VW Golf IV (1997-2003)

Gebrauchtwagen VW Golf IV Gebrauchtwagen VW Golf IV

VW Golf IV (1997-2003)

— 25.02.2002

Was taugt der Vierer nach vier Jahren?

Nach vier Jahren startet der Golf seine zweite Karriere - als Gebrauchtwagen. So solide wie seine Vorgänger ist der Klassiker aber nicht immer.

Karosserie und Verarbeitung

Was nichts kostet, ist auch nichts wert, so eine Binsenweisheit. Wer diese Einstellung pflegt, ist reif für den Golf. Um den Bestseller aus erster Hand zu kaufen, muss die zweite tief in die Tasche greifen: Ein 90 PS starker TDI Trendline aus Baujahr 98 steht heute mit stolzen 22.200 Mark in der Liste und verlor nur 38 Prozent des Neupreises. Größer ist der Wertverlust, wenn der Golf mit Extras aufgerüstet wurde: Klimaanlage und Zentralverriegelung sind für Gebrauchtwagenkäufer einfach eine Selbstverständlichkeit, die sie finanziell selten belohnen. Ohne diese wichtigen Basics haben es Verkäufer schwer.

Dafür belohnt der TÜV den Golf, und zwar mit guten Zahlen. Drei Jahre scheinen kein Alter zu sein, Bremsen, Auspuff und Achsen zeigen sich meist von ihrer besten Seite. Doch es gibt auch Schatten: Die Scheinwerfer sehen gut aus, dem TÜV gefallen sie weniger. Er moniert die gut gestylten Lichtquellen, zu oft stimmt die Einstellung nicht. Pikantes Detail am Rande: Der Golf III kannte dieses Problem nicht, ein siebenjähriger Dreier schneidet beim Licht-Check besser ab als der drei Jahre alte Vierer. Der Scheinwerfer steht symbolisch für das ganze Auto. Er sieht einfach toll aus - und enttäuscht doch viele. Wer in den Golf einsteigt, will nicht mehr raus, so edel wirken seine Materialien - willkommen zu Hause.

Zu Recht werden manche Golfer sauer, wenn das blau beleuchtete Cockpit scheppert wie eine Babyrassel. Wenn dann auch noch der Dimmer für die Armaturenbeleuchtung aus seiner Halterung schlüpft und hinter der Cockpit-Kulisse baumelt, rufen Golf-Fahrer zum Generationskonflikt - und schreiben an den Kummerkasten. Inhalt: Klagen über wackelnde Sitze, launenhafte Zentralverriegelungen, streikende Fensterheber. Fazit: Der Bestseller enttäuscht seine Besitzer. Vielleicht, weil der Kompakte mit seinen präzisen Blechfugen, teuren Kunststoffen und dem tadellosen Ruf die Erwartungshaltung in den Himmel hebt. Da ärgert sich der Kunde über jede Kleinigkeit, was auch das solide Golf-Image verletzt.

Motor und Innenraum

Fakt ist, dass unzuverlässige Vierer eine absolute Ausnahme sind und bereits das Basismodell seit Einführung neben ABS und Airbags auch mit Seitenairbags um Sicherheit bemüht ist. Der Golf ist also ein heißer Tipp für Gebrauchtwagenkäufer, die gerne auf der sicheren Seite fahren. Allerdings sollten sie auf den Tachostand achten: Bei 60.000 Kilometern ist bei den beliebten Pumpe-Düse-Dieseln ein Zahnriementausch fällig. Ist dann auch noch eine Inspektion und eventuell eine erste Reparatur an den Bremsen notwendig, wechseln schnell mal 1700 Mark ihren Besitzer. Kluge Erstbesitzer wissen das - und lassen diese Investitionen dem Gebrauchtwagenkäufer.

Bei der Probefahrt sollte sich das Getriebe klaglos schalten lassen. Schon im AUTO-BILD-Dauertest von 2001 bereitete die Schaltung unseres Testwagens Ärger. "Nur mit herzhaftem Nachtreten" war der Gangwechsel möglich, wie Kollege Wolfgang Blaube notierte. Nach Testende fanden wir einen Riss im Getriebegehäuse, der allerdings die Funktion nicht einschränkte. Die Schaltung der 1,4- und 1,6-Liter-Benziner früherer Baujahre sind generell etwas hakelig, ab Ende 2000 wurde das Schaltgestänge durch einen Seilzug ersetzt.

