Müller soll VW aus dem Graben holen

VW-Konzern: Personalien

— 07.10.2015

Pötsch wird Aufsichtsratschef

Der VW-Aufsichtsrat hat Hans Dieter Pötsch wie erwartet zum Vorsitzenden gewählt. Weitere Personalentscheidungen werden erwartet.

• Bestätigt: Hans Dieter Pötsch ist Aufsichtsratschef
• Designierter Nordamerika-Chef Vahland verlässt den Konzern
• Oliver Blume wird Porsche-Chef
• "Manager Magazin": Ein Dutzend Mitarbeiter im Abgasskandal beurlaubt
Konzern-Chef Matthias Müller will Kernmarke VW mehr Verantwortung geben
• Insider: Entwicklungschefs Hackenberg, Neußer, Hatz von Aufgaben entbunden
• Michael Horn bleibt Präsident Volkswagen Group of America
• Bernhard Maier (Porsche Vertrieb/Marketing) wird neuer Skoda-Chef
• Hans Dieter Pötsch weiterhin designierter Aufsichtsratschef
• Müller: Werden im Konzern noch strengere Regeln einführen
• Francisco Javier Garcia Sanz bleibt Konzernvorstand Beschaffung
Amt des Produktionschefs im Konzernvorstand fällt weg
Luca de Meo wird neuer Vorsitzender des Vorstands von Seat, Jürgen Stackmann Vorstand Vertrieb und Marketing der Kernmarke VW

(mv/dpa/reu/cj) Hans Dieter Pötsch ist neuer Chefaufseher des krisengebeutelten Volkswagen-Konzerns. Der Aufsichtsrat wählte den bisherigen Finanzvorstand am Mittwoch, 7. Oktober 2015, wie erwartet zu seinem Vorsitzenden. Pötsch löst damit den seit Ende April übergangsweise amtierenden Berthold Huber ab. Der frühere IG-Metall-Chef hatte den Posten im Frühjahr vom zurückgetretenen VW-Patriarchen Ferdinand Piëch übernommen. Die Personalie war bis zuletzt umstritten, da Pötschs Rolle in der Abgas-Affäre aus Sicht von Skeptikern noch nicht zweifelsfrei geklärt ist. Sein Nachfolger als Finanzchef wird Frank Witter, vormals Vorstandsvorsitzender der VW Financial Services AG.

VW Dieselgate: Diese Modelle sind manipuliert

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"Es ist mir ein persönliches Anliegen, alles zu tun, damit die Vorgänge restlos aufgeklärt werden", sagte Pötsch mit Blick auf den Skandal um manipulierte Abgaswerte bei weltweit rund elf Millionen Dieselfahrzeugen, der Volkswagen seit Mitte September erschüttert. "Ich bin mir dieser Verantwortung bewusst. Ich will und ich werde meinen Beitrag leisten." Er sehe es als seine "Kernaufgabe" an, das Unternehmen in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

Abgasskandal bei VW: Fragen und Antworten

Worum geht's beim Abgasskandal?

Mitte September 2015 erhebt die US-Umweltbehörde EPA schwere Vorwürfe gegen Volkswagen. Zunächst heißt es, VW habe beim Motor EA 189 (1.2, 1.6 und 2.0 TDI) eine Software eingesetzt, die den Ausstoß schädlicher Abgase auf dem Prüfstand drosselt, im Normalbetrieb aber nicht. VW gibt das zu.

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Hier geht es zur Themenseite Abgasskandal

Das Amtsgericht Braunschweig hatte die Wahl von Pötsch erst am Mittwochmorgen durch einen Beschluss möglich gemacht. Das Gericht ernannte den 64-jährigen Österreicher auf Antrag des VW-Präsidiums zum Mitglied des Aufsichtsrats – befristet bis zur nächsten, noch nicht terminierten Hauptversammlung. Dort soll dann die offizielle Wahl von Pötsch durch die stimmberechtigten Anteilseigner nachgeholt werden.
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Designierter Nordamerika-Chef Vahland verlässt VW

Skoda-Chef Winfried Vahland übernimmt überraschend doch nicht die Leitung VW Nordamerika (USA/Mexiko/Kanada).

Der designierte Nordamerika-Chef Winfried Vahland wird dagegen völlig überraschend kurz vor seinem geplanten Amtsantritt den Konzern verlassen. Der bisherige Chef der VW-Tochter Skoda scheide wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Gestaltung der neuen Konzernregion aus, teilte Skoda mit. Auch persönliche Motive hätten eine Rolle gespielt, sagte eine Person aus seinem Umfeld der Nachrichtenagentur Reuters. Nach 25 Jahren bei dem Wolfsburger Autobauer wolle er sich anders orientieren. Das Geschäft in den USA, in dem der Abgasskandal begann, wird künftig mit Mexiko und Kanada in der Region Nordamerika zusammengefasst. Vahland hatte diesen Markt zusammen mit US-Chef Michael Horn wieder in die Spur bringen sollen.

