen einer Orange und einem Elektromotor. Die 2,5 Meter kurze Studie zeigt den Einwohnern der Megacity, wie dereinst ihre Mobilität aussehen könnte. Elektrisch natürlich. Aber auch flexibel und komfortabel. Je nach Bestellung sitzen Fahrer und Beifahrer im Q-concept hintereinander. Wer mit Kindern unterwegs ist, ordert zwei kleine Plätze im Fond. Der Rest ist wildes Auto-Design. Vorne rund und knubbelig, hinten markant und bissig. Aber lustig. Fand auch Osamu Suzuki, der große alte Mann hinter der Marke, der trotz seiner 72 Jahre lässig auf den Rücksitz des Suzuki kletterte. Spontan natürlich. Was den Aufpassern rundherum die Schweißperlen auf die Stirn trieb.

Messerundgang: Die Highlights der Tokyo Motor Show

Repräsentativ: Der FS Hybrid Concept richtet sich an betuchte Kunden.

Sichtlich ins Schwitzen kam auch der Kollege auf dem Stand von Kanto Auto Works, einer bei uns praktisch unbekannten Toyota-Tochter, die vor allem Kleinserien-Fahrzeuge wie das Toyota-Flaggschiff Century V12 baut. Auf der Tokyo Motor Show zeigt Kanto neben diversen getunten Aqua-Modellen auch den prächtigen FS Hybrid Concept. FS steht für "Flagship Sedan", soll also ganz offensichtlich den Schönen und Reichen gefallen. "Ja, die Fond-Tür könne man öffnen", bestätigte der Hüter des FS auf Nachfrage. Die Cockpit-Tür leider nicht. Und natürlich sei es ganz und gar undenkbar, Details über Antriebstechnik oder technische Daten zu erfahren. Man sei aber besonders stolz auf den handgewebten und mit reichlich Ornamenten verzierten cremefarbenen Stoff der Rücksitze! Ganz entzückend!

Zum Glück gibt's im Obergeschoss der sogenannten "West Hall" auch deutlich auskunftsfreudigere Unternehmen. Die Firma Kowa-tmsuk zum Beispiel. Das Joint-Venture aus einem Roboter-Hersteller und einem Misch-Konzern sucht in Tokio Partner für den Bau der Kobot-Familie. Die fährt natürlich elektrisch und sprengt vor allem als Einsitzer jeglichen automobilen Rahmen. Die winzigen Dreiräder (rot für Jungs, grün für Mädchen) sehen so aus, als hätte BRP vergessen, einen Can-Am Spyder fertig zu bauen. Gelenkt wird mit dem um 360 Grad drehbaren kleinen Hinterrad, was den Kobots zu einer erstaunlichen Wendigkeit verhilft. Lenkhorn einschlagen, "Gas" geben, schon dreht sich das Ding wie ein Brummkreisel um die eigene Achse.

Am entspannten Geradeauslauf arbeite man noch, erzählt der Pressesprecher. Das kriege man aber bis zum geplanten Marktstart 2012 sicher noch in den Griff. Für eine kurze Tour über den Messestand hat's gereicht. Fährt sich ein bisschen wie ein Gabelstapler und macht einen Heidenspaß. Bis zu 40 km/h schnell sollen die Serienmodelle sein, die Lithium-Ionen-Akkus brauchen laut Kowa-tmsuk nur zwei Stunden, um sich an einer regulären Steckdose zu regenerieren. Reichweite? So um die 30 Kilometer. Netter Gag fürs Parken: Per Handy-Befehl schiebt sich der Kobot zusammen und braucht so nur etwas über einen Meter Parkraum.

Überblick: Alle News und Tests zu Mitsubishi

Für die kleine Messepause zwischendurch: Mitsubishi macht den MiEV zum Café.

Dehydriert vom Kobot-Kreiseln? Kein Problem, dafür gibt's das MiEV-Café bei Mitsubishi. Den Strom für Licht, Kühlschrank und Kaffeemaschine liefert ein Minicab MiEV, die Lieferwagen-Ausgabe des Elektro-Eis iMiEV. Die Idee, den Akku des Elektro-Vans als fahrenden Stromspender zu nutzen, wurde kurz nach dem verheerenden Erdbeben und dem Tsunami in Japan geboren, als die Infrastruktur in den betroffenen Gebieten zusammenbrach. Entsprechend ausgestattete Elektro-Mobile hätten dort Strom für Handy-Funkzellen, Kühlgeräte oder Straßenbeleuchtung liefern können. Das soll in Zukunft genau so passieren. Der passende Konverter (Gleichstrom aus dem Auto wird zu Wechselstrom umgewandelt) kommt nach der Messe in den Handel. Erfindungsreichtum Made in Japan. Herrlich!

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