Eine weitere Modellpflege gab es im September 2000: Alle Modelle mit Euro-4-Motoren bekamen serienmäßig ESP mit in die Kurve. Nötig wäre es sicher nicht unbedingt gewesen. Ein Golf liegt auch ohne ESP satt in der Kurve. Doch genauso sicher werden Gebrauchtwagenkäufer in Zukunft danach fragen. Denn anspruchslos ist die Generation Golf nicht. Und das braucht sie bei diesen stolzen Preisen auch nicht zu sein.

Historie, Schwächen, Kosten

Modellgeschichte 9/97 Vorstellung des Golf IV mit Benzinmotoren von 1,4 bis 2,3 Liter (75 bis 150 PS) und drei 1,9-Liter-Dieselmotoren (68 bis 110 PS) 3/99 Debüt Golf Variant. Neuer 2,0-Liter-Benziner (115 PS) schafft als erstes Triebwerk die Abgasnorm Euro 4 4/99 Neuer Pumpe-Düse-Diesel (115 PS) mit Sechsganggetriebe und serienmäßiger Antriebsschlupfregelung. 1,8-Liter-Benziner (125 PS) entfällt 9/99 ESP serienmäßig bei allen Modellen, die Euro 4 erfüllen

Schwachstellen • Verarbeitung: Das nervt viele Golf-Besitzer, irgendwas klappert, wackelt und scheppert immer • Elektrik: Fensterheber, Zentralverriegelung oder Bordcomputer schickten schon so manchen Golf an die Box • Scheinwerfer: Werden vom TÜV immer wieder moniert, meist liegt es an der Einstellung der Lichtquellen. Das Getriebe hat vor allem mit drehmomentstarken Motoren Probleme, ist oft Grund für Kritik • Zahnriemen: Wird er nicht nach der vom Hersteller vorgesehenen Kilometerleistung getauscht, riskiert man einen teuren Motorschaden. Bei vielen Leser-Autos knacken die Türschlösser hörbar

Reparaturkosten Preise inklusive Lohn und Mehrwertsteuer am Beispiel Golf IV TDI, 66 kW/90 PS, Baujahr 98. Ein Golf kostet viel Geld, angenehm niedrig sind dafür die Ersatzteilpreise. Großzügig kalkuliert ist die Arbeitszeit: 1,3 Stunden für einen Scheinwerferaustausch!

Fazit und Modellempfehlung

Fazit "Nach drei Jahren zeigt der VW Golf auffallend oft Probleme an der Beleuchtungsanlage. Vorne und hinten liegen die Werte über dem Durchschnitt, der ältere Golf III schneidet in dieser Rubrik besser ab. Im grünen Bereich liegen die Zahlen für Vorder- und Hinterachse, Lenkungsspiel, Bremsen und Abgasanlage; hier unterbietet der Golf den gleichaltrigen Durchschnitt. Keine Klagen über Korrosion, hier liegt der Wert bei 0,0 Prozent." Werner Lyrmann, Gutachter TÜV Rheinland/Berlin-Brandenburg

Modellempfehlung Golf TDI (66 kW/90 PS)

Steuer/Schadstoffklasse: 513 Mark im Jahr/D3 Testverbrauch: Werksangabe 4,9 Liter, gemessen 6,3 Liter Versicherung: Vollkasko (15/1000 Mark SB): 1688 Mark. Teilkasko (30/300 Mark SB): 424 Mark. Haftpflicht (16): 1748 Mark (Basis: HUK-Jahrestarife für Regionalklasse Berlin, 100 Prozent) Inspektion/Kosten: 15.000 Kilometer, etwa 250 bis 500 Mark Wertverlust: Dreijährige verlieren rund 38 Prozent vom Neupreis (Händlerverkaufspreis), danach jährlich um 2000 Mark Verlust

Diesen Beitrag empfehlen

Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.