"Spiegel": Dutzende Manager waren Mitwisser

Wie der "Spiegel" berichtet, wussten womöglich mehr als 30 VW-Manager von der Manipulation der Abgaswerte; sie sollen nun angeblich beurlaubt werden. Das Nachrichtenmagazin berief sich auf Ermittlungen der internen Revision sowie der extern zur Aufklärung hinzugezogenen US-Kanzlei Jones Day und zitierte eine nicht näher beschriebene Quelle, die mit der Aufklärung betraut sei. VW dementierte den Bericht umgehend: Die Zahl "entbehre jeglicher Grundlage". Nach früherem Kenntnisstand waren laut "Manager Magazin" wegen der Affäre um manipulierte Diesel-Abgaswerte "etwa ein Dutzend Mitarbeiter beurlaubt worden". Sie würden verdächtigt, "an Entwicklung und Einsatz der zur Manipulation von Abgaswerten genutzten Software beteiligt gewesen" oder zumindest "frühzeitig davon gewusst" zu haben.

Insider: Drei Entwicklungschefs beurlaubt

Laut Insiderberichten bereits beurlaubt: Entwicklungschefs Hackenberg, Neußer, Hatz (v.l.)

Unter den beurlaubten Mitarbeitern seien auch die Entwicklungschefs der Marken Audi, VW Pkw und Porsche, Ulrich Hackenberg, Heinz-Jakob Neußer und Wolfgang Hatz. Die Manager seien mittlerweile von ihren Aufgaben entbunden worden, sagten mehrere Insider der Nachrichtenagentur Reuters am 28. September 2015. Derzeit werde ermittelt, inwieweit die Manager in die Abgas-Manipulationen verwickelt seien. VW wollte sich mit Verweis auf arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen nicht zu den Suspendierungen äußern. Als Top-Kandidat für den Posten des neuen VW-Chefentwicklers komme laut "Spiegel Online" der aktuelle Skoda-Entwicklungsvorstand Frank Welsch ins Spiel. Außerdem im Rennen: Matthias Rabe (Entwicklungsvorstand Seat) und Eckhard Scholz (Vorstandsvorsitzender Volkswagen Nutzfahrzeuge).

Blume wird Porsche-Chef

Müller gibt ab: Oliver Blume (47, im Bild rechts) steht als neuer Porsche-Chef fest.

Seit 1. Oktober im Amt als Chef bei Porsche ist der bisherige Produktionsvorstand Oliver Blume. Der 47-Jährige folgte auf Matthias Müller, der als Folge des Dieselskandals nach dem Rücktritt Martin Winterkorns an die Spitze des Volkswagen-Konzerns gerückt war. Blume ist schon seit gut zwei Jahrzehnten im VW-Konzern tätig, 2013 kam er als Produktionsvorstand zu Porsche.

Das könnte der Abgasskandal VW weltweit kosten

Mögliche Strafen und Forderungen im Ausland

6,5 Milliarden Euro hat der VW-Konzern wegen des Abgasskandals ergebniswirksam zur Seite gelegt. Doch das wird bei weitem nicht reichen, das geben auch die VW-Verantwortlichen zu. Denn weltweit fordern neben Dieselfahrern auch Regierungen und Umweltbehörden rasche Aufklärung, sie haben eigene Abgasmessungen angeordnet und erste Klagen erhoben. Experten rechnen damit, dass die Affäre VW bis zu 50 Milliarden Euro kosten könnte. Hier lesen Sie, welche Länder aktuell Strafzahlungen und Erstattungen prüfen oder fordern.

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Mehr zum Thema: Blume wird Porsche-Chef

Kommunikationschef Grühsem geht, Bode übernimmt

Konzern-Kommunikationschef Stefan Grühsem (53) scheidet bei Volkswagen aus. Grühsem gilt als enger Vertrauter von Martin Winterkorn, der als Konzernchef zurückgetreten war. Sein Rücktritt wurde am 30. September 2015 bekannt gegeben. Nachfolger wird der bisherige Porsche-Sprecher Hans-Gerd Bode (54). Bode gilt wiederum als enger Vertrauter des neuen VW-Chefs Matthias Müller und war vor seinem Wechsel zu Porsche bereits als VW-Sprecher tätig. Es gilt als normal, dass neue Konzernchefs auch den Posten des obersten Kommunikationsberaters neu besetzen.

