VW Beetle und Käfer: Vergleich

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VW Beetle und Käfer: Vergleich

— 01.07.2011

Endlich eine runde Sache?

Der New Beetle ist tot, es lebe der noch neuere Beetle. Zur Feier hat AUTO BILD ein Treffen mit Opa arrangiert, Jahrgang 1951. Als der Beetle noch Käfer hieß.

"Frecher, dynamischer, maskuliner", steht im Pressetext zum Newest Beetle. Das Auto und die Prosa sind auf jugendlich gebürstet, stellenweise bemüht. Genau wie die Reverenzen an das Original, als der Beetle noch Käfer hieß. Aber in Verkennung der Tatsachen. Denn damals hätten sie zum Käfer "wirtschaftlicher, zuverlässiger, tüchtiger" getextet. Und die Werbung lockte mit Sprüchen wie: "Da weiß man, was man hat", oder: "Es gibt noch Dinge, auf die man sich verlassen kann." Das war es, was beim großen Vorbild zählte. Maskulin? War man ja selbst. Frech? Nachbars Kinder, vielleicht. Und wer Dynamik suchte, fuhr mit der Achterbahn. Aber natürlich wissen wir: Wenn so ein moderner Beetle eines auf keinen Fall sein will, dann ein echter Käfer. Dieses Krabbeltier mit dem luftgekühlten Boxer im Heck. Das lehrte uns schon der letzte New Beetle von 1998, ein getarnter VW Golf.

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Video: VW New Beetle 2011

Der neue Beetle kommt

Hier geht es nur ums Image, um die Verklärung des Alten, allenfalls also um die Anmutung. So gesehen beeindruckt es uns auch kaum, dass die zweite Auflage dieses Retroautos nun rundum besser sein soll. Die entscheidenden Fragen lauten: Ist sie auch cooler? Potenziell kultiger? Womöglich auch ein bisschen beetliger? Die Grundlinie markiert für uns der Jahrgang 1951, ein rüstiger Sechziger. Noch ganz dicht am Urkäfer von 1938 und hinten mit Brezelfenster. Kugelrund ist er, schmucklos in düsterem Rotbraun gemahnt er an die Entbehrungen der Nachkriegszeit. Cool war er nur im Winter, wenn sich der Permafrost innen an die Scheiben krallte. Und vom Kult hatten die Leute damals die Nase voll.

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Der Beetle ist so lang, wie zu Zeiten des Käfers ein ausgewachsener Opel Rekord und breiter als ein staatstragender Mercedes 300.

Was wäre gewesen, wenn ihnen einer den Beetle des Jahres 2011 danebengestellt hätte? Sie hätten ihn erkannt, den entfernten Verwandten, keine Frage. Aber dann hätten sie sich einliefern lassen. Allein schon die Dimensionen. Die Kotflügel, der Buckel, ja, das trägt die Züge des Käfers, aber sonst? Ein Zerrspiegel? Saß ein Elefant drauf? 21 Zentimeter länger ist der Neue, 27 breiter und sechs niedriger, mit anderen Worten: lang wie seinerzeit ein ausgewachsener Opel Rekord und breiter als ein staatstragender Mercedes 300. Erheblich größer übrigens auch als der alte New Beetle, der 15 Zentimeter kürzer und acht schmaler ausfiel. Und dann die Proportionen: irgendwie verschoben, mit langer Front und flachem Dach, mehr Sportwagen als Volkswagen. "Eine Hommage an das Design der automobilen Keimzelle des ganzen Konzerns", schwurbelt dazu der Pressetext. Viel Zeitgeist gewürzt mit ein wenig Käfer also.

Gelingt ihm diese Mischung überzeugender als seinem unmittelbaren Vorgänger? Klare Antwort: Geschmackssache. Was den Respekt der Straße angeht, macht er viel Boden gut. So breitbeinig und geduckt, wie er dasteht, erinnert er aus manchen Perspektiven eher an ein US-Hotrod als an einen Käfer. Er wirkt hochwertiger, mit der steileren, nach hinten gerückten Frontscheibe normaler, verschärft den Ausstattungsluxus und bietet mehr Kofferraum. Und weil ein Golf VI und kein Golf IV daruntersteckt, kann er auch entsprechend mehr. Unser Top-Beetle in Sportversion mit 200-PS-Turbomotor fühlt sich an wie ein Golf GTI, nur coupémäßiger. Und natürlich gibt es auch vernünftigere Versionen. Etwa den 1.2 TSI mit 105 PS ab 16.950 Euro. Zugleich gibt er sich sehr erwachsen, ernsthafter als zuvor. Das Augenzwinkern des ersten New Beetle fehlt, dessen Witz hat ausgedient, mitsamt Blumenvase und Back-to-Basics-Cockpit.