Außerdem teilte VW in einer Erklärung mit, das die erst vor wenigen Monaten berufene Julia Kuhn-Piëch ihr Aufsichtsratsmandat mit Wirkung zum 1. Oktober 2015 niedergelegt hat.

Das ist VW-Chef Matthias Müller

Konzernchef Müller will Kernmarke VW von der Leine lassen

Online-Voting

'Ist Matthias Müller der richtige VW-Chef?'

Der neue VW-Chef Matthias Müller will den einzelnen Teilen des vom Abgasskandal erschütterten Volkswagen-Konzerns mehr Verantwortung geben. Die Hauptmarke VW solle künftig genauso unabhängig vom Konzern agieren wie Audi und Porsche, sagte Müller seinem Redemanuskript zufolge am Abend 28. September bei einer internen Veranstaltung vor rund 1000 VW-Managern in Wolfsburg. "Für mich ist die neue K

onzernstruktur der erste Schritt und die Basis für eine Modernisierung von Volkswagen." Das gelte besonders für das Stammwerk in Wolfsburg, fügte der frühere Porsche-Chef hinzu. Wolfsburg ist mit rund 50.000 Beschäftigten in Produktion und Verwaltung der größte Standort des weltumspannenden Konzerns. Der Aufsichtsrat hatte Müller am 25. September 2015 zum Nachfolger für den im Abgasskandal zurückgetretenen Konzernchef Martin Winterkorn ernannt. Zugleich stellte das Gremium die Weichen für einen Konzernumbau. Dadurch solle die Marken mehr Verantwortung für Vertrieb und Produktion in den einzelnen Regionen bekommen. Die zwölf Marken des Konzerns sollen nach technischen Prinzipien in vier Gruppen gebündelt werden.

Baukastensystem spielt künftig noch größere Rolle

Bernhard Maier, bislang Vorstand für Vertrieb und Marketing der Porsche, übernimmt den Chefsessel bei Skoda.

Die Führungsstruktur soll sich auf Konzernebene noch konsequenter nach dem technischen Baukastensystem ausrichten. Je nach Fahrzeugsegment (Volumen-, Premium-, Sport- und Nutzfahrzeug) bekommt es "standardisierte technische Grundlagen". Für den Sportwagen- und den Mittelmotorbaukasten wird eine Porsche-Markengruppe mit Bentley und Bugatti geschaffen. Die Baukastenstrategie wird beim Vorstandsvorsitzenden des Konzerns "noch enger geführt", dafür soll ein eigener Bereich geschaffen werden. Die Audi-Markengruppe mit Lamborghini und Ducati bleibt bestehen, ebenso die Nutzfahrzeug-Holding sowie die Bereiche Power Engineering und Financial Services. Die Marken Volkswagen, Seat und Skoda sollen jeweils durch einen Konzernvorstand vertreten werden.

Nach Abgasskandal: "Langer Weg und viel harte Arbeit"

Zugleich treibt Müller die Aufklärung des Abgasskandals voran. Die amerikanische Großkanzlei Jones Day sei beauftragt und werde in Kürze mit der externen Untersuchung beginnen. "Vor uns liegen ein langer Weg und viel harte Arbeit." Dabei sei Sorgfalt noch wichtiger als Geschwindigkeit. Müller sagte zudem, der Konzern stehe bei der Aufklärung des Abgasskandals nicht allein. Die Familien Porsche und Piech als Großaktionäre sowie das Land Niedersachsen stünden zu Volkswagen.
Abgasskandal bei Volkswagen: Was VW-Diesel-Fahrer wissen sollten

VW hat keinen Produktions-Chef mehr

Dem neuen Volkswagen-Konzernchef Matthias Müller soll künftig kein eigener Produktionsvorstand mehr zur Seite stehen. "Das ist eine Konsequenz aus der Verlagerung von Verantwortung in die Marken und Regionen", teilte VW mit. Das Ressort, das bislang vom Produktionschef der Pkw-Kernmarke kommissarisch geleitet wurde, entfalle mit sofortiger Wirkung. Christian Klingler (47), Mitglied des Vorstands der VW Aktiengesellschaft für Vertrieb und Marketing sowie Markenvorstand Volkswagen für Vertrieb und Marketing, verlässt das Unternehmen mit sofortiger Wirkung. Die Funktion von Klingler als Markenvorstand Volkswagen übernimmt Jürgen Stackmann (54), bislang Vorsitzender des Vorstands von Seat. Dort folgt ihm Luca de Meo (48) nach, bislang Mitglied des Vorstands für Marketing und Vertrieb der Audi AG.

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