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Und wie war es damals, als der Käfer das Laufen lernte? Für Humor war seinerzeit im Auto kein Platz, verständlich, man hatte andere Sorgen. Aber den Respekt der Straße genossen auch die Käfer-Fahrer der ersten Jahre, denn sie fuhren den Traumwagen der noch spärlich motorisierten Mehrheit. Statt im Regen an der Haltestelle zu stehen oder auf dem Motorrad zu bibbern, bewegten sie sich mit bis zu 105 Sachen in einer (spärlich) beheizten, behaglich mit Stoff ausgeschlagenen Privatkapsel – erschwinglich, aber nicht behelfsmäßig, alltags-, reise-, ja, sogar großglocknertauglich, denn im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen erklomm ein luftgekühlter Käfer Berge, ohne zu kochen.

Performance anno dazumal: Im Heck hustet sich der Vierzylinder wach, das Kühlgebläse jault. Dann robben wir mit 25 PS durch die vier Gänge.

Das war damals so viel wert wie heute 100 Mehr-PS. Und entsprechend sollte der Käfer-Novize seinen Horizont anpassen, wenn er im Uralt-Käfer Platz nimmt und den Boxermotor zündet. Fenster wie Butzenscheiben, die Frontscheibe dicht vor der Nase, aber die Sitze schon "während der Fahrt verstellbar", wie der Prospekt freudig verkündete. Na bitte. Im Heck hustet sich der Vierzylinder wach, das Kühlgebläse jault. Dann robben wir mit 25 PS durch die vier Gänge, schnell genug, denn die Lenkung verfügt beim 51er Jahrgang über die Präzision eines Schiffsruders, der Geradeauslauf auf alten Diagonalreifen gleicht einer Stubenfliege, und beim Kurvenfahren pendelt das Heck auf der Pendelachse. Bremsen bedeutet automatisches Abbiegen in unterschiedliche Richtungen. Gemeinsamkeiten mit dem jugendlichen Nachfahren? Ja, die gibt es – das bescheidene Platzangebot im Fond (typisch Käfer), die schlechte Übersichtlichkeit (ebenfalls klassisch) und der Startknopf (damals schon veraltet, heute wieder modern). Und sind wir ehrlich: Noch mehr Käfer, das wäre uns heute dann doch zu viel.

Technische Daten Volkswagen Export-Modell Vierzylinder-Boxermotor, luftgekühlt, hinten längs • zwei Ventile pro Zylinder • Hubraum 1131 cm3 • Leistung 18 kW (25 PS) bei 3300/min • max. Drehmoment 67 Nm bei 2000/min • Hinterradantrieb • Vierganggetriebe • Reifen 5.00-16 • L/B/H 4070/1540/1550 mm • Radstand 2400 mm • 0–100 km/h 50,0 s • Spitze 105 km/h • Tankinhalt 40 l • Verbrauch (Werksangabe) 7,5 l/100 km Normal • CO2 178 g/km • Preis (1951) 5400 Mark.
Technische Daten VW Beetle 2.0 TSI Vierzylinder, Turbo, vorn quer • vier Ventile pro Zylinder • Hubraum 1984 cm3 • Leistung 147 kW (200 PS) bei 5100/min • max. Drehmoment 280 Nm bei 1700/min • Vorderradantrieb • Sechsgang-DSG • Reifen 235/45 R 18 v./h. • L/B/H 4278/1808/1486 mm • Kofferraum 310–905 l • 0–100 km/h 7,5 s • Spitze 223 km/h • Tankinhalt 55 l • Verbrauch EU-Mix 7,7 l Super • CO2 179 g/km • Preis 27.100 Euro. Jetzt in AUTO BILD 26/2011: Test VW Golf Cabrio 1.2 TSI – reichen 105 PS für das Frischluft-Vergnügen?
Wolfgang König

Wolfgang König

Fazit

Mal so gefragt: Warum überhaupt dem Käfer nacheifern? Ich selbst war heilfroh, als meine Käferzeit vorbei war: Endlich ein richtiges Auto fahren – alles, was danach kam, war eine Offenbarung. Die Gründe für die Beetle-Renaissance finden sich am leichtesten in den USA. Da war der Krummbuckel von Anfang an mehr Kult als Notwendigkeit. Weil er unverwüstlich war, und weil er so komisch aussah. Dort dürfte der Beetle wie schon seine Vorgänger auf fruchtbaren Boden fallen. Bei uns? Er wird sicher neue Fans finden. Schließlich ist er nun ein richtiges Auto. Ein richtig gutes sogar.

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